15.04.2009, 22:17
revan schrieb:....Hi Revan, wie versprochen - ich setze mich mit dieser Angabe auseinander, die ja zumindest für USA und Russland eine deutliche (!) Abrüstung bedeuten würde. 2002 schlossen beide Länder das SORT-Abkommen zum Abbau nuklearer Angriffswaffen. Demnach sollen sich die Arsenale bis 2012 auf jeweils 1700 bis 2200 Sprengköpfe reduzieren.
Fazit: Unter 1000 wird es gefährlich sowohl für die USA wie auch für Russland davon runter zu gehen müssten auch Verträge mit China getroffen werden wie auch eine zuverlässige Kontrolle. Russland würde darauf bestehen das China seine Mittelstreckenraketen abbaut, da nur 20 Chinesische ICBM und 32 SLBMS die USA erreichen aber über 400 Präzise MRBMs Russlands Silos. Die Optimale Zahl für eine zuverlässige Abschreckung und Flexibilität währen 1700-2200 Sprengköpfe die Reserve könnte man komplett killen das währen auf bedien Seiten über 7000 Sprengköpfe. Für Mittelmächte gilt die Regel das man die gesicherte Fähigkeit haben muss den Neuralgischen Punkt der Großmacht zu vernichten alles andere ist nicht Nötig.
Du würdest also sogar die Hälfte dieser Sprengköpfe (noch) als ausreichend erachten.
Nun, ich möche sogar noch weiter gehen.
Selbst China - aber auch Indien oder Europa - wären bereits mit wenigen Sprengköpfen wirtschaftlich lahmgelegt.
Einige nukleare Explosionen über dem "Stadtedreieck" Macao - Hongkong - Kanton, über Shanghai und Nanking, über Peking und Tianjin würden wohl ausreichen, den Machterhalt von Chinas Regierung bis ins Mark zu erschüttern und bürgerkriegsähnliche Zustände auszulösen.
Ähnlich bei Indien (Mumbai, Dehli, Kalkutta, Madras) oder gar in Europa oder den USA - und die jeweiligen Regierungen würden hinweggefegt.
Im Endeffekt würden bereits ein oder zwei Dutzend Nuklearexplosionen zum Zusammenbruch jeder Regierungsmacht in jedem - auch den größten - betroffenen Staat oder Staatenbund führen.
Von daher erscheint mir selbst die Zahl von 1000 Sprengköpfen weit überzogen. Es reicht, um es etwas süffisant auszudrücken, wenn die Erde einmal gründlich zerstört wird. Eine mehrfache Vernichtung macht keinen Sinn mehr - und wenn man es vom rationalen Standpunkt aus betrachtet, dann reicht es doch sogar, wenn der (potentielle) Angreifer einmal gründlich zerstört wird, um diesen Abzuschrecken.
Ich gehe mal vom derzeitigen Bestand aus:
Die USA haben 5736 Sprengköpfe, Russland 7200, Frankreich 350, China bis zu 320, Großbritannien bis zu 200, Pakistan bis zu 70 und Indien mehr als 50 Atomsprengköpfe. Bei Israel gehen die amerikanischen Rüstungsexperten vom CDI von 100 bis 200 atomarer Gefechtsköpfe aus, Nordkorea soll bislang bis zu zwölf produziert haben.
Bereits diese geringe Zahl der vermuteten Nordkoreanischen Sprengköpfe hat Bush jr. wohl davor abgehalten, das Land massiv zu bedrohen, um eine Abrüstung zu erzwingen. Aber das mag eine Sondersituation sein, einmal im Hinblick auf die benachbarten Staaten die im Falle eines Konflikts in Mitleidenschaft gezogen würden (Südkorea, Japan), andererseits im Hinblick darauf, dass auch China eine insgesamt atomwaffenfreie koreanische Halbinsel will und daher bereit ist, auf Nordkorea diplomatischen Druck auszuüben.
Auch Israel ist in einer Sondersituation. Die Bedrohung des Staates geht (auch wegen dieser atomaren Bewaffnung?) nicht (mehr) von seinen staatlichen Nachbarn aus - auch nicht von Syrien - sondern von der unbewältigten Konfliktsituation mit den Palästinensern.
Ich nehme die "atomaren Mittelmächte" China, GB und Frankreich, die jeweils mehrere 100 Sprengköpfe in den Arsenalen haben - was offenbar ausreichend ist, um eine entsprechende "Abschreckungsfunktion" auszuüben.
Entscheidend scheint die "Zweitschlagskapazität" zu sein, also die Möglichkeit, auch nach einem atomaren Angriff noch entsprechende Vernichtungsmöglichkeit gegen den Angreifer zu haben.
Dabei scheint mir die Frage der Trägersysteme von Relevanz zu sein.
Die offiziellen Atommächte USA, Russland, Großbritannien, Frankreich und China können die Atomwaffen von Unterseebooten und Kriegsschiffen abfeuern, sie als Bomben von Kampfflugzeugen abwerfen lassen oder per Gefechtskopf auf Lang- und Mittelstreckenraketen abfeuern. Israel verfügt über Jets, die Atombomben transportieren können, Nordkorea, Pakistan und Indien haben Trägerraketen entwickelt.
Bei einer näheren Analyse lässt sich aber feststellen:
a)
stationäre (auch verbunkerte) Trägerraketen sind der Gefahr einer Vernichtung durch einen Erstschlag eher leicht ausgesetzt, also kaum "Zweitschlagswaffen"
b)
mobile Sprengköpfe, die auf Flugfeldern eingelagert sind mögen schwerer aufspürbar sein - aber selbst wenn diese Sprengköpfe einem "Erstschlag" entgehen: die Möglichkeit von Bombern und Kampfflugzeugen, mit eigenen Atomwaffen in den gegnerischen Luftraum einzudringen dürften insgesamt eher begrenzt sein
c)
als "Zweitschlagswaffen" eignen sich somit nur Sprengköpfe, die auf mobilen Trägersystemen (Lastwagen oder U-Booten) stationiert sind.
Nehmen wir also das "klassiche SSBN" als Trägersystem.
Um immer mindestens ein U-Boot einsatzbereit zu haben müssten eigentlich drei U-Boote vorhanden sein, so dass auch ein Werftaufenthalt überbrückt werden kann.
Drei Raketenträger mit jeweils mindestens 10 Raketen - möglicherweise auch mit Mehrfachsprengkopf - macht insgesamt schon mindestens 30 nukleare Sprengköpfe, sagen wir mal 50 Sprengköpfe auf Atom-U-Booten als "Untergrenze".
Wenn man das als Grundlage annimmt, zur Sicherheit auch mehr SSBNs im Einsatz haben möchte, und dann auch die anderen Trägersysteme addiert - dann kommen schon rund 100 bis 200, mit Sicherheit aber 300 Sprengköpfe heraus, die ausreichend sein müssten, um einen Angriff auf das eigene Territorium glaubhaft abschrecken zu können. Tatsächlich beschränken sich China, GB und Frankreich auf eine Zahl in dieser Größenordnung.
Mehr sollte wirklich nicht "erforderlich" sein.
Interessant in dem Zusammenhang:
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Zitat:Was tun gegen die atomare Bedrohung?
Lars Pohlmeier (IPPNW) im Gespräch
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