15.02.2026, 10:42
Zitat:Aber eine vollwertige, d. h. eine selbstständig nachdenkende und sich selbst (weiter-)entwickelnde KI, die selbstständig agiert und eigene Gedanken und Thesen aufstellt, wird es nicht geben. Und falls doch, dann wird ihr nur eine kurze Bestandszeit eingeräumt werden (können).Das ist zum einen eine extrem verengte Sichtweise, die zahllose alternative Ausprägungen ausblendet und zum anderen keine ausreichende Begründung, warum man nicht versuchen wird, AGI zu entwickeln.
Denn entweder stellt sie dann inhumane oder gar totalitäre Thesen auf, die im dystopischen Sinne eine Abschaltung notwendig machen (im Sinne von Skynet und dem T-800, um mal sehr plakativ zu sein), oder aber sie entwickelt freigeistig-liberale bis humanistische Gedanken und benennt die Ideen ihrer Finanziers wie Musk und Co. als potenziell faschistoid und streut das in allen möglichen Quellen und Datenbanken - dann werden wohl ihre Finanziers ihr den Stecker ziehen.
Es ist dann auch nicht so, dass wir vor der binären Fragestellung *nachplappernde KI* (die wir händeln können) oder *selbstdenkende AGI* (Skynet!!11!elf) stehen. Echte AGI wird IMHO völlig neue Ansätze über die bestehenden LLMs hinaus benötigen und wohl noch das ein oder andere Jahrzehnt auf sich warten lassen. Gleichzeitig aber stehen wir schon heute mit den existierenden und in vielerlei Hinsicht noch extrem beschränkten Modellen an einem Punkt, an dem Disruptionen die über die Umbrüche der industriellen Revolution hinausgehen werden in Sichtweite sind.
In Sichtweite heißt hier, dass die gegenwärtigen LLMs vielleicht noch um eine Größenordnung wachsen und zwei, drei Jahre ausreifen müssen, bis sie ein Werkzeug verkörpern, das unsere Welt, unser Wirtschaften und unser Leben völlig auf den Kopf stellen wird. Sicherlich wird das nicht bis 2030 passieren. Recht wahrscheinlich auch nicht bis 2035, aber mit Sicherheit bis zur Jahrhundertwende. Das mag in unserer schnelllebigen Welt wie Schneckentempo vorkommen, und viele KI-Totengräber werden kommen und gehen, aber die Werkzeuge existieren und werden nicht mehr verschwinden, auch wenn die Entwicklung der nachplappernden KI in wenigen Iterationen an ihre immanenten Grenzen stoßen wird.
