Vor 1 Stunde
(20.01.2026, 21:47)Schwabo Elite schrieb: Es gibt keinen Konflikt zwischen einer "amerikanischen Kultur" und einer "europäischen Kuiltur" oder "chinesichen Kultur".und
Es gibt nunmehr einen kulturellen Konflikt zwischen "arm" und "reich", "wissend" und "unwissend", "einflussreich" und "hilflos".
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(31.01.2026, 12:43)Kongo Erich schrieb: Hier ist - wegen der Spezialisierung des Threads - ein zunehmend kultureller Unterschied zwischen Trumps USA und der EU / Westeuropa angesprochen.
Ich denke, es schadet nichts, den Beitrag auch im Kontext dieses Strangs zu lesen.
In diesem Artikel der Berliner Zeitung (Kopie hier) werden auch die "kulturellen Unterschiede" zwischen den USA und Europa angesprochen:
Zitat: Von Trump bis Chomsky: Markiert der Epstein-Skandal das Ende des amerikanischen Imperiums?Der Autor *) zeigt also durchaus kulturelle Unterschiede auf, die mit "arm und reich" nichts zu tun haben
Der Epstein-Komplex bezeichnet jenen Punkt, an dem Amerika sein moralisches Gründungsversprechen verliert – und das Imperium beginnt, sich selbst zu entblößen.
Der Epstein-Skandal lässt sich philosophisch als Symbol eines Amerikas lesen, das sein Gründungsnarrativ von der „reinen Neuen Welt“ verloren hat. Jenes Versprechen, mit dem es einst antrat, um Korruption, politischen Despotismus und die moralische Dekadenz der Alten Welt hinter sich zu lassen.
Die Vereinigten Staaten bauten ihre Identität von Beginn an auf der gegenteiligen Idee auf: auf Puritanismus, auf Gleichheit vor dem Gesetz, auf der Ablehnung ererbter Privilegien. Dem entsprach die Vorstellung einer „gesunden“ Moral, die sich bewusst gegen die als lüstern und libertin empfundenen Sitten Europas richtete.
Die USA entstanden und entwickelten sich mit dem Anspruch, die „Neue Welt“ zu sein – jenen Raum von Freiheit, Frieden und moralischer Erneuerung jenseits des Atlantiks zu schaffen, der Europa verloren gegangen war.
Der alte Kontinent galt als erschöpft. Seine historische Kraft schien verbraucht, seine Stellung als „Zentrum der Welt“ durch Korruption unterminiert. Diese Position sollte nun von Amerika eingenommen werden: vom neuen Westen, von „dieser Hemisphäre“, um eine Formulierung aus der berühmten Botschaft des US-Präsidenten Monroe von 1823 aufzugreifen, die gegen neue europäische Expansionsbestrebungen zu verteidigen sei. ...
*)
Paolo Becchi (Genua, 1955) ist Philosoph und lebte längere Zeit in Deutschland, zunächst als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Rechts- und Sozialphilosophie sowie am Lehrstuhl für Praktische Philosophie der Universität des Saarlandes, später als Stipendiat des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) und der Alexander-von-Humboldt-Stiftung. Er war ordentlicher Professor für Rechtsphilosophie an der Universität Genua.
Ich möchte dazu aber festhalten, dass ich - was das Thema "Puritanismus" contra "Freiheit" betrifft - die USA immer als "Hort der Freiheit" gesehen habe. Nun bin ich auch von der sogenannte 68er-Generation (geboren ca. 1940–1950) oder 68er-Bewegung mit geprägt.
Woodstock 1969 war für mich der Inbegriff des amerikanischen Traums von Frieden, Glück und Freiheit. Und das hat so gar nichts mit "Puritanismus" zu tun, sondern im Gegenteil - von der bei uns sogar verfassungsrechtlich garantierten "freien Entfaltung der Persönlichkeit".
Bunt und bisweilen auch schrill - aber eine Befreiung vom konservativ braunen Lederhosen-Einheitsbrei, von normierenden Gesellschaftszwängen und einengender, die Luft zum Atmen nehmender und bedrückender Rückwärtsgewandtheit.
Amerika - da war alles möglich, Hippiebewegung genauso wie die Amischen oder Amisch-People. Alles zusammen in Freiheit und gegenseitigem Respekt und Toleranz vor dem Lebensentwurf des jeweils anderen.
Und es ist DT mit dem Sturm auf das Kapitol und mit der MAGA-Bewegung, die (sehr subjektiv) mein "Traumbild" von einem freien Amerika, in dem "jeder nach seiner Facon seelig werden kann", zerstört hat.
