25.10.2014, 16:16
Eine in meinen Augen faire, neutrale Darstellung findet sich im Tagesspiegel:
Zitat:Heftige Kritik an Hinrichtung im Iran Reyhaneh Jabbari wegen Mordes gehängt<!-- m --><a class="postlink" href="http://www.tagesspiegel.de/politik/heftige-kritik-an-hinrichtung-im-iran-reyhaneh-jabbari-wegen-mordes-gehaengt/10889330.html">http://www.tagesspiegel.de/politik/heft ... 89330.html</a><!-- m -->
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Die Ermittlungen der Polizei haben den von der jungen Iranerin geschilderten Ablauf allerdings nicht bestätigt. „Wir konnten keinerlei Spuren einer Vergewaltigung feststellen“, sagt Chefermittler Mohammed Hussein Schamlu.
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Die Ermittlungen ergaben weiterhin, dass Jabbari das Messer zwei Tage vorher gekauft hatte. Dafür soll es auch Zeugen geben. Vor Gericht soll die sich heute 26-Jährige außerdem bei den Details immer wieder in Widersprüche verstrickt haben.
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Im Iran gilt für solche Tötungsdelikte das „Ghessas-Gesetz“, wonach die Familie des Opfers ein Recht auf Vergeltung - aber auch auf Begnadigung - hat. Im Falle einer Begnadigung könne man sich dann auf einen - meistens sehr hohen - Betrag als Blutgeld einigen. In diesem Fall käme der Täter - oder die Täterin - frei. Um die Proteste im Ausland kümmerte sich das Außenministerium in Teheran. „Das Problem ist, dass der Westen weder was von den iranischen Gesetzen noch Genaueres von diesem Fall weiß“, sagte ein iranischer Gerichtsreporter. Die Reaktionen dort beruhten auf unsachlichen Aussagen. Die Entscheidung, jemanden nicht hinzurichten, liege wegen des Ghessas-Gesetzes nicht in der Hand der Justiz. Über eine Begnadigung könne laut Gesetz nur die Opferfamilie entscheiden.
Die Familie des Opfers lehnte eine Begnadigung schließlich ab
Im Fall Jabbari hat die Sarbandi-Familie aber eine Begnadigung abgelehnt. „Wir versuchen, die Familie immer noch von einer Begnadigung zu überzeugen“, sagte Parissa Ghanbari, die neue Anwältin von Jabbari vor wenigen Tagen. Auch der jetzt für den Fall zuständige Richter Moahammed Schahriari versuchte, die Hinrichtung zu vermeiden. „Wir hatten wieder zwei Treffen mit der Familie und versuchen auch über andere Kanäle, eine Begnadigung zu erreichen“, sagte der Richter. Die Kinder des Opfers fordern aber bis jetzt nicht nur Rache „für das Blut“ ihres Vaters, sondern auch für die Unterstellungen gegen ihn. Das Familienoberhaupt als Vergewaltiger darzustellen, habe den Ruf der ganzen Familie für immer beschädigt. Sie wollten einer Begnadigung nur zustimmen, wenn Jabbari die ganze Wahrheit ans Licht bringe. Auch eine illegitime intime Beziehung mit dem Vater wäre ihrer Meinung nach besser als die Vergewaltigungsvorwürfe gegen den Verstorbenen. Doch Reyhaneh Dschabbari schwieg offenbar - bis zum Schluss. Am Samstag wurde sie im Morgengrauen gehängt. dpa/AFP