14.03.2026, 21:10
Haben die USA ihre Vorzugsrolle am Golf verspielt?
Die Meldungen über eine strategische Neuorientierung der Golfstaaten mehren sich (hier die Tagesschau).
Das mühsam aufgebaute Image von der Handels-, Touristik- und Verkehrsdrehscheibe, das wirtschaftlich die fossilen Energien ablösen sollte, gerät massiv ins Wanken. Denn alle drei Branchen vertragen sich überhaupt nicht mit explodierenden Bomben.
Die gerade für die Golfstaaten überlebenswichtige Straße von Hormus spielte im US-Plan "keine Rolle". Dabei steht mit der Habshan–Fujairah Pipeline (ADCOP) in den Oman nur ein auf täglich maximal 1,5 Mio. Barrel begrenzter Bypass zur Verfügung. Die USA haben sich als unzuverlässig und chaotisch erwiesen.
Die enge Partnerschaft mit den USA bringt die Golfstaaten zugleich in eine Gegnerschaft zu den "US-Erzfeinden", dem Iran. Das steht dem Wunsch auf eine friedliche Wirtschaftsentwicklung entgegen - und gerade die Golfstaaten zwischen Oman und Kuwait haben schon in der Vergangenheit versucht, sich nicht zu sehr vom mächtigen wahabitischen Nachbarn, Saudi-Arabien, vereinnahmen zu lassen - und daher mit dem Iran über den Golf hinweg einen stabilen "kleinen Grenzverkehr" gepflegt. Das "nichtkonfrontative Verhältnis" ist auch weiterhin eines der wichtigsten Ziele ihrer Politik.
Die Emirate werden sich wohl zunehmend in Richtung "Indien" orientieren. Da könnte am anderen Ende der Balancierstange dann auch die EU an die Stelle der USA treten. Nicht mit großen Stützpunkten - solche martialischen Machtdemonstrationen sind nicht "EU-Style" -, aber mit intensiven Wirtschaftskontakten und Kooperationen, auch und gerade im Bereich der Verteidigungsindustrie. Ich denke da etwa an die Rafale, die künftig sowohl in Europa, in den VAE und in Indien entscheidende Rollen spielen wird.
Die Saudis haben dagegen ihre Fühler schon seit längerer Zeit in Richtung Pakistan und Türkei ausgestreckt. Sie sind über die Öl-Kontakte die eigentlichen Verbündeten der US-Ölmultis. Und damit zugleich der US-Regierungen. Mit Pakistan hat dann auch China einen Fuß in der Tür dieses Gas- und Öl-Förderlandes.
Für die Saudis ist die Straße von Hormus nicht überlebenswichtig. Über die East–West Pipeline („Petroline“) können die Saudis bis zu 5 Mio. Barrel am Tag zum Roten Meer umleiten. Das reicht, um für die eigenen Bedürfnisse "über die Runden zu kommen". Die Saudis können sich also eine gepflegte Rivalität mit dem Iran leisten.
Ich vermute, wir werden daher in den nächsten Jahren mittelfristig feststellen, dass sich China und die USA vermehrt um Einfluss bei den Saudis bemühen. China wird dabei auch von seinen relativ guten Kontakten in den Iran profitieren, der sich wieder mit Russland im Rücken eines besonderen Partners versichern kann.
Auf die Dauer, so scheint es mir, werden die USA ihre bisherige Vorzugsrolle im Nahen Osten verlieren. Auch das dürfte eine der Folgen des Überfalls auf den Iran sein.
Die Meldungen über eine strategische Neuorientierung der Golfstaaten mehren sich (hier die Tagesschau).
Zitat:Golfstaaten zutiefst von Washington enttäuschtDonald hat sich nicht nur mit seinem Überfall auf den Iran über deren Bedenken hinweg gesetzt. Mit den US-Stützpunkten wurde nicht mehr Sicherheit erreicht, sondern das Gegenteil: diese US-Stützpunkte erweisen sich regelrecht als Magneten für iranische Vergeltungsschläge.
Das mühsam aufgebaute Image von der Handels-, Touristik- und Verkehrsdrehscheibe, das wirtschaftlich die fossilen Energien ablösen sollte, gerät massiv ins Wanken. Denn alle drei Branchen vertragen sich überhaupt nicht mit explodierenden Bomben.
Die gerade für die Golfstaaten überlebenswichtige Straße von Hormus spielte im US-Plan "keine Rolle". Dabei steht mit der Habshan–Fujairah Pipeline (ADCOP) in den Oman nur ein auf täglich maximal 1,5 Mio. Barrel begrenzter Bypass zur Verfügung. Die USA haben sich als unzuverlässig und chaotisch erwiesen.
Die enge Partnerschaft mit den USA bringt die Golfstaaten zugleich in eine Gegnerschaft zu den "US-Erzfeinden", dem Iran. Das steht dem Wunsch auf eine friedliche Wirtschaftsentwicklung entgegen - und gerade die Golfstaaten zwischen Oman und Kuwait haben schon in der Vergangenheit versucht, sich nicht zu sehr vom mächtigen wahabitischen Nachbarn, Saudi-Arabien, vereinnahmen zu lassen - und daher mit dem Iran über den Golf hinweg einen stabilen "kleinen Grenzverkehr" gepflegt. Das "nichtkonfrontative Verhältnis" ist auch weiterhin eines der wichtigsten Ziele ihrer Politik.
Die Emirate werden sich wohl zunehmend in Richtung "Indien" orientieren. Da könnte am anderen Ende der Balancierstange dann auch die EU an die Stelle der USA treten. Nicht mit großen Stützpunkten - solche martialischen Machtdemonstrationen sind nicht "EU-Style" -, aber mit intensiven Wirtschaftskontakten und Kooperationen, auch und gerade im Bereich der Verteidigungsindustrie. Ich denke da etwa an die Rafale, die künftig sowohl in Europa, in den VAE und in Indien entscheidende Rollen spielen wird.
Die Saudis haben dagegen ihre Fühler schon seit längerer Zeit in Richtung Pakistan und Türkei ausgestreckt. Sie sind über die Öl-Kontakte die eigentlichen Verbündeten der US-Ölmultis. Und damit zugleich der US-Regierungen. Mit Pakistan hat dann auch China einen Fuß in der Tür dieses Gas- und Öl-Förderlandes.
Für die Saudis ist die Straße von Hormus nicht überlebenswichtig. Über die East–West Pipeline („Petroline“) können die Saudis bis zu 5 Mio. Barrel am Tag zum Roten Meer umleiten. Das reicht, um für die eigenen Bedürfnisse "über die Runden zu kommen". Die Saudis können sich also eine gepflegte Rivalität mit dem Iran leisten.
Ich vermute, wir werden daher in den nächsten Jahren mittelfristig feststellen, dass sich China und die USA vermehrt um Einfluss bei den Saudis bemühen. China wird dabei auch von seinen relativ guten Kontakten in den Iran profitieren, der sich wieder mit Russland im Rücken eines besonderen Partners versichern kann.
Auf die Dauer, so scheint es mir, werden die USA ihre bisherige Vorzugsrolle im Nahen Osten verlieren. Auch das dürfte eine der Folgen des Überfalls auf den Iran sein.
