19.01.2026, 14:18
(19.01.2026, 11:23)DeltaR95 schrieb: Sofern @Helios mich nicht lügen straft
Muss ich leider, der Treibstoff war nie das Kernproblem und ist schon lange gar kein Problem mehr. Es ist aber ein Paradebeispiel für eine verzerrte mediale Berichterstattung, und ein weiterer Sargnagel für die Glaubwürdigkeit der Berichte des BRH.
Was den Treibstoff angeht von Anfang an: die Firma Schiebel hat den Camcopter 2005 vorgestellt, dieser wurde angetrieben von einem Einscheiben-Wankelmotor, der ursprünglich von MidWest als Antrieb von Motorseglern gebaut wurde. Die Firma wurde Anfang der 2000er Jahre von Diamond Aircraft aufgekauft und zunächst unter eigenem Namen (Diamond Engine) und seit 2007 unter dem Namen Austro Engine nach Österreich verlagert weitergeführt. Schiebel hat den Kernmotor genommen und die Steuerelektronik selbst entwickelt, aufgrund der Auslegung auf kurze Laufzeiten war das Ergebnis aber nicht zufriedenstellend. Aus diesem Grund hat Schiebel angefangen, auch die mechanischen Komponenten selbst zu entwickeln und den kompletten Motor selbst herzustellen, dieser wurde S1 genannt und mit AvGas betrieben. Mit einem solchen Motor fanden auch 2008 die Tests auf der K130 statt, aber um diesen Zeitpunkt herum auch auf den Booten und Schiffen anderer Marinen (Frankreich, Spanien, Indien, usw.). Die Erkenntnisse und die Anforderungen der einzelnen Seestreitkräfte führten dazu, dass Schiebel 2009 die Entwicklung des Motors S2 für den Betrieb unter anderem mit JP-5 startete, meines Wissen mit dem Ziel einer Seriereife in fünf Jahren, also 2014 zu erzielen. Das sah beim Erstflug des Antrieb 2012 auch erreichbar aus, tatsächlich hat sich die Entwicklung dann aber deutlicher verzögert und die Serienreife konnte erst 2018 erzielt werden. Aufgrund dieser Verzögerung und weiteren Problemen in der Entwicklung und der Neubewertung von Forderungen bspw. hat die Marine zwischenzeitlich abstand von einer direkten Beschaffung genommen.
Weder wurde dieser Antrieb für die deutsche Marine entwickelt, noch war er eine Sonderforderung. Es stand allerdings JP-5 (oder alternativ Diesel!) im Lastenheft, weil Benzin in größeren Mengen an Bord aus sicherheitsgründen problematisch ist, es eine realistische Forderung war und den Einsatzbetrieb gerade auch über die K130 hinaus vereinfacht. Der S2 hat sich übrigens als der Standardantrieb für die S-100 durchgesetzt und kommt heute bei nahezu allen Maschinen zum Einsatz, das Unternehmen selbst bezeichnet ihn trotz der schwierigen Entwicklung als wichtigen Baustein für die Eroberung des maritimen Marktes. Zumindest vor einigen Jahren wurde der S1 noch angeboten, aber nicht mehr weiterentwickelt. Die V-200 als dann später von der deutschen Marine erprobtes Konkurrenzprodukt verwendet übrigens den Zweizylinder-Zweitaktmotor Hirth 3507, der natürlich mit Kerosin (verschiedene Varianten) betrieben wird und für JP-5 zugelassen ist.
Insofern stellte die Forderung von Kerosin oder Diesel als Treibstoff nie ein grundsätzliches Problem dar und wirkte sich auf die Drohnenbeschaffung nur aufgrund der Verzögerung bei der Entwicklung des S2 von Schiebel mit aus. Wobei da wie zuvor bereits erwähnt anzumerken ist, dass die Nichtbeschaffung mehrere Gründe hatte und der Treibstoff kein Kernproblem darstellte.
