19.01.2026, 11:45
(18.01.2026, 23:13)DrKartoffelsalat schrieb: War zu erwarten, Handelsabkommen erstmal gestoppt, Vergeltungszölle und ggf. weitere Maßnahmen geplant.Ganz konkret:
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GröPaZ hat mit seinen neuen Zolldrohungen - die er ab 1. Februar umsetzen will - das Handelsabkommen faktisch "außer Kraft gesetzt". Die Folgen sind klar:
Zitat:Wenn es keine Einigung mit den USA in der neuesten Runde des Zollstreits wegen Grönland geben sollte, würden (damit) allerdings die bereits im Juli designierten Gegen-Strafzölle im Volumen von 93 Milliarden Euro etwa für US-Bourbon, Flugzeugteile, Sojabohnen und Geflügel automatisch am 6. Februar in Kraft treten, sagte ein EU-Diplomat zu Reuters.und auch wenn die EU nun einen Sondergipfel einberuft und einige Nationalfürsten aus ihrer Speichelleckerei gegenüber GröPaZ nicht heraus kommen:
Die EU hatte die Verhängung dieser Zölle nur ausgesetzt, nachdem sie sich mit den USA auf ein Handelsabkommen geeinigt hatte. Dieses sah eigentlich Zollfreiheit für US-Waren und einen 15-Prozent-Zoll auf EU-Waren in den USA vor. Das Europäische Parlament hat nach Angaben von EVP-Chef Manfred Weber aber jetzt die nötige und für Mittwoch vorgesehene Verabschiedung dieses Abkommens auf unbestimmte Zeit verschoben.
Die nötige Einstimmigkeit, um diese Konsequenz zu umgehen, kann und wird es nicht geben - von der nötigen Abstimmungsmehrheit im EU-Parlament ganz zu schweigen.
Vielleicht - wahrscheinlich, meine ich - wäre uns das Theater erspart geblieben, wenn wir in Europa gleich (ähnlich wie China) stark agiert und Augenhöhe beansprucht hätten. Wer gegenüber einem Egomanen als Bittsteller auftritt, hat schon verloren. Dieser Typ versteht nur die Sprache der "Stärke", weil es auch die einzige Sprache ist, die er selbst spricht.
Wer als Hegemon nur aus der Position der Stärke agiert (egal, ob er nichts anderes kann oder das nur sein Naturell ist) greift solange zu Grenzüberschreitungen, bis er entweder den Bogen überspannt oder den Gegenüber absolut entmündigt und versklavt hat.
Je länger man wartet, desto schwerer wird es, den eigenen Standort zu halten. Nun kann die EU gar nicht mehr auf Beschwichtigungsgesten ausweichen.
Die Frage, die sich jetzt stellt, ist nur noch:
inwieweit kann GröPaZ seine Drohungen umwandeln oder zurück nehmen?
Für Politikwissenschaftler Thomas Jäger gibt es für Trump inzwischen keinen Weg mehr zurück.
„Es wird erledigt werden!“, droht Trump – Baerbock spricht von „absolutem Schuss ins eigene Knie“
Was heißt das?
Er kann nicht einfach durch Drohungen die EU "auf Linie bringen".
Er muss entweder einknicken - oder ein riskiert den Zusammenbruch der NATO. Mit der Drohung gegen Europa beginnt Trump eine neue Ära - womit wir wieder beim Thema wären:
Zitat:Ein Jahr nach Trumps Amtsantritt zeichnen sich einige Lehren über seinen Blick auf die Welt ab. Er sieht die Welt aufgeteilt unter China, Russland und den USA. Sein Anspruch auf Grönland passt nur zu gut ins Bild.Damit verlieren die USA aber auch einen guten Teil ihrer nordatlantischen Machtbasis. Und die "multipolare Welt" ist nicht tot, sondern im Gegenteil - der Druck aus den zunehmend geschwächten USA führt zwangsläufig dazu, dass sich vormalige "Satelliten" ebenso zunehmend verselbstständigen und den Schulterschluss untereinander suchen. Das Handelsabkommen zwischen EU und Mercosur ist dafür ein Zeichen.
Lässt US-Präsident Donald Trump demnächst Grönland besetzen? Allein diese Frage sagt eigentlich alles. Ein Jahr nach dem Beginn von Trumps zweiter Amtszeit ist die Welt eine völlig andere - selbst als in Trumps erster Amtszeit. Die jüngste Zolldrohung gegen mehrere EU-Staaten, darunter Deutschland, ist hier nur die nächste Eskalationsstufe.
Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen. Grönland gehört zu Dänemark, einem Nato-Mitglied. Annektierten die USA die Insel, wäre das ein feindlicher Akt gegen einen Verbündeten. Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen hat für den Fall schon das Ende der Militärallianz vorhergesagt, viele Experten pflichten ihr bei. Völkerrechtswidrig wäre der Akt ohnehin, aber danach fragt kaum noch jemand - im Weißen Haus absolut niemand. Aber schon die Zolldrohung ist eine unglaubliche Eskalation. Es handelt sich um Verbündete, die seit Jahrzehnten zusammenstehen. Kann man da jetzt noch das gemeinsame Schutzversprechen ernst nehmen?
In einer solchen Multipolaren Welt gewinnt nicht der Staat an Einfluß, der den größten Druck ausübt - sondern der Staat bzw. die Staatengruppe, die am Besten und am Häufigsten gemeinsame Interessen mit anderen Partnern finden - auf Augenhöhe und zum beiderseitigen Vorteil.
Zurück zu den Konsequenzen der Auseinandersetzung zwischen EU und USA:
Trumps Grönland-Plan ist bereits gescheitert.
Zitat:... Natürlich, besetzen kann er das Land immer noch. Aber gegen den Willen der Grönländer könnte Trump die Insel nicht zum 51. Bundesstaat machen. Das würden die Demokraten und sogar etliche echte, nicht zur MAGA-Bewegung überglaufene Republikaner verhindern. Denn für die Aufnahme nach Art. IV Abs. 3 der US-Verfassung wäre nicht nur eine einfache Mehrheit im Repräsentantenhaus nötig (die den Republikanern bereits im November abhandenkommen kann), sondern vor allem eine Zweidrittel-Mehrheit im Senat. Dort aber verfügen die Republikaner über gerade einmal 53 von 100 Sitzen. Nicht nur Europa, auch Trump hat darum beste Chancen, als Bettvorleger zu landen – immerhin das wäre ein Stück transatlantischer Gemeinsamkeit.
