31.01.2026, 13:55
@Kongo Erich
Nicht wenige der unterversorgten russischen Soldaten sollen (anscheinend) ja sogar geglaubt haben, dass die Ukrainer froh sind und sie begrüßen, wenn sie einmarschieren. Als diese dann sich aber wider Erwarten vehement zur Wehr setzten und die Russen heftige Verluste erlitten, sanken Moral und Disziplin ins Bodenlose - in der Folge kam es dann auch zu den bekannten Massakern, wie etwa in Bucha, zu vielen unbekannten und wenig bis gar nicht dokumentierten Verbrechen und zu massiven Plünderungen.
D. h. ich vermute, dass die Kamarilla in Moskau tatsächlich anfangs von einem "Blitzsieg" ausging und annahm, dass man die Ukraine schnell - vielleicht in zwei, drei Wochen - einkassieren und dann innenpolitische Säuberungsaktionen durchführen und ein willfähriges Regime dort implementieren könne. Diese geradezu abenteuerlichen Annahmen im Kreml zerfielen bekanntlich in der Realität grandios, aber man konnte sich das nach Kriegsbeginn natürlich auch nicht (mehr) eingestehen, als die Lage bereits völlig verkorkst war. Und es zeigt v. a. auch, wie weltfremd die Moskauer Führung war und ist.
Spätestens dann, als die Westmächte begannen Nachschub in die Ukraine zu schicken, was ja schon im Vorfeld des Krieges geschah, hätte man erkennen müssen, dass die Rechnung nicht aufgehen wird und dass man planerisch umdisponieren muss. Spätestens da hätte man dann abwägen müssen, welchen Weg man bestreitet, z. B. ob man nicht einfach nur die Maskirowka, und nur diese, nicht weiter ausbaut - ohne Waffengang -, um den Druck auf Kiew immer mehr zu erhöhen und um die Ukrainer zu bestimmten Zugeständnissen zu zwingen. Und dies hätte durchaus funktionieren können, denn dass die russische Armee in einem derart desolaten Zustand war, hat man ja erst nach dem Beginn des Krieges bemerkt, zuvor ging man von einer durchaus schlagkräftigen Invasionsstreitmacht aus und nicht wenige haben die Russen stark überschätzt (ich hatte sie übrigens auch stärker eingeschätzt). Aber vermutlich hat man dies im Kreml schlicht nicht sehen wollen und man hat sich auch selbst getäuscht bzw. angelogen bzw. hat der eigenen Propaganda geglaubt, da man von der "überwältigenden Stärke" der eigenen Truppen bekanntlich felsenfest überzeugt war.
Als der Feldzug dann zu einem Fiasko wurde und im Stellungskrieg in der Ostukraine erstarrte, hatte man aber schon so hoch gepokert, dass man aus der Nummer nicht mehr herauskam - ohne den eigenen Sturz zu riskieren. In gewisser Weise ist die russische Führung also ein Getriebener ihrer eigenen Lügen.
Schneemann
Zitat:Es gibt wohl zwei Arten von Kriegen:Das denke ich immer mehr auch. Wenn man sich anschaut, wie unzulänglich die Russen im Februar 2022 antraten, wie wenig Mannstärke und Gerät sie im Vergleich zur Größe des Landes aufboten, wie schlecht ihre Logistik und Führung ist/war (wobei sie das sicher nicht so sahen), wie unsinnig ein mechanisierter Angriff in der Tauwetterphase ist (d. h. man wusste, dass man Straßen benutzen musste), dann kann das darauf hindeuten, dass man tatsächlich mit einem schnellen "Spaziergang" rechnete. (Wobei die Ausstattung und die Logistik vermutlich nur marginal besser gewesen wären, wenn man mit einem längeren Waffengang gerechnet hätte.)
= "Blitzkriege", die nach wenigen Wochen bzw. kurzer Zeit entschieden sind (wie etwa der 6-Tage Krieg Israels 1967) - das war wohl von Putin geplant... [...]
Nicht wenige der unterversorgten russischen Soldaten sollen (anscheinend) ja sogar geglaubt haben, dass die Ukrainer froh sind und sie begrüßen, wenn sie einmarschieren. Als diese dann sich aber wider Erwarten vehement zur Wehr setzten und die Russen heftige Verluste erlitten, sanken Moral und Disziplin ins Bodenlose - in der Folge kam es dann auch zu den bekannten Massakern, wie etwa in Bucha, zu vielen unbekannten und wenig bis gar nicht dokumentierten Verbrechen und zu massiven Plünderungen.
D. h. ich vermute, dass die Kamarilla in Moskau tatsächlich anfangs von einem "Blitzsieg" ausging und annahm, dass man die Ukraine schnell - vielleicht in zwei, drei Wochen - einkassieren und dann innenpolitische Säuberungsaktionen durchführen und ein willfähriges Regime dort implementieren könne. Diese geradezu abenteuerlichen Annahmen im Kreml zerfielen bekanntlich in der Realität grandios, aber man konnte sich das nach Kriegsbeginn natürlich auch nicht (mehr) eingestehen, als die Lage bereits völlig verkorkst war. Und es zeigt v. a. auch, wie weltfremd die Moskauer Führung war und ist.
Spätestens dann, als die Westmächte begannen Nachschub in die Ukraine zu schicken, was ja schon im Vorfeld des Krieges geschah, hätte man erkennen müssen, dass die Rechnung nicht aufgehen wird und dass man planerisch umdisponieren muss. Spätestens da hätte man dann abwägen müssen, welchen Weg man bestreitet, z. B. ob man nicht einfach nur die Maskirowka, und nur diese, nicht weiter ausbaut - ohne Waffengang -, um den Druck auf Kiew immer mehr zu erhöhen und um die Ukrainer zu bestimmten Zugeständnissen zu zwingen. Und dies hätte durchaus funktionieren können, denn dass die russische Armee in einem derart desolaten Zustand war, hat man ja erst nach dem Beginn des Krieges bemerkt, zuvor ging man von einer durchaus schlagkräftigen Invasionsstreitmacht aus und nicht wenige haben die Russen stark überschätzt (ich hatte sie übrigens auch stärker eingeschätzt). Aber vermutlich hat man dies im Kreml schlicht nicht sehen wollen und man hat sich auch selbst getäuscht bzw. angelogen bzw. hat der eigenen Propaganda geglaubt, da man von der "überwältigenden Stärke" der eigenen Truppen bekanntlich felsenfest überzeugt war.
Als der Feldzug dann zu einem Fiasko wurde und im Stellungskrieg in der Ostukraine erstarrte, hatte man aber schon so hoch gepokert, dass man aus der Nummer nicht mehr herauskam - ohne den eigenen Sturz zu riskieren. In gewisser Weise ist die russische Führung also ein Getriebener ihrer eigenen Lügen.
Schneemann
