Sicherung des Seeverkehrs im Nahen und Mittleren Osten
#24
Ich bin mir nicht sicher, ob es - ohne ein Abkommen mit dem Iran - gelingen wird, die Straße von Hormus wieder gefahrlos und ohne Bedrohungslage passierbar zu machen.
Das sieht derzeit nicht gut aus:
Zitat:15.03.2026 – 02:02 Uhr

Trump: Nicht bereit für Abkommen mit dem Iran

US-Präsident Donald Trump ist nach eigenen Worten derzeit nicht bereit für ein Abkommen zur Beendigung des Krieges mit dem Iran. „Der Iran will ein Abkommen schließen, und ich will es nicht schließen, weil die Bedingungen noch nicht gut genug sind“, zitierte ihn der Sender NBC News. Auf die Frage des Senders, wie die Bedingungen für ein Abkommen zur Beendigung des Krieges aussehen müssten, habe Trump am Telefon erwidert: „Das möchte ich Ihnen nicht sagen.“ ...
Trump bestätigt damit also, dass seine (welche?) Kriegsziele noch nicht erreicht sind. Sonst wären die "Bedingungen für ein Abkommen wohl ausreichend" - und der Iran hat ja schon vorher erklärt, dass er nicht daran denkt, die Straße passierbar zu halten, solange das Land von Israel und den USA weiter bombardiert wird.
Die Schiffspassage durch die Straße von Hormus ist also weiterhin bedroht.
Mit den Auswirkungen auf die Versorgung mit fossilen Energieträgern befasst sich die Wirtschaftswoche:
Zitat:Wie schlimm wird diese Ölkrise noch?
Im Flaschenhals der Straße von Hormus droht die Weltkonjunktur zu ersticken.
Gibt es ein Zurück bei Öl- und Gaspreisen? Und was bedeutet das für Deutschland und Europa?

Anscheinend hat "Donald der Leibhaftige" diese Auswirkungen wirklich nicht berücksichtigt. Sonst würde er jetzt nicht um Unterstützung für Geleitzugoperationen betteln - sondern er hätte schon vorher entsprechende Vorsorge getroffen.
Zitat:15.03.2026 – 08:19 Uhr

Trump fordert Kriegsschiffe anderer Staaten in Straße von Hormus
US-Präsident Donald Trump hat militärische Hilfe vieler Länder zur gemeinsamen Sicherung des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus in Aussicht gestellt - ohne konkret zu werden.
Dass er Kriegsschiffe anderer Staaten braucht ist im Übrigen auch bezeichnend für die chaotische Politik des GröPaZ. Die US-Minensucher, die bis vor kurzem noch in der Region waren, sind zur Verschrottung abgezogen worden.

Das Marineforum mach nach nunmehr zwei Wochen Krieg eine erste Zwischenbilanz aus maritimer Sicht auf:
Zitat: ...
Die maritimen Fähigkeiten des Iran sind durch Beschuss der Küsteninfrastruktur (Radar, Startrampen, U-Boot-Bunker) und Versenkung aller größeren und mittlerweile auch kleineren Einheiten und Plattformen der regulären Marine (Artesh) und der Revolutionsgarden (IRGC) sowie durch Ausschalten der Führungsriegen bis auf einen Restbestand an raketenbewaffneten Speedboote reduziert. Diese in unbekannter Zahl noch verbleibenden Kleinst-Seekriegsmittel sowie an Land verbunkerte Batterien schließen weiterhin unkoordinierte „Nadelstich-Optionen“ nicht aus und stellen durchaus noch eine reale Restgefahr für den Schiffsverkehr im Gesamtgebiet dar.
...

Sicherung Straße von Hormus

So unklar wie die Erkenntnisse über verbunkerte Lagerorte sind, so unsicher sind die Bestandsübersichten zu iranischen Seeminen: Militärische Quellen gehen von anfänglich über 2.000 bis 6.000 Seeminen unterschiedlichsten Technologiestandes aus – iranische Kräfte sollten also noch über einen durchaus relevantes Arsenal verfügen. Viele dieser Typen ließen sich mit kleinen, schwer erfassbaren Booten, mit jeweils weniger als einer Handvoll Minen beladen, quer über den Persischen Golf verbringen. Da von hier aus nicht einschätzbar ist, wieviele Boote und Munitionsvorräte tatsächlich noch einsatzfähig sind, ist ein Bedrohungspotenzial nicht von der Hand zu weisen. Diese Unsicherheit einzugrenzen gelänge durch das Erringen der Kontrolle über die zahlreich dem Iran vorgelagerten Inseln und ein reaktionsschnelles, landseitiges Überwachen eines Großteils der iranischen Küstenlinie. So weit ist es aber noch nicht!

Daher vertrat die US-Navy gegenüber der Schifffahrt bisher den Standpunkt, dass regelmäßige Eskorten unter aktueller Bedrohungslage aus Minen, Raketen, Drohnen und Schnellbooten „derzeit nicht möglich“ seien. Allerdings deuten Information des Pentagon und der US-Navy darauf hin, dass sich eine Hormuz Surface Action Group (SAG) auf die „Operation Epic Escort“ (Arbeitstitel?) als Geleitschutz für den Seeverkehr in der Meerenge vorbereitet, bestehend aus USS Carney (DDG 64) als Führungsschiff, dazu die Arleigh Burke-Zerstörer USS Mitscher (DDG 57) und USS "Michael Murphy" (DDG 112), sowie zur Minenabwehr die Littoral Combat Ships USS Tulsa (LCS 16) und USS Canberra (LCS 30) (Independence-Klasse). Diese Einheiten stehen jedoch noch nicht im Seegebiet und müssen erst herangeführt werden!

Raketen-Mathematik und Kosten-Falle

Zahlen in einem kriegerischen Konflikt sind schwierig, weil sie immer nur aus einem Blickwinkel generiert sind und sich laufend verändern. Einige Zahlen sind aber dennoch bemerkenswert und sollen daher hier genannt werden – sie stehen allerdings für sich alleine und ohne Gewähr.

Offensivpotenzial IRN: Sechs Tage nach Beginn verfügte der Iran von ursprünglich rund 400 Launchern (Anfang März) nur noch über rund 70 bis 100 einsatzfähige Systeme (JINSA - Jewish Institute for National Security of America).

Für die ersten zehn Kriegstage erfasste die türkische Tageszeitung Yeni Şafak in einer Infografik insgesamt 3.100 iranische Raketen- und UAV-Angriffe auf sieben arabische Staaten. Für den 10. März (11. Tag) melden die VAE seit Beginn der Angriffe 262 ballistische Raketen und 1.475 Drohnen (Gültigkeitsbereich unbekannt). Wenn auch die Zahlenangaben divergieren und nicht aufdatiert sind, lassen sie dennoch die Folgerung zu, dass der Iran seine Fähigkeit zu nennenswerten Raketenangriffen auf Israel und die Region innerhalb überschaubarer Zeit (etwa 10 Tage) verlieren könnte, während die Möglichkeit begrenzter Kurzstreckenangriffe vor allem mit Drohnen gegen Ziele in der gesamten Golfregion noch länger bestehen bleibt.
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Zusammengefasst

Folgen richtig kalkuliert?


Militärisch ist die amerikanisch-israelische Koalition dem Iran zwar weit überlegen, wirtschaftlich und industriell aber frisst der Schutz gegen noch nicht vollends vernichtete Raketen, Drohnen und maritime Störpotenziale Irans die eigenen militärischen Bestände und finanziellen Budgets rasant auf. Dazu beziffert das Pentagon die Kosten allein der ersten sechs Kriegstage – in denen über 800 Patriot-Raketen verschossen wurden – auf mehr als 11 Milliarden US-Dollar.

Laut NYT ging die Trump-Administration vor Kriegsbeginn davon aus, dass mögliche Energie- und Schifffahrtsstörungen kurzfristig und beherrschbar wären. Inzwischen zeigen die weltweiten Auswirkungen, dass sich die bestehende Störung als Dreh- und Angelpunkt der Weltwirtschaft erweist. Und es zeigt sich, dass Washington für die sichere Wiederöffnung der Meerenge von Hormus keinen kurzfristig erkennbaren Plan hat.

Kollateralschäden

Der Krieg gegen Iran entwickelt sich über die militärische Ebene hinaus zu einem Test politischer Belastbarkeit. In den USA verschiebt sich innenpolitisch der Schwerpunkt auf Kriegsvollmachten, Kongresskontrolle, Zustimmungswerte und wirtschaftliche Folgen.
In der EU wächst der Druck, transatlantische Solidarität gegen eigene Sicherheits-, Energie- und Stabilitäts-Interessen abzuwägen.

Gleichzeitig wird eine Belastungsprobe für die Bündnisstabilität und Rüstungsindustrie sichtbar: NATO und EU müssen mittlerweile ihre begrenzt vorhandenen Luftverteidigungs-, Seeziel- und Präzisions-Munitionsbestände mindestens für zwei aktive Kriegsschauplätze (Ukraine und Iran) vorhalten.

Für die arabischen Staaten, vor allem die Golfmonarchien, werden äußere Verwundbarkeit und innere Regimestabilität zu Grundsatzfragen. Obwohl selbst zum Ziel iranischer Angriffe geworden, scheuen sie wegen gesellschaftlicher Spannungen, wirtschaftlicher Risiken und begrenzten Vertrauens in die Trump-Administration eine wahrnehmbare Eskalation gegenüber dem Iran.

Im Globalen Süden verstärkt der Krieg Debatten über Souveränität, internationales Recht und westliche Doppelstandards. China und Russland nutzen die Lage, um sich diplomatisch als Gegenpol zum Westen zu inszenieren – und nicht zuletzt aus der Instabilität ökonomische Gewinne zu ziehen. Die ASEAN-Region reagiert vor allem mit Appellen zur Deeskalation und Einhaltung des Völkerrechts in der Sorge um den Schutz eigener Staatsangehöriger im Krisenraum. Australien bleibt politisch auf westlicher Linie.

Ausblick

Der Konflikt tritt in eine neue Phase ein. Der rasche Regime-Wechsel im Iran hat sich nicht realisieren lassen. Die Neutralisierung der iranischen Urananreicherungs-Kapazitäten ist nicht vollständig gesichert. Allerdings scheint eine großformatige Raketenoffensive des Iran weitgehend unterbunden. Seinerseits geht der Iran über zu einer Guerilla-Kriegführung zur See. Seine nadelstichartigen Angriffe gegen den Seeverkehr zielen darauf ab, die Risiken unkalkulierbar zu machen, Versicherungsraten in unbezahlbare Höhen zu treiben und vor allem die globalen Warenströme zu lähmen. Die „Westlichen Kräfte“ stehen vor der Herausforderung einer Geleit- und Sicherungs-Operation für die zivile Schifffahrt, damit ein Abreißen der weltweiten Lieferketten am Hormus die Weltwirtschaft nicht auf einen Schlingerkurs führt.

Strategisch ist die Lage offener, als das Kräfteverhältnis auf den ersten Blick vermuten lässt: Der Seeweg durch Hormus bleibt unterbrochen, der weltweite See- und Energie-Handel ist gestört, die Golfstaaten stehen unter Druck, und die westliche Munitionsverbrauchs- und Kosten-Kurve steigt weiter an. Womit zum gegenwärtigen Zeitpunkt nur weniges auf eine entscheidende und zeitnahe Beendigung, aber vieles auf einen fatalen, weil andauernden und asymmetrischen Abnutzungskrieg ohne Gewinner hinweist. Es darf aber bitteschön auch alles ganz anders kommen!
kurz und prägnant meine Bewertung
Militärisch machbar - trotz nicht berücksichtigter, aber leicht erwartbarer Reaktionen des überfallenen Iran.
Politisch ein Fiasko. Chaotische Vorbereitung, chaotische Ergebnisse. Stärkung der falschen Spieler ...
Wirtschaftlich auf ganzer Linie desolat.

peinlich
Zitat: dpa
Trump drängt auf Hilfe bei Sicherung der Straße von Hormus

Palm Beach/Teheran (dpa) - US-Präsident Donald Trump hat militärische Hilfe vieler Länder zur gemeinsamen Sicherung des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus in Aussicht gestellt - ohne konkret zu werden. «Viele Länder – insbesondere diejenigen, die von Irans versuchter Blockade der Straße von Hormus betroffen sind – werden gemeinsam mit den Vereinigten Staaten Kriegsschiffe entsenden, um sie offen und sicher zu halten», schrieb er auf der Plattform Truth Social. Die iranische Führung verspottete dies als Hilferuf.

Es ist unklar, welche Länder Trump meint und ob sich Länder überhaupt bereit erklärt haben, Kriegsschiffe zu schicken. Trump ergänzte, dass «hoffentlich» China, Frankreich, Japan, Südkorea, Großbritannien und andere Länder, die von Irans Blockade der für den globalen Ölexport wichtigen Meerenge betroffen sind, Schiffe entsenden werden. Der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus ist nahezu zum Erliegen gekommen, was die Ölpreise in die Höhe treibt.

Trump droht weitere Angriffe auf iranischer Öl-Insel an

Trump drohte derweil in einem Telefoninterview des Senders NBC News mit weiteren Angriffen auf der für Irans Ölindustrie wichtigen Insel Charg. Das US-Militär hatte am Samstag nach seinen Angaben auf der Insel Militäranlagen zerstört, um Teheran zur Wiederöffnung der Straße von Hormus zu bewegen.
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ich bin versucht zu sagen, die Suppe, die er versalzen hat, sollte er auch selbst auslöffeln.

Aber ganz emotionslos:
Solange GröPaZ weitere Angriffe durchführt oder auch nur androht, hat es gar keinen Sinn, die Kastanien aus dem Feuer zu holen.
Und wenn bzw. sobald die Verhältnisse beruhigt genug sind, braucht es diese Hilfe nicht mehr.
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RE: Sicherung des Seeverkehrs im Nahen und Mittleren Osten - von Kongo Erich - 15.03.2026, 12:05

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