13.02.2026, 23:17
Zitat:Atomschirm-Gespräche mit Parisdas wird von der WELT so kommentiert:
Merz macht den "Kulturkampf"-USA eine Ansage - und ein Angebot
13.02.2026, 14:22 Uhr
Erstmals eröffnet der Bundeskanzler die Münchener Sicherheitskonferenz: Friedrich Merz erklärt die regelbasierte internationale Ordnung für beendet und warnt vor den Folgen - auch für die USA. Zur US-Regierung gebe es eine "Kluft", auf die Europa reagiere. Auch mit einem gemeinsamen Atomschirm?
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Europa dürfe wegen der Differenzen mit den USA die Nato nicht abschreiben, müsse aber "im Bündnis im eigenen Interesse einen starken selbsttragenden europäischen Pfeiler errichten", sagte Merz. Ziel müsse sein, sich "mit neuer Stärke, neuer Achtung und Selbstachtung" zu behaupten.
Der Aufbruch zu mehr europäischer Unabhängigkeit sei "unter allen Umständen richtig", sagte Merz. "Er ist richtig, falls sich die Vereinigten Staaten weiter entfernen. Er ist richtig, solange wir unsere Sicherheit nicht aus eigener Kraft gewährleisten können. Er ist schließlich richtig, um eine gesündere transatlantische Partnerschaft zu begründen."
Merz stellte in München grundsätzliche weltanschauliche Differenzen mit den USA fest. Die aktuelle Weltlage sei von einer "Rückbesinnung auf Machtpolitik" und einem "Bedürfnis nach starker Führung" bestimmt. "Auch wir treffen unsere Vorkehrungen für die neue Zeit", sagte der Kanzler. "Dabei kommen wir zu anderen Ergebnissen als die Administration in Washington."
Merz wendet sich gegen Trumps "Kulturkampf"
Merz grenzte sich deutlich vom ideologischen Kernbestand der von US-Präsident Trump inspirierten MAGA-Bewegung ("Make America Great Again") ab. "Der Kulturkampf der MAGA-Bewegung ist nicht unserer", sagte der Bundeskanzler. "Die Freiheit des Wortes endet hier bei uns, wenn sich dieses Wort gegen Menschenwürde und Grundgesetz wendet. Wir glauben nicht an Zölle und Protektionismus, sondern an freien Handel. An Klimaabkommen und Weltgesundheitsorganisation halten wir fest, weil wir überzeugt sind: Globale Aufgaben werden wir nur gemeinsam lösen."
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Zitat:Transatlantische Beziehungen
„Beleg dafür, dass es die Europäer ernst meinen“ – Der Ton im Umgang mit den USA verändert sich
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In Amerikas neuer Nationaler Sicherheitsstrategie werden „Aktivitäten der Europäischen Union und anderer transnationaler Institutionen“ als eines der größten Probleme des Kontinents bezeichnet. Nach Trumps Äußerungen wäre ein Europa der Nationalstaaten der bessere Weg.
Das lässt sich mit strategischen Interessen erklären. Als vereinter Block ist Europa geopolitisch mächtiger und könnte immer wieder zum Problem für die Ideologie „America First“ werden – einzelnen Staaten jedoch kann das Weiße Haus leichter seine Bedingungen aufzwingen.
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Bereits in der ersten Amtszeit machte Trump seine Geringschätzung für die EU deutlich. Er erfreute sich am Brexit, attackierte Brüssel als vermeintlich unfairen Wettbewerber und pflegte enge Kontakte zu EU-feindlichen Politikern. In seiner zweiten Amtszeit geht der US-Präsident zielgerichteter und oft auf brachiale Weise vor, besonders mit Blick auf die EU. Die Strafzölle sind nur ein Beispiel, wie er Europa in die Enge treibt.
Zwar agiert die EU in Handelsfragen als Block, das macht ihre Stärke aus. Aber ihre Schwächen treten zutage, wenn Trumps Zölle Branchen und Produkte treffen, die für einzelne Länder besonders sensibel sind. Sei es die Autoindustrie in Deutschland, der Maschinenbau in Italien oder Frankreichs Exporthandel mit Champagner. Dann nämlich üben die Nationalstaaten Druck auf Brüssel aus, mit Zugeständnissen gegenüber Washington die Zölle abzumildern.
Diese Politik des Teilens und Herrschens gegenüber Europa geht weit über Zölle hinaus. Washington unter Trump ignoriert Brüssel, wann immer das möglich ist.
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Derweil finanziert das US-Außenministerium der „Financial Times“ zufolge rechtsgerichtete Institute und Gruppen in Europa, die das Ziel der „Make America Great Again“-Bewegung teilen: die Europäische Union kleinzumachen.
Nächstes Beispiel: Grönland. Jene acht europäischen Länder, die sich solidarisch gegen Trumps Besitzansprüche stellten, darunter Deutschland, kassierten ebenso prompt Drohungen mit Strafzöllen. Zwar führte Nato-Generalsekretär Mark Rutte beim Weltwirtschaftsforum in Davos eine vorläufige Einigung herbei. Doch das Thema dürfte wieder aufkommen.
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