22.01.2026, 06:53
Das ist mal ein Artikel der Tagesschau, den ich persönlich für ausgewogen halte. Gerade auch in deutschen Medien wird sehr schnell und sehr heftig gegen Trump geschossen - einerseits ist er daran sicher auch selbst schuld, andererseits vermisse ich genau das, was der Tageschau-Beitrag nun benennt. In gewisser Weise etwas beruhigend, dass solche Artikel noch erscheinen, andererseits könnten es in der gegenwärtig aufgeheizten Stimmung durchaus mehr davon sein.
Generell gibt es m. M. n. da wenig hinzuzufügen. Das Problem ist leider, dass so besonnene Artikel derzeit arg im Hintertreffen sind. Stattdessen wird gekreischt und werden Horrorgemälde an die Wand geworfen. Das hilft aber nicht weiter und zweitens vernebelt es, ja erschwert es auch selbst den eigenen Blick auf eine mögliche Lösung. Man bewegt sich irgendwann selbst in einem Labyrinth von vorgefertigten Anti-Trump-Stellwänden und bemerkt u. U. gar nicht, dass man entscheidende Faktoren übersehen hat.
Eine Anmerkung: Ich würde es gutheißen, wenn wir alle etwas ruhiger an die Thematik herangehen. Man kann sicherlich auch einmal eine Polemik platzieren, ich mache dies selbst durchaus ja auch gelegentlich, aber ich würde es sehr begrüßen, wenn wir mit polemischen Schmähungen etwas zurückhaltender sind - das bezieht sich z. B. auf GröPaz und irgendwo wurde Macron, glaube ich, auch als Diva bezeichnet. Sowas ist unnötig und verbessert die Diskussionskultur auch nicht, zumal ich keine große Lust habe, sowas inflationär und überall in allen möglichen Strängen zu lesen. Danke von wegen Beachtung.
Schneemann
Zitat:Wie umgehen mit Trump?https://www.tagesschau.de/ausland/europa...w-100.html
"Verhandlungstechnisch gesehen ist das alles ganz normal"
Was ist die beste Taktik, um mit einem Politiker wie Trump zu einer Übereinkunft zu kommen? Der erfahrene Verhandler Matthias Schranner rät zur Gelassenheit. Im Interview erläutert er, wie man einem "Spieler-Typ" wie Trump begegnen kann.
tagesschau.de: Herr Schranner, wie verhandelt man denn mit einem Politiker vom Kaliber Donald Trump?
Matthias Schranner: Es gibt zwei Elemente in der Verhandlung: die sichtbare Verhandlung, also das, was wir aus Medien oder auch als Zuschauer mitbekommen. Und es gibt die unsichtbare Verhandlung, die sogenannte Backchannel-Verhandlung, also die Diplomatie im Hintergrund. Die sichtbare Verhandlung ist natürlich dadurch geprägt, dass Trump sehr starke Forderungen stellt, unheimlich viel Lautstärke hineinbringt und dafür sorgt, dass wir uns von dieser Vorgehensweise mittlerweile auch ein bisschen eingeschüchtert fühlen. Die Gespräche hinter verschlossenen Türen hingegen sind sehr konzentriert. Da wird nicht herumgeschrien, nicht gedroht, sondern tatsächlich daran gearbeitet, eine Lösung zu finden. [...]
tagesschau.de: Oftmals stellt Trump seine Maximalforderung und rudert dann auch wieder etwas zurück. Kommt er so zum Ziel?
Schranner: Würden Sie Trump fragen, würde er nicht sagen, dass er zurückrudert, sondern, dass er mit einer Extremposition einsteigt, um eine bessere Verhandlungsposition zu haben. Das ist eine typische Trump-Strategie, also in einer extremen Situation mit extremen Forderungen an den Tisch zu kommen, um dann zu schauen, wie groß der Verhandlungsspielraum ist. Aus unserer deutschsprachigen Sicht ist das sehr ungewöhnlich. Wir finden das irgendwie komisch und auch unseriös. Verhandlungstechnisch ist das gut, um einfach mal auszuloten, was denn möglich wäre. [...]
tagesschau.de: Gehen wir mal davon aus, dass der US-Präsident eher als "Spielertyp" in die Verhandlungen geht, die Europäer als die "Rationalen", möglicherweise aus einer gewissen kulturellen Prägung heraus. Wer zieht denn dann von beiden am Ende den Kürzeren?
Schranner: Der Spieler hat überhaupt kein Problem damit, nachzugeben. Wir im Deutschen finden das natürlich unseriös und tun uns schwer damit. Aber fast wichtiger ist: Die Hintergrundverhandlungen mit den Amerikanern sind sehr vernünftig. [...]
tagesschau.de: Trotz der von Ihnen erwähnten Grautöne, die es in Bezug auf Trumps Forderung, Grönland kaufen zu wollen, geben mag: Wie soll die EU in Davos auf die von Trump betriebene Eskalation in Sachen Grönland reagieren?
Schranner: Es gibt zwei Möglichkeiten. Die eine ist zu sagen, "Wir haben unsere Prinzipien" und Trump darauf hinzuweisen, dass er zu weit geht, also rote Linien zu definieren. Bedeutet, Trump zu sagen, "Wenn du gegen politische Gegner vorgehst, also gegen China zum Beispiel, dann ist es das eine. Aber wenn du gegen Verbündete vorgehst, dann ist das nicht mehr akzeptabel. "Das Problem an der roten Linie ist nur, man muss sie auch durchziehen und nimmt sich selbst auch sehr viel Verhandlungsspielraum, weil man dann auch konsequent bleiben muss. Das andere wäre, zu sagen "Okay, lass uns reden". Wie könnte denn eine Möglichkeit aussehen, damit du bekommst, was du brauchst? [...]
tagesschau.de: Kann man einen Narzissten wie Trump durch Schmeicheleien besänftigen? Das beobachten wir ja immer wieder, etwa beim NATO-Generalsekretär, der ihn regelmäßig mit warmen Worten umwirbt.
Schranner: Es ist ein Mittel, um in Kontakt zu bleiben, um Beziehungen und Vertrauen aufzubauen. Und ja, es ist nichts falsch dabei, das Verhandlungsgegenüber zu loben, ihm zu schmeicheln. Trump macht das ja auch sehr oft, das gehört einfach dazu. Was man aber nicht übersehen darf: Auch wenn in der Öffentlichkeit sehr positiv über den anderen gesprochen wird, heißt das natürlich nicht, dass man die Themen hinter verschlossenen Türen nicht trotzdem klar anspricht. [...]
tagesschau.de: Welchen Fehler kann man bei solchen Verhandlungen machen?
Schranner: Der größte Fehler ist es, sich zu ärgern und emotional zu werden, auf eigene Rechthaberei zu pochen und dem US-Präsidenten zu sagen, dass er falsch liegt, ihn zu belehren und zu berichtigen. Das hat noch nie geholfen. Deshalb ist eine gewisse Gelassenheit tatsächlich auch gut, und ratsam, nicht jedes Wort auf die Goldwaage zu legen. Nur weil Trump sagt, Grönland kaufen zu wollen, ist das noch nicht gesetzt. So ein Kauf dauert doch ewig und ist wahnsinnig kompliziert. Trump hat einen großen Nachteil. Er hat nur noch zwei Jahre, dann beginnt der Wahlkampf und er kann nichts mehr umsetzen. Das erklärt auch diese Dynamik und diese Geschwindigkeit.
Generell gibt es m. M. n. da wenig hinzuzufügen. Das Problem ist leider, dass so besonnene Artikel derzeit arg im Hintertreffen sind. Stattdessen wird gekreischt und werden Horrorgemälde an die Wand geworfen. Das hilft aber nicht weiter und zweitens vernebelt es, ja erschwert es auch selbst den eigenen Blick auf eine mögliche Lösung. Man bewegt sich irgendwann selbst in einem Labyrinth von vorgefertigten Anti-Trump-Stellwänden und bemerkt u. U. gar nicht, dass man entscheidende Faktoren übersehen hat.
Eine Anmerkung: Ich würde es gutheißen, wenn wir alle etwas ruhiger an die Thematik herangehen. Man kann sicherlich auch einmal eine Polemik platzieren, ich mache dies selbst durchaus ja auch gelegentlich, aber ich würde es sehr begrüßen, wenn wir mit polemischen Schmähungen etwas zurückhaltender sind - das bezieht sich z. B. auf GröPaz und irgendwo wurde Macron, glaube ich, auch als Diva bezeichnet. Sowas ist unnötig und verbessert die Diskussionskultur auch nicht, zumal ich keine große Lust habe, sowas inflationär und überall in allen möglichen Strängen zu lesen. Danke von wegen Beachtung.
Schneemann
