27.12.2025, 13:40
@Schneemann
Da sprechen wir von mehreren Million alleine in Europa, in Zeiten in denen der Großteil der Südost-europäischen Staaten weniger als 3 Million Einwohner zählten, teilweise drastisch weniger.
Und die Migration derer über den Kontinent geschah auch noch grundsätzlich weitgehend ohne Prüfung oder Kontrolle, denn Grenzkontrollen (im Sinne von nicht-kommerziellem Verkehr) sind ein relativ neues Phänomen, ebenso wie Staatsbürgerschaften.
Die Zeitungsartikel aus dieser Zeit würde ich übrigens als sehr augenöffnend bezeichnen. Rhetorisch sind diese kaum von heutigen Aussagen zu unterscheiden, Ton und Themen sind nahezu identisch. Wahlweise kann man auch in die Vereinigten Staaten blicken, dort druckten die Zeitungen das selbe, nur nicht über Sinti und Roma sondern hauptsächlich über Italiener, Iren und Deutsche.
Ärmere Menschen vermehren sich deutlich mehr, als reichere Menschen. Die Gründe dafür sind zahlreich und nuanciert aber dieses Phänomen lässt sich seit hunderten Jahren beobachten.
Dahingehend finde ich dein Beispiel hier ungeeignet. Wäre Algerien weiterhin Teil Frankreichs geblieben, hätte sich der dortige Lebensstandart und damit auch der Wohlstand (sofern man hier nicht eine hart segregative Parallelgesellschaft aufbaut) erhöht, was defacto zwangsläufig zu weniger Geburten geführt hätte. Realbeispiele dieses Vorgangs, selbst im kolonialen Kontext, sehen wir heute in bspw Hong Kong, in dem die Geburtenrate nach einem exponentialen Anstieg in den 1950ern (Als Hong Kong noch ein Opium verseuchtes Dreckloch war) seit Ende der 1960er konsequent fällt.
Das selbe sehen wir heute in Migrationsbewegungen aus ärmeren Bevölkerungsschichten. Während Menschen mit primären Migrationshintergrund noch vergleichsweise viele Nachkommen zeugen, sinkt dieser Wert ab dem sekundären Migrationshintergrund drastisch ab.
Laut dem Statistischen Bundesamt liegt die Geburtenrate der in Deutschland geborenen ungefähr bei einem Faktor von 1.4x Kindern pro Frau.
Für Menschen mit primärem Migrationshintergrund, also solche die im Ausland geboren sind und nach Deutschland kommen, liegt dieser Wert bei rund 2.0x. Mit einem sekundären Migrationshintergrund (also dessen Kinder) sinkt der Wert bereits auf 1.7x und mit einem tertiären Migrationshintergrund sinkt dieser Wert sogar auf rund 1.3x, weniger als die der "Stammbevölkerung".
Was übrigens insofern schlecht ist, als dass der Wert 2.0x das Erhaltungsminimum einer Bevölkerung darstellt und alle Werte darunter bedeuten, dass eine Bevölkerung defacto schrumpft. Auch das ist seit Jahrzehnten in der ganzen Welt zu beobachten.
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@muck
Volle Zustimmung.
Zitat:Darüber hinaus sind Sinti und Roma sowie auch die europäischen Juden weitgehend homogene und hinsichtlich der Anzahl weitgehend unveränderliche Bevölkerungsgrößen, während in den letzten Jahrzehnten Millionen von Migranten aus muslimischen Ländern oftmals ohne weitergehende Prüfung nach Europa strömten.Ganz im Gegenteil. Sinti und Roma waren mWn einer der am stärksten Wachsenden Bevölkerungsgruppen in ganz Europa, besonders mit der einsetzenden Industrialisierung in Südost-Europa ab den 1860/70ern. Dieses Wachstum "flaute" erst in den 1920ern wieder ab, bis in den 1940ern knapp 30% der Bevölkerung ermordet wurden. Exakte Zahlen gibt es soweit ich weiß nicht, aber je nach Quelle wuchs die Bevölkerung in diesem Zeitraum um das 2x bis 3.5x fache.
Da sprechen wir von mehreren Million alleine in Europa, in Zeiten in denen der Großteil der Südost-europäischen Staaten weniger als 3 Million Einwohner zählten, teilweise drastisch weniger.
Und die Migration derer über den Kontinent geschah auch noch grundsätzlich weitgehend ohne Prüfung oder Kontrolle, denn Grenzkontrollen (im Sinne von nicht-kommerziellem Verkehr) sind ein relativ neues Phänomen, ebenso wie Staatsbürgerschaften.
Die Zeitungsartikel aus dieser Zeit würde ich übrigens als sehr augenöffnend bezeichnen. Rhetorisch sind diese kaum von heutigen Aussagen zu unterscheiden, Ton und Themen sind nahezu identisch. Wahlweise kann man auch in die Vereinigten Staaten blicken, dort druckten die Zeitungen das selbe, nur nicht über Sinti und Roma sondern hauptsächlich über Italiener, Iren und Deutsche.
Zitat:Hier könnte man ein ganz interessantes und auch weitgehend vergessenes Ereignis bemühen: Nach blutigem Unabhängigkeitskrieg entließ der legendäre Charles de Gaulle 1962 die Algérie Française in die Unabhängigkeit - und er löste die staatsbürgerliche Verbindung zwischen dem französischen Mutterland und der Kolonie Algerien auf. Das hat ihm einige Kritik gerade von den Linken (und auch einigen Rechten) eingebracht. De Gaulle entgegnete, dass dies aus "heutiger Perspektive" (1962, Algerien zählte damals ca. 10 Mio. Einwohner) zwar hart erscheine, aber man "in 20, 30 Jahren" darüber froh wäre. Und in der Tat: Heute zählt Algerien rund 45 Mio. Einwohner - hätte de Gaulle nicht 1962 den harten Bruch vollzogen, hätten diese Algerier faktisch französisches Bürgerrecht erhalten, was mehr oder minder den französischen Staat zerrissen hätte.Das ist mMn eine grobe Fehleinschätzung. Der definierende Faktor eines Bevölkerungszuwachses ist relativ unangefochten weder Religion, noch Kultur, noch politisches System, noch geographische Lage. Es ist der Wohlstand einer Gesellschaft oder besser gesagt, der Mangel an diesem in einer Gesellschaft.
Ärmere Menschen vermehren sich deutlich mehr, als reichere Menschen. Die Gründe dafür sind zahlreich und nuanciert aber dieses Phänomen lässt sich seit hunderten Jahren beobachten.
Dahingehend finde ich dein Beispiel hier ungeeignet. Wäre Algerien weiterhin Teil Frankreichs geblieben, hätte sich der dortige Lebensstandart und damit auch der Wohlstand (sofern man hier nicht eine hart segregative Parallelgesellschaft aufbaut) erhöht, was defacto zwangsläufig zu weniger Geburten geführt hätte. Realbeispiele dieses Vorgangs, selbst im kolonialen Kontext, sehen wir heute in bspw Hong Kong, in dem die Geburtenrate nach einem exponentialen Anstieg in den 1950ern (Als Hong Kong noch ein Opium verseuchtes Dreckloch war) seit Ende der 1960er konsequent fällt.
Das selbe sehen wir heute in Migrationsbewegungen aus ärmeren Bevölkerungsschichten. Während Menschen mit primären Migrationshintergrund noch vergleichsweise viele Nachkommen zeugen, sinkt dieser Wert ab dem sekundären Migrationshintergrund drastisch ab.
Laut dem Statistischen Bundesamt liegt die Geburtenrate der in Deutschland geborenen ungefähr bei einem Faktor von 1.4x Kindern pro Frau.
Für Menschen mit primärem Migrationshintergrund, also solche die im Ausland geboren sind und nach Deutschland kommen, liegt dieser Wert bei rund 2.0x. Mit einem sekundären Migrationshintergrund (also dessen Kinder) sinkt der Wert bereits auf 1.7x und mit einem tertiären Migrationshintergrund sinkt dieser Wert sogar auf rund 1.3x, weniger als die der "Stammbevölkerung".
Was übrigens insofern schlecht ist, als dass der Wert 2.0x das Erhaltungsminimum einer Bevölkerung darstellt und alle Werte darunter bedeuten, dass eine Bevölkerung defacto schrumpft. Auch das ist seit Jahrzehnten in der ganzen Welt zu beobachten.
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@muck
Volle Zustimmung.
