26.01.2026, 21:40
(25.01.2026, 19:49)Frank353 schrieb: https://youtu.be/PvBp8zgxNRk?si=y1gEP6T8xq5iSzqU
Nach diesem Welt-Bericht werden in der Ukraine 90% der Angriffe an der Front von Drohnen ausgeführt.
(Deutsche) Kampfpanzer und Artillerie spielen kaum eine Rolle, sind zurückgezogen und eingegraben, da keinen Drohnenschutz.
Da stellt sich erneut die Frage, ob wir die richtige Hardware bestellen, bzw. Milliarden in mechanisierten Grossverbänden versenken?
Artillerie spielt allerdings eine Rolle, davon sieht man nur nicht allzuviel. Artillerieangriffe werden einfach nicht so häufig gefilmt. Aber um das Schlachtfeld umzugraben und dem Gegner Möglichkeiten zum Unterkommen zu nehmen bzw. sturmreif zu schießen ist das immernoch die erste Wahl.
Oder was denkst du, weshalb die umkämpften Gebiete oftmals stark an die toten Landschaften des ersten Weltkriegs erinnern? Der Gefechtslärm von Video- und Audiobeiträgen von der Front spricht hier ebenfalls Bände.
Es werden nach Schätzungen jeden Tag eine niedrige fünfstellige Anzahl an Artilleriegranaten verschossen, von russischer Seite nach wie vor mehr als von ukrainischer Seite.
Kampfpanzer im Einsatz sind zugegebenermaßen selten geworden und deren aktueller Wert in der jetzigen Situation darf durchaus bezweifelt werden.
In einem Bewegungskrieg könnte das aber sehr schnell wieder anders aussehen. Womit sollte man sonst die gegnerische Verteidigung aufrollen, wenn diese wackelt? Wichtig ist eben, dass man aktive Schutzysteme so gut entwickelt, dass sie den Drohnen standhalten. Wäre mal interessant, Trophy in einem solchen Szenario in Aktion zu sehen.
Außerdem sind geschütze Fahrzeuge gerade aus dem Grund Gold Wert, dass eben so viele Drohnen auf dem Schlachtfeld unterwegs sind. Bei westlich gelieferten (einigermaßen) modernen geschützten Transportern hat die Besatzung meist eine gute Chance, lebendig nach dem Ersttreffer rauszukommen. Wie man sich dann rettet ist ein anderes Thema. Bei den völlig ungeschützten Quads / ATVs / LKWs / KFZ / Bussen und Pritschenwagen (welche von beiden Seiten mittlerweile aus Ermangelung an geschützten Fahrzeugen häufig genutzt werden) endet der Ersttreffer meist in einer absoluten Katastrophe, das könnten wir uns schlicht nicht leisten.
Nicht zuletzt braucht man auch in einem modernen Krieg auch immer Bodentruppen, welche Gebiete sichern oder einnehmen können. Allein durch Drohnen ließe sich das nicht bewerkstelligen.
Es ist also keineswegs falsch, hier zu investieren.
(25.01.2026, 20:46)Pmichael schrieb: Wir sollten die Bundeswehr nach Vorbild der Ukraine ausrichten. Scheint ja wunderbar zu funktio... nee, eigentlich nicht.
Die Grundüberlegung muss ja sein welche operative Grundsätze, Ausrüstung und der ganze Kram notwendig sind, damit man nicht in der Ist Situation der Ukrainer endet. Noch mehr Drohnen scheinen mir nicht die Lösung zu sein.
Stimmt schon, ein klassischer Abnutzungskrieg wäre für uns sehr ungünstig.
Dennoch: Ich verfolge schon lange sämtliche Bildaufzeichnungen, die es von der Front in der Ukraine gibt. Anhand dieser Bilder erkennt man gut den Wandel, den die Gefechtsführung in der Ukraine vollzogen hat. Mechanisierte Angriffe / Klassische Feuergefechte werden immer seltener, die meisten Toten gehen definitiv auf das Konto (einfacher
) Drohnen. Natürlich liegt es in der Natur der Sache, dass diese Situationen fast immer gefilmt werden (weil Kamera an Drohne), die schiere Häufigkeit in welcher beispielsweise einzelne (!) Soldaten von 2,3 oder mehr Drohnen angegriffen werden ist allerdings beeindruckend. Sobald ein Panzer auftaucht, zieht er die Dinger dann an wie ein Magnet.
Mittlerweile ist es tatsächlich so, dass derjenige, der mehr und bessere Aufklärungs- /FPV- / "Bomber"-Drohnen aufs Schlachtfeld bringt den Gegner nahezu bewegungsunfähig macht und dessen Nachschublogistik massivst stört. (Mechanisierte) Angriffe werden meist nahezu im Keim erstickt (zugegebenermaßen spielen die Minen hier aber nach wie vor ebenfalls eine große Rolle, teilweise jedoch wiederum von Drohnen verlegt).
Ich würde sogar soweit gehen zu behaupten, dass derjenige, der sich als erstes ein wirklich wirksames Mittel gegen die Glasfaserdrohnen einfallen lässt, einen erheblichen Vorteil auf dem Schlachtfeld erlangen würde.
Dennoch gebe ich dir recht. Man sollte deshalb jetzt kein Wettrüsten mit einfachen Drohnen starten, die beim nächsten Konflikt bereits veraltet sind.
Aber: Wir sollten bei dem Thema dranbleiben. Es muss unbedingt weitergeforscht werden was den Schutz vor solchen Systemen angeht, man sollte sich Gedanken machen wie man die Produktion (falls es doch notwendig wäre, die Ukraine hat beispielsweise gerade keine andere Wahl) extrem schnell hochskalieren könnte und man muss schauen, dass man beim Thema Innovationen immer einen Schritt voraus ist.
Deshalb wäre es meiner Meinung nach ein großer Fehler, hier nachlässig zu sein, nur weil wir eine andere Vorstellung von Kriegsführung haben. Aber es ist ja glücklicherweise nicht so, als würde dahingehend nichts passieren.
Zusammenfassend bin ich also der Meinung, dass man unser Heer zwar nicht allein anhand der Erfahrungen des Krieges in der Ukraine ausrichten sollte, diese sollten aber definitiv miteinfließen. Die Wahrscheinlichkeit, dass unser nächster Gegner derselbe ist, gegen den die Ukraine heute schon kämpft, ist schließlich nicht von der Hand zu weisen.
Drohnen und mechanisierte Verbände schließen sich nicht aus, wir brauchen lediglich mehr von allem und müssen wieder innovativer werden.
