(Luft) Future Combat Air System (FCAS) und New Generation Fighter (NGF)
Fox1 schrieb:Man kann ein Triebwerk in Lizenz fertigen und auch noch germanisieren. Damit ist man souverän im Zweifelsfall, was mit Export erstmal noch gar nichts zu tun hat. Exportbeschränkungen kann es dann noch geben, was aber eine Frage der Verträge ist.
Eben nicht, genau das ist diese "Scheinsouveränität" die ich hier im Kontext von Lizenzproduktionen immer wieder kritisiere.

Der Ort der Herstellung ist in diesem Kontext vollkommen unerheblich. Wenn das Triebwerk eines amerikanischen Unternehmens auf Lizenz von einem deutschen Unternehmen in Deutschland gebaut wird, macht es dieses Triebwerk nicht zu einem deutschen Produkt. Weder im rechtlichen noch im defacto Sinne. IP, Informationen, Vertriebsrechte usw liegen nach wie vor beim Entwickler des Produkts in den Vereinigten Staaten, lediglich die baurelevanten Informationen und Rechte werden für dessen Produktion eingeräumt, meist befristet.

Warum ist das Relevant? Weil diese rechtlichen Fakten weiterhin Fakten bleiben, solange wir uns nicht im Krieg mit den Vereinigten Staaten befinden.
Verträge, Rechtekataloge etc gelten auch im Falle eines Amerikanisch-Europäischen Zerwürfnisses, das scheinen viele hier gerne zu vergessen.

Sollte es zu einem solchen Zerwürfnis kommen und man leitet seitens der Vereinigten Staaten entsprechende Schritte ein, stünde diese Lizenzproduktion still. Vollkommen egal ob wir wollen oder nicht. Der Urheber des Produkts, bspw GE, und damit indirekt die US-Administration, hat jedes Recht dazu und es gibt nichts, was wir dagegen tun können (hierzu ist noch nicht einmal eine entsprechende Vertragsklausel erforderlich, dieses Recht steht der Administration verfassungsrechtlich zu). Es ist ein amerikanisches Produkt, deren Produkt, nicht unseres, selbst wenn es speziell für uns entwickelt wurde.

Was tun wir dann, wenn das "nein" fällt? Bricht ein Team des KSK dann in Evendale ein um das Datenportfolio zu klauen während die Bundesregierung den deutschen Ableger GEs kurzerhand (und illegalerweise) verstaatlicht? Da wünsche ich frohes Gelingen.

Es geht bei Lizenzproduktionen nicht um Souveränität. Es ist eine industriepolitische Maßnahme um die Wertschöpfung im eigenen Land voranzutreiben, keine sicherheitspolitische Maßnahme die die eigene Unabhängigkeit stärken soll.
Zitat:Wie man im Taurus-Projekt gesehen hat, passt die Industriekultur und die Mentalität zusammen - im Gegensatz zu der Herangehensweise links des Rheins bzw. im Süden Europas ...
Also eigentlich überhaupt nicht, Deutschland bzw MBDA Deutschland ist mit 67% Anteilsbesitz die unangefochtene "Führung" der TAURUS Systems GmbH. Da ergibt sich (für uns) gar nicht erst Konfliktpotenzial, da wir grundsätzlich immer das letzte Wort haben. Das würde ich nicht als Beispiel für eine "passende Industriekultur" nehmen, die ist eigentlich ziemlich verschieden.
Gerade der stark restriktive deutsche Ansatz bezüglich Waffenexporte steht oft im Konflikt mit der schwedischen Rüstungsindustrie die stark auf Exporte angewiesen ist, der Unterschied in den Denkweisen ist da fundamental. Das dürfte auch zum make-or-break werden, sollte sich ein deutsch-schwedischer NGF abzeichnen.
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RE: Future Combat Air System (FCAS) und New Generation Fighter (NGF) - von DopePopeUrban - Vor 2 Stunden
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