21.01.2026, 21:50
(21.01.2026, 18:12)lime schrieb: Inwiefern muss man sich als Deutscher für Grönland interessieren? Beruht das auf Gegenseitigkeit?
Da die territoriale Integrität mittlerweile keine Sau mehr zu interessieren scheint wird die Welt zunehmend ungemütlich. In einer Welt, in welcher allein das Recht des stärkeren zählt (das war zwar schon immer so, wurde aber lange nichtmehr derart skrupellos und eigenmächtig praktiziert), wird kein Land der EU noch irgendetwas zu melden haben, sofern wir es nicht schaffen uns untereinander zu solidarisieren und mit einer Stimme zu sprechen. Ich bin dahingehend zwar (leider) pessimistisch (unter anderem aufgrund solcher Aussagen wie du sie tätigst), aber man sollte es wohl auf jeden Fall versuchen.
Vielleicht führt der äußere Druck langfristig doch noch zu einem geeinte(re)n Europa, die Hoffnung stirbt zuletzt.
Schaffen wir das nicht, droht uns die Bedeutungslosigkeit. Merkt man schon allein daran, dass die Stimme von einzelnen EU-Staaten für die Großmächte quasi nonexistent ist.
Die Grönländer möchten nicht zur USA gehören, das muss schlicht und ergreifend respektiert und akzeptiert werden.
Genausowenig, wie die Ukrainer zu Russland gehören möchten oder die Taiwaner zur VR China.
Natürlich sind das unterschiedliche Situationen, aber dennoch gibt es auch erschreckende Überschneidungen in der Argumentationsweise bezüglich der Gebietsansprüche.
Auf das Selbstbestimmungsrecht der Völker zu bestehen ist der einzig gangbare Weg für uns. Fangen wir an uns bei diesem Affenzirkus auf einen Kuhhandel einzulassen öffnen wir die Büchse der Pandora.
Dann dauert es nicht mehr lange bis immer mehr Länder Gebietsansprüche erheben und in ihren "Einflusszonen" völlig außerhalb jeder Rechtssprechung zu agieren. Unstimmigkeiten gibt es seit jeher genug, ich befürchte jedoch, dass aus Worten zunehmend Taten folgen. Dass der Überfall Russlands auf die Ukraine diese Hemmschwelle senken wird, da war ich mir sicher. Das es so schnell gehen würde und diese Entwicklung selbst bei einem versagen der russischen Streitkräfte zügig voranschreitet, das habe ich nicht gedacht.
Natürlich kann man bezüglich Grönland verhandeln. Über stärkere Präsenz vor Ort, Ausbau der militärischen Fähigkeiten, größere Investitionen in Stützpunkte oder vermehrte gemeinsame Übungen im Rahmen der Nato. Alles gerne auch ganz konkret im Namen der amerikanischen Sicherheit.
Nicht verhandeln kann man allerdings über die territoriale Integrität und das Selbstbestimmungsrecht der Völker.
Das sind grundlegende Prinzipien des Völkerrechts, und darüber darf im 21. Jahrhundert nicht mehr verhandelt werden. Auch wenn es naiv klingt, alles andere wird langfristig unschön enden. Nicht nur für uns selbst.
