25.01.2026, 13:10
(25.01.2026, 12:52)Helios schrieb: Und deshalb ist die Diskussion darüber, ob nun IRIS-T als leichter Marinebodenluftflugkörper eingeführt werden soll oder ob nicht MICA oder CAMM im europäischen Sinne besser wären völlig irreführend. Ja, Deutschland sollte das anders handhaben, alle sollten das anders handhaben, nur wird das nicht passieren. Und wenn es eh nicht passiert, dann ist eine einheitliche nationale Strategie zumindest das geringere Übel.
Im Kern der Sache sind wir beide ja scheinbar einer Meinung und ich verstehe deine Argumente.
Aus meiner Sicht ist es absolut illusorisch zu glauben, eine glaubhafte Abschreckung durch Europa gegen Russland ohne Unterstützung durch die USA bzw. die NATO wie bisher, wäre mit dem aktuellen Sammelsurium aus Waffensystemen und wirtschaftlichen Interessen in irgendeiner Form in endlicher Zeit herbeizuführen.
Es ist Aufgabe der Politik, diesen europäischen Konsens zu erreichen und ich bin mir ziemlich sicher, dass der Geldsegen für die Bundeswehr bald vorbei ist. Daher meine Bewertung, dass jeder Euro, den man sich für eine Eigenentwicklung spart und in die Beschaffung marktverfügbaren Materials aus dem europäischen Ausland ausgibt, besser angelegt ist.
Die finanziellen Ressourcen in unserer kapitalistischen Gesellschaft sind nun mal endlich und da ist es mir egal, wieviel deutsche Wertschöpfung in einer MICA-NG oder einem CAMM steckt.
Fakt ist, mit dem aktuellen Ansatz werden wir in 2029 niemals kriegstüchtig, wenn wir jetzt anfangen wieder etwas national zu entwicklen, anstatt etwas marktverfügbares zu beschaffen.
Deine Sichtweise ist genauso richtig wie meine, jetzt muss sich entscheiden, in welche Richtung der Tanker EU schlingert. Aber derzeit sieht es ja bei allen gemeinschaftlichen Projekten nicht rosig aus.
Die berechtigte Frage im breiten Kontext der Navalisierung der IRIS-T muss jetzt sein, was sich Deutschland leisten kann.
Die Zeitenwende ist jetzt fast vier Jahre alt und obwohl es soviel Material am europäischen Markt gibt, hat sich insbesondere bei unserer Marine die Kampfkraft exakt um "0" gesteigert, wenn man es ganz nüchtern betrachtet.
Wir haben jetzt nach vier Jahren mal ein OPEX mit IRIS-T auf einer F125 hinbekommen, verzeih mir meinen üblichen Sarkasmus, aber da bin ich ja sowas von begeistert.
Wenn einer gewollt hätte, hätte er in dieser Zeit schon CAMM oder MICA-NG auf die F125 bringen können.
Diese gesamte Debatte um das für und wider von IRIS-T auf einer seegehenden Plattform zeigt doch sehr schön, dass sich im Vergleich zu früher nichts geändert hat. Jeder kocht weiter sein eigenes Süppchen für seine eigenen Interessen, aber die "Großlage" hat man irgendwie aus dem Blick verloren.
Aber mal ganz ehrlich unter uns beiden:
Gab' es jemals VOR dem Ukraine-Krieg eine Forderung der Marine IRIS-T zu navalisieren? Mein Stand ist, nein.
Von wem ging die Initiative aus, IRIS-T auf einer F125 im OPEX zu erproben? Mein Stand ist, von der Industrie.
Gemäß dieser Quelle (https://marineforum.online/iris-t-slm-na...iven-f125/) wurde die Integration von CAMM als "risikoärmste" Variante für die Nachrüstung der F125 empfohlen.
Vor dem Hintergrund all dieser Punkte, ist meine Bewertung, egal, ob du diese nun teilst oder nicht, dass die Entscheidung für IRIS-T auf Einheiten der Deutschen Marine eine rein wirtschaftspolitische Entscheidung ist.
Denn vor dem Hintergrund der operativen Dringlichkeit wäre ja scheinbar CAMM der verfügbare und risikoärmste Weg gewesen.
