19.01.2026, 22:41
Schneemann:
Was mir als erstes an deinen Ausführungen auffällt ist, wie undifferenziert du einfach alles in einen Topf wirfst.
Weil es also im Südsudan Stämme gab welche aus rein kultischen Gründen Kannibalismus betrieben, war es gerechtfertigt ungefähr ein Drittel der Zivilbevölkerung Algeriens zu vernichten ?! Aber dafür erhielten die Algerier dann einen Hafen.....als ob Algier nicht schon lange vor den Franzosen eine bedeutende Hafenstadt war. Ein besseres Beispiel in deinem Sinne wären beispielsweise für einen äußerst grausamen Kult die Anioto in Sierra Leone gewesen, oder für kommerziellen Kannibalismus ohne jeden kultischen Hintergrund die Märkte der Igbo im Gebiet des heutigen Nigeria, in welchen Sklavenkinder lebend zum Zweck der Schlachtung und Verspeisung verkauft wurden. Aber deshalb gab es deiner Ansicht nach anscheinend weder die Bibliothek vom Timbuktu noch trieb das Reich von Simbabwe Handel mit den Chinesen. Mein erster Vorwurf an dich wäre also, wie sehr du mit irgendwelchen tatsächlichen oder vermeintlichen "Misstständen" an einer Stelle die wesentlich größeren Missstände welche die Europäer mit sich brachten - einschließlich genozidaler Kriege und vielem mehr, relativierst und dabei das übliche rassistische und beschränkte Bild eines kultur- und zivilisationslosen Afrika zeichnest, wie es nicht falscher sein könnte.
Der zweite Vorwurf den ich dir machen muss ist, dass du bloße Technologie als Errungenschaft höher gewichtest als alles andere und Kultur und Zivilisation für dich Schulen, Eisenbahn und Häfen bedeuten, als hätte es in Afrika keine Schulen und Häfen gegeben und als hätten die Europäer schon immer Eisenbahnen gehabt. Worin aber liegt der Unterschied im zivilisatorischen Wert zwischen Europäischen und Afrikanischen Kulturen !? Deine Leugnung der Hochkultur in Afrika, weil die Afrikaner querschnittlich dann im 19 Jahrhundert den Europäern rein technologisch weiter hinterherhingen, ist allzu typisch für die Apologeten des Kolonialismus. Kultur ist aber ungleich Technologie. Ginge es aber nur um soziale Organisation, gesellschaftliche Ordnung usw. so bietet Afrika gleichermaßen eine Vielzahl an Völkern deren soziale Gliederung und Strukturen hinter denen der Europäer bis zur Kolonialzeit in keinster Weise zurück standen. Und keineswegs lebten die Menschen dort vor den Europäern im Elend, sondern kam das Elend erst mit den Europäern, wobei festzuhalten ist, dass der allgemeine Lebensstandard vieler Völker durch die Europäische Eroberung querschnittlich deutlich sank.
Der dritte Aspekt ist deine Behauptung, dass alle Afrikaner heute für jeden aktuellen Missstand den Kolonialismus verantwortlich machen würden. Tatsächlich aber ist dies ein Narrativ der Propaganda dass vor allem von den korrupten von Europa aus geförderten Regimen und Regierungen betrieben wird und dass gerade von diesen, unseren Handlangern von oben künstlich aufoktroyiert wird. Und das darüber hinaus in vielen Völkern bzw. in der breiten Bevölkerung gar nicht so vorhanden ist wie du es hier implizierst. Auch dies wieder nur eines der allzu typischen rassistischen Vorurteile, welches eine kleine marktschreierische Minderheit für die Mehrheit der Bevölkerung eines Kontintentes hält, der unterschiedlicher nicht sein könnte und dessen extreme Unterschiede in jedem Aspekt von Bevölkerung über die Kultur bis hin zu den Religionen und dem jeweiligen Stand der Zivilisation du gekonnt unterschlägst um alle Afrikaner breitflächig als "Wilde" darzustellen, für welche die Kolonisierung vorteilhaft gewesen ist.
Als ob die Staaten und leistungsfähigeren Völker dort nicht auch ohne genozidalen Massenmord mit Hilfe europäischer Unternehmen nicht auch von selbst Eisenbahnen und moderne Medizin hätten übernehmen können. Es ist geradezu absurd in der Gegenwart immer noch eine solche Auffassung zu vernehmen, laut welcher die Afrikaner (ja welche denn?!) nicht in der Lage gewesen wären ohne Angriffskriege der Europäer und die gewaltsame Eroberung ihrer Länder moderne Technologie zu übernehmen und dass sie heute aufgrund der gleichen durch blanken Rassismus antizipierten "Unterlegenheit" diese nicht aufrecht erhalten können. Dass die von den Europäern dort geschaffenen Staaten oft so dysfunktional sind, hat eine Vielzahl von Gründen, liegt aber nicht daran, dass "die Afrikaner" nicht in der Lage wären mit moderner Technologie umzugehen. Es ist sogar wahrscheinlicher, dass die vorher bestehenden organisierteren Staaten in Afrika auch völlig ohne jede gewaltsame Eroberung in der Lage gewesen wären, das gleiche technologische Niveau zu erreichen wie es ihnen dann nach der gewaltsamen Übernahme "gebracht" wurde.
Beschließend ist es meine These, dass die Auswirkungen des Kolonialismus überschätzt werden. Zwar gab es "Verbesserungen" wie beispielsweise die erst in der Spätphase der Kolonialzeit verbessere medizinische Versorgung (welche während der Eroberungszeit durch die Europäer praktisch keine Rolle spielte) und die dadurch rasend steigenden Geburtenraten bei drastisch sinkender Sterblchkeit, aber diese müssen mit den negativen Folgen der europäischen Eroberung durchaus verrechnet werden und moderne Medizin hätte sich auch ohne diese Eroberung in Afrika durchgesetzt.
Genozidale Eroberungskriege sind nämlich eben nicht die Voraussetzung für die Ausbreitung von Technologie !
Darüber hinaus verbündeten sich die Europäer an vielen Orten mit den jeweiligen lokalen Adeligen / Eliten und waren diese ganz genau so daran interessiert, zum Zweck der Steigerung ihres Einkommens, mehr Reichtum usw. die Verbesserungen der Infrastruktur voran zu treiben und hätten diese auch dann selbst voran getrieben, wenn sie nicht vorher mit Gewalt unterworfen worden wären. Tatsächlich ist es so, dass abgesehen von den rein technologischen Neuerungen (für welche es aber keine Kolonien gebraucht hätte, damit sich diese durchgesetzt hätten) sich Afrika durch den Kolonialismus keineswegs so stark verändert hat wie man annimmt. In deinem Sinne könnte man hier sogar argumentieren, dass es der mangelnde Einfluss des Kolonialismus auf die Sozialkultur war, welche in Kombination mit vielerlei anderen Faktoren etliche der heutigen Probleme Afrikas verursacht.
Aber klar, bleib nur weiter bei deiner Annahme, dass es nicht mal schriftliche Überlieferung in Afrika gab und nur Kannibalen-Stämme welche mit Eisenbahnen beglückt werden mussten. Lassen wir einfach das Königreich Benin, Buganda und die Songhai außen vor, die Mwenemutapa, das Aksumitische Reich und all die anderen, die dein simplifiziertes Afrikabild irgendwie durcheinander bringen könnten. Nsibidi existiert genau so nicht wie Adinkra und Tifinagh und schlussendlich ist nichts etwas wert, was nicht mit Eisenbahnen und Impfung einher geht.
Welchen Wert hatten aber dann die europäischen Kulturen vor Eisenbahn und Impfung? Müsste man dann Europa vor diesem rein technologischen Durchbruch nicht ganz genau so wenig achten ?!
Beschließend: Auch wenn du Taten wie sie beispielsweise im Belgisch-Kongo begangen wurden ja durchaus auch benannt hast, wo mehr als 10 Millionen Menschen durch die Kolonisierung ihr Leben verloren, so war dies eben kein Einzelfall. Und sind die Methoden mit welchen die Kolonien geschaffen wurden nicht dadurch legitimiert, dass man dann Eisenbahnen baute, die man zudem in keinster Weise für die Afrikaner und auch nicht zu deren Wohl errichtete. Und Häfen....du meine Güte....gab es in Afrika schon lange vor den Europäern. Als letztes Stichwort noch im Kontext von Häfen:
Was heillos unterschätzt wird sind die negativen Auswirkungen des Sklavenhandels auf Afrika, welche in weiten Teilen des Kontinentes degenerative Abwärtsspiralen verursachten welche teilweise die Kolonisierung erst ermöglichten. Wobei dieser Sklavenhandel vor allem von den Afrikanischen Eliten selbst voran getrieben und betrieben wurde, zum Zweck der Berreicherung und der Arabisch-Islamische Anteil daran noch viel verheerender war als die Nachfrage der europäischen Mächte. Viele der Missstände in Teilen Afrikas zur Zeit der Eroberung waren eine direkte und/oder indirekte Folge der langen Zeit des Exports von Sklaven, wobei der gigantische Umfang dieses Handels bis heute heillos unterschätzt wird. Über den Atlantik wurden dabei "nur" um die 12 Millionen Schwarzafrikaner verschleppt, während den muslimischen Sklavenjägern vermutlich mindestens 20 Millionen Schwarzafrikaner zum Opfer fielen. Wobei für jeden verschleppten Sklaven noch viele Tote in Afrika selbst mit einzurechnen wären und auch hier das Wüten islamischer Sklavenjäger weitaus schlimmer war als alles was in Westafrika stattfand.
Im Kontext des Kolonialismus war die Bekämpfung der Sklaverei ja im 19 Jahrhundert dann eine weithin vorherrschende Legitimation der eigenen Eroberungskriege. Wenn man in Bezug auf den Kolonialismus in Schwarzafrika aber tatsächlich irgend etwas gutes nennen wollte, so wäre das vor allem anderen nicht Eisenbahn und Häfen, sondern das Ende der islamischen Menschenjagden die weite Teile Ostafrikas systematisch entvölkert hatten. Der "verschleierte Völkermord" wie beispielsweise Tidiane N'Diaye den muslimischen Sklavenhandel nennt, wäre beispielsweise eine der wesentlichsten negativen Größen, welche der Kolonialismus tatsächlich ausschaltete. Aber auch hier sollte man sich mal klar vor Augen führen, dass private Sklavenhaltung auch in den Kolonien noch lange Zeit gang und gäbe war und selbst in deutschen Kolonialgebieten in Ostafrika noch bis zum Schluss unter der Hand toleriert wurde. Der Sklavenhandel wurde lediglich massiv zurück gefahren, und insbesondere die Strukturen der muslimischen Sklavenjäger zerschlagen, aber die europäischen Kolonialmächte tolerieren teilweise noch bis zum Ersten Weltkrieg die Sklaverei bei den Afrikanern selbst oder hielten sogar selbst Sklaven entgegen ihrer eigenen Gesetzgebung.
Im Kontext deutscher Kolonien hat es mich beispielsweise seit jeher fasziniert, dass trotz des Gesetzes von 1895 (!) welches Sklavenhandel im Gebiet des Deutschen Reiches verbot zur Zeit des Ersten Weltkrieges in Deutsch-Ostafrika immer noch ungefähr 10% der Bevölkerung tatsächlich echte Sklaven waren (noch ohne die ganzen Zwangsarbeiter gerechnet, welche die Deutschen in den Kolonien mit Gewalt ohne Lohn ausbeuteten). Da die deutsche Kolonialverwaltung tatsächlich auch Sklavenjägern Waffen lieferte um dafür Sklaven für deutsche Plantagen zu erhalten, ist heute kaum mehr bekannt.
Als letztes Relikt dieser Zeit gibt es selbst heute noch folgende und immer noch gültige Abstrusität mit welcher ich für heute mal schließen werde:
https://www.gesetze-im-internet.de/sklhg/__2.html
https://www.gesetze-im-internet.de/sklhg...E000200303
Was mir als erstes an deinen Ausführungen auffällt ist, wie undifferenziert du einfach alles in einen Topf wirfst.
Weil es also im Südsudan Stämme gab welche aus rein kultischen Gründen Kannibalismus betrieben, war es gerechtfertigt ungefähr ein Drittel der Zivilbevölkerung Algeriens zu vernichten ?! Aber dafür erhielten die Algerier dann einen Hafen.....als ob Algier nicht schon lange vor den Franzosen eine bedeutende Hafenstadt war. Ein besseres Beispiel in deinem Sinne wären beispielsweise für einen äußerst grausamen Kult die Anioto in Sierra Leone gewesen, oder für kommerziellen Kannibalismus ohne jeden kultischen Hintergrund die Märkte der Igbo im Gebiet des heutigen Nigeria, in welchen Sklavenkinder lebend zum Zweck der Schlachtung und Verspeisung verkauft wurden. Aber deshalb gab es deiner Ansicht nach anscheinend weder die Bibliothek vom Timbuktu noch trieb das Reich von Simbabwe Handel mit den Chinesen. Mein erster Vorwurf an dich wäre also, wie sehr du mit irgendwelchen tatsächlichen oder vermeintlichen "Misstständen" an einer Stelle die wesentlich größeren Missstände welche die Europäer mit sich brachten - einschließlich genozidaler Kriege und vielem mehr, relativierst und dabei das übliche rassistische und beschränkte Bild eines kultur- und zivilisationslosen Afrika zeichnest, wie es nicht falscher sein könnte.
Der zweite Vorwurf den ich dir machen muss ist, dass du bloße Technologie als Errungenschaft höher gewichtest als alles andere und Kultur und Zivilisation für dich Schulen, Eisenbahn und Häfen bedeuten, als hätte es in Afrika keine Schulen und Häfen gegeben und als hätten die Europäer schon immer Eisenbahnen gehabt. Worin aber liegt der Unterschied im zivilisatorischen Wert zwischen Europäischen und Afrikanischen Kulturen !? Deine Leugnung der Hochkultur in Afrika, weil die Afrikaner querschnittlich dann im 19 Jahrhundert den Europäern rein technologisch weiter hinterherhingen, ist allzu typisch für die Apologeten des Kolonialismus. Kultur ist aber ungleich Technologie. Ginge es aber nur um soziale Organisation, gesellschaftliche Ordnung usw. so bietet Afrika gleichermaßen eine Vielzahl an Völkern deren soziale Gliederung und Strukturen hinter denen der Europäer bis zur Kolonialzeit in keinster Weise zurück standen. Und keineswegs lebten die Menschen dort vor den Europäern im Elend, sondern kam das Elend erst mit den Europäern, wobei festzuhalten ist, dass der allgemeine Lebensstandard vieler Völker durch die Europäische Eroberung querschnittlich deutlich sank.
Der dritte Aspekt ist deine Behauptung, dass alle Afrikaner heute für jeden aktuellen Missstand den Kolonialismus verantwortlich machen würden. Tatsächlich aber ist dies ein Narrativ der Propaganda dass vor allem von den korrupten von Europa aus geförderten Regimen und Regierungen betrieben wird und dass gerade von diesen, unseren Handlangern von oben künstlich aufoktroyiert wird. Und das darüber hinaus in vielen Völkern bzw. in der breiten Bevölkerung gar nicht so vorhanden ist wie du es hier implizierst. Auch dies wieder nur eines der allzu typischen rassistischen Vorurteile, welches eine kleine marktschreierische Minderheit für die Mehrheit der Bevölkerung eines Kontintentes hält, der unterschiedlicher nicht sein könnte und dessen extreme Unterschiede in jedem Aspekt von Bevölkerung über die Kultur bis hin zu den Religionen und dem jeweiligen Stand der Zivilisation du gekonnt unterschlägst um alle Afrikaner breitflächig als "Wilde" darzustellen, für welche die Kolonisierung vorteilhaft gewesen ist.
Als ob die Staaten und leistungsfähigeren Völker dort nicht auch ohne genozidalen Massenmord mit Hilfe europäischer Unternehmen nicht auch von selbst Eisenbahnen und moderne Medizin hätten übernehmen können. Es ist geradezu absurd in der Gegenwart immer noch eine solche Auffassung zu vernehmen, laut welcher die Afrikaner (ja welche denn?!) nicht in der Lage gewesen wären ohne Angriffskriege der Europäer und die gewaltsame Eroberung ihrer Länder moderne Technologie zu übernehmen und dass sie heute aufgrund der gleichen durch blanken Rassismus antizipierten "Unterlegenheit" diese nicht aufrecht erhalten können. Dass die von den Europäern dort geschaffenen Staaten oft so dysfunktional sind, hat eine Vielzahl von Gründen, liegt aber nicht daran, dass "die Afrikaner" nicht in der Lage wären mit moderner Technologie umzugehen. Es ist sogar wahrscheinlicher, dass die vorher bestehenden organisierteren Staaten in Afrika auch völlig ohne jede gewaltsame Eroberung in der Lage gewesen wären, das gleiche technologische Niveau zu erreichen wie es ihnen dann nach der gewaltsamen Übernahme "gebracht" wurde.
Beschließend ist es meine These, dass die Auswirkungen des Kolonialismus überschätzt werden. Zwar gab es "Verbesserungen" wie beispielsweise die erst in der Spätphase der Kolonialzeit verbessere medizinische Versorgung (welche während der Eroberungszeit durch die Europäer praktisch keine Rolle spielte) und die dadurch rasend steigenden Geburtenraten bei drastisch sinkender Sterblchkeit, aber diese müssen mit den negativen Folgen der europäischen Eroberung durchaus verrechnet werden und moderne Medizin hätte sich auch ohne diese Eroberung in Afrika durchgesetzt.
Genozidale Eroberungskriege sind nämlich eben nicht die Voraussetzung für die Ausbreitung von Technologie !
Darüber hinaus verbündeten sich die Europäer an vielen Orten mit den jeweiligen lokalen Adeligen / Eliten und waren diese ganz genau so daran interessiert, zum Zweck der Steigerung ihres Einkommens, mehr Reichtum usw. die Verbesserungen der Infrastruktur voran zu treiben und hätten diese auch dann selbst voran getrieben, wenn sie nicht vorher mit Gewalt unterworfen worden wären. Tatsächlich ist es so, dass abgesehen von den rein technologischen Neuerungen (für welche es aber keine Kolonien gebraucht hätte, damit sich diese durchgesetzt hätten) sich Afrika durch den Kolonialismus keineswegs so stark verändert hat wie man annimmt. In deinem Sinne könnte man hier sogar argumentieren, dass es der mangelnde Einfluss des Kolonialismus auf die Sozialkultur war, welche in Kombination mit vielerlei anderen Faktoren etliche der heutigen Probleme Afrikas verursacht.
Aber klar, bleib nur weiter bei deiner Annahme, dass es nicht mal schriftliche Überlieferung in Afrika gab und nur Kannibalen-Stämme welche mit Eisenbahnen beglückt werden mussten. Lassen wir einfach das Königreich Benin, Buganda und die Songhai außen vor, die Mwenemutapa, das Aksumitische Reich und all die anderen, die dein simplifiziertes Afrikabild irgendwie durcheinander bringen könnten. Nsibidi existiert genau so nicht wie Adinkra und Tifinagh und schlussendlich ist nichts etwas wert, was nicht mit Eisenbahnen und Impfung einher geht.
Welchen Wert hatten aber dann die europäischen Kulturen vor Eisenbahn und Impfung? Müsste man dann Europa vor diesem rein technologischen Durchbruch nicht ganz genau so wenig achten ?!
Beschließend: Auch wenn du Taten wie sie beispielsweise im Belgisch-Kongo begangen wurden ja durchaus auch benannt hast, wo mehr als 10 Millionen Menschen durch die Kolonisierung ihr Leben verloren, so war dies eben kein Einzelfall. Und sind die Methoden mit welchen die Kolonien geschaffen wurden nicht dadurch legitimiert, dass man dann Eisenbahnen baute, die man zudem in keinster Weise für die Afrikaner und auch nicht zu deren Wohl errichtete. Und Häfen....du meine Güte....gab es in Afrika schon lange vor den Europäern. Als letztes Stichwort noch im Kontext von Häfen:
Was heillos unterschätzt wird sind die negativen Auswirkungen des Sklavenhandels auf Afrika, welche in weiten Teilen des Kontinentes degenerative Abwärtsspiralen verursachten welche teilweise die Kolonisierung erst ermöglichten. Wobei dieser Sklavenhandel vor allem von den Afrikanischen Eliten selbst voran getrieben und betrieben wurde, zum Zweck der Berreicherung und der Arabisch-Islamische Anteil daran noch viel verheerender war als die Nachfrage der europäischen Mächte. Viele der Missstände in Teilen Afrikas zur Zeit der Eroberung waren eine direkte und/oder indirekte Folge der langen Zeit des Exports von Sklaven, wobei der gigantische Umfang dieses Handels bis heute heillos unterschätzt wird. Über den Atlantik wurden dabei "nur" um die 12 Millionen Schwarzafrikaner verschleppt, während den muslimischen Sklavenjägern vermutlich mindestens 20 Millionen Schwarzafrikaner zum Opfer fielen. Wobei für jeden verschleppten Sklaven noch viele Tote in Afrika selbst mit einzurechnen wären und auch hier das Wüten islamischer Sklavenjäger weitaus schlimmer war als alles was in Westafrika stattfand.
Im Kontext des Kolonialismus war die Bekämpfung der Sklaverei ja im 19 Jahrhundert dann eine weithin vorherrschende Legitimation der eigenen Eroberungskriege. Wenn man in Bezug auf den Kolonialismus in Schwarzafrika aber tatsächlich irgend etwas gutes nennen wollte, so wäre das vor allem anderen nicht Eisenbahn und Häfen, sondern das Ende der islamischen Menschenjagden die weite Teile Ostafrikas systematisch entvölkert hatten. Der "verschleierte Völkermord" wie beispielsweise Tidiane N'Diaye den muslimischen Sklavenhandel nennt, wäre beispielsweise eine der wesentlichsten negativen Größen, welche der Kolonialismus tatsächlich ausschaltete. Aber auch hier sollte man sich mal klar vor Augen führen, dass private Sklavenhaltung auch in den Kolonien noch lange Zeit gang und gäbe war und selbst in deutschen Kolonialgebieten in Ostafrika noch bis zum Schluss unter der Hand toleriert wurde. Der Sklavenhandel wurde lediglich massiv zurück gefahren, und insbesondere die Strukturen der muslimischen Sklavenjäger zerschlagen, aber die europäischen Kolonialmächte tolerieren teilweise noch bis zum Ersten Weltkrieg die Sklaverei bei den Afrikanern selbst oder hielten sogar selbst Sklaven entgegen ihrer eigenen Gesetzgebung.
Im Kontext deutscher Kolonien hat es mich beispielsweise seit jeher fasziniert, dass trotz des Gesetzes von 1895 (!) welches Sklavenhandel im Gebiet des Deutschen Reiches verbot zur Zeit des Ersten Weltkrieges in Deutsch-Ostafrika immer noch ungefähr 10% der Bevölkerung tatsächlich echte Sklaven waren (noch ohne die ganzen Zwangsarbeiter gerechnet, welche die Deutschen in den Kolonien mit Gewalt ohne Lohn ausbeuteten). Da die deutsche Kolonialverwaltung tatsächlich auch Sklavenjägern Waffen lieferte um dafür Sklaven für deutsche Plantagen zu erhalten, ist heute kaum mehr bekannt.
Als letztes Relikt dieser Zeit gibt es selbst heute noch folgende und immer noch gültige Abstrusität mit welcher ich für heute mal schließen werde:
https://www.gesetze-im-internet.de/sklhg/__2.html
https://www.gesetze-im-internet.de/sklhg...E000200303
