Vor 2 Stunden
Broensen schrieb:Interessante Feststellung, aber das ist doch die einzige logische Erklärung, abseits des von dir sicher zurecht implizierten Lobbyismus, die eine kurzfristige A-200-Beschaffung rechtfertigt.
Zitat:Für mich ist da kein Widerspruch erkennbar, wenn man klar auseinander hält, wer hier welche Rolle spielt. Diejenigen, die eine A-200 befürworten, sind nicht diejenigen, die sie nutzen müssten, während diese wiederum nicht bei der NATO Kapazitätszusagen treffen.Mhh, rein prinzipiell ja. Sofern hier der übliche Beschaffungsweg gegangen worden wäre, würde ich dem vermutlich sogar zustimmen. Der Haken liegt für mich aber in der Tatsache, dass das BMVg eine solche Beschaffung anfangs verneint hat und sich nun dagegen wehrt.
Dass im Endeffekt eine Menge Lobbyismus und andere politische Aspekte hineinspielen, ist natürlich richtig und sicher auch relevanter als dieser tatsächliche Erklärungsversuch. Da bin ich grundsätzlich deiner Meinung. Ich versuche nur auch, die vermeintlichen Argumente ernst zu nehmen.
Es könnte ja prinzipiell durchaus sein, dass man hier konkret beschafft, weil man "neue ASW-Fregatten" möchte. Abgesehen davon, dass es so nicht kommuniziert wird aber es könnte ja theoretisch sein. Dann ist die Frage aber, warum diese Beschaffung erst jetzt geschieht. Die Presse weiß seit Oktober 2024 von den Verspätungen der F126 und die Hiobsbotschaft der 48x Monate wurde glaube ich irgendwann im Januar/Februar 2025 öffentlich kommuniziert.
Marine und BMVg werden vermutlich bereits vor Neujahr 2025 davon gewusst haben. Warum sollte man dann bis Januar 2026 mit einer Alternativbeschaffung warten? Und sich dann unter persönlichem Einsatz des Verteidigungsministers persönlich dagegen sträuben? Die F126 ist ja nicht sein Baby, Vertragsschluss für diese Schiffe erfolgte ganze 3 Jahre bevor Pistorius Verteidigungsminister wurde. Heißt man kann hier auch nicht wirklich davon sprechen, dass er sein Gesicht damit retten wollen würde, wenn überhaupt schadet ihm diese Aktion.
Also ich glaube von der Ministerienseite kann man einen Beschaffungswunsch hier mehr oder weniger ausschließen.
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Man kann mMn durchaus darüber diskutieren, ob die A-200 rein fähigkeitstechnisch in die DM passt. Die Beschaffungshistorie sagt ja nicht zwingend etwas über die Schiffe selber aus. Das ist mMn aber eine andere Diskussion, die sich auch auf einer anderen Ebene bewegt. Darin liegen nach meinen Beobachtungen auch der Großteil der Pro-Argumente die für diese Eineiten gebracht werden.
Zitat:Ja, das tut es, deshalb predigen wir beide hier ja auch die Verbandsflugabwehrlücke, aber diesen Widerspruch sehen halt die meisten so nicht. Was mMn an der simplen Kausalkette liegt, dass die verspätete F126 ja die F123 ersetzen soll(te). Also wird eine Interimslösung für diese Verspätung ebenfalls als Ablösung der F123 betrachtet, obwohl diese jetzt sinnvollerweise nochmal modernisiert wird, weswegen die F126-Verspätung dahingehend längst als kompensiert zu betrachten sein sollte. Es sein denn, man geht davon aus, dass die F123B trotz Modernisierung 2029ff. außer Dienst gehen muss.Genau das ist auch einer der Gründe, warum ich so stark zu der Lobbyismus-Theorie tendiere.
Wenn wir jetzt in einer Röhn-Situation wären, wäre das alles nachvollziehbar. Wenn die F123 so alt wäre, dass man meinen könnte, das Schiff im Dock sei nicht die Schleswig-Holstein sondern HMS Daring und sei auch genauso (nicht)verfügbar, geschenkt. Dann würde ich mir zwar fragen, warum man einen Ersatz so lange verpennt hatte, aber das würde der Marine zumindest wieder ähnlich sehen.
Aber das ist ja anscheinend nicht der Fall, sonst würden die Fregatten kein facelift erhalten. Als ob die Marine jetzt hunderte Millionen Euro investiert nur um diese Schiffe dann sobald sie aus dem Dock sind unverzüglich außer Dienst zu stellen?
Daher wird genau das der Fall sein, was du angerissen hast. Die F126 ist verspätet, TKMS hat ein paar Fäden gezogen, das Alternativprodukt sieht mit viel Fantasie ungefähr so aus wie die F123B, die die F126 ja ablösen soll und der Rest ist Geschichte. Dass die F126 eigentlich ein direkter Ersatz der F123B sein sollte und soweit ich weiß auch nicht parallel mit dieser zusammen unterhalten werden sollte, dass werden die daran beteiligten gar nicht erst wissen. Beim Interview mit Wagner hätte ich teilweise heulen können und er nennt sich selbst Experte, da gibts also noch eine Stufe darunter.

Zitat:Ich auch. Gut möglich, dass man erkennt, dass hier Unmengen von Rüstungsausgaben getätigt werden, bei denen man sich jetzt entscheiden kann, ob man davon gar nichts haben will oder wenigstens eine irgendwie brauchbare Schiffsklasse. Dafür spricht für mich die Zahl von vier Schiffen.Ich kann das aktuell nicht abschätzen.
Gewissheit werden vermutlich erst dann haben, wenn die Gespräche mit NVL/Rheinmetall abgeschlossen sind.
