21.02.2026, 19:01
(21.02.2026, 17:59)DeltaR95 schrieb: Nimm' dir mal das Einsatzgebiet von ATALANTA als Beispiel und rechne mal ganz grob nach, wieviele Assets du brauchst, um das Gebiet halbwegs zeitnah abdecken zu können.Für mich macht es keinen Sinn, in einem großen Gebiet Einheiten zu dislozieren, die dort nicht über die erforderlichen Fähigkeiten für den Auftrag verfügen. Also entweder braucht man die Fähigkeiten des LHD vor Ort, dann ist das OPV irrelevant, oder man braucht die Fähigkeiten nur in der Region, dann reicht dafür auch ein ohnehin für den Betrieb der OPV erforderlicher EGV, wenn wir uns auf Low-Intensity-Szenarien wie Atalanta beziehen. (Operationen gegen Landeinrichtungen in dem Kontext sind ein separates Thema.)
Das LHD ist in diesem Fall der "Anker" und die OPV sind im Einsatzgebiet verteilt, um kurzfristige Reaktionszeiten sicherzustellen.
Wie soll denn ein LHD eine Fläche 3,7 Millionen Quadratkilometer allein abdecken?
Zitat:Ein OPV kann auch sowas wie die Rajah Sulayman Klasse sein - die trägt auch ein Schleppsonar. 2.400 t bei ~ 70 Mann Besatzung - klein, billig, schnell verfügbar.Das ist dann schon was anderes als die Expeditions-Variante der Potsdam-Klasse, die wir beide hier als Orientierungsgröße für ein OPV ins Spiel gebracht hatten. Dann sind wir bei Korvettengröße und eben mehr als den von dir angedachten 40 Mann Besatzung.
OPV ist halt ein breites Spektrum, das reicht von Potsdam bis Baden-Württemberg.
Zitat:Über welches Boarding reden wir hier? ... Non-Cooperative Boarding? Dafür braucht es z.B. eingeschiffte Kräfte vom Seebataillon, nicht die Stammbesatzung von 40 Mann. Die Stammbesatzung ist dafür gar nicht qualifiziert.Darunter brauchen wir in solchen Einsätzen wohl gar nicht drüber sprechen. Das relativiert dann aber für mich auch wieder ein bisschen das "40-Mann-OPV", weil es eben auf diese zusätzlichen Passagiere angewiesen ist, um überhaupt etwas zum Auftrag beitragen zu können. Und sind die inkl. ihrem erforderlichen Gerät an Bord des OPV, dann braucht es auch kein LHD mehr.
Zitat:Opposed Boarding? Aufgabe von Spezialeinsatzkräften, die vom LHD im Einsatzgebiet operieren können, unter Nutzung dessen Helikoptern und Einsatzbooten. So eine Einsatzart hat Vorlauf von Tagen.Das braucht aber auch nicht zwingend ein LHD, sondern kann eben auch von entsprechend ausgelegten Fregatten/Zerstörern geleistet werden, abgestützt auf einen EGV. Nur OPV sind dabei dann auch wieder wenig hilfreich.
Man kann natürlich eine Low-Intensity-Operation wie Atalanta mit OPVs mittlerer Größe bestreiten, die neben dem erforderlichen Versorger noch durch ein LHD ergänzt werden, das zusätzliche Kapazitäten bereitstellt, wenn diese gebraucht werden. Diesem Konzept will ich gar nicht die Funktionalität absprechen, es stellt ja auch den Standard bisher dar.
Aber mit zunehmender Gefährdungslage in solchen asymmetrischen Operationen, steigt auch der Bedarf, diese mit klassischen Marinefähigkeiten abzusichern, die weder aktuelle LHD/LPD, noch OPV in Korvettengröße oder kleiner sinnvoll selbst erbringen können. Es werden also immer häufiger zur Erfüllung von IKM-Aufträgen auch Fregatten/Zerstörer zum Einsatz kommen müssen.
Für uns als Nation ohne eigene "OPV-Gebiete" stellt sich dann schon die Frage, ob wir es uns leisten wollen und können, zusätzlich zu unseren ohnehin für LV/BV und IKM erforderlichen Fregatten/Zerstörern noch zusätzliche OPV ausschließlich für diese LowIntensity-IKM-Ops vorzuhalten oder ob es insgesamt nachhaltiger für uns ist, die Fregatten alleine in diese Aufträge zu schicken, statt zum Schutz zusätzlicher OPVs.
Das gleiche gilt mMn auch für LHDs im IKM: Wir können diese als Logistikeinheiten betrachten und ihnen immer Geleitschutz mitgeben, oder wir sehen sie selbst als Kombattanten, verleihen ihnen entsprechende Fähigkeiten zum Eigenschutz und sparen uns die Eskorte.
