26.01.2026, 13:58
(26.01.2026, 13:11)Broensen schrieb: Mir ging es um die Fähigkeitslücken. Und die sind halt in Frankreich nicht problematischer als anderswo. Dafür sind sie in dem, was sie haben, technisch souveräner aufgestellt und in manchen Bereichen eben auch leistungsfähiger als andere. Außerdem sind sie die ersten, die "Hier!" rufen, wenn es darum geht, Verbündeten tatsächlich Beistand zu leisten. Nur finanziell halten sie sich tlw. sehr zurück, was aber mMn innenpolitisch begründet ist. Die Mitte in Frankreich steht zu sehr unter Druck von den Populisten.
Das sehe ich anders. Die französischen Landstreitkräfte sind komplett auf Interventionseinsätze getrimmt. Es gibt wenig bis gar keine Fähigkeiten in der klassischen Kampfunterstützung, keine echten mechanisierten Verbände, eine komplett dysfunktionale Panzertruppe, quasi keine RakArt, niedrige Munitionsbestände und keine Perspektive dass sich das ändern wird. Das soll kein Bashing sein, das ist die Realität. Man hat sich Möglichkeiten der Machtprojektion eben durch diesen Trade-off erkauft. Aber eben genau diese konventionellen Fähigkeiten sind an der Ostflanke gefragt. Zwischen "Hier" Rufen mit politischen Signalen (die zweifelsfrei auch relevant sind) und tatsächlichen Beiträgen klafft oft eine Lücke. Das Resultat davon ist beim Trauerspiel der Mission Aigle gut zu beobachten.
Und um zum Thema des Threads zurückzukommen: Finanzielle Zurückhaltung ist mehr als ein kleinerer Betrag in einer Excel Tabelle, sondern schlägt sich in der echten Welt nieder. Das ist auch ein Teil des Grunds warum FCAS hakt. Zwischen Führungsanspruch und finanziellem Spielraum ist in Paris ein Delta entstanden, das Partner mit mehr fiskalischer Freiheit nicht mehr gewillt sind zu decken wie vor 2022.
Gleichzeitig besteht trotzdem Bedarf sich weiter zu Kompromissen zu einigen, wenn das nicht gelingt endet man wie bei Mercosur. Niemand, der ansatzweise Ahnung hat, glaubt, dass Frankreich oder Deutschland alleine ein FCAS-Äquivalent auf die Beine stellen könnten. Hier hätten sich industrielle Kompetenz und ein größerer Geldbeutel auf den zwei Seiten des Rheins ergänzen können. Ich glaube zwar nicht mehr an eine große Einigung, aber ein ausgewogener Kompromiss wäre das Beste für alle Seiten gewesen.

