25.01.2026, 12:52
(25.01.2026, 11:24)DeltaR95 schrieb: Nimm' es mir nicht übel, aber diese Aussage ist doch ein Zirkelschluss. Nur, weil die Bundeswehr schon etwas bei der Luftwaffe verwendet, muss man es zwingend auch bei den anderen Teilstreitkräften einsetzen?
Das ist kein Zirkelschluss, und deine Argumentation ist doch, dass es einen anderen in Europa entwickelten und produzierten FK bei anderen europäischen Streitkräften gibt und dieser daher bei der Marine eingesetzt werden sollte. Das ist eine genauso legitime Ansicht wie jene, dass ein bereits national eingeführter FK auch national in der Marine verwendet werden sollte. Ohne Zirkelschlüsse, logisch begründbar. Was mich stört sind manche deiner Argumente, wie beispielsweise, dass das eine rein industriepolitische Entscheidung ist (was wie dargestellt nicht stimmt), oder auch:
Zitat:Damit macht Deutschland sich absolut unglaubwürdig. Auf der einen Seite wird über all "gemeinsam europäisch in der Beschaffung" gefordert, aber bitte nur, wenn es auch deutsche Produkte sind.
Alle machen sich unglaubwürdig, deine Fokussierung auf Deutschland ist in dem Kontext völlig unangebracht. IRIS-T SL ist ein multinationales Projekt, warum hat Großbritannien sich nicht angeschlossen, die eigenen Entwicklungen der ersten Phase von CAMM mit eingebracht und so ein gemeinsames, noch besseres System entwickelt? Warum hat sich Frankreich dazu entschieden, als Nachfolger für MICA mit der Version NG einen nahezu vollständig neuen Flugkörper zu entwickeln, anstatt hier auf einen europäischen Zug aufzuspringen? Beide Nationen haben das gemacht, was du nun an Deutschland kritisiert, waren aufgrund konsequenterer Bedingungen schneller und sollen nun auf einmal das Gegenbeispiel sein?
Das Grundproblem dieser Diskussionen ist der Punkt, dass alles was aus Europa stammt als "europäisch" betitelt und so der Eindruck erweckt wird, es würde sich um tatsächlich europäische Produkte handelt, obwohl es in Wahrheit solche sind, die aus einem europäischen Land kommen und in der Regel aus einer Mischung aus Industriepolitik, nationaler Militärlogistik und Souveränitätsgedanken entstanden sind. IRIS-T ist diesbezüglich nicht anders, es kommt nur etwas spät zur Party.
Was für einen wirklichen europäischen Waffenmix passieren müsste? Die wichtigsten europäischen Partner (Deutschland, Frankreich, Italien, ggf. Großbritannien) setzen sich zusammen, und beschließen ein gemeinsames, abgestuftes Universalsystem zu entwickeln. Nicht aufgrund eines Bedarfs, völlig unabhängig von den Laufzeiten der bestehenden Systeme, nicht als langfristiges "wir brauchen das in 2040", sondern basierend auf aktueller Technologie, mit den aktuellen Entwicklungen aller beteiligten Länder und Produktionsanlagen in den beteiligten Ländern. Entwicklungsstart heute, ersten Testschüsse noch in diesem Jahrzehnt, Serienproduktion ab 2030 und Ersatz der alten Systeme darauf folgend unverzüglich. Das wäre nicht unrealistisch, das wäre ein wirkliches europäisches System, das wäre kriegswirtschaftlich maximal sinnvoll, langfristig kosteneffektiv und an der Leistungsfähigkeit gibt es auch keinen Zweifel. Aber das wird nicht passieren, nicht weil es technisch oder organisatorisch unmöglich ist, sondern weil keines der europäischen Länder ein wirkliches Interesse daran hat, die vorhandenen nationalen Lösungen aufzugeben. Frankreich nicht, Großbritannien nicht, und Deutschland nicht.
Und deshalb ist die Diskussion darüber, ob nun IRIS-T als leichter Marinebodenluftflugkörper eingeführt werden soll oder ob nicht MICA oder CAMM im europäischen Sinne besser wären völlig irreführend. Ja, Deutschland sollte das anders handhaben, alle sollten das anders handhaben, nur wird das nicht passieren. Und wenn es eh nicht passiert, dann ist eine einheitliche nationale Strategie zumindest das geringere Übel.
