18.01.2026, 06:56
Marco Seliger sieht in der 'NZZ' den Zweibrücken-Fall als Beispiel eines Konflikts zwischen Gesellschaft und militärischer Realität:
Man mag ja von den Binnenstrukturen der Bundeswehr und dem vorauseilenden Gehorsam mancher Vorgesetzten halten, was man will, aber es entspricht absolut nicht der Lebenserfahrung, dass da jetzt 25 Mann samt und sonders zu Unrecht entlassen wurden und demnächst vor Gericht triumphal Recht erhalten werden.
Aber wie dem auch sei:
Was in Zweibrücken gelaufen ist—was verbürgt scheint—, hat meiner Meinung nach wenig mit militärischer "Härte" zu tun.
Seliger hat zwar insofern Recht, als Medien und Gesellschaft oft Praktiken tabuisieren und vilifizieren, die nötig sind, um in militärischen Einheiten Kohäsion herzustellen. Und zwar zum Schaden der Armee, also auch zum Schaden der Landesverteidigung.
Und ja, dazu gehört auch mal ein dummer Spruch, oder "Tätlichkeiten" wie das Abschlagen des Abzeichens, psychologisch ist das ganz normal, denn wenn jemand schon wegen eines Witzes austickt, wie kann er dann in einer echten Gefahrensituation einen kühlen Kopf bewahren?
Ich kenne eine Soldatin, als die im informellen Rahmen das erste Mal ihrem neuen Zug begegnet ist, hat einer gerufen: "Du hast ja geile Tttttti—attoos." Sie hat zurückgerufen: "Du hast ja 'nen kleinen Ppppe—bart." Beste Kameradschaft danach. Obwohl strafwürdiges Verhalten nach dem Buchstaben der (weltfremden) Vorschrift.
Es gibt aber einen Unterschied zwischen Korpsgeist, gegenseitigem Foppen und unkameradschaftlichem bzw. kriminellem Verhalten. Es muss einen Grund geben, dass es immer eine Handvoll Verbände bzw. Standorte sind, und eben gerade nicht "die Kampftruppen". Jäger- und Panzertruppe sind z.B. auch Kampftruppen, und machen eher selten mit Kokainabusus, Hitlergruß und Dörrobstspielen Schlagzeilen.
Zitat:Fallschirmjäger sind harte Jungs. Sie suchen Entbehrung und Extreme. Doch wann geht die Härte zu weit?Der Kommentar ist meiner Meinung nach unpassend, weil die korrekte Problemanalyse wenig bis nichts mit dem gewählten Beispiel zu tun hat. Außerdem ist er mitunter arg tendenziös, etwa wenn Seliger schreibt:
Rechtsextremismus, Antisemitismus, Gewaltrituale, Drogenmissbrauch und sexuelle Übergriffe – die Vorwürfe gegen Soldaten des Fallschirmjägerregiments 26 in Zweibrücken wiegen schwer. Doch der Fall an dem rheinland-pfälzischen Bundeswehrstandort ist kein klassischer Skandal mit klaren Tätern und Opfern, zu dem er gerade politisch und medial gemacht wird. Er ist vielmehr in Teilen ein Konflikt zwischen externer Bewertung und militärischer Binnenlogik. (Volltext)
Zitat:Das sind aber keine Strafurteile, sondern dienstrechtliche Massnahmen, die schon bei geringerer Beweislage greifen können.Das ist Augenwischerei, weil auch Disziplinarmaßnahmen begründet und einer gerichtlichen Überprüfung standhalten können müssen.
Man mag ja von den Binnenstrukturen der Bundeswehr und dem vorauseilenden Gehorsam mancher Vorgesetzten halten, was man will, aber es entspricht absolut nicht der Lebenserfahrung, dass da jetzt 25 Mann samt und sonders zu Unrecht entlassen wurden und demnächst vor Gericht triumphal Recht erhalten werden.
Aber wie dem auch sei:
Was in Zweibrücken gelaufen ist—was verbürgt scheint—, hat meiner Meinung nach wenig mit militärischer "Härte" zu tun.
Seliger hat zwar insofern Recht, als Medien und Gesellschaft oft Praktiken tabuisieren und vilifizieren, die nötig sind, um in militärischen Einheiten Kohäsion herzustellen. Und zwar zum Schaden der Armee, also auch zum Schaden der Landesverteidigung.
Und ja, dazu gehört auch mal ein dummer Spruch, oder "Tätlichkeiten" wie das Abschlagen des Abzeichens, psychologisch ist das ganz normal, denn wenn jemand schon wegen eines Witzes austickt, wie kann er dann in einer echten Gefahrensituation einen kühlen Kopf bewahren?
Ich kenne eine Soldatin, als die im informellen Rahmen das erste Mal ihrem neuen Zug begegnet ist, hat einer gerufen: "Du hast ja geile Tttttti—attoos." Sie hat zurückgerufen: "Du hast ja 'nen kleinen Ppppe—bart." Beste Kameradschaft danach. Obwohl strafwürdiges Verhalten nach dem Buchstaben der (weltfremden) Vorschrift.
Es gibt aber einen Unterschied zwischen Korpsgeist, gegenseitigem Foppen und unkameradschaftlichem bzw. kriminellem Verhalten. Es muss einen Grund geben, dass es immer eine Handvoll Verbände bzw. Standorte sind, und eben gerade nicht "die Kampftruppen". Jäger- und Panzertruppe sind z.B. auch Kampftruppen, und machen eher selten mit Kokainabusus, Hitlergruß und Dörrobstspielen Schlagzeilen.
