Vor 5 Stunden
Zurück zum Freihandelsabkommen zwischen EU und Indien.
(27.01.2026, 11:10)Kongo Erich schrieb: ...Dazu schreibt die Berliner Zeitung:
„Schreiben heute Geschichte“ – EU und Indien schließen gigantischen Handelsdeal ab (Kopie hier)
Das ist die logische Konsequenz, wenn eine Supermacht wie die USA nur mit Drohungen und rücksichtsloser Gewalt (Venezuela) sowie vertragsbrüchig (Grönland, Zölle) agiert und schlicht Gehorsam und Unterwerfung einfordern. Dann suchen diejenigen, die ihre Unabhängigkeit bewahren wollen, nach Bündnispartnern - sei es punktuell, sei es in einer strategisch ausgelegten langfristigen Kooperation.
Nachdem sich Russland aus dem BRICS-Bündnis zunehmend verausgabt, und China und Indien geographisch einfach asiatische Rivalen mit unterschiedlichen Interessen sind, würde ich sogar annehmen, dass die Freihandelsabkommen zwischen den "demokratischen Machtblöcken" Mercosur - EU - Indien die Keimzelle für eine insgesamt künftig noch engere Kooperation sein könnten; und Südafrika, das sich nach Jahren inzwischen wieder auf einem guten Weg befindet, könnte hier auch eine südatlantische Scharnierfunktion übernehmen.
Zitat: ...Kopie hier
Die Vereinbarung umfasst etwa zwei Milliarden Menschen, fast ein Viertel der Weltbevölkerung und mehr als ein Fünftel der globalen Wirtschaftsleistung.
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Auch wenn der genaue Wortlaut des Vertrages noch nicht bekannt ist, können die Ergebnisse sich bereits sehen lassen. Für Kernsektoren wie die europäische Automobilindustrie werden Zölle für ein Kontingent von 250.000 Autos schrittweise auf zehn Prozent gesenkt; bisher lagen sie bei bis zu 110 Prozent. Zölle auf Wein und Spirituosen fallen von 150 Prozent auf 20 bis 30 Prozent. Insgesamt werden 90 Prozent der bisher für europäische Exporteure geltenden Zölle entweder gesenkt oder ganz abgeschafft, was einer Entlastung von rund 4 Milliarden Euro pro Jahr entspricht. Gleichzeitig gelten die hohen europäischen Standards weiterhin auch für Importe aus Indien. Bis 2032 sollen sich die Exporte der EU nach Indien dank des Abkommens verdoppeln. Indien gewährt der EU hier einen privilegierten Zugang zum eigenen Markt und demonstriert damit, dass es deren Zuverlässigkeit und wirtschaftliche Stärke zu schätzen weiß.
In der Gesamtschau noch wichtiger als die wirtschaftlichen Details dürfte aber die politische und strategische Dimension des Abkommens sein. In einer Welt, in der Multilateralismus und regelbasierter Handel von vielen Akteuren nicht mehr ernst genommen, geschweige denn propagiert werden, senden Indien und die EU zwei entscheidende Botschaften. Erstens zeigen sie, dass sehr große Volkswirtschaften durchaus in der Lage sind, Handelsabkommen abzuschließen und damit die Weichen für den eigenen künftigen Wohlstandszuwachs zu stellen. Zweitens zeigen sie allen Wirtschaftsakteuren, dass engere Zusammenarbeit zwischen beiden Räumen gern gesehen und politisch flankiert wird. Sowohl Indien als auch die EU werden von einer engeren Verflechtung profitieren.
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