04.01.2026, 13:18
Das wird schwierig
Nicht atomar bewaffnete Staaten sind dagegen zum Spielball von starken Staaten (insbesondere aus dem sogenannten "Westen" geworden. Libyen, Irak oder jetzt Venezuela dienen als abschreckendes Beispiel.
Das ist der Grund, warum Autokraten wie Nordkoreas Kim im Besitz von Atomwaffen auch eine Art Lebensversicherung sehen.
Und es gibt gute Gründe zur Annahme, dass der Besitz von Atomwaffen verhindert hat, dass lokale Scharmützel (z.B. zwischen China, Indien, Pakistan) sich zu einem großen Krieg hochschaukeln.
Die regelbasierte Nachkriegsordnung war darauf ausgelegt, dass alle Machthaber in ein Regelwerk eingebunden werden, egal ob absolute Erbmonarchie (Thailand), absolute Wahlmonarchie (Vatikan), konstitutionelle Monarchien (Europa, Japan, Marokko), Militär- (Lateinamerika, Afrika, Myanmar) oder Partei- (China, Vietnam) Diktaturen oder Theokratien (Iran, Tibet, Vatikan).
Was Dir vorschwebt wäre eine Art "globaler EU" - wer dem Club angehört, muss bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Da gibt es schon genug Schwierigkeiten, die unterschiedlichen Interessen auszugleichen. Wie soll das denn auf globaler Ebene gehen?
Was passiert mit den "Parias", die nicht zum Club gehören? Mit welchem Recht maßen wir uns an, unseren gesellschaftlichen Ansatz (Individuelle Rechte, Gleichheit der Personen, Demokratie ...) anderen Gesellschaften und der dort verwurzelten Kultur zu überstülpen?
Zwei Beispiele zu unterschiedlichen Gesellschaftskulturen:
"Emanzipation" hat sich erst die letzten ~ 150 Jahre im sogenannten "Westen" etabliert - wann haben die letzten Frauen in der Schweiz ihr Wahlrecht erhalten? Vorher war über Jahrtausende hin das alttestamentarische "die Frau sei dem Manne untertan" der gesellschaftliche Konsens nicht nur in Europa, und ist es in vielen islamischen Ländern heute noch.
"Individualismus" wird im chinesischen mit "Egoismus" gleich gestellt. Der einzelne Mensch wird über seine Ein- und Verbindung in einer Gemeinschaft - Familie, Clan ... - definiert.
Die Reihe könnte beliebig fortgesetzt werden.
Die Folge ist:
Es muss jeder Gesellschaft selbst überlassen werden, wie sich gegensätzliche oder konträre Auffassungen zum Ausgleich bringt. Aber ein anderer gesellschaftlicher Ansatz darf nicht dazu führen, dass einzelne Staaten (z.B. China) aus der Völkergemeinschaft ausgeschlossen werden, nur weil sie einem Ideal nicht entsprechen, das zufällig im sogenannten Westen überwiegt (und dort auch immer wieder angegriffen wird).
Und wer darf entscheiden, wer bei einem Regierungswechsel in den Club aufgenommen oder ausgeschlossen wird?
da bin ich jetzt völlig konträr. Du verwechselst nach meiner Überzeugung Ursache und Wirkung. Nach dem Zusammenbruch der UdSSR und des Warschauer Pakts waren die USA die (einzige verbliebene) Supermacht.
Und sie haben das zunehmend genutzt, um sich "straflos" über die Reglularien und Vorgaben der UN hinweg zu setzen.
UN-Beschlüsse (Flugverbotszone über Libyen) wurden überdehnt und letztendlich missachtet,
der Anlass zu kriegerischen Entwicklungen immer fadenscheiniger formuliert (Irak, Iran, Venezuela).
Der erratisch irrlichternde derzeitige US-Präsident ist nur eine konsequente Fortentwicklung von früheren US-Regierungen.
Die Folge ist eindeutig ersichtlich.
Die schwächeren "Opfer-Staaten" und ihre Regierungen versuchen, stärker zu werden (Australien, Indien, Nordkorea), oder sich zu größeren Bündnissen zusammen zu schließen.
Dabei gibt es fließende Übergänge zwischen Ad-hoc-Bündnissen, die auch wieder auseinander fallen können, (Nordkorea und Russland, Jemen), und strukturellen Zusammenschlüssen (EU, Mercosur, ASEAN, Arabische Liga). Der Trend ist, dass die strukturellen Zusammenschlüsse langfristig stabiler und stärker werden.
(04.01.2026, 11:09)Schneemann schrieb: @Kongo Erichder Gedanke widerspricht den Erfahrungen seit 1945: der Besitz der Atomwaffen und das dadurch verursachte "Gleichgewicht des Schreckens" hat dazu geführt, dass große Konfilkte vermieden wurden.
1. In jedem Fall müssen Atomwaffen als nicht entscheidender Faktor angesehen werden.
....
Nicht atomar bewaffnete Staaten sind dagegen zum Spielball von starken Staaten (insbesondere aus dem sogenannten "Westen" geworden. Libyen, Irak oder jetzt Venezuela dienen als abschreckendes Beispiel.
Das ist der Grund, warum Autokraten wie Nordkoreas Kim im Besitz von Atomwaffen auch eine Art Lebensversicherung sehen.
Und es gibt gute Gründe zur Annahme, dass der Besitz von Atomwaffen verhindert hat, dass lokale Scharmützel (z.B. zwischen China, Indien, Pakistan) sich zu einem großen Krieg hochschaukeln.
(04.01.2026, 11:09)Schneemann schrieb: 2. Darüber hinaus sollten in internationalen Institutionen von Gewicht tatsächlich nur mehr demokratisch oder zumindest in weiten Teilen demokratisch regierte Staaten entscheiden dürfen. ...@Schneemann
...
Die regelbasierte Nachkriegsordnung war darauf ausgelegt, dass alle Machthaber in ein Regelwerk eingebunden werden, egal ob absolute Erbmonarchie (Thailand), absolute Wahlmonarchie (Vatikan), konstitutionelle Monarchien (Europa, Japan, Marokko), Militär- (Lateinamerika, Afrika, Myanmar) oder Partei- (China, Vietnam) Diktaturen oder Theokratien (Iran, Tibet, Vatikan).
Was Dir vorschwebt wäre eine Art "globaler EU" - wer dem Club angehört, muss bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Da gibt es schon genug Schwierigkeiten, die unterschiedlichen Interessen auszugleichen. Wie soll das denn auf globaler Ebene gehen?
Was passiert mit den "Parias", die nicht zum Club gehören? Mit welchem Recht maßen wir uns an, unseren gesellschaftlichen Ansatz (Individuelle Rechte, Gleichheit der Personen, Demokratie ...) anderen Gesellschaften und der dort verwurzelten Kultur zu überstülpen?
Zwei Beispiele zu unterschiedlichen Gesellschaftskulturen:
"Emanzipation" hat sich erst die letzten ~ 150 Jahre im sogenannten "Westen" etabliert - wann haben die letzten Frauen in der Schweiz ihr Wahlrecht erhalten? Vorher war über Jahrtausende hin das alttestamentarische "die Frau sei dem Manne untertan" der gesellschaftliche Konsens nicht nur in Europa, und ist es in vielen islamischen Ländern heute noch.
"Individualismus" wird im chinesischen mit "Egoismus" gleich gestellt. Der einzelne Mensch wird über seine Ein- und Verbindung in einer Gemeinschaft - Familie, Clan ... - definiert.
Die Reihe könnte beliebig fortgesetzt werden.
Die Folge ist:
Es muss jeder Gesellschaft selbst überlassen werden, wie sich gegensätzliche oder konträre Auffassungen zum Ausgleich bringt. Aber ein anderer gesellschaftlicher Ansatz darf nicht dazu führen, dass einzelne Staaten (z.B. China) aus der Völkergemeinschaft ausgeschlossen werden, nur weil sie einem Ideal nicht entsprechen, das zufällig im sogenannten Westen überwiegt (und dort auch immer wieder angegriffen wird).
Und wer darf entscheiden, wer bei einem Regierungswechsel in den Club aufgenommen oder ausgeschlossen wird?
(04.01.2026, 11:09)Schneemann schrieb: ...@Schneemann
Und genau dies ist ja auch mit der Hintergrund, weswegen die USA sich von den UN-Institutionen zunehmend entfremden und unilaterale Entscheidungen treffen (wobei man dann aber meistens genau diese Entfremdung ihnen vorhält und nicht den Umstand kritisiert, dass die UN-Institutionen von autoritären Staaten zweckentfremdet wurden und werden).
da bin ich jetzt völlig konträr. Du verwechselst nach meiner Überzeugung Ursache und Wirkung. Nach dem Zusammenbruch der UdSSR und des Warschauer Pakts waren die USA die (einzige verbliebene) Supermacht.
Und sie haben das zunehmend genutzt, um sich "straflos" über die Reglularien und Vorgaben der UN hinweg zu setzen.
UN-Beschlüsse (Flugverbotszone über Libyen) wurden überdehnt und letztendlich missachtet,
der Anlass zu kriegerischen Entwicklungen immer fadenscheiniger formuliert (Irak, Iran, Venezuela).
Der erratisch irrlichternde derzeitige US-Präsident ist nur eine konsequente Fortentwicklung von früheren US-Regierungen.
Die Folge ist eindeutig ersichtlich.
Die schwächeren "Opfer-Staaten" und ihre Regierungen versuchen, stärker zu werden (Australien, Indien, Nordkorea), oder sich zu größeren Bündnissen zusammen zu schließen.
Dabei gibt es fließende Übergänge zwischen Ad-hoc-Bündnissen, die auch wieder auseinander fallen können, (Nordkorea und Russland, Jemen), und strukturellen Zusammenschlüssen (EU, Mercosur, ASEAN, Arabische Liga). Der Trend ist, dass die strukturellen Zusammenschlüsse langfristig stabiler und stärker werden.
