13.03.2026, 13:27
Quintus Fabius schrieb:Ich halte genau das für eines der wesentlichen Probleme der Israelischen "Strategie", dass Israel viel zu sehr immer nur der jeweiligen Lageentwicklung hinterher rennt, und jedwede größere Visionen fehlen. Es ist gerade eben dieses Gewurschtel nach Tageslage welches ich kritisiere.Israel rennt regelmäßig sicherlich viel zu sehr der Lageentwicklung hinterher. Ein Kritikpunkt, den sie mit der erweiterten westlichen Welt gemein haben, auch wenn das Problem hier noch um Größenordnungen ausgeprägter existiert.
Gleichzeitig lässt sich aber auch festhalten, dass in die Operationen nach dem 7. Oktober durchaus eine gewisse Proaktivität Einzug gehalten hat. Was dann auch wieder nicht recht ist weil man damit ja nur störe und sich damit ja zu viele Feinde mache oder dergleichen.
Zitat:Die meisten Juden gehen ja davon aus, dass eine Mehrheit Antisemiten sind, schon immer waren und dass sie gehasst werden und umgekehrt schiebt man seinen Auserwähltes-Volk Komplex, seinen Rassismus und seine Hybris vor sich her, aber ich glaube es ist selbst den meisten Juden nicht klar, wie sehr die Stimmung zunehmend gegen sie kippt und wie extrem der Hass von immer mehr Menschen weltweit ist.Das wird den meisten schon klar sein. Es gibt aber nun mal kein Mittel dagegen, da der Hass irrational ist und sich eben sehr wohl aus schlichtem Antisemitismus speißt. Nicht was Israel heute realistischerweise tun könnte würde daran irgendetwas ändern.
Zitat:Hier und jetzt. Und deshalb ist für immer alles gut. So die israelische "strategische" These. Sind bei ihrer Bevölkerung als Judenfreunde verhasste Autokraten die ihre eigene Bevölkerung unterdrücken auf Dauer, also in der Zukunft tatsächlich sinnvolle sichere Verbündete?! Insbesondere wenn es sich um schwächliche hochkorrupte Regime handelt, die ihre militärische Untauglichkeit vielfach bewiesen haben?Wäre es besser wenn die verhassten Autokraten heute Feinde wären? Ich meine doch nicht. Die relative Annäherung zwischen Israel und diversen arabischen Akteuren ist eine der wenigen positiven diplomatischen Entwicklungen in der Region in den letzten Jahrzehnten. Natürlich birgt diese Risiken und aller Wahrscheinlichkeit wird sie nicht von Dauer sein. Aber es ist (nicht zuletzt dank der sehr naiven amerikanischen Aufrüstung dieser Akteure) besser als die Alternative.
Zitat:Als hier und jetzt. Und nur hier und jetzt zählen. Dass es den meisten Juden ausgerechnet hier an ausreichend Vorstellungskraft fehlt ist schon erstaunlich, wenn man ihre Vergangenheit bedenkt.Was hier und jetzt ist ist immer wichtiger als das was morgen oder übermorgen sein wird oder im Worst Case passieren könnte. Es macht wenig Sinn sich in Szenarien zu ergehen, wenn die Herausforderungen der Gegenwart nicht angegangen werden.
Zudem ist es halt schlicht ein normales Phänomen das demokratischen Staaten innewohnt. Die Versuchung ein Problem auf die lange Bank und damit dem Nachfolger zuzuschieben ist immer groß. Und hat im Falle Israels erst zum 7. Oktober und der gewachsenen Bedrohung durch den Iran geführt. Ich wüsste nicht wie man diese strukturellen Unzulänglichkeiten abstellen könnte.
Zitat:Ich schrieb dass dies ein Fehler war und ist! Die Iraner haben anscheinend vor allem anfangs nicht verstanden, wie extrem und totalitär die Kriegsziele ihrer Gegner sind.Sind sie halt nicht. Weder brennt die besagte Insel noch werden Elektrizitätswerke, Entsalzungsanlagen, Staudämme oder dergleichen angegriffen. Als die Israelis ein paar iranische Öl Depots bombardiert haben war das den Amerikanern gleich recht unrecht. Von extrem und total sind wir da sehr, sehr weit entfernt.
Zitat:Denn das ist es was Nightwatch beispielsweise nicht verstehen will (oder er gibt es nicht zu verstehen), dass das iranische Regime heterogener war als er es darstellt.Nightwatch versteht das schon. In Nightwatches Welt ist es aber so, dass
a) die Unterschiede zwischen einem gemäßigten und radikalen Weltuntergangssektierer sehr akademisch sind
b) sich die iranischen Machthaber nicht in ihrer Radikalität als in ihrer Gewieftheit unterscheiden, was im Westen nur zu gerne als gemäßigt missverstanden wird
c) es nicht erkennbar ist, dass jetzt radikalere Typen an die Macht kommen als diejenigen die eh schon vor dem Krieg das Sagen hatten
d) es auch nicht erkennbar ist, dass überhaupt irgendwer anders jetzt das Sagen hat als vor dem Krieg, Khameini der Ältere war es jedenfalls sicherlich nicht.
https://x.com/Osint613/status/2032378023165477030
Zitat:Und deine optimistischen Annahmen in allen Ehren: erklär mir mal bitte, wie eine technisch durchaus einfach machbare Verminung der Straße wie von dir behauptet schnell beseitigt werden kann?In der heutigen Welt ist alles was nicht mindestens jetzt und sofort und am besten bis vorgestern gelöst ist zu langsam. Das ist im Krieg ein riesiges Problem und macht es uns zunehmend unmöglich überhaupt Kriege zu führen – und sind sie noch so spektakulär erfolgreich.
Eine Verminung der Straße von Hormuz ist nicht im Interesse des Irans wenn das Regime überleben will. Schlicht weil sie sich ihrer notwendigen Einnahmen berauben wenn die Straße dicht ist. Momentan ist sie das für iranische Schiffe nicht; ein Umstand der mal tatsächlich zu kritisieren ist.
Was die Räumung angeht, ‚schnell‘ im Sinne von nächster Woche ist das Ding wieder uneingeschränkt durchfahrbar passiert sicherlich nichts. In der realen Welt sieht es aber so aus, dass die Iraner keine bis um die zehn Minen irgendwo dort verlegt haben. Sofern sie ihre Aktivität nicht um Größenordnungen steigern spricht nichts dagegen, dass man relativ bald wieder Tanker auf der omanschen Seite der Straße durchschleußt.
Aktuell stehen am Arabischen Golf 9 Burkes von denen nur 3 zur Lincoln CSG gehören. Die Ford begleiten drei weitere Zerstörer auf der falschen Seite der Bab el Mandeb. Hinzu kommen 3 LCS in Bahrain. Damit ginge so einiges, aber man muss auch klar sagen, dass die aufgeboten Kräfte umfangreicher sein könnten. Insbesondere fehlt ein LHD/LHA um genügend Hubschrauber für die Bekämpfung von Minen und Schnellbooten aufbieten zu können. Ich habe schon vor dem Krieg gesagt, dass ich habe schon vor dem Krieg gesagt, dass ich weitere Marinekräfte aus dem pazifischen Raum verlegt hätte und verstehe nach wie vor nicht, warum man nicht wenigstens die Tripoli ESG verlegt hat.
Zitat:Warum sind die Iraner derart inkompetent? Das ist eine ernstgemeinte Frage !Everyone has a plan until they get punched in the mouth.
Im Gegensatz zu den Israel konzentrieren sich die US-amerikanischen Angriffe fast ausschließlich auf die Neutralisierung der gegnerischen Fähigkeiten am Golf. Diese paar zigtausend präzisen Schläge entfalten eben ihre Wirkung, auch wenn sie in der medialen Rezeption nicht stattfinden.
Die Iraner haben zudem doch selbst verlautbart, dass sie keine zentralen Kommandostrukturen mehr nutzen und individuelle Einheiten gemäß der Vorkriegsanweisungen unabhängig agieren. Was wundert dich da, dass die nach viel Feuerzauber nichts auf die Kette kriegen?
