Gestern, 21:52
(Gestern, 21:11)spooky schrieb: Hier darf man aber auch nicht vergessen, das eine passive oder zumindest erst am Radarhorizont aufgeschaltete aktive AShM auch erst eben dort entdeckt werden kann. Selbst bei Unterschall-AShM sprechen wir da nur noch von ca. 1 min bis zum Einschlag, bei Überschallflk entsprechend noch weniger. Da muss die Besatzung schon sehr auf Zack sein um einen ersten Impact deutlich ausserhalb der RAM Reichweite zu erzielen. Beim Nachschuss käme dann vermutlich schon ESSM und RAM parallel zum Einsatz. Von daher ja es ist der letzte Layer aber die Frage ist in wie man überhaupt eine realistische Chance hat vorher das beste aus den anderen Layern zu machen. Und hier spielt RAM neben der Reichweite eben noch andere Vorteile aus:
- Das System bindet an Bord keine Resource wie einen Tracker
- Es ist Fire&Forget d.h. es ist weitestgehend robust gegen Mehrfachangriffe
- Mit 21 Flk. in einem Werfer kann man problemlos Doppelbekämpfungen vornehmen und muss man sich auch nach einem Angriff nicht gleich Gedanken um eine Aufmunitionierung machen, in der z.B. Systeme wie Phalanx ausfallen.
Ich stelle auch nicht RAM in Frage, einen Werfer sollte es auf der A-200 geben.
Natürlich sind die Vorwarnzeiten kurz, deshalb sage ich ja fast mantraartig, dass eine ASW-Fregatte niemals ein Einzelfahrer sein kann und darf. Sei es, dass andere Einheiten den Sensor-Horizont erweitern oder aktiv beim Schutz mitwirken.
Die von dir zitieren Vorwarnzeiten für einen Seaskimmer sind natürlich korrekt, aber bei der Schlussfolgerung bin ich nicht bei dir. Die Besatzung hat in dieser Funktionskette heute nur noch die Rolle als Man-on-the-loop zu erfüllen. Die komplette Funktionskette von Detektion, Klassifizierung, Identifizierung, Bekämpfungsplanung, Aufsetzen der Bekämpfung muss automatisch erfolgen. Bei den Waffeneinsatzreichweiten von RAM würde ich sogar so weit gehen, ihm die Abfeuerung zu erlauben.
Die Besatzung hat maximal noch den Abfeuerknopf zu drücken, alles andere muss heute vollautomatisch laufen.
OODA-Loop Besatzung: ca. 30 Sekunden
OODA-Loop System: ca. 5 Sekunden
Dafür muss man natürlich dem Automaten vertrauen und da haben wir Deutschen ja eine eher konservative Einstellung zu

(Gestern, 21:11)spooky schrieb: Also ein C-RAM auf einem Schiff dürfte aktuell doch ehr eine absolute Ausnahmenutzung sein. Und wenn der Gegner tatsächlich mit endphasengelenkter Munition großer Reichweite auf das Schiff schießt wie lange reicht der Munitionsvorrat dann? 15 sec? Hat Phalanx überhaupt die Fähigkeit Geschosse, die mit einer Kadenz von 20+ Schuss/min verschossen werden zuverlässig alle nach der Reihe unschädlich zu machen oder ist es auf Grund der Anzahl und des geringen Abstands zwischen den Bekämpfungen sowieso überfordert?
Die Frage ist nicht, wie lange der Munitionsvorrat von Phalanx im C-RAM Szenario ausreicht, sondern wieviele Schüsse pro Ziel erforderlich. Nach den verfügbaren Informationen benötigt Phalanx in der C-RAM-Rolle ca. 300 Schuss pro Ziel (in Abhängigkeit vom Munitionstyp). Bei 1.500 Schuss im Magazin reicht das also für minimal 5 Kills - nicht viel, aber es trifft ja auch nicht jede Artilleriegranate ein Schiff. Ist das eine Nischenanwendung? Absolut. Ist es verkehrt diese Nebenfunktion zu haben? Ich meine nicht.
Wenn der Gegner in der Endphase gelenkte Munition verwendet, steht die Phalanx ja auch nicht allein dar. Gegen GPS gestützte Munition gibt es Jammer, gegen IR- oder Lasergeführte DIRCM. Erst wenn das alles versagt, brauche ich die Phalanx.
(Gestern, 21:11)spooky schrieb: Hat Phalanx eine höhere Reichweite gegen UAVs als eine handelsübliches 30 mm Sekundärbewaffnung mit ABM? Ich denke nein. Wo ist also der Nutzen eine UAV mit 200 Schuss 20 mm statt mit 15 Schuss ABM zu bekämpfen?
Gar nichts, so war auch meine Argumentation nicht. Ich gehe davon aus, dass ein Mix aus RAM und Phalanx (bzw. einer 30 mm Variante wie Goalkeeper) besser ist und mehr Einsatzszenare abdeckt, als ein reiner "RAM-RAM" Ansatz.
Die Phalanx braucht pro UAV ca. 100 Schuss (bzw. auch nur 60, je nach Quelle). Jeder Schuss kosten ca. 30 Dollar. Damit ca. 3.000 Dollar pro UAV Kill. Eine 30x173 ABM liegt um die 1.000 $ pro Schuss, sprich bei 15 Schuss pro UAV kostet der Kill halt 15.000 $ und damit das 5-fache. Dafür ist die Beschaffung deutlich teurer, als bei einer handelsüblichen 30x173 ABM Waffenstation.
Es hat alles seine Vor- und Nachteile.
Eine Seasnake 30 mit nur ~ 150 Schuss an der Waffe wäre in der UAV Rolle einer Phalanx in der Anzahl an möglichen Kills bis zur Nachladung unterlegen. Eine MSI-DS Seahawk mit 400 Schuss (+) verschiebt die Gleichung wieder in die andere Richtung.
Laser sind für mich auf See absehbar nur komplementäre Waffen. Da fehlt einfach noch zuviel Informationslage aus den Einsatzgebieten insbesondere der Langlebigkeit der Optik im Einsatzgebiet und dem Verhalten in salzhaltiger Umgebung bzw. den Wetterbedingungen auf See, welche die Leistung abschwächen können. Zumal von leistungsstarken Laser auch eine gehörige Gefährdung ausgeht, was unbeteiligte angeht (insbesondere Luftfahrzeugbesatzungen).
Die Integration einer Phalanx ist zudem einfacher, weil es "intelligentes" Subsystem mit autonomer Funktion ist. Ziel übergeben, den Rest kann die Phalanx allein. Beim RAM ist das nicht ganz so simpel, egal, ob der nun Fire &Forget ist oder nicht. Deshalb finde ich SeaRAM so interessant für die A-200, weil er die Autonomie der Phalanx als Redundanz für das Hauptradar der A-200 mitbringt.
Langer Rede, kurzer Sinn: So eine Systemauslegung entwickelt man heute in synthetischen Softwareumgebungen anhand realer Bedrohungsszenare und Wirksamkeitsanalysen. Vielleicht findet die Marine "ASIM/ASCAD" ja noch irgendwo im Regal

https://www.stg-online.org/veranstaltung...69856.html
Die beste Auslegung des Einsatzsystems für die A-200 zu ermitteln sollte für die Software ein idealer Anwendungsfall sein - gerade eben weil die Optionen für die A-200 begrenzt sind, muss hier eine Entscheidung anhand belastbarer Wirksamkeitsanalysen getroffen werden und nicht auf Annahmen der letzten 20 Jahre.
