Meckern über Deutsch-französische Rüstungsprojekte
(26.01.2026, 02:28)muck schrieb: Zwar ist es wahr, dass Europa dringend von den USA unabhängig werden muss, aber das doch wohl im Zuge der richtigen Weichensetzungen für die Zukunft, anstatt jetzt ohne echten Mehrwert in Aktionismus zu verfallen.
Es geht ja nicht um Aktionismus, zumindest mir nicht. Bspw. fordere ich nicht, dass man die P-8 abbestellt, ich fordere lediglich, dass man sich um einen europäischen Nachfolger kümmert. Pei Patriot das gleiche. Und wie voyageur es auch schon schrieb: Es geht um Nachbestellungen und Verdrängungseffekte dabei. Wenn wir für unsere gesamte geplante Flugabwehr jetzt weitere Patriot-Systeme bestellen, werden wir weder Geld, noch Personal, noch Infrastruktur haben, um auch noch europäische Produkte zusätzlich zu beschaffen, zumindest nicht im gleichen Leistungsspektrum.
Zitat:Kein sinnvoller Vorschlag, angesichts der geringen Verbreitung von SAMT/P und der hohen Verbreitung von Patriot. Selbst wenn die Leistungsdaten ähnlich sein sollten, ist doch in Rechnung zu stellen, dass Patriot-Nutzer Ausrüstung im Wert eines mittleren zweistelligen Milliardenbetrags durch SAMT/P hätten ersetzen müssen. Das ist völlig illusorisch.
Warum sollte man das ersetzen? Genau das wäre halt unangebrachter Aktionismus. Aber einen Aufwuchs sollte man halt europäisch ausstatten. Das führt dann zwar für eine gewisse Zeit zu doppelten Strukturen, die jedoch einerseits auch Mehrwerte bieten wie Redundanz und tlw. auch spezifische Mehrleistungen beider Systeme und die sich auch andererseits problemlos später abbauen lassen, indem wir die US-Systeme an Verbündete abgeben, sobald wir genug europäische beschafft und etabliert haben.

Andere Armeen leisten sich auch mehrere mehr oder weniger redundante Systeme nebeneinander, das wird uns nicht das Genick brechen. Solange wir aus reiner Truppengattungskonkurrenz heraus zwei unterschiedliche 8x8-IFV für die selben Brigaden beschaffen, sollten wir uns auch zwei Flugabwehrraketensysteme mittlerer bis großer Reichweite leisten können.
Zitat:Wozu? Um Patriot durch SAMT/P zu ersetzen, Stinger durch Mistral, und die AMRAAM auszuphasen?
U.a., ja. Wobei es dafür keine Kooperation zwischen Diehl und MBDA braucht. MBDA bietet uns als europäischer Konzern die Möglichkeit, innerhalb dieses Konzerns über Vereinbarungen die Produktion gemeinsam genutzter Waffensysteme auf mehrere Standorte zu verteilen. Das ermöglicht es, relativ einfach bi- und multinationale Projekte durchzuführen, auch auf Basis bereits bestehender Waffensysteme, für die man dann eben die Produktion skalieren und diversifizieren kann. MBDA DE soll zukünftig Patriot-Flugkörper in Lizenz produzieren, aber als Argument gegen Aster wird deren geringe Produktionsrate angeführt, anstatt dass man einfach MBDA-intern eine Lizenzproduktion umsetzt. Confused
Zitat:Ist das wirklich ein gleichwertiger Ersatz, und vor allem, stünde dieser Ersatz Anfang der 2030er zur Verfügung?
Die Aegis-F127 wird auch nicht "Anfang der 2030er" zur Verfügung stehen, sondern frühestens Mitte der 30er. Und ja, vmtl. wird eine europäisierte F127 erst etwas später das gleiche Leistungsspektrum zur Verfügung stellen können wie eine Aegis-basierte. Das kann durchaus sein und ist dann halt eine Abwägung der Prioritäten. Wobei man auch im Auge behalten muss, dass die konkret geplante F127 auch nicht das volle Potential des Aegis-Ökosystems abrufen wird, so dass eine europäische Alternative vmtl. überhaupt nicht in der Leistungsfähigkeit dahinter zurück bleiben wird, insbesondere nicht nach der Einführung der geplanten BMD-FKs, die auf jeden Fall leistungsfähiger sein werden als eine derzeit nicht geplante und somit nicht vorhandene SM-3.
Zitat:Nebenbei, man sollte in dieser Diskussion vielleicht zwei Dinge nicht ganz ausblenden:

Erstens, dass die politische und militärische Führung Deutschlands von einer akuten Kriegsgefahr in den nächsten fünf Jahren ausgeht.
Das hat mit den von uns genannten Kritikpunkten wenig zu tun, weil die von uns geforderten Dinge sich nicht in fünf Jahren real in Fähigkeiten niederschlagen werden, sondern längerfristigerer Natur sind. Nur müssen halt jetzt die Weichen dafür gestellt werden.
Zitat:Zweitens, dass die enge militärtechnische Verzahnung zwischen Deutschland und den USA auch eine Konsequenz der Rolle ist, die die USA bis 1990 für Deutschland eingenommen haben—und die Frankreich und Großbritannien eben nicht eingenommen haben.

Jetzt von Deutschland eine sofortige Umorientierung bei der Schließung akuter Fähigkeitslücken zu verlangen, ist illusorisch, die damit verbundenen Kosten wären absolut nicht zu stemmen, und die Übergangsphase wäre gefährlich.
Wir fordern keine sofortige Abkehr, sondern eine sofortige Korrektur der langfristigen Entwicklungspfade, hin zu einer gesicherten Unabhängigkeit. Dass wir die nicht in fünf Jahren erreichen werden, ist uns allen hier klar. Aber wenn wir sie gar nicht angehen, werden wir sie nie erreichen.
Zitat:Meiner Meinung nach hat sich Deutschland für Frankreich oft als schlechter Partner erwiesen. Dennoch konnte Olaf Scholz und kann Friedrich Merz nur unter den vorgefundenen Bedingungen agieren. Und was das anlangt, war halt auch nicht jeder französische Gegenvorschlag wirklich sinnvoll—man denke etwa an das Angebot, Deutschland alte ATL3 anzubieten, um den Kauf der P-8A als Übergangslösung zu verhindern.
MMn sind viele Probleme bei D/F-Projekten kommunikativer Natur, bedingt durch die unterschiedlichen politisch-bürokratischen Systeme und Abläufe. Gerade MAWS ist ja einfach an fehlender Kommunikation und Vertrauen in Zusagen gescheitert. Die Schuld ist da auf beiden Seiten zu suchen.
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