21.01.2026, 20:50
The Case for an American Greenland - aus Europäischer Sicht
Hier mal ein Versuch kurz und grob zu skizzieren, welche Vorteile es für Europa hätte wenn man Grönland an die Amerikaner abgeben würde:
1. Amerikanische Konzessionen
Trump sieht sich als der ultimative Dealmaker, und Grönland ist ein ziemlich ultimativer Preis für ihn. Entsprechend dürfte er bereit sein, für Grönland auch einen hohen Preis zu bezahlen – buchstäblich wie im übertragenen Sinne. Hier wäre europäische Kreativität gefragt. Die Grönländer über Nacht zu Millionären zu machen und die Staatsverschuldung Dänemarks auf null zu reduzieren (zurzeit läppische 140 Milliarden Euro) ist das eine. Trump noch weitere Milliarden aus der Tasche zu ziehen würde in dieselbe Kerbe schlagen.
Was ist daneben noch möglich? Eine Angleichung der amerikanischen Haltung im Ukraine-Krieg? Eine Intensivierung der Unterstützung? Kleinkram wie: Die Amerikaner lassen uns arktische Bodenstationen für militärische Satelliten vollumfänglich mitnutzen?
Oder wie wäre es mit einer dauerhaft in Polen stationierten US-Division? Oder gleich im Baltikum? Vielleicht ein Air-Force-Geschwader mit dazu? Europa könnte sich mit einem Schlag seiner Horrorszenarien an der Ostflanke entledigen und die Amerikaner in der NATO zementieren.
2. Wirtschaftliche Ausbeutung
Ja, natürlich: Das Schürfen von Seltenen Erden kann eine ziemlich belastende Angelegenheit sein. Stellen wir eine Kerze für die grönländischen Eisbären auf oder so. In der Welt, in der wir leben, kommen wir an zwei Wahrheiten nicht vorbei:
Sowohl die Amerikaner als auch wir Europäer benötigen dringend eigene sichere Bezugsquellen für Seltene Erden, wenn wir nicht komplett gegenüber China erpressbar sein wollen.
Die Seltenen Erden in Grönland zu schürfen wird mit europäischer Bürokratie und Naturschutzauflagen sowie bestens kuratierten politischen Widerständen in Grönland weiterhin nicht stattfinden.
Unter amerikanischer Verwaltung bestehen hingegen noch viel eher realistische Chancen, dass man unbeliebte Projekte durchboxen kann. Auch hier wäre dann seitens der Europäer bei den Verhandlungen Kreativität gefragt: Man könnte festschreiben lassen, dass ein Teil der Gewinne an die Grönländer zurückfließt. Oder gleich in Ursulas Brüsseler Kriegskasse. Und natürlich kann man europäischen Unternehmen auch Schürfrechte herausverhandeln.
3. Die offene Nordflanke
Ich verstehe offen gesagt nicht, dass das kaum jemand sieht. Grönland ist für die Dänen und damit Europa viel Verantwortung ohne Nutzen. Weit weg, kalt, ohne Infrastruktur, irrsinnig groß und angesichts der Klimaveränderungen in einer immer wichtiger werdenden Weltgegend. Ein einziger Klotz am Bein, ein (auch nach Trump) Reibungspunkt mit jeder europaskeptischen US-Administration und Russen und Chinesen vor der Tür, die in den kommenden Jahren und Jahrzehnten schauen und testen werden, was so geht.
Warum will Europa sich das eigentlich antun? Die Nordflanke wenigstens der Europäischen Union ist schon an und für sich ein riesiges Problem. Norwegen ist nicht in der EU. Das Vereinigte Königreich nicht mehr. Island ist nach wie vor ein Fragezeichen, aber keine militärische Hilfe. Eher der nächste Klotz am Bein. Vor diesem Hintergrund ist Grönland keine europäische Bastion im Nordmeer, sondern ein einziges schwarzes Loch, das kümmerliche militärische Expeditionsfähigkeiten aufsaugen wird.
Eigentlich sollte man meinen, dass die Europäer den Amerikanern dankbar wären, wenn sie sich dieses Problems entledigen können und die nördlichen Ambitionen auf die Nordsee beschränken könnten.
Freilich, wer meint, dass die Amerikaner im Rahmen der NATO weiterhin und für den Rest des Jahrhunderts die militärischen Aufgaben Europas übernehmen und bezahlen werden, während man sich selbst fein zurücklehnt, kommt auf solche Überlegungen nicht. Nur wie wahrscheinlich ist, dass das Spiel die nächsten Jahrzehnte so weiter läuft?
4. Die USA als Verbündeten im Großraum halten
Es ist mittlerweile eine Binse, dass Amerika sich in den pazifischen Raum orientiert und es am liebsten hätte, wenn die Europäer selbst und eigenverantwortlich ihre Sicherheitsinteressen gegenüber va Russland wahren könnten. Es steht angesichts der notgedrungenen europäischen Aufrüstung zu befürchten, dass die Amerikaner sich perspektivisch angesichts des militärisch stärkeren Europas und der immer größer werdenden Herausforderung im pazifischen Raum schneller und umfangreicher aus dem europäischen Raum zurückziehen, als uns lieb sein kann.
Im ganz großen strategischen Rahmen gedacht kommt auch noch die Gefahr hinzu, dass die Amerikaner Russland aus der Allianz mit China herausbrechen, indem man auf ihre Forderungen und Interessen gegenüber Europa mehr eingeht als bislang.
Eine Übernahme Grönlands durch die USA würde diesen Entwicklungen und Bestrebungen dahingehend einen Riegel vorschieben, dass ein amerikanisches Grönland sich sicherheitspolitisch zwingend gegen Russland richtet. Es hält die Amerikaner und insbesondere die US Navy mit relevanten Kräften im Nordatlantik und bildet ein sicherheitspolitisches Band der USA zur NATO und zu Europa. Anders gesagt: Mit Grönland haben die USA plötzlich wieder dauerhaft handfeste Interessen, und Europa kann sie weiterhin im eigenen Sinne einspannen.
Hier mal ein Versuch kurz und grob zu skizzieren, welche Vorteile es für Europa hätte wenn man Grönland an die Amerikaner abgeben würde:
1. Amerikanische Konzessionen
Trump sieht sich als der ultimative Dealmaker, und Grönland ist ein ziemlich ultimativer Preis für ihn. Entsprechend dürfte er bereit sein, für Grönland auch einen hohen Preis zu bezahlen – buchstäblich wie im übertragenen Sinne. Hier wäre europäische Kreativität gefragt. Die Grönländer über Nacht zu Millionären zu machen und die Staatsverschuldung Dänemarks auf null zu reduzieren (zurzeit läppische 140 Milliarden Euro) ist das eine. Trump noch weitere Milliarden aus der Tasche zu ziehen würde in dieselbe Kerbe schlagen.
Was ist daneben noch möglich? Eine Angleichung der amerikanischen Haltung im Ukraine-Krieg? Eine Intensivierung der Unterstützung? Kleinkram wie: Die Amerikaner lassen uns arktische Bodenstationen für militärische Satelliten vollumfänglich mitnutzen?
Oder wie wäre es mit einer dauerhaft in Polen stationierten US-Division? Oder gleich im Baltikum? Vielleicht ein Air-Force-Geschwader mit dazu? Europa könnte sich mit einem Schlag seiner Horrorszenarien an der Ostflanke entledigen und die Amerikaner in der NATO zementieren.
2. Wirtschaftliche Ausbeutung
Ja, natürlich: Das Schürfen von Seltenen Erden kann eine ziemlich belastende Angelegenheit sein. Stellen wir eine Kerze für die grönländischen Eisbären auf oder so. In der Welt, in der wir leben, kommen wir an zwei Wahrheiten nicht vorbei:
Sowohl die Amerikaner als auch wir Europäer benötigen dringend eigene sichere Bezugsquellen für Seltene Erden, wenn wir nicht komplett gegenüber China erpressbar sein wollen.
Die Seltenen Erden in Grönland zu schürfen wird mit europäischer Bürokratie und Naturschutzauflagen sowie bestens kuratierten politischen Widerständen in Grönland weiterhin nicht stattfinden.
Unter amerikanischer Verwaltung bestehen hingegen noch viel eher realistische Chancen, dass man unbeliebte Projekte durchboxen kann. Auch hier wäre dann seitens der Europäer bei den Verhandlungen Kreativität gefragt: Man könnte festschreiben lassen, dass ein Teil der Gewinne an die Grönländer zurückfließt. Oder gleich in Ursulas Brüsseler Kriegskasse. Und natürlich kann man europäischen Unternehmen auch Schürfrechte herausverhandeln.
3. Die offene Nordflanke
Ich verstehe offen gesagt nicht, dass das kaum jemand sieht. Grönland ist für die Dänen und damit Europa viel Verantwortung ohne Nutzen. Weit weg, kalt, ohne Infrastruktur, irrsinnig groß und angesichts der Klimaveränderungen in einer immer wichtiger werdenden Weltgegend. Ein einziger Klotz am Bein, ein (auch nach Trump) Reibungspunkt mit jeder europaskeptischen US-Administration und Russen und Chinesen vor der Tür, die in den kommenden Jahren und Jahrzehnten schauen und testen werden, was so geht.
Warum will Europa sich das eigentlich antun? Die Nordflanke wenigstens der Europäischen Union ist schon an und für sich ein riesiges Problem. Norwegen ist nicht in der EU. Das Vereinigte Königreich nicht mehr. Island ist nach wie vor ein Fragezeichen, aber keine militärische Hilfe. Eher der nächste Klotz am Bein. Vor diesem Hintergrund ist Grönland keine europäische Bastion im Nordmeer, sondern ein einziges schwarzes Loch, das kümmerliche militärische Expeditionsfähigkeiten aufsaugen wird.
Eigentlich sollte man meinen, dass die Europäer den Amerikanern dankbar wären, wenn sie sich dieses Problems entledigen können und die nördlichen Ambitionen auf die Nordsee beschränken könnten.
Freilich, wer meint, dass die Amerikaner im Rahmen der NATO weiterhin und für den Rest des Jahrhunderts die militärischen Aufgaben Europas übernehmen und bezahlen werden, während man sich selbst fein zurücklehnt, kommt auf solche Überlegungen nicht. Nur wie wahrscheinlich ist, dass das Spiel die nächsten Jahrzehnte so weiter läuft?
4. Die USA als Verbündeten im Großraum halten
Es ist mittlerweile eine Binse, dass Amerika sich in den pazifischen Raum orientiert und es am liebsten hätte, wenn die Europäer selbst und eigenverantwortlich ihre Sicherheitsinteressen gegenüber va Russland wahren könnten. Es steht angesichts der notgedrungenen europäischen Aufrüstung zu befürchten, dass die Amerikaner sich perspektivisch angesichts des militärisch stärkeren Europas und der immer größer werdenden Herausforderung im pazifischen Raum schneller und umfangreicher aus dem europäischen Raum zurückziehen, als uns lieb sein kann.
Im ganz großen strategischen Rahmen gedacht kommt auch noch die Gefahr hinzu, dass die Amerikaner Russland aus der Allianz mit China herausbrechen, indem man auf ihre Forderungen und Interessen gegenüber Europa mehr eingeht als bislang.
Eine Übernahme Grönlands durch die USA würde diesen Entwicklungen und Bestrebungen dahingehend einen Riegel vorschieben, dass ein amerikanisches Grönland sich sicherheitspolitisch zwingend gegen Russland richtet. Es hält die Amerikaner und insbesondere die US Navy mit relevanten Kräften im Nordatlantik und bildet ein sicherheitspolitisches Band der USA zur NATO und zu Europa. Anders gesagt: Mit Grönland haben die USA plötzlich wieder dauerhaft handfeste Interessen, und Europa kann sie weiterhin im eigenen Sinne einspannen.
