(Weltraum) Polaris HYTEV (Hypersonic Test and Experimentation Vehicle) // Aurora // Vega
#75
(28.01.2026, 20:12)Nightwatch schrieb: Zweifellos. Nur gibt es einen massiven Unterschied zwischen direkter Finanzierung von Risikoentwicklung dem Einkauf von Dienstleistungen.
SpaceX hat um 2003 rum mal eine kleine DARPA Investition und alles weitere waren dann schon Startaufträge bis COTS, sprich die Entwicklung der Cargo Dragon.

Der Auftrag der NASA für CRS erfolgte nach drei fehlgeschlagenen Startversuchen und einem erfolgreichen Start der Falcon 1, die nach eigenen Angaben nicht kommerziell verwendbar war. Das war keine Risikofinanzierung im rechtlichen Sinn, geht aber sehr stark in diese Richtung und kann sicherlich nicht als COTS bezeichnet werden.

Zitat:Das Problem ist nicht, das sie ein europäisches Startup sind, sondern das sie ein immens komplexes Feld mit wilden Versprechungen, einer seltsamen Idee ohne militärischen UseCase bespielen und dafür Steuergelder kassieren.

So wild sind doch die Ziele gar nicht, und einen militärischen Verwendungszweck für ein flexibel einsatzbares, wirtschaftliches Trägermittel kann ich in Anbetracht der Relevanz des Weltraums und die zukünftigen Nutzungsperspektiven kleiner Satelliten in niedrigen Umlaufbahnen durchaus schon aus diesem Grund heraus erkennen. In welcher Form die darüber hinausgehenden Fähigkeiten dann abgebildet werden können bleibt natürlich abzuwarten, nur liegt darauf nicht der Fokus der Entwicklung.

Zitat:Es ist per se keine Kunst ein wie auch immer geartetes Raketentriebwerk in ein Flugzeug zu bauen und damit große Höhen oder Überschall-Geschwindigkeiten zu erreichen. Dazu braucht es auch kein Aerospike Triebwerk.

Prinzipiell richtig, aber hier geht es konkret um ein Aerospike-Triebwerk, und dieses zur Serienreife zu bringen ist ein wichtiger Punkt der Gesamtentwicklung, in meinen Augen tatsächlich der wichtigste. Entgegen deinen Aussagen ist ein Aerospike nun gerade nicht vergleichsweise schwer (im Gegenteil ist es im Vergleich zu ähnlich starken Triebwerken mit glockenförmiger Düse sogar je nach deren Auslegung durchaus auch signifikant leichter) und besitzt im Vergleich zu eben diesen auch ein besseres TWR.

Zitat:Die größte Herausforderung ist damals wie heute nicht irgendein Triebwerk zu haben das hohe Geschwindigkeiten erreicht, sondern das Management der Reibungshitze. Wenn ich da auf der Website lese, dass man meint mit Geschwindigkeiten jenseits (!) von Mach 10 irgendetwas in Richtung „reconnaissance and other defense applications“ durchführen zu wollen und mir dann vergegenwärtige welche enormen thermischen Herausforderungen schon bei wesentlich weniger ambitionierten Programmen aufgetreten sind kann ich darüber nur schmunzeln.

Für die Höhen, in denen die Geschwindigkeit erreicht werden soll (zumindest gehe ich nach den öffentlich verfügbaren Informationen davon aus), ist die Hitzebelastung gar keine so große Herausforderung beispielsweise im Vergleich zum Wiedereintritt aus dem Orbit. Ein relevanter Faktor bleibt das natürlich, aber keine unlösbare Aufgabe. Und was die Aufklärung angeht, zumindest kann ich nachvollziehen, warum das bei dem angestrebten Flugprofil angedacht wird. Wie gesagt, ob das final sinnvoll ist werden wir sehen (oder auch nicht). Weniger ambitioniert, als vor dem ersten Raketenstart vom Mars zu schwadronieren ist es allemal. Wink

Zitat:Es wäre immens viel einfacher ein konventionelles Raketentriebwerk zu verwenden und damit einen exotischen Booster für Satellitenstarts zu entwickeln. Siehe die aktuelle Ml-II Aurora von Dawn Aerospace. Das ist ein limitiertes und realistisches Programm verglichen mit Polaris.

Gegenüber bestehenden Lösungen ist der einzige Vorteil des Konzepts von Dawn Aerospace, dass das Fluggerät theoretisch von jedem Flughafen aus operieren kann. Praktisch wird das Aufgrund des Antriebssystems und des Flugbereichs wieder deutlich eingeschränkt. Darüber hinaus handelt es sich doch einfach nur um eine konventionelle, wiederverwendbare Rakete, die aufgrund der zusätzlichen aerodynamischen Strukturen schwerer sein wird als eine klassische Hauptstufe. Natürlich ist es einfacher, so etwas zu konstruieren, aber du sagst es selbst: abgesehen von der vermeintlichen Flexibilität lassen sich diese Fähigkeiten auch nochmal einfacher mit etablierter, wiederverwendbarer Raketentechnik umsetzen. Und bei einem luftgestarteten System sogar ohne Verzicht auf diese Form der Flexibilität.

Gerade deshalb sind die Aerospike-Triebwerke für das Konzept von Polaris auch so relevant, genauso wie die Kombination mit Turbofans. So kann das Fluggerät wie ein klassisches Flugzeug betrieben werden und ist dadurch tatsächlich auch praktisch in der Lage, wesentlich flexibler zu operieren. Zudem ist der Flugbereich wesentlich größer, nicht nur gegen eine wiederverwendbare Hauptstufe, sondern eben auch gegen rein raketengetriebene Raumflugzeuge. Und ja, ich gebe dir völlig recht, dass es deswegen einige Fragezeichen gibt. Das beginnt mit der Frage, wer diese Fähigkeiten tatsächlich braucht (gerade da kann ich aber verstehen, warum die Bundeswehr sich dafür interessiert) und ob die operationellen Fähigkeiten tatsächliche Vorteile bieten, die der Markt annimmt, geht über die Frage, ob die Effizienzsteigerung des Raketentriebwerks und die Nutzung von Turbofans in niedrigen Höhen tatsächlich das tote Gewicht soweit kompensieren können, dass zumindest ansatzweise ein vernünftiges Kostenniveau erreicht wird (also zumindest im Bereich von vergleichbaren wiederverwendbaren Raketen), und endet damit, ob überhaupt die grundsätzlichen Ziele erreicht werden können?

Wo ich zustimme, aktuell fällt es mir schwer mir so ein SSTO vorzustellen. Allerdings halte ich das als Ziel auch nicht für so relevant, es ist eine nette Vision, und davon lebt die Raumfahrt seit jeher. Ich sehe das Projekt aktuell eher als ausgelagertes Forschungsprogramm des DLR, und halte die öffentliche Förderung für zwingend notwendig, gerade weil die Strukturen hier in Europa sind wie sie sind.

Zitat:Das Ding wird nie über den Prototypenstatus hinauskommen. Die Expertise und die Finanzmittel wären an anderer Stelle wesentlich sinnvoller einsetzbar.

Vielleicht ist das der Fall, vielleicht auch nicht. Ich sehe aus meiner Laienperspektive durchaus beide Möglichkeiten und halte diese praktische Forschung (wie gesagt ist es mehr aktuell nicht) für durchaus sinnvoll. Für mich ist aber auch der Umstand, dass so etwas bisher niemand gebaut hat, oder dass an der Entwicklung andere, größere Firmen scheiterten, kein Argument.
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RE: Polaris Aurora - von Helios - 19.03.2022, 08:20
RE: Polaris Aurora - von Avatar321 - 19.03.2022, 20:55
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