20.01.2026, 07:19
Nicht alle Kolonien waren ein defizitäres Zuschussgeschäft - wobei dies für die Deutschen Kolonien durchaus oft zutreffend war. Aber dessen ungeachtet profitierte man von manchen Kolonien immens. In diesem Kontext ist die Afrika-zentrische Perspektive ein Problem, da damit beispielsweise die hochprofitablen Kolonialreiche in Asien mal eben gekonnt ignoriert werden. Wer nun behauptet, dass britische Empire habe seinen Wohlstand nicht auch maßgeblich seinem Kolonialreich zu verdanken, ignoriert hier historische Fakten.
Da der Strang aber Deutsche Kolonien behandelt, so stimmt es spezifisch für diese als Sonderfall, dass die Kolonien für das Deutsche Reich als Staat defizitär waren. Das hat aber niemals jemand hier bestritten, und es geht damit vollständig an der eigentlichen Sache vorbei.
Ian Smith ist ein gutes Beispiel dafür, dass die Komplexität und Vielfältigkeit in solchen Allgemeinplätzen über den Kolonialismus untergehen, aber Rhodesien war da schon lange keine Kolonie mehr und hatte ohnehin eine Sonderrolle, auch und insbesondere was seinen weißen Bevölkerungsanteil angeht. Aber es ist genau diese Unterkomplexität in der Argumentation von Schneemann welche ich ja explizit beklage.
Was ich aber genau so dir vorhalten muss ist deine Frage der Wertung von Kulturen und wie du hier Kultur und Technologisches Niveau durcheinander wirfst. Kultur ungleich Technologie.
Ja, die Europäer waren technologisch im 19 Jahrhundert weit voraus, aber dass lässt eben keine Wertung der Kultur zu. Dichtung der Ashanti ist nicht schlechter oder besser als deutsche Dichtung dieser Zeit, nur weil die Deutschen Maschinengewehre hatten und die Ashanit Vorderlader.
Europa war technologisch Jahrhunderte voraus. Auch dies hat niemand bestritten. Daraus aber eine moralische, kulturelle und zivilisatorische Überlegenheit zu propagieren ist eben völlig falsch und aus rein technologischer Überlegenheit heraus den Kolonialismus rechtfertigen zu wollen nur umso mehr.
Und deine These, dass sich Afrika ohne europäische Eroberungskriege nicht entwickelt hätte ist eben nur dies, eine bloße These. Tatsächlich aber ist es sehr unwahrscheinlich, dass sich die afrikanischen Eliten der modernen Technologie verweigert hätten, die sich auch ohne genozidale Eroberungskriege verbreitet hätte.
Das wesentlichste aber ist weiterhin der Mangel an Differenzierung. Um es noch mal plakativ und überspitzt aufzugreifen: nur weil man im Südsudan bei der Suche nach den Quellen des Nil rituellen Kannibalismus entdeckte, bedeutet dies nicht, dass Algier nicht schon vor den Europäern einen bedeutenden Hafen hatte und dass sie "Segnungen" der Europäer bei der Eroberung Algeriens in keinster Weise die Ermordung von ungefähr einem drittel der gesamten Zivilbevölkerung aufwogen. Oder dass diese sich ohne den genozidalen Eroberungskrieg der Franzosen der modernen Technologie verweigert hätte.
Was du hier schlussendlich predigst ist ein moralischer Nihilismus, in dem Kulturen die Technologisch überlegen sind das Recht haben, andere Völker zu erobern, weil sie überlegen sind und damit "besser". Dein Beispiel mit den Römern finde ich hier geradezu perfekt, denn ob man solche technologischen Unterschiede - oder die sozialkulturellen Unterschiede (Urbane Gesellschaft vs Agrargesellschaft) als Errungenschaften versteht oder nicht, ist bloß eine Frage der persönlichen Haltung dazu. Ich sehe beispielsweise das römische Kaiserreich als eine vollständig negative und verachtenswerte Gesellschaft an, deren "Errungenschaften" in keinster Weise irgendeine Legitimation darstellen. Warum aber bewundert man die Römer? Weil sie eine urbane Kultur darstellten die der heutigen verstädterten Moderne insgesamt näher steht und man sich ihnen daher eher verbunden fühlt. Aber auch dies sagt mehr über unsere Gegenwart aus als über die tatsächlichen Verhältnisse.
Und genau so bewertet man deshalb Kolonialismus und technologischen Fortschritt aus diesem heraus positiv, weil heute der bloße (seelen- und kulturlose) technologische Fortschritt als Wert für sich selbst so überhöht wird. So weit überhöht wird als Selbstzweck, dass der Fortschritt jedwede Verbrechen relativiert und der Kolonialismus funktionierte weitestgehend nur durch massive Verbrechen. Das hat rein gar nichts mit Marxismus zu tun, und es ist geradezu amüsant mir solchen hier zumindest indirekt zu unterstellen. Es gibt glaube ich wenige Menschen die weniger marxistisch sind als meine Wenigkeit.
Da der Strang aber Deutsche Kolonien behandelt, so stimmt es spezifisch für diese als Sonderfall, dass die Kolonien für das Deutsche Reich als Staat defizitär waren. Das hat aber niemals jemand hier bestritten, und es geht damit vollständig an der eigentlichen Sache vorbei.
Ian Smith ist ein gutes Beispiel dafür, dass die Komplexität und Vielfältigkeit in solchen Allgemeinplätzen über den Kolonialismus untergehen, aber Rhodesien war da schon lange keine Kolonie mehr und hatte ohnehin eine Sonderrolle, auch und insbesondere was seinen weißen Bevölkerungsanteil angeht. Aber es ist genau diese Unterkomplexität in der Argumentation von Schneemann welche ich ja explizit beklage.
Was ich aber genau so dir vorhalten muss ist deine Frage der Wertung von Kulturen und wie du hier Kultur und Technologisches Niveau durcheinander wirfst. Kultur ungleich Technologie.
Ja, die Europäer waren technologisch im 19 Jahrhundert weit voraus, aber dass lässt eben keine Wertung der Kultur zu. Dichtung der Ashanti ist nicht schlechter oder besser als deutsche Dichtung dieser Zeit, nur weil die Deutschen Maschinengewehre hatten und die Ashanit Vorderlader.
Europa war technologisch Jahrhunderte voraus. Auch dies hat niemand bestritten. Daraus aber eine moralische, kulturelle und zivilisatorische Überlegenheit zu propagieren ist eben völlig falsch und aus rein technologischer Überlegenheit heraus den Kolonialismus rechtfertigen zu wollen nur umso mehr.
Und deine These, dass sich Afrika ohne europäische Eroberungskriege nicht entwickelt hätte ist eben nur dies, eine bloße These. Tatsächlich aber ist es sehr unwahrscheinlich, dass sich die afrikanischen Eliten der modernen Technologie verweigert hätten, die sich auch ohne genozidale Eroberungskriege verbreitet hätte.
Das wesentlichste aber ist weiterhin der Mangel an Differenzierung. Um es noch mal plakativ und überspitzt aufzugreifen: nur weil man im Südsudan bei der Suche nach den Quellen des Nil rituellen Kannibalismus entdeckte, bedeutet dies nicht, dass Algier nicht schon vor den Europäern einen bedeutenden Hafen hatte und dass sie "Segnungen" der Europäer bei der Eroberung Algeriens in keinster Weise die Ermordung von ungefähr einem drittel der gesamten Zivilbevölkerung aufwogen. Oder dass diese sich ohne den genozidalen Eroberungskrieg der Franzosen der modernen Technologie verweigert hätte.
Was du hier schlussendlich predigst ist ein moralischer Nihilismus, in dem Kulturen die Technologisch überlegen sind das Recht haben, andere Völker zu erobern, weil sie überlegen sind und damit "besser". Dein Beispiel mit den Römern finde ich hier geradezu perfekt, denn ob man solche technologischen Unterschiede - oder die sozialkulturellen Unterschiede (Urbane Gesellschaft vs Agrargesellschaft) als Errungenschaften versteht oder nicht, ist bloß eine Frage der persönlichen Haltung dazu. Ich sehe beispielsweise das römische Kaiserreich als eine vollständig negative und verachtenswerte Gesellschaft an, deren "Errungenschaften" in keinster Weise irgendeine Legitimation darstellen. Warum aber bewundert man die Römer? Weil sie eine urbane Kultur darstellten die der heutigen verstädterten Moderne insgesamt näher steht und man sich ihnen daher eher verbunden fühlt. Aber auch dies sagt mehr über unsere Gegenwart aus als über die tatsächlichen Verhältnisse.
Und genau so bewertet man deshalb Kolonialismus und technologischen Fortschritt aus diesem heraus positiv, weil heute der bloße (seelen- und kulturlose) technologische Fortschritt als Wert für sich selbst so überhöht wird. So weit überhöht wird als Selbstzweck, dass der Fortschritt jedwede Verbrechen relativiert und der Kolonialismus funktionierte weitestgehend nur durch massive Verbrechen. Das hat rein gar nichts mit Marxismus zu tun, und es ist geradezu amüsant mir solchen hier zumindest indirekt zu unterstellen. Es gibt glaube ich wenige Menschen die weniger marxistisch sind als meine Wenigkeit.
