01.03.2026, 06:52
Zitat:Geländebesitz kann immer noch dort sehr wichtig (und auch Opfer wert) sein, wo es gilt, die Logistik des Feindes zu stören (Verkehrsknotenpunkte), die feindlichen Drohnen bzw. die feindliche Artillerie von Hochwertzielen (aus ukrainischer Sicht vor allem Städten) fernzuhalten
Ich schrieb explizit, dass der Besitz von Gelände dem Verlustverhältnis dient. Denn wozu dient den die Störung der Logistik des Feindes etc?! Der Besitz von Gelände soll die Vernichtung der feindlichen Streitkraft befördern, darin liegt der Sinn. Das Kampfunfähig machen des Gegners ist das eigentliche primäre Ziel, der Besitz von Gelände sollte daher nur diesem Ziel dienen (der Kampfunfähigkeit des Gegners)
Und rein politische Zielsetzungen stehen dem (manchmal bis oft) entgegen. Dann wird der Besitz von Gelände einne politische Frage und dient dann eben nicht mehr dem eigentlichen primären Ziel.
Zitat:Anders gesagt, wenn Moskau bspw. die Schlacht um Pokrowsk (O-Ton Michael Kofman: "Die Stadt hat operativen Wert, man sollte ihre Bedeutung aber nicht übertreiben.") zum zweiten Stalingrad und zur Schicksalsfrage aufbläst, kann Kyjiw das nicht einfach unter Verweis auf die militärischen Realitäten ignorieren. Man ist dazu verurteilt, dem Feind dort entgegenzutreten, wo er mit aller Macht angreift, auch deshalb, weil er tatsächlich durchbrechen und die Front aufrollen könnte, wenn man es nicht täte.
Und genau deshalb, weil man in Wahrheit eben nicht dazu verurteilt ist und weil damit der Geländebesitz eine rein politische Zielsetzung ist, welche eben keinen militärischen Wert hat, weil sie dem militärischen Zweck entgegen steht, genau deshalb sind viele Entscheidungen beider Seiten hier falsch.
Ein perfektes Beispiel hierfür war Bakhmut. Und man muss dem Feind keineswegs dort frontal entgegen treten, wo tatsächlich oder vermeintlich der Durchbruch droht, zumal die Idee, dass man mit dem Durchbruch (magisches Denken) dann "die Front aufrollt" völlig an der Realiität vorbei ist. Das Aufrollen einer Front durch den Durchbruch ist heute eine Chimäre die der Panzerungeist der Bundeswehr wohl nie mehr loswerden wird.
Zitat:Insofern hat die Beherrschung von Gebieten einen politischen Wert, aus dem ein militärischer Wert hervorgeht.
Es geht eben kein militärischer Wert daraus hervor, dass ist der entscheidende Punkt. Das ist das Spannungsfeld zwischen der politisch-strategischen Ebene und der militärisch-strategischen Ebene. Der Ziele und Sinn verschieden sind. Dabei treten im Krieg die Notwendigkeiten der militärisch-strategischen Ebene eigentlich an die Stelle der Ziele der politisch-strategischen Ebene. Demzufolge ersetzt der militärische Zweck die diesen verursachende politische Zielsetzung und wird damit zum eigentlichen Ziel.
Nun wird hierfür ja sogar immer eine indirekter militärischer Wert konstruiert: wenn wir die Stellung nicht frontal halten, dann stellt der Westen seine Waffenlieferungen ein, die Bevölkerung muss bei der Stange gehalten werden, die Soldaten kämpfen sonst nicht so engagiert weiter usw. Man konstruiert diese Pseudo-Vorteile, um die politischen Entscheidungen welche militärische Fehler sind irgendwie rechtfertigen zu können.
Tatsächlich aber überwiegt der Schaden diesen konstruierten indirekten Nutzen, weil man der militärischen Zielsetzung nicht genügt. Je mehr die beiden Ebenen der Strategie divergieren, desto schlechter ist das.
