31.01.2026, 17:51
Nachdem sich Afghanistan (mit wohlwollender Kommentierung aus Indien) und Pakistan "in die Wolle geraten" sind ist es nocht uninteressant, wer noch seine Augen auf auf Afghanistan geworfen hat:
Zitat: Machtpoker um Bagram: Wenn US-Interessen auf chinesische Dominanz treffenabgesehen davon, dass auch Indien seinem ostasiatischen Rivalen China zumindest in Afghanistan gerne einen Riegel vorschieben würde, schon um damit den Pakistani in deren Rücken treten zu können ...
US-Präsident Trump kokettiert mit Aussagen zur ehemaligen US-Basis in Afghanistan. Was hat der Schachzug mit China und den US-Wirtschaftsinteressen zu tun? Eine Analyse.
Afghanistan würden "schlechte Dinge" passieren, wenn die Taliban den US-Luftwaffenstützpunkt Bagram nicht "zurückgeben". Dies verlautete US-Präsident Donald Trump unter dem Verweis, auch eine Truppenentsendung nicht auszuschließen.
Aus dem Mund eines der mächtigsten Männer der Welt ist man mittlerweile viel heiße Luft gewohnt: ...
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Könnte das im Falle Afghanistans anders sein?
Rückkehr nach überhasteter Flucht?
Die Bilder aus dem Sommer 2021 sind unvergessen. Nach dem Vormarsch der Taliban, den seit Jahrzehnten fanatisch-sunnitischen Widerstandskämpfern, mussten die US-amerikanischen Besatzer und ihre Entourage überstürzt das Land verlassen. Nach mehr als 20 Jahren hinterließen sie Chaos, Zerstörung, Korruption.
Vorwärts in die Vergangenheit unter Trump? Zunächst umrahmte Donald Trump seinen erwähnten Truth-Social-Post mit weiteren Aussagen vor Reportern. Während einer gemeinsamen Pressekonferenz aus Anlass seines London-Besuchs mit dem britischen Premier Starmer, sagte er: "Wir wollen diese Basis zurück."
Al-Jazeera zufolge teilte Trump den Reportern außerdem mit, dass man sich mit den Taliban wegen der Causa Bagram in Gesprächen befinde – "we are talking to them" sein Tenor.
Die Taliban wiesen die Aussagen zurück und betonten, dass Afghanistan seine territoriale Integrität niemals kompromittieren werde. Der Stabschef des afghanischen Verteidigungsministeriums, Fasihuddin Fitrat, wurde indes noch deutlicher: Ein Deal über "selbst einen Zentimeter afghanischen Bodens" sei nicht möglich.
Erbaut von Amerikanern?
In seinem ersten Truth-Social-Posting zum Thema suggerierte Trump mit der Aussage "man gab Ihnen (den Taliban) die Basis für nichts", dass die USA die Anlage gebaut hätten und damit ein Anrecht auf die weitere Inbetriebnahme hätten. Das ist schlicht falsch: Die Luftwaffenbasis, welche 40 Kilometer nördlich der afghanischen Hauptstadt Kabul liegt, wurde in den 1950er Jahren mit Hilfe des damaligen US-Hauptfeindes, der Sowjetunion, erbaut.
Nach dem Abzug der Sowjetarmee wechselte der Besitzer häufig: Nord-Allianz, Taliban, Nationalarmee. Mit dem 11. September übernahmen nach dem ersten Sturz der Taliban die USA die Basis.
Das US-Militär baute den Stützpunkt zu einer militärischen Großfestung aus. Er beherbergte eine über drei Kilometer lange Landebahn, ein berüchtigtes US-Gefängnis sowie Platz für mehrere Zehntausend US-Soldaten.
Am 2. Juli 2021, also knapp sechs Wochen vor dem endgültigen Abzug aus Kabul, verließen die US- und Nato-Truppen Bagram.
Nicht übersehen werden sollte der blanke Zynismus: Unter dem Decknamen "Cyclone" baute die CIA mit finanziellen Hilfen und Waffenlieferungen die Taliban, die afghanischen Mudschaheddin, im Krieg gegen die Sowjetunion auf. Man wollte Moskau "ein Vietnam" bescheren.
Die Mission war rückblickend betrachtet erfolgreich, doch nicht erst seit 2021 wuchs den USA ihr einstiger Zögling über den Kopf.
"Wegen China-Nähe"
Die aktuelle Begründung für ein mögliches neues US-Abenteuer in Afghanistan erscheint allzu durchschaubar. Wie der Tagesspiegel titelt, geht es um "China-Nähe und Rohstoffe".
Würde die US-Armee tatsächlich wieder Zugriff auf Bagram erhalten, wäre dies ein militärisch-geopolitischer Trumpf. Die Basis liegt weniger als eine Stunde von Chinas Kerngebieten entfernt, in denen Atom- und Raketenprogramme betrieben werden.
Bagram könnte eine erste Schneise in die Seidenstraßen-Initiative Beijings schlagen. In Afghanistan und der gesamten Region kulminieren die handelspolitischen Interessen Russlands, Chinas und der USA. Aktuell scheint Beijing deutlich die Nase vorne zu haben, da man Afghanistan allein wegen des uigurischen Unsicherheitsfaktors als prioritär betrachtet.
Bagram würde den USA jedoch auch weitere Spielfelder eröffnen: militärische Logistik, schnelle Verlegungen, Luftoperationen und Aufklärung – nicht nur gegenüber China, sondern auch gegenüber Russland und dem Iran. So deutet die im Iran erscheinende Tehran Times Bagram als potenzielle Bedrohung für das Land.
US-nahe Kommentatoren machen zudem auf zwei Umstände aufmerksam: Zum einen steht Trump permanent unter innenpolitischem Ablenkungszwang, zum anderen ist die Region auch die Brutstätte neuer terroristischer Gruppen wie dem afghanisch-pakistanischen Ableger des Islamischen Staates (Isis-K oder Al-Qaida), welche nur vor Ort wirkungsvoll ausgeschaltet werden könnten.
It's the economy, stupid!
Einerseits verfügt Afghanistan über große Vorkommen seltener Mineralien wie Kupfer, Eisen und Lithium, andererseits stellt es einen entscheidenden Transitkorridor für Waren dar. Beides steht aktuell unter chinesischer Brics-Suprematie.
China befindet sich seit 2021 im Austausch mit der neuen Staatsspitze. So wurden Rohstoffe gesichert, die für Chinas Energienetz und die High-Tech-Industrie relevant sind. Erste Projekte des gemeinsamen Abbaus wie dem Amu-Darya-Ölprojekt oder dem Mes-Aynak-Kupferbergwerk wurden begonnen.
In Bezug auf Infrastruktur lockt Beijing: Afghanistan soll in die Belt and Road Initiative (BRI) integriert werden. Handelswege sollen ausgebaut, Transportverbindungen verbessert und die Zoll- und Grenzinfrastruktur modernisiert werden. Beispielsweise bestehen Gespräche über den Anschluss an den China-Pakistan Economic Corridor (CPEC). Dabei gilt es zu bedenken, dass die westlichen Regierungen seit Jahren die Taliban moralisch ächteten.
Jene vertrauenszerstörende Dünkel existieren auf chinesischer Seite nicht: Beijing betonte stets die Nichteinmischung in innere Angelegenheiten und schlug selbst bei der unangenehmen Frauenrechtsthematik leise Töne an.
China zeige sich "besorgt" über die Situation der Frauen, gleichwohl gingen damit keine Sanktionen einher. Angesichts eines mehr als einseitigen Handelsvolumens zwischen Afghanistan und der Volksrepublik in Höhe von 1,3 Milliarden US-Dollar 2023 herrscht in China ein politischer Realismus, gepaart mit einem wirtschaftlichen Pragmatismus.
Reden ist Silber
Die Zeit wird weisen, ob und wie ernst es Donald Trump mit seinen Äußerungen meint. Nichtsdestotrotz markiert seine Wortwahl einen rhetorischen Kurswechsel, hin zu einer deutlichen Zuspitzung. Da die Drohung sehr unspezifisch blieb, ist Platz für mögliche Szenarien.
Dabei beinhaltet eine tatsächliche militärische Rückkehr immense Risiken. Nicht nur, dass damit der US-Ansatz eines Rückzuges vom Amt des vermeintlichen "Weltpolizisten" unterlaufen werden würde, sondern auch weil internationale Reaktionen, der Widerstand der Taliban und etwaige Folgekosten unkalkulierbar hoch wären.
Nichtsdestotrotz belegt der rhetorische Seitenhieb zu Afghanistan die massive Relevanz der gesamten Region in den Strategien der USA. Kampflos ist man nicht gewillt, der chinesischen Dominanz zuzuschauen. Mit Israel und abgeschwächter mit Saudi-Arabien verfügen die USA über zwei potenzielle, militärisch-gerüstete regionale Statthalter.
Gleichwohl bietet die rhetorische Eskalation auch das Potenzial, dass sich die Taliban sowohl deutlicher in Richtung China, als auch gegenüber dem Iran und Russland öffnen werden. Mit einer Verstetigung des Weges der Taliban unter US-Druck bisher wäre das exakte Gegenteil der Ziele Trumps erreicht.
