21.02.2026, 11:46
Die russische Zentralbank meldet eine Inflationsrate von 6,6%. Gleichzeitig liegt der Leitzins trotz mehrerer Senkungen immer noch bei 15,5%, woraus die meisten Ökonomen folgern, dass die tatsächliche Inflation deutlich über der gemeldeten liegen muss.
In Russland existieren gerade zwei nur wenig miteinander korrespondierende Wirtschaftskreisläufe. Alles, was irgendwie mit dem Krieg zu tun hat—die Soldaten, ihre Familien, die Mitarbeiter der Rüstungsindustrie und deren Zulieferer, die Spediteure—erlebt steigende Einkommen.
Schon vor über einem Jahr habe ich hier Statistiken verlinkt, die das Erwachsen einer neuen "Kriegs-Mittelschicht" zeigten, die sich über die klassische Mittelschicht erhoben hat: Maschinenschlosser, die nun dreimal so viel verdienen wie Universitätsprofessoren.
Gleichzeitig stagniert oder schrumpft das Wirtschaftsleben außerhalb dieses Kreislaufs. Um nur irgendwie an dem isolierten Aufschwung teilzuhaben, reagieren die Anbieter von Waren und Dienstleistungen mit Preiserhöhungen, und befeuern damit die Inflation.
Beispiele: Gurken kosten in Russland nun so viel wie Rindfleisch. (Quelle) Zum Jahreswechsel lag der Benzinpreis in Russland bei umgerechnet €0,72/l, und damit mehrere Cent über dem Benzinpreis in den USA (deren Durchschnittsbürger um ein Vielfaches wohlhabender sind). (Quelle) Schon Mitte letzten Jahres, wir sprachen darüber, lag der Kartoffelpreis in Russland über dem Preis in Deutschland.
Doch nicht nur Alltagsgüter sind betroffen. Trotz einer Abwrackprämie, die Preisanstiege teilweise auffing, wurden 2025 25% weniger Neuwagen aus einheimischer Produktion verkauft. (Quelle) Im Immobilienbereich stehen fast drei Viertel aller neugebauten Wohnungen leer. (Quelle) Der größte russische Immobilienentwickler, Samolet, hat vor einer Woche wegen akuter Liquiditätsengpässe den Staat um einen Bailout gebeten. (Quelle)
Gleichzeitig ist zu bedenken, dass die Mehrwertsteuer, diverse Verbrauchssteuern sowie die Gebühren in der staatlichen Bürokratie 2025 kräftig heraufgesetzt wurden. Das wird den Normalbürger weiter belasten.
2026 rechnen russische Analysten mit doppelt so vielen Insolvenzen wie Betriebsneugründungen. Das Wirtschaftswachstum wird voraussichtlich irgendwo zwischen 0,5 und 1% liegen, und damit kaufkraftbereinigt gegen 0 tendieren. (Quelle)
Hinzu kommt, dass der Öl- und Gas-Sektor durch Sanktionen, den niedrigen Öl-Preis und die steten ukrainischen Angriffe auf Raffinerien in Westrussland immer weniger Einnahmen generiert. Allein im Januar 2026 sind die Staatseinnahmen aus diesem Sektor um 46% gesunken. (Quelle)
Letzten Endes sollte man aber mit all diesen Beobachtungen keine großen Hoffnungen verbinden. Es geht den meisten Russen immer noch deutlich besser als in den Uschasnyje dewjanostyje, den "schrecklichen Neunzigern".
Und meines Wissens haben Sanktionen noch nie Kriege beendet. Das ist auch gar nicht ihr Ziel, obwohl man das in Deutschland natürlich so verkauft hat, um im Hinblick auf bevorstehende Wahlen teils unpopuläre Maßnahmen entsprechend zu framen.
Sanktionen dienen der Bestrafung der gegnerischen Elite. Sie verhindern aber vor allem eine schnelle Erholung der gegnerischen Wirtschaft.
Und was das anlangt, steht Russland offenbar ein langer Leidensweg bevor. Die russische Wirtschaft befindet sich seit drei Jahren in der Stagflation. Es geht nicht wirklich bergab (auch wenn die hunderttausenden Russen, die ihre Mieten und Hypotheken nicht mehr bezahlen können, das anders sehen werden), aber auch nicht bergauf, und gerade werden die Weichen dahingehend gestellt, dass es lange nicht mehr bergauf gehen kann.
Die Schulden wachsen, Industrie und Gewerbe sind ineffizient und ihr Output schrumpft stetig. Da spielen die unmittelbaren Kriegsfolgen fast nur die Nebenrolle, so schrecklich sie auch sein mögen: Zwischen 0,5 und 1% der erwerbsfähigen russischen Bevölkerung ist seit 2022 durch den Krieg umgekommen, den demographischen Knick der Auswanderungswelle 2022/2023 verstärkend.
Man hat hunderttausende Veteranen produziert, die den Staat viel Geld kosten werden—die Versehrten muss man versorgen, und unter den Nicht-Versehrten werden viele sein, die keine Lust haben dürften, in ein russisches Durchschnittsgehalt zurückzusinken.
Meiner Vermutung nach ist das derzeit die einzige Gruppe, die Putin wirklich fürchtet: die Veteranen. Der Fall des Kaiserreichs wurde ebenso wie der Fall der Sowjetunion durch unzufriedene Kriegsveteranen entscheidend beschleunigt.
Das ist ökonomischer Treibsand, aus dem Russland sich aus eigener Kraft nicht wird befreien können, jedenfalls nicht ohne Reformen, zu denen die Elite nicht bereit sein wird. Das dürfte auch der Grund dafür sein, dass Russland gerüchtehalber zurzeit vor Donald Trumps Nase eine $12 Bio.-Karotte schwenkt.
In Russland existieren gerade zwei nur wenig miteinander korrespondierende Wirtschaftskreisläufe. Alles, was irgendwie mit dem Krieg zu tun hat—die Soldaten, ihre Familien, die Mitarbeiter der Rüstungsindustrie und deren Zulieferer, die Spediteure—erlebt steigende Einkommen.
Schon vor über einem Jahr habe ich hier Statistiken verlinkt, die das Erwachsen einer neuen "Kriegs-Mittelschicht" zeigten, die sich über die klassische Mittelschicht erhoben hat: Maschinenschlosser, die nun dreimal so viel verdienen wie Universitätsprofessoren.
Gleichzeitig stagniert oder schrumpft das Wirtschaftsleben außerhalb dieses Kreislaufs. Um nur irgendwie an dem isolierten Aufschwung teilzuhaben, reagieren die Anbieter von Waren und Dienstleistungen mit Preiserhöhungen, und befeuern damit die Inflation.
Beispiele: Gurken kosten in Russland nun so viel wie Rindfleisch. (Quelle) Zum Jahreswechsel lag der Benzinpreis in Russland bei umgerechnet €0,72/l, und damit mehrere Cent über dem Benzinpreis in den USA (deren Durchschnittsbürger um ein Vielfaches wohlhabender sind). (Quelle) Schon Mitte letzten Jahres, wir sprachen darüber, lag der Kartoffelpreis in Russland über dem Preis in Deutschland.
Doch nicht nur Alltagsgüter sind betroffen. Trotz einer Abwrackprämie, die Preisanstiege teilweise auffing, wurden 2025 25% weniger Neuwagen aus einheimischer Produktion verkauft. (Quelle) Im Immobilienbereich stehen fast drei Viertel aller neugebauten Wohnungen leer. (Quelle) Der größte russische Immobilienentwickler, Samolet, hat vor einer Woche wegen akuter Liquiditätsengpässe den Staat um einen Bailout gebeten. (Quelle)
Gleichzeitig ist zu bedenken, dass die Mehrwertsteuer, diverse Verbrauchssteuern sowie die Gebühren in der staatlichen Bürokratie 2025 kräftig heraufgesetzt wurden. Das wird den Normalbürger weiter belasten.
2026 rechnen russische Analysten mit doppelt so vielen Insolvenzen wie Betriebsneugründungen. Das Wirtschaftswachstum wird voraussichtlich irgendwo zwischen 0,5 und 1% liegen, und damit kaufkraftbereinigt gegen 0 tendieren. (Quelle)
Hinzu kommt, dass der Öl- und Gas-Sektor durch Sanktionen, den niedrigen Öl-Preis und die steten ukrainischen Angriffe auf Raffinerien in Westrussland immer weniger Einnahmen generiert. Allein im Januar 2026 sind die Staatseinnahmen aus diesem Sektor um 46% gesunken. (Quelle)
Letzten Endes sollte man aber mit all diesen Beobachtungen keine großen Hoffnungen verbinden. Es geht den meisten Russen immer noch deutlich besser als in den Uschasnyje dewjanostyje, den "schrecklichen Neunzigern".
Und meines Wissens haben Sanktionen noch nie Kriege beendet. Das ist auch gar nicht ihr Ziel, obwohl man das in Deutschland natürlich so verkauft hat, um im Hinblick auf bevorstehende Wahlen teils unpopuläre Maßnahmen entsprechend zu framen.
Sanktionen dienen der Bestrafung der gegnerischen Elite. Sie verhindern aber vor allem eine schnelle Erholung der gegnerischen Wirtschaft.
Und was das anlangt, steht Russland offenbar ein langer Leidensweg bevor. Die russische Wirtschaft befindet sich seit drei Jahren in der Stagflation. Es geht nicht wirklich bergab (auch wenn die hunderttausenden Russen, die ihre Mieten und Hypotheken nicht mehr bezahlen können, das anders sehen werden), aber auch nicht bergauf, und gerade werden die Weichen dahingehend gestellt, dass es lange nicht mehr bergauf gehen kann.
Die Schulden wachsen, Industrie und Gewerbe sind ineffizient und ihr Output schrumpft stetig. Da spielen die unmittelbaren Kriegsfolgen fast nur die Nebenrolle, so schrecklich sie auch sein mögen: Zwischen 0,5 und 1% der erwerbsfähigen russischen Bevölkerung ist seit 2022 durch den Krieg umgekommen, den demographischen Knick der Auswanderungswelle 2022/2023 verstärkend.
Man hat hunderttausende Veteranen produziert, die den Staat viel Geld kosten werden—die Versehrten muss man versorgen, und unter den Nicht-Versehrten werden viele sein, die keine Lust haben dürften, in ein russisches Durchschnittsgehalt zurückzusinken.
Meiner Vermutung nach ist das derzeit die einzige Gruppe, die Putin wirklich fürchtet: die Veteranen. Der Fall des Kaiserreichs wurde ebenso wie der Fall der Sowjetunion durch unzufriedene Kriegsveteranen entscheidend beschleunigt.
Das ist ökonomischer Treibsand, aus dem Russland sich aus eigener Kraft nicht wird befreien können, jedenfalls nicht ohne Reformen, zu denen die Elite nicht bereit sein wird. Das dürfte auch der Grund dafür sein, dass Russland gerüchtehalber zurzeit vor Donald Trumps Nase eine $12 Bio.-Karotte schwenkt.
