10.11.2009, 12:37
@Erich
Deine Theorien dazu sind mir bereits bekannt, Du äußerst Sie ja auch in Form von Aufsätzen auf Globaldefence. Das ist Deine persönliche Vorstellung, die aber nur bedingt fundiert ist.
Diese scharfe sprachlich-kulturelle Trennung hat und hatte es nämlich eigentlich nie gegeben. Jedenfalls nicht dort. So hat sie auch weder auf der Ebene der Staatsgebilde bestand, noch galt dies für kulturelle Ausdehnung oder die munter wechselnden Einflusssphären.
Timur ist auch tatsächlich ein super Beispiel dafür, mit welch sprachlichen und kulturellen Gewirr man es in der Region tatsächlich zu tun hat. Zunächst mal enstammt Timur dem Nomadenstamm der Barlas. Die Barlas waren aus der Mongolei in die Umgebung der von Persern gegründeten Stadt Samarkand einwanderert. Dort wurden sie von den sie umgebenen turksprachigen Nomadenstämmen "assimiliert" und haben dadurch ebenfalls die türkische Sprache angenommen. Vom Phenotyp muss Timur ostasiatisch gewesen sein.
Timurs Geburtsstadt ist Shaxrisabz (bzw. Shahr-e Sabz, was auf persisch "Grüne Stadt" bedeutet). Das wichtigste Bauwerk dieser Stadt ist die Kok-Gumbaz Mosche (türkisch für "Blaue Kuppel"). Die "Kok-Gumbaz" Mosche von "Shahr-e Sabz" wurde der Überlieferung nach von einem direkten Nachfahren Timurs in offensichtlich persischer Architektur gebaut. Es ist nicht nur sehr offensichtlich sondern auch logisch, dass man auf persische Architekten und Handwerker zurückgriff, da sich damals werder die dort ansässigen türkischen noch die mongolischen Nomadenstämme in Architektur und Handwerkskunst verstanden, die auf Steinen, Gold, Mosaiken und Kacheln basierte. Eine Kuppel kaufte man damals halt auch nicht mal eben bei OBI. Das betrifft fast alle historischen Altstädte, Paläste und Moscheen Zentralasiens.
Der politische Kontext in dem Timur aufwuchs war das Tashgatai Khanat, welches dem damals noch formal bestehenden Mongolenreich zuzuordnen war und von Dschingis Khans zweitem Sohn geründet wurde. Ein Gewaltregime, welches Türken, Uiguren, Kirgisen, Seldschuken, Tadschiken, Perser, Afghanen und Kaschmiris und damit ebenso viele Stämme wie Sprachen unter sich vereinte, aber keine eigenständige Kultur hervorbrachte. Das Staatswesen war von konfusen Machstreitigkeiten, politischen Morden und Intrigen geprägt. Auch gab es recht konfuse Gesetze nach denen die Nomadenvölker keine Steuern zu zahlen hatten, die ansässige Bevölkerung dafür aber um so mehr. Das muss eine ziemlich finstere Zeit und wilde Gesellen gewesen sein, die da ihr Unwesen trieben.
Wer war Timur eigentlich? Mit Sicherheit niemand der sich irgendeiner Kultur, Sprache oder Religion verpflichtet gefühlt hat. Als Armeeangehöriger war sein Chef war der mongolischen Khan, als Barla war er zugleich dem Widerstand seines Volkers verpflichtet, der damals von seinem Onkel angeführt wurde. Er heiratete sich in die Khans eins und bekämpfte sie. Er ersetzte mongolisches Recht durch die Sharia, verbreitete dadurch den Islam aber massakrierte ohne Gnade seine neuen Glaubensbrüder. Er war türkischssprachiger Mongole, setzte aber eine Staatsverwaltung nach persischem Vorbild und mit persischer Beamtensprache ein. Ein Fazination hatte er offenbar für die Derwische, war Sunnit aber trat unter anderem als Vertreter der Shia auf. Timur war schlicht und ergreifend ein machtgieriges Chamäleon, schlau und ausgesprochen brutal und tödlich. Mit Kultur hatte er nicht viel am Hut. Einen Vertrag hatte er nur mit sich selbst, Kultur war für ihn mehr Waffe als Überzeugung. So war er von seinem Auftreten sicher kein Herrscher in persischer Tradition, sondern ein von den mongolischen Khanen geprägter Nomade, in der Tradition Dschingis Khans. Wie üblich bei solchen Herrschern, war das Reich daher riesig, seine Lebensdauer aber kurz, seine dauerhafte Hinterlassenschaft von einer zweifelhaften Natur.
Ganz Zentralasien ist von dieser bunten Mischung an verschiedenen Nomadenvölkern, Kulturen, Baustilen und Sprachen durchzogen. Usbekistan ist da nur ein Beispiel. Das gilt ja auch historisch untrennbar für den Iran.
Der Iran wird auch heute von Türken regiert. Ahmadienajd, Khamenei ein Großteil der Führungsriege sind muttersprachliche, ethnische Türken. Ahmadinejad nahm dies sogar als Wahlkampfstrategie in dem er einige Wahlkampfreden im Westen des Landes auf türkisch hielt. Anderenorts wird armenisch oder arabisch gesprochen. Kulturelle Anknüpfungspunkte finden sich für den Iran in der Region sehr leicht. Auch wenn das für den Handel heutzutage keine Rolle spielt, so können 20Mio. Iraner mit einem zentralasiatischen Turksprachler in einer verwandten Sprache kommunizieren und sich über Moscheen mit blauen Kuppeln unterhalten. Wie gut das im Einzelfall funktioniert, kann ich nicht beurteilen. Ich stelle mir das eher so wie Deutsch und Holländisch vor. Das kann ich lesen, aber kaum verstehen und noch weniger sprechen. Die wachsenden Handelsbeziehungen sind in meinen Augen aber vor allem rationaler, geologischer und geographischer Natur.
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Revolutionsgarden gewinnen Ausschreibung über 2,5Mrd.$:
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Zitat:Wenn man denn - wie ich - auf die sprachlich-kulturelle Gemeinschaft abhebt, dann zunächst einmal auch, weil "Sprache" das Mittel der geistigen Verständigung ist. Der Mensch "denkt in Sprache". Erst die gemeinsame Sprache ermöglicht einen Austausch von Gedanken und Ideen und führt damit zu einer ideellen Gemeinschaft derjenigen, die sich untereinander sprachlich verständigen können, und der anderen, der "Barbaren".
Von daher haben wir im Umfeld des Iran (mindestens) drei unterschiedliche Sprachgemeinschaften [...]
Deine Theorien dazu sind mir bereits bekannt, Du äußerst Sie ja auch in Form von Aufsätzen auf Globaldefence. Das ist Deine persönliche Vorstellung, die aber nur bedingt fundiert ist.
Diese scharfe sprachlich-kulturelle Trennung hat und hatte es nämlich eigentlich nie gegeben. Jedenfalls nicht dort. So hat sie auch weder auf der Ebene der Staatsgebilde bestand, noch galt dies für kulturelle Ausdehnung oder die munter wechselnden Einflusssphären.
Timur ist auch tatsächlich ein super Beispiel dafür, mit welch sprachlichen und kulturellen Gewirr man es in der Region tatsächlich zu tun hat. Zunächst mal enstammt Timur dem Nomadenstamm der Barlas. Die Barlas waren aus der Mongolei in die Umgebung der von Persern gegründeten Stadt Samarkand einwanderert. Dort wurden sie von den sie umgebenen turksprachigen Nomadenstämmen "assimiliert" und haben dadurch ebenfalls die türkische Sprache angenommen. Vom Phenotyp muss Timur ostasiatisch gewesen sein.
Timurs Geburtsstadt ist Shaxrisabz (bzw. Shahr-e Sabz, was auf persisch "Grüne Stadt" bedeutet). Das wichtigste Bauwerk dieser Stadt ist die Kok-Gumbaz Mosche (türkisch für "Blaue Kuppel"). Die "Kok-Gumbaz" Mosche von "Shahr-e Sabz" wurde der Überlieferung nach von einem direkten Nachfahren Timurs in offensichtlich persischer Architektur gebaut. Es ist nicht nur sehr offensichtlich sondern auch logisch, dass man auf persische Architekten und Handwerker zurückgriff, da sich damals werder die dort ansässigen türkischen noch die mongolischen Nomadenstämme in Architektur und Handwerkskunst verstanden, die auf Steinen, Gold, Mosaiken und Kacheln basierte. Eine Kuppel kaufte man damals halt auch nicht mal eben bei OBI. Das betrifft fast alle historischen Altstädte, Paläste und Moscheen Zentralasiens.
Der politische Kontext in dem Timur aufwuchs war das Tashgatai Khanat, welches dem damals noch formal bestehenden Mongolenreich zuzuordnen war und von Dschingis Khans zweitem Sohn geründet wurde. Ein Gewaltregime, welches Türken, Uiguren, Kirgisen, Seldschuken, Tadschiken, Perser, Afghanen und Kaschmiris und damit ebenso viele Stämme wie Sprachen unter sich vereinte, aber keine eigenständige Kultur hervorbrachte. Das Staatswesen war von konfusen Machstreitigkeiten, politischen Morden und Intrigen geprägt. Auch gab es recht konfuse Gesetze nach denen die Nomadenvölker keine Steuern zu zahlen hatten, die ansässige Bevölkerung dafür aber um so mehr. Das muss eine ziemlich finstere Zeit und wilde Gesellen gewesen sein, die da ihr Unwesen trieben.
Wer war Timur eigentlich? Mit Sicherheit niemand der sich irgendeiner Kultur, Sprache oder Religion verpflichtet gefühlt hat. Als Armeeangehöriger war sein Chef war der mongolischen Khan, als Barla war er zugleich dem Widerstand seines Volkers verpflichtet, der damals von seinem Onkel angeführt wurde. Er heiratete sich in die Khans eins und bekämpfte sie. Er ersetzte mongolisches Recht durch die Sharia, verbreitete dadurch den Islam aber massakrierte ohne Gnade seine neuen Glaubensbrüder. Er war türkischssprachiger Mongole, setzte aber eine Staatsverwaltung nach persischem Vorbild und mit persischer Beamtensprache ein. Ein Fazination hatte er offenbar für die Derwische, war Sunnit aber trat unter anderem als Vertreter der Shia auf. Timur war schlicht und ergreifend ein machtgieriges Chamäleon, schlau und ausgesprochen brutal und tödlich. Mit Kultur hatte er nicht viel am Hut. Einen Vertrag hatte er nur mit sich selbst, Kultur war für ihn mehr Waffe als Überzeugung. So war er von seinem Auftreten sicher kein Herrscher in persischer Tradition, sondern ein von den mongolischen Khanen geprägter Nomade, in der Tradition Dschingis Khans. Wie üblich bei solchen Herrschern, war das Reich daher riesig, seine Lebensdauer aber kurz, seine dauerhafte Hinterlassenschaft von einer zweifelhaften Natur.
Ganz Zentralasien ist von dieser bunten Mischung an verschiedenen Nomadenvölkern, Kulturen, Baustilen und Sprachen durchzogen. Usbekistan ist da nur ein Beispiel. Das gilt ja auch historisch untrennbar für den Iran.
Der Iran wird auch heute von Türken regiert. Ahmadienajd, Khamenei ein Großteil der Führungsriege sind muttersprachliche, ethnische Türken. Ahmadinejad nahm dies sogar als Wahlkampfstrategie in dem er einige Wahlkampfreden im Westen des Landes auf türkisch hielt. Anderenorts wird armenisch oder arabisch gesprochen. Kulturelle Anknüpfungspunkte finden sich für den Iran in der Region sehr leicht. Auch wenn das für den Handel heutzutage keine Rolle spielt, so können 20Mio. Iraner mit einem zentralasiatischen Turksprachler in einer verwandten Sprache kommunizieren und sich über Moscheen mit blauen Kuppeln unterhalten. Wie gut das im Einzelfall funktioniert, kann ich nicht beurteilen. Ich stelle mir das eher so wie Deutsch und Holländisch vor. Das kann ich lesen, aber kaum verstehen und noch weniger sprechen. Die wachsenden Handelsbeziehungen sind in meinen Augen aber vor allem rationaler, geologischer und geographischer Natur.
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Zitat:Iranian cleric: Muslims should denounce extremism
TEHRAN, Nov. 9 (MNA) – The director of Iran’s seminaries, Ayatollah Moqtadae, has called on Muslims to denounce extremist groups that regard Shias as infidels and call for their murder.
“A group of extremists who regard Shias as infidels and call for their murder are in fact the enemy’s mercenaries. They neither believe in Islam nor in the Sunni manner, rather they are opposed to God’s prophet,”
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He added Imam Khomeini believed that all Muslims should unite against the enemy and Supreme Leader of the Islamic Revolution Ayatollah Ali Khamenei is following the path of the Imam and based on this teaching the Qom Seminary ulema are seeking to boost brotherhood among Muslims.
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Molavi Abdolhamid Esmaeil Zehi said there is no room for Wahhabism in the Sunni community and Sunnis have nothing to do with Wahhabists.
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Revolutionsgarden gewinnen Ausschreibung über 2,5Mrd.$:
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Zitat:Khatam-ol Anbiya wins $2.5b railway tender
TEHRAN, Nov. 10 (MNA) – Iran's Khatam-ol Anbiya Construction Headquarters has won a tender worth $2.5 billion for the construction of railway network in Chabahar Free Zone, southeastern Iran.
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Ports and Maritime Organization of Iran, a Japanese-Iranian consortium, a Chinese-Iranian consortium, and three foreign companies had also taken part in the tender.
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