23.12.2025, 12:58
(22.12.2025, 20:41)EuropeanMind schrieb: Ich würde mir anstelle der Dänen / Grönländer langsam überlegen, ob man nicht zumindest mal drüber nachdenken sollte, den Amerikanern ihre Basen auf der Insel zu reduzieren (oder es zumindest anzudrohen).
Natürlich ist das auf der einen Seite riskant, weil Trump schnell gekränkt ist und man bei der Sicherheit natürlich stark von den Amerikanern abhängt. Auf der anderen Seite versteht Trump es halt auch nur, wenn er Druck zurück bekommt. Und es ist halt auch nicht ideal, wenn der Staat, der dich potentiell annektieren möchte schon funktionsfähige Militärbasen auf deinem gebiet hat.
Eine solche Reaktion wäre sowohl aus dänischer wie auch europäischer Sicht sehr unklug. Die Politik braucht Erzählungen um Unterstützung bei der eigenen Bevölkerung für die eigenen Pläne zu sammeln. Aus dem Grund kritisiert die US-Regierung die Verbündeten für ihre geringen Militärausgaben und ihren geringen Beitrag zum Schutz der "freien Welt" kritisiert, was sich faktisch nicht von der Hand weisen lässt und daher ein starkes Fundament bildet. Genauso konstruiert die US-amerikanische Regierung den Besitz von Grönland als eine Notwendigkeit für die nationale Sicherheit, das ist in Anbetracht der Freiheiten der USA bei der militärischen Nutzung Grönlands zwar weit hergeholt, verfängt aber bei der Bevölkerung. Wenn nun Dänemark den USA den militärischen Zugang verweigert beziehungsweise entsprechendes androht, dann unterstützt dies die Erzählung der US-Regierung und legitimiert in gewisser Hinsicht deren Ansprüche: "unsere Partner sind unzuverlässig, sie fallen uns in den Rücken, deswegen brauchen wir eine territoriale Kontrolle über Grönland". Dass zudem Dänemark und Europa militärisch zu schwach und politisch zu uneins sind und die Drohungen damit kaum umgesetzt werden können ist dabei schon fast nebensächlich, schwächt den Standpunkt aber weiter.
In meinen Augen ist es wesentlich klüger, wenn "wir" (Dänemark und Europa) die tatsächlichen Fakten der US-amerikanischen Erzählung bestätigen, uns einsichtig zeigen und Besserung nicht nur geloben, sondern schnellstmöglich auch Verbesserungen umsetzen, dabei die Wichtigkeit der Zusammenarbeit betonen und dementsprechend die USA zur Mitwirkung einladen. Damit werden gemeinsame Ziele für eine gemeinsame Sicherheit formuliert. Gleichzeitig müssen die von der US-Regierung verwendeten Mittel entschieden abgelehnt und diese Ablehnung auch massiv verteidigt werden. Praktisch kann dies erfolgen, in dem Europa anerkennt, dass es militärisch zu wenig zum Schutz Grönlands tut, unmittelbar entsprechende Verlegungen und Übungen ankündigt und durchführt, die USA dazu und zu einem gemeinsamen Forum zur Stärkung des Schutzes Grönlands einlädt, parallel aber die Souveränität und territoriale Integrität als unverhandelbar deklariert und Maßnahmen ergreift, jede Verletzung zu sanktionieren (aber explizit nicht auf der sicherheitspolitischen, sondern beispielsweise auf der wirtschaftlichen Ebene).
Mit einer solchen Vorgehensweise würden wir die US-Erzählung hinsichtlich der notwendigen Mittel zum Erreichen der Ziele unterlaufen, was auch der US-amerikanischen Öffentlichkeit nicht entgehen dürfte, ohne die Ziele selbst anzugreifen, die letztlich ja auch in unserem Interesse sind. Die US-Regierung bräuchte dann eine neue Erzählung, um die Mittel zu rechtfertigen, was immer verdächtig ist. Zudem bietet es uns neue diplomatische Möglichkeiten.
