Gestern, 11:42
(03.09.2025, 19:55)voyageur schrieb: Wenn die Botschaft der Emirate kein Echo findet, bedeutet dies das Ende der Abraham-Abkommen.....Der kombinierte Israel- /USA-Überfall auf den Iran bringt einiges in's Rollen. Die FR nimmt die Auswirkungen auf die VAR wortgleich in zwei Artikeln auf:
Zitat: „Der Golf, der aus dem Iran-Krieg hervorgehen wird, wird ein ganz anderer sein“, schreibt sie für den Thinktank „Atlantic Council“. Ihr zufolge seien die aktuellen Geschehnisse für alle Seiten eine Überraschung und ein unbeabsichtigter Effekt: Die Golfstaaten hätten sich wohl Schutz versprochen durch die USA. Das Gegenteil ist jetzt offenbar eingetreten. Sie spricht von „wahrgenommenen Risiken der Stationierung US-amerikanischer Militärbasen“; anders ausgedrückt, zieht Donald Trump Ärger an mit seiner aggressiven Außenpolitik und seiner permanenten Drohung, seine Verbündeten nach Belieben fallenzulassen.und
Laut Eric Cortellessa bergen die außenpolitischen Manöver des US-Präsidenten außerordentliche Risiken für seine Verbündeten ...
Zitat: ...Diese Auswahl ist auch und gerade eine Macht- und Trotzreaktion der Iraner gegenüber den USA (und damit auch gegenüber dem lokalen Satelliten).
Kollateralschaden des Iran-Krieges: „Gefahr, dass Israel für ihre Fortsetzung verantwortlich gemacht wird“
Eines jedenfalls stünde am Ende jedes Weges – das legt Allison Minor nahe: „Der Golf, der aus dem Iran-Krieg hervorgehen wird, wird ein ganz anderer sein“, schreibt sie für den Thinktank „Atlantic Council“. Ihr zufolge seien die aktuellen Geschehnisse für alle Seiten eine Überraschung und ein unbeabsichtigter Effekt: Die Golfstaaten hätten sich wohl Schutz versprochen durch die USA. Das Gegenteil ist jetzt offenbar eingetreten. Darauf würden sie reagieren müssen, was für Israel ebenfalls Folgen zeitige: Sie spricht von „wahrgenommenen Risiken der Stationierung US-amerikanischer Militärbasen“ – und von den Folgeschäden US-amerikanischen Handelns.
Anders ausgedrückt, zieht Donald Trump Ärger an mit seiner aggressiven Außenpolitik und seiner permanenten Drohung, seine Verbündeten nach Belieben fallenzulassen. Israel müsse unter Umständen damit rechnen, schlussendlich als Buhmann in der Region dazustehen. „Je länger die Offensive andauert – selbst wenn die Erfolge aus israelischer Sicht nur teilweise oder gar nicht mehr umkehrbar sind –, desto größer ist die Gefahr, dass Israel für ihre Fortsetzung verantwortlich gemacht wird, weil es die USA in ein unklares strategisches Abenteuer hineingezogen habe“ schreiben Shavit und Ben Sasson-Gordis. Die Autoren fürchten für Israel um dessen internationale Reputation genauso wie für die in den USA.
Ohrfeige für Trump durch den Iran: „Das Regime hat den US-Präsidenten schlichtweg ignoriert“
Laut der Washington Post hätten die USA und Israel durch das Ausschalten des bisherigen iranischen Oberhaupts Ali Khameneis kaum etwas gewonnen – möglicherweise hätten sie mit der gezielten Tötung sogar noch mehr Feuer an die Lunte gelegt, vermutet David Ignatius. Dass Khameneis Sohn Modschtaba Khamenei neuer Oberster Führer des Irans werden soll, wird für die beiden Aliierten unangenehm werden: „Der neue Führer ist ein Hardliner, der dem Korps der Islamischen Revolutionsgarden womöglich noch näher steht als sein Vater. Er ist kein Mann für Verhandlungen“, so Ignatius. Lissy Kaufmann erinnert daran, dass sich der Iran mit dessen Inthronisierung bereits über die vermeintliche Direktive Trumps hinweggesetzt habe.
Während oben am Himmel seine Kampfjets ihre Luftüberlegenheit ausspielten, erhielt der Kriegsherr am Boden eine schallende Ohrfeige: „Das Regime hat den US-Präsidenten schlichtweg ignoriert, der meinte, Motschtaba sei ein Leichtgewicht und inakzeptabel. Irans Außenminister Abbas Araghtschi erklärte mit einer Seelenruhe im amerikanischen Fernsehen, die Entscheidung sei nun mal Sache der Iraner“, kommentiert Kaufmann auf tagesschau.de.
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„Die Wahl Modschtabas zeigt, dass das Regime und die Hardliner noch immer erstaunlich fest im Sattel sitzen.“ Das würde bedeuten, dass der Feldzug Trumps und des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu in seinem primären Ziel gescheitert ist – zumindest vorerst. Was vor allem Israel in seiner geopolitisch prekären Situation belässt.
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Ich kann mir vorstellen, dass damit das Ende der Gefolgschaft der Golf-Staaten gegenüber den USA beschleunigt wird.
Die Emirate (und Katar und Bahrain) haben schon bisher eine ausgleichende Politik gegenüber dem Iran verfolgt, angefangen von der gemeinsamen Ausbeutung von Gasfeldern im Golf und mit der Erkenntnis, beim Export durch die Straße von Hormuz auf das Wohlwollen des Iran angewiesen zu sein - bis hin zu einem tiefen Misstrauen gegenüber den stockkonservativen Wahabiten im übermächtigen Saudi-Arabien.
Die relative Freizügigkeit der Golf-Emirate steht in deutlichem Gegensatz zur Lebensführung der Saudis.
Die US-Stützpunkte wurden lediglich als "Sicherheitsgarantien" gesehen, sie dienten der Abschreckung vor einem möglichen Angriff.
Jetzt zeigt sich, dass alleine die Präsenz von US-Truppen ausreicht, um deren Stützpunkte und zumindest die unmittelbare Umgebung zur Zielscheibe zu machen.
Diese Stützpunkte bewirken also genau das Gegenteil von dem, was sich die Golfstaaten bis hinauf nach Kuwait und in den Irak eigentlich erhofft oder erwartet hatten.
Damit gehe ich sogar weiter: das kann ich mir nicht nur vorstellen, das wird sogar relativ schnell passieren:
Ich meine wirklich - damit beschleunigt sich das Ende der US-Präsenz am Golf. Aber was kommt danach?
Alleine werden sich die Golfstaaten kaum im Haifischbecken zwischen den Saudis und dem Iran bewegen wollen.
Ich weiß nicht, was oder wer anstelle der USA treten könnte.
Hat das Abraham-Abkommen noch eine Chance?
Erste Verbindungen zur Türkei im Norden, zu Pakistan und auch zu Indien sind aber auch schon geknüpft.
