Gestern, 15:34
@muck
Das Papier hier ist die schematische Beschreibung einer Auditmethode, die in Kooperation mit Lockheed Martin entstanden ist und sicherstellen soll, dass bestimmte Funktionen des AEGIS Combat System für ausländische Kunden kontrolliert und bei Bedarf beschränkt werden können.
Die "Anpassungen" werden via einem direkten Systemeingriff in das lokal verwendete CSL Portfolio durchgeführt, für das Lockheed Martin im Rahmen der In-Country Support Capability für sämtliche FMS-Kunden des AEGIS Weapon System verantwortlich ist.
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Konkret sieht das dann so aus:
Für den Betrieb der F127 wird, wie auch schon bei den spanischen und japanischen Fallbeispielen, Lokcheed Martin einen sogenannten "Workshop" in Deutschland einrichten. Darin arbeiten dann Mitarbeiter Lockheed Martins, vermutlich unterstützt von Mitarbeitern von LMG. Dieser Workshop ist, neben anderen Aufgaben, für Wartung, Unterhalt, Anpassung und Aktualisierung der AEGIS relevanten Software (Libaries, interne Interfaces usw) verantwortlich. Die technische Unterstützung dieses Workshops ist den Bau und Betrieb dieser Schiffe unumgänglich.
Die "Kill Switch" funktioniert darin nicht wie mit einer Fernbedienung auf Knopfdruck.
Stattdessen würden bestimmte Funktionen beim nächsten Wartungscycle oder Checkup einfach gestrichen.
Und wir würden es nicht einmal kommen sehen, denn in die dafür relevante Software hat die DM keine Einsicht. Sofern das auch durch das Interface nicht ersichtlich wäre, würde man das fehlen von Funktionen dann wirklich erst bemerken, wenn diese Funktion genutzt werden würde.
Das kann sich auf einzelne Systeme beschränken, womit man bspw den Zugriff auf Radarsystem, Uplink oder Waffentypen verlieren würde. Ähnliches sehen wir bereits in der Ukraine.
Sofern man aber an der Systemlogik herumdoktert, lässt sich damit das ganze Schiff lahmlegen (abseits der nautischen Fähigkeiten).
Im übrigen würde ich auch gerne mal wissen, ob man dieses System nicht auch nutzt, um Daten über den Nutzerstaat zu sammeln. Wenn ein moderner Mercedes schon Daten von Handys, Kameras und Gesprächen sammeln kann, dann kann eine hochmoderne Systemarchitektur eines Kriegsschiffes auch Daten über Bewegungen, Doktrin, Einsatzplanungen und digitale Logbücher abgreifen. Besonders dann, wenn der Nutzer nicht einmal selber im System nachgucken kann und es regelmäßige Wartung am System durch dritte braucht, dessen Vorgänge man ebenfalls nicht einsehen kann.
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Grundsätzlich ist jede ausländische Abhängigkeit eine Abhängigkeit. Da hast du grundsätzlich recht. Üblicherweise findet allerdings ein Technologietransfer statt, der es dem Nutzerstaat einer Komponente ermöglicht, diese selbstständig zu unterhalten, zu warten und zu reparieren. Teilweise auch selber herzustellen.
Zudem das Risiko bei einer innereuropäischen Abhängigkeit vergleichsweise gering, da die meisten Komponenten hier von mulitnationalen Konzernen hergestellt werden. Das Risiko dahingehend ist minimal.
Die Herangehensweise bezüglich AEGIS, also ein Betrieb per Workshop ohne Technologietransfer, ist heute extremst selten. Da kann man schon fast von einem Alleinstellungsmerkmal sprechen.
Und das wäre der Fall in einer Zukunft, in der die USA nicht von einer Erboligarchie kontrolliert werden.
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Um mal ein Zwischenfazit zu ziehen.
Ja, es gibt die Möglichkeit, die Funktionsfähigkeit der F127 bei einem politischen Ausfall oder anderen Umständen zu negieren. "Kill Switch"
Ja, der Betrieb dieser Schiffe steht und fällt mit dem Zugang zu amerikanischen Dienstleistungen.
Die Frage über die wir hier diskutieren können kann ausschließlich sein, ob es realistisch ist, dass das passieren könnte.
Zitat:Erstens: Es gibt keinerlei Hinweise, gerade bei der hier in Rede stehenden Technologie, auf irgendetwas in dieser Art. Es gibt im Gegenteil Indizien, die dagegensprechen, denn jeder "Kill Switch" wäre eine erhebliche Schwachstelle, die die gegnerische EloKa ausnutzen könnte. Warum sollten die Amerikaner ihr eigenes BMD-System so kompromittieren?Doch, die gibt es.
Zitat:With the addition of international customers to the AEGIS family engineered under 2GPLE, the issue of verifiabily protecting content has taken center stage as an area of concern. Some AEGIS capabilities are targeted to specific customers only. Lockheed Martin has endeavoured to put in place safeguards that can demonstrate with high confidence that any limitations in the applicability of these capabilties are being. met.https://biglever.com/wp-content/uploads/...LC2013.pdf
Das Papier hier ist die schematische Beschreibung einer Auditmethode, die in Kooperation mit Lockheed Martin entstanden ist und sicherstellen soll, dass bestimmte Funktionen des AEGIS Combat System für ausländische Kunden kontrolliert und bei Bedarf beschränkt werden können.
Die "Anpassungen" werden via einem direkten Systemeingriff in das lokal verwendete CSL Portfolio durchgeführt, für das Lockheed Martin im Rahmen der In-Country Support Capability für sämtliche FMS-Kunden des AEGIS Weapon System verantwortlich ist.
Zitat:The Naval Sea Systems Command (NAVSEA) intends to utilize other than full and open competition to contract with Lockheed Martin Rotary and Mission Systems (Lockheed Martin RMS) in Moorestown, New Jersey, for the procurement of FY 20-25 lifetime support requirements for Aegis Weapon System (AWS) Foreign Military Sales (FMS) customers, including but not limited to the Japan Maritime Self-Defense Force, Republic of Korea Navy, Royal Australian Navy, Royal Norwegian Navy, and Spanish Armada. The scope of work includes Combat System Engineering, Alteration Installation/Repair Overhaul (AI/ROH) Execution, Computer Program Maintenance, In-Country Support, Staging Support and Advance Studies to support current and future ships of foreign navies equipped with AWS. The anticipated contract will be awarded in or around the first quarter of calendar year 2020.https://sam.gov/opp/af88ef0e1b188f5686f2...a9827/view
[...]
Due to the complexity of the AWS lifetime support requirements described herein, a contractor must have intimate knowledge of all Aegis system requirements, weapon specifications, and equipment design. As the original developer of AWS capabilities for the aforementioned FMS customers, Lockheed Martin RMS is the only contractor with detailed knowledge of and experience with the AWS designs as configured aboard the FMS customer ship classes, as well as the integration of both Aegis Combat System (ACS) elements and FMS customer-specific systems with the AWS. Accordingly, the requirements described in this notice will be procured from Lockheed Martin RMS on a sole source basis under the authority of 10 U.S.C. 2304©(1).
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Konkret sieht das dann so aus:
Für den Betrieb der F127 wird, wie auch schon bei den spanischen und japanischen Fallbeispielen, Lokcheed Martin einen sogenannten "Workshop" in Deutschland einrichten. Darin arbeiten dann Mitarbeiter Lockheed Martins, vermutlich unterstützt von Mitarbeitern von LMG. Dieser Workshop ist, neben anderen Aufgaben, für Wartung, Unterhalt, Anpassung und Aktualisierung der AEGIS relevanten Software (Libaries, interne Interfaces usw) verantwortlich. Die technische Unterstützung dieses Workshops ist den Bau und Betrieb dieser Schiffe unumgänglich.
Die "Kill Switch" funktioniert darin nicht wie mit einer Fernbedienung auf Knopfdruck.
Stattdessen würden bestimmte Funktionen beim nächsten Wartungscycle oder Checkup einfach gestrichen.
Und wir würden es nicht einmal kommen sehen, denn in die dafür relevante Software hat die DM keine Einsicht. Sofern das auch durch das Interface nicht ersichtlich wäre, würde man das fehlen von Funktionen dann wirklich erst bemerken, wenn diese Funktion genutzt werden würde.
Das kann sich auf einzelne Systeme beschränken, womit man bspw den Zugriff auf Radarsystem, Uplink oder Waffentypen verlieren würde. Ähnliches sehen wir bereits in der Ukraine.
Sofern man aber an der Systemlogik herumdoktert, lässt sich damit das ganze Schiff lahmlegen (abseits der nautischen Fähigkeiten).
Im übrigen würde ich auch gerne mal wissen, ob man dieses System nicht auch nutzt, um Daten über den Nutzerstaat zu sammeln. Wenn ein moderner Mercedes schon Daten von Handys, Kameras und Gesprächen sammeln kann, dann kann eine hochmoderne Systemarchitektur eines Kriegsschiffes auch Daten über Bewegungen, Doktrin, Einsatzplanungen und digitale Logbücher abgreifen. Besonders dann, wenn der Nutzer nicht einmal selber im System nachgucken kann und es regelmäßige Wartung am System durch dritte braucht, dessen Vorgänge man ebenfalls nicht einsehen kann.
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Zitat:Zweitens: De facto kann jeder ausländische Lieferant von Rüstungsgütern uns kalt stellen, wenn er das wirklich will. Er muss einfach nur die Belieferung mit Ersatzteilen unterbinden. Früher oder später funktioniert das ganze Gerümpel dann nicht mehr.Jein.
Grundsätzlich ist jede ausländische Abhängigkeit eine Abhängigkeit. Da hast du grundsätzlich recht. Üblicherweise findet allerdings ein Technologietransfer statt, der es dem Nutzerstaat einer Komponente ermöglicht, diese selbstständig zu unterhalten, zu warten und zu reparieren. Teilweise auch selber herzustellen.
Zudem das Risiko bei einer innereuropäischen Abhängigkeit vergleichsweise gering, da die meisten Komponenten hier von mulitnationalen Konzernen hergestellt werden. Das Risiko dahingehend ist minimal.
Die Herangehensweise bezüglich AEGIS, also ein Betrieb per Workshop ohne Technologietransfer, ist heute extremst selten. Da kann man schon fast von einem Alleinstellungsmerkmal sprechen.
Zitat:Bei aller berechtigten Kritik an der US-Regierung, es wird auch eine Zeit nach Trump geben.Und diese Abhängigkeit ist auch ohne Trump ein massives Sicherheitsrisiko. Denn amerikanische und europäische Interessen driften grundsätzlich auseinander und es immer wahrscheinlicher, dass die USA ihre Vormachtstellung dahingehend weiter ausnutzen werden.
Und das wäre der Fall in einer Zukunft, in der die USA nicht von einer Erboligarchie kontrolliert werden.
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Um mal ein Zwischenfazit zu ziehen.
Ja, es gibt die Möglichkeit, die Funktionsfähigkeit der F127 bei einem politischen Ausfall oder anderen Umständen zu negieren. "Kill Switch"
Ja, der Betrieb dieser Schiffe steht und fällt mit dem Zugang zu amerikanischen Dienstleistungen.
Die Frage über die wir hier diskutieren können kann ausschließlich sein, ob es realistisch ist, dass das passieren könnte.
