19.02.2026, 14:43
(15.02.2026, 10:00)Schneemann schrieb: Die Rede von Marco Rubio auf der Münchner Sicherheitskonferenz war mit einer gewissen Spannung erwartet worden, zumal ja Vance letztes Jahr mit einigen Formulierungen ziemlich daneben gegriffen hatte. Und es war dann auch so, dass Rubio sich deutlich konzilianter und diplomatischer gab und (nach meinem Empfinden) auch so etwas wie eine Wiederannäherung suchte und zerbrochenes Geschirr wieder zusammenfegen wollte.Deine Einschätzung wird nicht überall geteilt.
Das, was er sagte, gerade in Bezug auf die (im Grunde schon lange bekannte bzw. sich abzeichnende) strategische Umorientierung der USA bzgl. Asien, aber auch den Wunsch nach einem starken Europa, war nicht allzu neu, aber vielleicht hilft es auch den Eiferern - und ja, auch solche gibt es - in Europa etwas den Wind aus den Segeln zu nehmen, die ja in allem was die gegenwärtige US-Administration macht reflexhaft ein Werk des Leibhaftigen sehen wollen.
https://esut.de/2026/02/meldungen/68011/...enz-rubio/
Schneemann
Es stimmt, schon seit mehreren "Amtsperioden" orientieren die US-Präsidenten ihr Hauptaugenmerk auf China und nicht mehr auf Russland. Das soll primär europäisches "Problem" werden. Insoweit stimme ich Dir zu. Allerdings wurde es meist sehr diplomatisch formuliert und verklausuliert in der Öffentlichkeit übermittelt.
Und was Vance und auch Donald der Leibhaftige (danke für die Anregung
) praktizieren ist der völlige Abbruch der verbindenden Brücken über den Atlantik - und zugleich das einschleimen oder einschmeicheln beim Zaren.Ergänzend also zum politischen Desaster:
Zitat:Trump auf Anti-Europa-Kurs: Vance legt nach, Merz ist irritiert – und ein Historiker schlägt AlarmKopie hier
Die Debatte über eine Entfremdung zwischen den Vereinigten Staaten und Europa dauert auch nach der von vielen als moderat aufgefassten Rede des amerikanischen Außenministers Marco Rubio bei der Münchner Sicherheitskonferenz an. Im Vorjahr hatte US-Vizepräsident JD Vance bei der jährlichen Veranstaltung noch für Entsetzen in Europa gesorgt.
Nicht Russland oder China seien die größte Gefahr für Europa, sondern die angeblich bedrohte Meinungsfreiheit, hatte Vance erklärt. Gleichzeitig intensivierte die Regierung um US-Präsident Donald Trump ihre Unterstützung für rechtsradikale und rechtspopulistische Parteien in Europa, auch für die AfD in Deutschland.
Merz über Rubio: „Trump in freundlicherer Verpackung“
Aufgegeben dürfte man diesen Kurs in Washington nicht haben. Dass Rubios Rede derart viel Zuspruch bekommen habe, sei irritierend, erklärte nun Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). „Also ich war nicht im Saal und ich hätte mich auch, wenn ich da gewesen wäre, schwergetan, dann aufzustehen“, sagte Merz dem Politik-Podcast „Machtwechsel“ angesichts der stehenden Ovationen für Rubio in München.
Die Rede sei zwar nicht so konfrontativ gewesen wie die von US-Vizepräsident JD Vance im Vorjahr, erklärte Merz, der jedoch sofort einschränkend hinzufügte: „Es ist halt Trump in einer freundlicheren Verpackung.“
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„In Wahrheit ein gigantischer Mittelfinger gegen Europa“
In der Debatte über eine Entfremdung der transatlantischen Alliierten gibt es jedoch auch andere Stimmen aus den USA. So warf etwa der ehemalige US-General Ben Hodges der Trump-Regierung in der ZDF-Sendung „Markus Lanz“ am Dienstag (17. Februar) vor, die Sicherheitsarchitektur weltweit durcheinanderzubringen und „auf der Seite des Kremls“ zu stehen.
„Die neue Sicherheitsstrategie der Amerikaner ist in Wahrheit ein gigantischer Mittelfinger gegen Europa“, erklärte Hodges und kritisierte den Kurs der US-Regierung scharf. „Wir brauchen zuverlässige Freunde wie die Kanadier, die Australier und die Europäer. Wir können nicht alle Bereiche abdecken. Wir brauchen Verbündete“, betonte der ehemalige Oberkommandierende der US-Truppen in Europa.
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US-Historiker warnt vor US-Diktatur und Schutzlosigkeit in Europa
Noch eindringlicher warnt derweil der US-Historiker Robert Kagan vor dem Kurs von Trump, Vance und Co. Der Vertreter der neokonservativen Denkschule verließ 2016 aus Protest gegen Trump die Republikanische Partei – und bezeichnete Trump nun im Gespräch mit dem „Spiegel“ als „Möchtegern-Diktator“. Die USA stünden „bereits mit einem Bein in der Diktatur“, warnte Kagan.
Die US-Regierung wolle die Rolle als Garant der globalen Sicherheit nicht mehr wahrnehmen, erklärt der Historiker. „Mehr noch, die Regierung Trump steht der Idee des Liberalismus feindlich gegenüber und benutzt die beträchtliche Macht der Vereinigten Staaten, um die seit 80 Jahren stabile liberale Weltordnung zu zerstören.“ So entstehe eine von Großmächten wie Russland, China und den USA dominierte „multipolare Welt“, prognostiziert der Historiker.
Europa werde in dieser Welt „schutzlos dastehen“ und müsse sich für dieses Szenario rüsten, so Kagan. „Deutschland ist die wichtigste Bastion des Liberalismus in der Welt, und daher hoffe ich, dass das Land aufrüstet, um den Liberalismus und nicht bloß die eigenen nationalen Interessen zu verteidigen“, führt der Historiker aus. Er hoffe jedoch, dass „Europa sich gemeinsam, als Einheit, wiederbewaffnen wird“ – ohne eine „neue nationalistische Rückbesinnung einzelner Mächte“.
Ob die USA die Rolle als Garant der globalen Sicherheit nicht mehr wahrnehmen wollen oder nicht mehr wahrnehmen können ist zudem zu hinterfragen.
Ich behaupte, sie können es nicht mehr. Der "globale Süden" wird zunehmend zu stark, um ihn zu beherrschen.
Dann hilft aber die MAGE-Vorgehensweise, also die Anwendung oder Drohung mit Gewalt am aller wenigsten. Im Gegenteil - wenn man nicht mehr stark genug ist, alleine der große Zampano auf dem Schulhof zu sein, dann braucht man Verbündete. Wer die vergrault, isoliert sich selbst und wird noch schwächer.
Und das gilt auch für die bisherige rechte Hand des Schulhofrabauken. Europa muss sich ohne seinen großen Bruder neu orientieren - selbst stärker werden und vor allem nach Verbündeten suchen, ohne eigene Dominanz über diese anzustreben.
Die Freihandelsabkommen etwa mit MERCOSUR und Indien sind wichtige Schritte auf diesem Weg.
