Gestern, 12:08
(Gestern, 09:50)Schneemann schrieb: @Kongo Erich
Ich wäre hier etwas vorsichtiger. Irans Wirtschaft leidet sehr stark unter den Sanktionen, es fehlt teils an nötigstem Kleinkram.
Wenn die WiWo hier von Lastwagenfabriken schreibt, dann muss bedacht werden, dass diese Fabrikation strategisch wichtig ist. Einerseits dienen diese Laster auf den Routen nach Zentralasien und Aserbaidschan als wichtigsten Transportmittel - auf sie zu verzichten oder sie zu vernachlässigen, wäre kaum entschuldbar. Hinzu kommt, dass diese Lastwagen andererseits auch militärisch betrachtet wichtig sind, entweder in der Logistik oder als TEL-Schlepper. Dass der Iran also diese Fabrikation massiv am Laufen hält, notfalls unter Vernachlässigung anderer Produktionseinrichtungen, ist aus Teherans Sicht nur logisch. Es ist aber kein Beleg für eine Resilienz gegenüber Sanktionen.
Schneemann
In den letzten 10 Jahren ist das reale BIP (inflationsbereinigt) um ca. 28% gewachsen, das ist nicht enorm aber immerhin etwas (Deutschland im Vergleichszeitraum nur um 11%). Der Massenaufstand findet nicht aus wirtschaftlichen Gründen statt, sondern weil immer mehr Iraner die Nase voll davon haben sich von Islamisten unterdrücken lassen zu müssen. In den letzten 20 Jahren wurden zwei Drittel aller iranischen Moscheen geschlossen, weil sie fast niemand mehr besucht hat. Nach Schätzungen sind inzwischen über die Hälfte der Iraner in Wahrheit Atheisten oder Christen geworden, nur dürfen sie dies nicht öffentlich äußern, weil auf "Abfall vom Glauben" im Iran immer noch die Todesstrafe droht. Diese Zustände wollen eben immer weniger Iraner, vor allem Jugendliche, akzeptieren.
