20.01.2026, 06:54
@Kongo Erich
In dem Sinne:
Schneemann
Zitat:1.Ich denke nicht, dass es eine Überforderung war. Man war im Westen, gerade auch in Europa, froh darüber, dass das Schreckgespenst sowjetischer Panzerspitzen am Fulda Gap verschwunden war und dass man die durchaus hohen eigenen Militärausgaben zurückfahren konnte.
Die Ursache für den Zusammenbruch der dominanten westlichen Stellung war nicht die Hoffnung auf irgendeine Demokratisierung in irgendwelchen Weltteilen (wobei der Westen ja die undemokratischen Despoten akzeptiert hat, die auf seiner Seite waren), sondern schlicht eine Überforderung - die nicht mehr aufrecht erhalten werden musste, nachdem die UdSSR und der Warschauer Pakt als "globale Gegner" zusammen gebrochen, sprich, in den wirtschaftlichen Ruin gerüstet waren.
Zitat:2.Hier muss man etwas abgrenzen: Die Unterstützung rechtsgerichteter Diktatoren, solange sie nichts mit dem Kommunismus am Hut hatten, geschah im Rahmen des Kalten Krieges (man denke an die Lippmann-Prophezeiung nach Postulierung der Containment-Strategie), und dies kann und sollte man auch kritisieren, nach 1990 spielte diese Vorgehensweise jedoch nur mehr eine sehr untergeordnete Rolle. Manchmal ist es auch nur mehr eine Alibibehauptung, wenn es um eine Kritik an den USA geht.
In der Folge erhoffte man sich (Stichwort: Friedensdividende) vermehrt wirtschaftlichen Wohlstand, ohne diesen durch weitere Rüstungsausgaben zu belasten. Die Frage, ob etwa lateinamerikanische Staaten jetzt durch rechtsgerichtete (Militär-)Despoten oder demokratisch gewählte Präsidenten regiert wurden, waren völlig irrelevant. Hauptsache, das waren keine Kommunisten - aber der Kommunismus war ja nach Gorbatschow und der Auflösung der UdSSR unter Jelzin ohnehin "tot".
Zitat:Die Lockerung - sprich, der Wegfall des gemeinsamen Gegners - hat Zentrifugalkräfte frei gesetzt, die mehr und mehr auf die Besinnung auf die - und Stärkung der eigenen - nationalen oder regionalen Bedürfnisse ausgelegt waren.Die Frage wäre vielmehr, ob denn die Bindungen, die durch den Wegfall des Ost-West-Gegensatzes zerfielen, nicht eher auch, zumindest teils, destruktive Kräfte und teils extreme Nationalismen freisetzten und befeuerten?
Zitat:Ich nehme mal - im Uhrzeigersinn - diese Machtblöcke der Reihe nach:Lateinamerika ist in sich zu stark gespalten, ich meine dies einerseits wirtschaftlich-innergesellschaftlich (historisch bedingt, v. a. der Konflikt zwischen Landbesitztum und Landbevölkerung), teils bzgl. Rassengegensätzen betrachtet (Weiße, Indios, Mestizen, Schwarze) und vor allem andererseits auch politisch. Ein Petro in Kolumbien kann mit Lula, aber nicht mit Bolsonaro oder Milei. Und ein Kast in Chile ist sicher kein Freund von Lula. Hinzu kommen massive andere Probleme, etwa die Kriminalität bis hin zu den Drogenkartellen.
= Lateinamerika um das Zentrum Brasilien wächst in die Unabhängigkeit von den USA,
Zitat: die USA versuchen, sich an ihren Status als Supermacht zu klammern,Ich denke, sie sind es nachwievor, sie sollten nur ihre Schuldenpolitik in den Griff bekommen.
Zitat:die EU wächst aus dem Schatten der USA in eine immer stärkere unabhängige Rolle,Vielleicht. Wenn Europa sein Militär weiter verstärkt und wenn es so sein wird, dass ein zunehmend konservativerer und auch international härterer Wind durch Europa zieht, auch in Einwanderungsfragen oder hinsichtlich des teils hemmenden, überbordenden Glauben an internationalen Organisationen, den es zu überwinden gilt, und dies ähnlich wie die USA definiert, dann wird Europa tatsächlich ein ernst zu nehmender Player werden. Wenn aber sich rechtspopulistische Kreise durchsetzen hin zu einer stärkeren nationalstaatlichen Zersplitterung, dann sehe ich eher eine Schwächung.
Zitat: Russland versucht eine Restauration der alten Sowjetmacht,Nach Putin wird Russland sich erst einmal selbst wieder restaurieren müssen. Vielleicht droht sogar ein interner Konflikt.
Zitat: China erhebt sich aus dem Schatten der untergegangenen Sowjetunion und wird zur dominanten Macht Ostasiens und zur asiatischen Konkurrenz der USA,Das wird es wohl. Aber China muss auch aufpassen, dass es seine asiatischen Nachbarn nicht zu sehr vergrault. Viele Jäger sind bekanntlich auch des Hasen Tod.
Zitat: Japan und Südkorea (mit Taiwan) versuchen, ihre Unabhängigkeit von China zu bewahren, und finden dabei in den USA einen "natürlichen Verbündeten"Das ist sicherlich richtig.
Zitat: Südostasien wächst unter dem Titel "ASEAN" zu einer eigenständigen Wirtschaftsmacht nach dem Muster der EU - in Abgrenzung bzw. Gratwanderung zwischen China, Indien und Australien;Das halte ich für eine Überbewertung. ASEAN entstand in den 1960ern als rein antikommunistisches Bündnis. Man dachte dann, als das kommunistische Vietnam in den 1990ern beitrat, dass dies ein Hinweis auf Lockerung sei. Dreißig Jahre später ist die Lage aber mau. Kambodscha und Thailand schießen mit schwerer Artillerie aufeinander, Myanmar muss erst seine Muslime niedermetzeln und zudem hegen sowohl Birmanen als auch Thai, Vietnamesen und Kambodschaner tiefe Ressentiments gegeneinander, die weit über innereuropäische Animositäten hinausreichen. Von 220 Millionen Muslimen in Indonesien rede ich lieber nicht. Dass diese ein Staatenbündnis eingehen könnten wie die EU untereinander mit den übrigen Staaten, ist faktisch nicht in Sicht.
Zitat: Indien versucht, zur dominanten Regionalmacht Südasiens aufzusteigenIndien wird meiner Ansicht nach überbewertet. Die sogenannte größte Demokratie der Welt ist eine Chimäre. Das Land erstickt an seinen Menschen und im Dreck und beheimatet endemische Krankheiten wie die Lepra. Das wird auf Dauer nicht gutgehen. Hinzu kommen noch religiöse Gegensätze und politische Spannungen. Das Land wird langfristig von selbst erdrückt.
Zitat: der Iran wird eine eigenständige Regionalmacht mit Hegemonialansprüchen über Afghanistan bis TadschikistanDer Iran hat durchaus Potenzial, das sehe ich ähnlich. Aber er muss sich erst freischwimmen vom aktuellen, rückständigen Regime, ohne dass allzu große Leichenhaufen entstehen.
Zitat: die turksprachigen Staaten Zentralasiens versuchen. sich mit Hilfe der Türkei (Turan) aus der Dominanz von Russland im Norden und einem ausgreifenden China im Osten zu befreien,Da ist was durchaus was dran.
In dem Sinne:
Zitat:dazu:Das könnte der Untergang des heutigen Russland werden, ähnlich wie Polen im 18. Jahrhundert. Die russische Armee ist ein desolater Sauhaufen, der nicht mal mit der Ukraine fertig wird. Und nun will man sieben andere Staaten gleichzeitig angreifen? Wenn sie das probieren, wird sich China den Osten schnappen, die zentralasiatischen Staaten - ggf. mit türkischer oder gar iranischer Unterstützung - den Süden und die Europäer könnten ja ihre Satrapen (Ukraine, Georgien, Armenien) zum Zugriff auf den Südwesten animieren. Ich fürchte aber, dass es da dann unkalkulierbare Entwicklungen gibt, denn die Kamarilla in Moskau wird angesichts dieser Debakels dann wohl mit Atombomben um sich werfen.
1. Dugin blendet völlig aus, was zum Kollaps der UdSSR geführt hat - diese Probleme würde sich Russland wieder ans Bein binden.
2. Dugin hat die Rechnung ohne die genannten "Opfer" gemacht. Die werden durch solche Vorstöße nur alarmiert, sich auf ihre eigenen Interessen zu besinnen und selbst nach Verbündeten (und nicht nach einem Hegemon) zu suchen.
Schneemann

