03.01.2026, 14:11
(03.01.2026, 13:40)Schneemann schrieb: Das ist mir nun etwas zu sehr ein Schreckensgemälde. Und es trifft den Kern nicht ganz, denn es suggeriert, dass es nur zwei Optionen gibt: Entweder lassen wir a) die Schurken frei gewähren, nur um weitaus Schlimmeres zu verhindern, oder andererseits treten wir b) ihnen entgegen und schlagen sie notfalls mit den eigenen, wenn auch völkerrechtlich nicht einwandfreien, Waffen, was aber das Risiko einer bombastischen Katastrophe in sich trägt?mir fehlt die klare Antwort auf meine Frage: Wie stellst Du Dir das vor?
Das erinnert mich zu sehr an Moskaus "Madman-Theorie" im Medwedew'schen Weihnachtsmann-Stil: Hohoho, wenn wir nicht kriegen, was wir wollen, dann vernichten wir die Erdkugel. Heißt: Das Drohgebäude der allumfassenden Zerstörung wird hier als psychologisches Schreckgespenst genutzt, um gerade die eigenen Aggressionen absichern zu können. Auf dieses Spiel sollten wir uns aber nicht einlassen.
Schneemann
Ich bin durchaus der Meinung, dass wir eine "Neujustierung" brauchen. Allerdings sehe ich die mehr in einem Reformprozess, der sich auch auf dem Weg befindet - weg von den beiden "Machtblöcken" des Kalten Krieges, die sich gegenseitig blockiert haben - hin zu einer Globalisierung und der Stärkung von Regionalmächten.
Das bringt natürlich gleichzeitig einen Machtverlust der bisherigen Supermächte mit sich. Und wir sehen sowohl bei Russland (Georgien, Ukraine) wie auch bei den USA (Venezuela), dass so ein Machtverlust die Gefahr von kriegerischen Auseinandersetzungen nach sich zieht.
Dass es auch anders gehen würde zeigt das Beispiel der Auflösung des Warschauer Pakts und der UdSSR sowie die Wiedervereinigung Deutschlands.
Darauf ist zu setzen - also primär auf Diplomatie. Und zugleich auf die Stärkung der Regionalmächte. China ist nach der Mao-Aera unter Anstoß von Deng Hsiao Ping ein Musterexemplar dieser Stärkung. Heute wird niemand mehr ernsthaft daran denken, China anzugreifen.
Auf dem Weg zu einer solchen "Unangreifbarkeit" sehe ich auch Indien oder Brasilien, bzw. Staatenbünde wie die EU, die Region von Lateinamerika oder die ASEAN-Staaten; das ist ein zäher Prozess, allerdings ein friedlicher Weg, der nicht nur militärische Stärke (ausreichende Abschreckung als Abwehrbereitschaft) sondern auch eine wirtschaftliche Entwicklung in sich einschließt.
Welche Gruppierungen dazu in Frage kommen, war schon vor Jahren auf "Globaldefence" (nicht mehr im Netz) ausgeführt. Und die seitherige Entwicklung bekräftigt die damaligen Skizzierungen.
Es ist also ein Zwischenweg zwischen der Normativen Nachkriegsordnung einerseits und der "Macht des Stärkeren" andererseits.
Dieser Zwischenweg verlangt aber - wenn er denn konfliktfrei verlaufen soll - dass sich die Groß- und Supermächte zurück halten und aufhören, anderen Staaten und Kulturen ihren Weg aufzuzwingen.
Es gibt nun einmal unterschiedliche Kulturkreise, die es zu respektieren gilt. Dafür gibt es sogar eigene Studiengänge (interkulturelle Kommunikation).
Warum sollte das also nicht zu schaffen sein?
