Iran
Der Merkur befasst sich unter dem Titel „Keine Alternative“: Experte erklärt „interessantes Muster“ bei Iran-Angriffen mit einem Detail der Angriffe auf den Iran - und erklärt dann auch, warum diese Angriffe nicht zu einem Regime-Wechsel führen werden (Kopie hier):
Zitat:Wohin steuert der Iran? Islamwissenschaftler Ralph Ghadban erklärt, welche Ziele Israel und die USA verfolgen – und warum ein echter Wandel ausbleibt.

Berlin – In Militärkreisen spricht man von einem „Enthauptungsschlag“ – gemeint ist der Beginn des Angriffs Israels und der USA auf den Iran. Ajatollah Ali Chamenei, der Oberste Führer der Islamischen Republik, ist tot. Doch das Ende des Mullah-Regimes ist damit nicht zwingend eingeläutet. Schon vor dem Angriff warnten Experten: Die verbliebenen Kräfte des Regimes würden alles daransetzen, ihre Herrschaft zu sichern.

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„Interessant ist: Israel und die USA greifen bislang nicht die Armee an. Nur Basen der Revolutionsgarden.“ Die Strategie dahinter sei Zermürbung – einen Krieg mit Bodentruppen wolle man möglichst lange hinauszögern. Auf Unterstützung durch Verbündete könne Teheran dabei kaum hoffen. „Russland oder China sind offenbar nicht bereit, sich für das Regime zu engagieren. Sie unterstützen vielleicht mit Informationen, aber mehr auch nicht.“ Militärisch würden sich weder Moskau noch Peking einschalten.

„Der Krieg wird weitergehen, bis Israel und die USA das Regime so weit geschwächt haben, dass sie verhandeln müssen“, so Ghadban. Eine vollständige Destabilisierung des bestehenden Systems sei dabei nicht das Ziel: „Die Amerikaner oder Israel wollen kein demokratisches System installieren. Wer das immer noch glaubt, ist wahnsinnig“, sagt Ghadban. „Die wollen bloß irgendein Regime, das US-freundlich ist und Israel nicht angreift. Und keine Atombombe baut. Das iranische Volk ist ihnen egal.“ (Anm. dazu auch der Merkur: Trump will Nachfolge im Iran selbst regeln)

Nach den Attacken im Iran: Reformflügel statt Demokratie
In den Angriffen erkennt Ghadban eine klare Logik: „Das ist vergleichbar mit dem Vorgehen in Venezuela.“ Auch nach der US-Entführung von Präsident Nicolás Maduro blieb dort ein grundlegender Systemwechsel aus – und war laut Ghadban auch nie das eigentliche Ziel. Dasselbe Muster gelte für den Iran. Innerhalb des Regimes stehen den Hardlinern Reformkräfte gegenüber, die die zunehmend einflussreichen Revolutionsgarden zurückdrängen wollen. „Die USA setzen darauf, dass ein Reformflügel innerhalb des Mullahregimes übernimmt.“ Ein moderateres Mullah-Regime würde die Revolutionsgarden in ihre Schranken weisen und der Armee unterstellen, so Ghad­bans Einschätzung. „Das kann lange dauern. Monate.“
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(18.01.2026, 09:50)Schneemann schrieb: ....

Wenn die WiWo hier von Lastwagenfabriken schreibt, dann muss bedacht werden, dass diese Fabrikation strategisch wichtig ist. Einerseits dienen diese Laster auf den Routen nach Zentralasien und Aserbaidschan als wichtigsten Transportmittel - auf sie zu verzichten oder sie zu vernachlässigen, wäre kaum entschuldbar. Hinzu kommt, dass diese Lastwagen andererseits auch militärisch betrachtet wichtig sind, entweder in der Logistik oder als TEL-Schlepper. Dass der Iran also diese Fabrikation massiv am Laufen hält, notfalls unter Vernachlässigung anderer Produktionseinrichtungen, ist aus Teherans Sicht nur logisch. Es ist aber kein Beleg für eine Resilienz gegenüber Sanktionen.

Schneemann
die Wiwo schreibt aktuell nochmal über die LKW-Produktion im Iran:
Zitat:Daimlers Chinalaster werden weiter im Iran gebaut
Die USA befinden sich im Krieg mit dem Iran. Und doch baut ein Lkw-Werk in Teheran weiter Fahrzeuge aus einem China-Joint-Venture von Daimler Truck. Das zeigen Satellitenbilder. Wirtschaft von oben ist eine Kooperation mit LiveEO.
Thomas Stölzel
20.03.2026 - 09:40 Uhr
Im Ergebnis ist der von mir bereits zitierte Artikel nochmal an Hand von Sat-Fotos aktualisiert
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Die Medien ziehen zunehmend erste Resultate aus dem Golfkrieg. Auch wenn die Ziele des Krieges noch immer nicht ganz klar sind und ständig neu formuliert werden: mit Sicherheit sollte zumindest eine Schwächung und keine Stärkung der Position des Iran erfolgen.
Die FAZ kommentiert nun leicht verbittert:
Zitat:Irankrieg: Trump schenkt Iran eine Atombombe

Das hat der amerikanische Außenminister richtig erkannt: Die Straße vor Hormus ist eine „wirtschaftliche Atomwaffe“, die das iranische Regime gegen die Welt einsetzt. Nicht die Straße selbst natürlich, aber die Blockade, welche die Iraner in dieser für die Weltwirtschaft so wichtigen Meerenge durchgesetzt haben.

Und wer hat ihnen diese Bombe in die Hand gegeben? Richtig, die amerikanische Regierung, für die Rubio spricht. Iran hat sich früher nicht getraut, die Straße zu sperren, obwohl allen Beteiligten bewusst war, dass es diese Möglichkeit gab, angeblich sogar Trump. Erst in dem Moment, in dem es um sein Überleben ging, zündete das Regime die Bombe.

Trump kündigte das Atomabkommen
Niemand, der bei strategischem Verstand ist und Mitgefühl mit dem iranischen Volk hat, wird für den Fortbestand des Regimes plädieren. Dass Trump nun aber über die Wiedereröffnung einer Wasserstraße verhandeln muss, die vor dem amerikanisch-israelischen Angriff frei war, ist ein bitterer Zwischenstand eines Krieges, in dem er sich schon zum Sieger erklärt hat.

Auch beim echten Atomprogramm, das Iran eine noch potentere Waffe verschaffen könnte, hat er es mit einem selbst geschaffenen Problem zu tun: Das hochangereicherte Uran, das die Iraner aushändigen sollen, gäbe es wahrscheinlich gar nicht, hätte Trump in seiner ersten Amtszeit nicht das Atomabkommen gekündigt. Ziemlich viele Eigentore für eine Weltmacht.
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Kopie hier
Ich denke, die FAZ trifft den Kern ... allerdings möchte ich nicht DT alleine verantwortlich machen. So wie ich das sehe, hat sich Donald da von jemand anderem verleiten lassen. Und das ist jetzt nicht zwingend eine Entlastung für den Präsidenten der Vereinigten Staaten. Der sollte weder manipulierbar noch verführbar sein - und die Konsequenzen seiner Handlungen entsprechend einschätzen können, oder zumindest ausreichend Expertenmeinungen einholen und diese dann auch berücksichtigen.
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(29.04.2026, 13:09)Kongo Erich schrieb: [...]hat sich Donald da von jemand anderem verleiten lassen. Und das ist jetzt nicht zwingend eine Entlastung für den Präsidenten der Vereinigten Staaten. Der sollte weder manipulierbar noch verführbar sein - und die Konsequenzen seiner Handlungen entsprechend einschätzen können, oder zumindest ausreichend Expertenmeinungen einholen und diese dann auch berücksichtigen.

Der Mann entscheidet nach Bauchgefühl. Ich bezweifle, dass er intellektuell auf der Höhe ist, um Argumente bzgl. komplexer Situationen, die ihm von Experten herangetragen werden, rational und analytisch zu bewerten/entwerten. Deswegen Bauchgefühl.

Selbstverständlich war bekannt, dass der Iran versuchen wird, den Seeweg zu blockieren. Weiterhin wurde ein Regimewechsel als unwahrscheinlich bewertet. Man war sich mit den Israelis einig, dass Rasenmähen und Töten einiger wichtiger Kader erfolgreich durchgeführt werden könnte. Das hat sich so auch bewahrheitet.

Warum man die mögliche Blockade der Strasse nicht als wahrscheinlich bewertet hat, war wohl eine Kombination aus wishfull thinking und der Überzeugung, dass die Iraner wie die aufgescheuchten Hühner kopflos und unfähig agieren würden, wenn die Kader und die militärische Infrastruktur erst einmal vernichtet sind. Nur hat man eben den iranischen Schwarmgeist unterschätzt. Der weiter funktioniert, auch ohne Kopf.
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@Kongo Erich
Zitat:Ich denke, die FAZ trifft den Kern ... allerdings möchte ich nicht DT alleine verantwortlich machen.
Ich denke, man muss sich eben entscheiden, was man denn will. Unabhängig vom Für und Wider bzgl. des aktuellen Krieges bzw. seiner Rechtfertigungen oder auch Trumps Gebaren, hätte es den Europäern durchaus deutlich wichtiger sein müssen, eine Entscheidung zu suchen.

Wenn ich nun wieder einmal den advocatus diaboli geben wöllte, so hätten die Europäer die Gunst der Stunde, die der amerikanisch-israelische Krieg gegen den Iran bot, nutzen müssen und in diesen Krieg einsteigen müssen. Denn sie sollten sich darüber im Klaren sein, dass die USA notfalls einen großen Teich zwischen sich und dem Iran haben, die iranischen Raketen aber bis nach Europa fliegen können. Zudem hätten jene 20.000 oder 30.000 toten Zivilisten in Iran zum Jahreswechsel 2025/26 auch den verstocktesten Europäern die Augen öffnen müssen, was für brutales, zu allem bereites Regime hier agiert. Es wäre, selbst wenn die Mittel anfangs relativ überschaubar gewesen wären, geboten gewesen, gerade auch im europäischen Interesse, hier Flagge zu zeigen und notfalls einzugreifen.

Aber nichts von dem geschah. Stattdessen arbeitete man sich an Trumps wenig diplomatischem Gebaren ab, verschränkte schmollend die Arme, suchte nach Ausreden, versteckte sich hinter Völkerrechtsfloskeln, manche Regierungen blockierten gar die Kriegsanstrengungen der USA direkt (etwa Spanien, Großbritannien). Und in Iran hat man diese westliche Uneinigkeit durchaus bemerkt.

Und nun ist die Lage eben so, wie sie ist: Trump will aus dem Krieg wieder aussteigen, auch weil er seine "Heimatfront" im Auge hat, die Perser sind zwar eine verbeulte und kastrierte Katze, können aber dennoch noch Hormuz blockieren, weil sich niemand groß dafür einsetzen will, und zugleich ärgern sich die Europäer über die steigenden Spritpreise und haben keinerlei Lösung, wie es mit der Straße oder gar dem Atomprogramm weitergehen soll.

Insofern: Ja...du hast wohl recht, Trump ist nicht alleine verantwortlich.

Schneemann
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@Schneemann:
(Zumindest) Seit dem Ende des zweiten Weltkrieges wurde versucht, global eine regelbasierte Ordnung, also die "Herrschaft des Rechts" und nicht das "Recht des Stärkeren", durchzusetzen.
Dein Gedanke führt wieder in diese Zeit zurück.

Kurz und gut:
die - so verstehe ich Deinen Vorschlag - Auflösung der regelbasierten Ordnung und die blinde Gefolgschaft mit einem Einstieg in den Krieg gegen den Iran würde massive Unsicherheiten und zusätzliche Konflikte mit sich bringen.

Begründung Huh
Anstatt (halbwegs) verlässlicher Regeln treten unüberlegte "Bauchgefühl-Aggressionen" der Starken, die sich das ja leisten können.
Das bedeutet für die Schwächeren - und zu denen zähle ich auch Europa, erst recht aber Deutschland alleine - der Verzicht auf die Geltendmachung eigener Interessen, sondern Unterwerfung und Vasallentum einer Hegemonialmacht gegenüber; "Nibelungentreue" bis zum Untergang ...
Schröders Nein zur militärischen Option im Irak wäre damit nicht mehr möglich.

Nun ist es aber so, dass keine Macht der Erde - auch keine Supermacht wie die USA - in der Lage ist, den gesamten Globus zu unterwerfen und "auf Linie zu bringen". Wie schnell selbst die USA scheitern sagen schon in alphabetischer Reihenfolge Stichworte von "A" wie Afghanistan über "I" wie Iran bis "V" wie Vietnam ...

Die blinde (und ohne Rücksicht auf international vereinbarte Regeln erfolgende) Nachfolge unter dem Hegemon "DT" (unabhängig von seiner egozentrischen und undiplomatischen Gebaren) würde dazu führen, dass die Ukraine ihrem Schicksal bzw. Putin überlassen wird während wir unser Pulver im Iran vergeuden. Und auch dann müsste sehr bezweifelt werden, ob DT mit den USA der NATO-Verpflichtung nachkommt, wenn sich kleine grüne Männchen im Baltikum breit machen.

Das Gegenteil wäre richtig Idea:
Gerade die Schwächeren müssen sich massiv dafür einsetzen, dass die Regeln auch eingehalten werden. Das verlangt in der Folge, dass sich gerade auch die Schwächeren zusammen tun, und die Regelbrecher mit entsprechenden Reaktionen bis hin zu gezielten und sachgerechten (!) Sanktionen zur Räson bringen.
Das bedeutet etwa bei einem völkerrechtswidrigen Überfall auf einen anderen Staat, dass man den gerade nicht unterstützt sondern im Gegenteil erschwert; etwa, indem Stützpunkte im eigenen Land (wie von Spanien und GB vorgemacht) nicht für einen solchen Angriff missbraucht werden dürfen.
Wer sich nicht an die Regeln hält, braucht eine auf die Finger - egal, wer das ist.

Das ist zwar ein mühseliger Weg, aber der einzig erkennbare, der längerfristig Erfolg haben dürfte.

Und komm mit bitte jetzt nicht mit zigtausend toten Zivilisten um Jahreswechsel 2025/2026. Es geht nicht darum, den Mullahs einigen "Heiligenschein" zu verpassen.
Wir können - das hat auch der letzte Waffengang gegen den Iran gezeigt - ohne eine massive Bodenintervention (mit mindestens genauso viel Opfern) keinen gewaltsamen Regime-Wechsel erreichen. Die Mullahs sitzen genauso sicher, wenn nicht sogar sicherer als vorher, in ihrem Gewaltsattel. Und nach dem Vorbild von Nordkorea kann man wohl durchaus unterstellen, dass es dieser Theokratie völlig egal ist, wie es dem Volk insgesamt geht. Die Führungselite wird immer einen Weg finden, sich weiter zu bereichern und trotz Sanktionen von Luxus-Waren zu ihren Gütern und Dienstleistungen zu kommen. Großfläche Sanktionen, die das gesamte Volk treffen, sind der Führungselite also schlicht sch...egal.

Ob die Alternative des "Wandel durch Handel" im Iran greift (die ja die letzten Jahrzehnte vor dem Zusammenbruch des Ostblocks offenbar nicht ganz erfolglos war), kann ich nicht sagen. Wir haben das seit Jahrzehnten im Iran nicht probiert. Empirisch ist natürlich, dass freier Handel zu Kontakten und entsprechendem Meinungsaustausch führt. Das dauert, aber es ist ein gewaltfreier und bewährter Weg, der die gesamte Gesellschaft durchdringt.
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Zitat:@Schneemann:
(Zumindest) Seit dem Ende des zweiten Weltkrieges wurde versucht, global eine regelbasierte Ordnung, also die "Herrschaft des Rechts" und nicht das "Recht des Stärkeren", durchzusetzen.
Dein Gedanke führt wieder in diese Zeit zurück.
Nein, nicht ganz. Die regelbasierte Ordnung ist wichtig, aber wir werden sie nicht erhalten können, wenn wir ihr lediglich blind folgen. Sie ist dynamisch, so wie vieles. Wie ich schon anderswo schrieb: Wir werden die regelbasierte Ordnung teils brechen müssen, um sie zu retten.

Oder andersherum, um beim Iran zu bleiben: Was hat die regelbasierte Ordnung gebracht? Hat sie verhindert, dass der Iran im ganzen Nahen Osten terroristische Gruppen aufbaut? Hat sie sein Atomprogramm verhindert? Hat sie die zahllosen Massaker an den Iranern selbst verhindert? Oder das Raketenprogramm oder den Waffenschmuggel? Nein...

Schneemann
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Führt es jetzt weiter zu hinterfragen, wer wann die Regeln gebrochen hat? Und welcher Bruch dann welche Folgen hatte?
Zitat:Es gibt wohl weltweit keine zweite Staatenbeziehung, die über so lange so zerrüttet und hasserfüllt war die zwischen Teheran und Washington. Einige Beispiele:
  • Der Sturz von Premier Mossadegh durch die CIA
  • Die amerikanische Unterstützung für den verhassten Schah
  • Die Besetzung der US-Botschaft in Teheran
  • Die US-Hilfe für Irak im ersten Golfkrieg gegen Iran
  • Der Abschuss des iranischen Airbus mit 290 Toten
  • Die Zuordnung Irans zur "Achse des Bösen"
  • Die US-Rakete auf General Soleimani.
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@Kongo Erich
Zitat:Führt es jetzt weiter zu hinterfragen, wer wann die Regeln gebrochen hat?
Das tut es durchaus. Ich erwarte aber nicht, dass das ZDF dies weiß, alleine die unkommentierte Aneinanderreihung irgendwelcher Konfrontationen oder von Ereignissen in der Historie - zumal überaus unvollständig - trägt nicht dazu bei, dass Verhältnis oder die Hintergründe besser erklären zu können. Zumal die USA in diesem persischen Drama erst spät in Erscheinung traten und dies auch eher nur, weil sie von anderen genötigt wurden.

Schneemann
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(01.05.2026, 12:52)Schneemann schrieb: .... Zumal die USA in diesem persischen Drama erst spät in Erscheinung traten und dies auch eher nur, weil sie von anderen genötigt wurden.
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Mossadegh wurde am 19. August 1953 durch eine Operation der Nachrichtendienste der USA und Großbritanniens gestürzt (Operation Ajax).
Bereits vier Monate vor dem Putsch, am 4. April 1953, hatte der CIA-Direktor Allen W. Dulles ein Budget von einer Million US-Dollar bereitgestellt, das dazu verwendet werden sollte, Mossadegh zu stürzen („in any way that would bring about the fall of Mossadegh“)
- der CIA ist also schon recht früh in Erscheinung getreten, und zwar als maßgeblicher Akteur.
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Zitat:Mossadegh wurde am 19. August 1953 durch eine Operation der Nachrichtendienste der USA und Großbritanniens gestürzt (Operation Ajax).
Bereits vier Monate vor dem Putsch, am 4. April 1953, hatte der CIA-Direktor Allen W. Dulles ein Budget von einer Million US-Dollar bereitgestellt, das dazu verwendet werden sollte, Mossadegh zu stürzen („in any way that would bring about the fall of Mossadegh“)
- der CIA ist also schon recht früh in Erscheinung getreten, und zwar als maßgeblicher Akteur.
Ja, das mag in groben Zügen so stimmen. Zumindest wenn man vereinfachende Darstellungen ohne komplexere bzw. ggf. störende Hintergrundinformationen bevorzugt.

Schneemann
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Es ist jedenfalls eine im Iran immer noch sehr präsente Geschichte, auch bei den Menschen, die sich selbst nur an die 1980er Jahre erinnern können Big Grin
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Es ist eine Geschichte, in der die Mullahs in letzter Konsequenz sogar dem CIA dankbar waren, da dieser den "gottlosen Sozialisten" Mossadegh beseitigte. Ist aber nicht gewünscht, dass man im heutigen Iran darüber spricht.

Schneemann
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Aber irgendwie habe ich eben Lust darauf, ein wenig aus der Reserve zu gehen. Wieso auch nicht?

Also: Mossadegh.

Zentraler Dreh- und Angelpunkt war die AIOC. Mossadegh wollte verstaatlichen. Ohne das Parlament übrigens, also autoritär. Mit Ermächtigungsgesetzen. In London klingelten die Alarmglocken. Und London, vom Zweiten Weltkrieg noch massiv geschwächt und faktisch pleite, wurde vorstellig in Washington - man solle doch bitte etwas unternehmen und helfen.

Das war Ende 1952. Die US-Führung unter Truman zeigte sich sehr, sehr spröde und ließ London abblitzen. Truman war ein "Zögling" von Roosevelt, den neoimperialen Ambitionen der Europäer zeigte er ebenso wie Roosevelt - der sich mit Churchill und de Gaulle darüber herzhaft streiten konnte ob der Kolonialpolitik der Europäer - die kalte Schulter.

Also überlegte der MI6, was man machen könnte. Und die Briten hatten eine Idee: Mossadegh ist ein Kommunist und er wird Stalin einladen zum Eingreifen in Iran. Und sie setzten diesen Floh der neuen US-Administration unter "Ike" ab Januar 1953 ins Ohr (Stichwort: Containment). Und das wirkte: "Ike" und Dulles entschlossen sich zum Eingreifen.

Schneemann
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(01.05.2026, 11:49)Schneemann schrieb: ... Die regelbasierte Ordnung ist wichtig, aber wir werden sie nicht erhalten können, wenn wir ihr lediglich blind folgen. Sie ist dynamisch, so wie vieles. Wie ich schon anderswo schrieb: Wir werden die regelbasierte Ordnung teils brechen müssen, um sie zu retten.

Oder andersherum, um beim Iran zu bleiben: Was hat die regelbasierte Ordnung gebracht? Hat sie verhindert, dass der Iran im ganzen Nahen Osten terroristische Gruppen aufbaut? Hat sie sein Atomprogramm verhindert? Hat sie die zahllosen Massaker an den Iranern selbst verhindert? Oder das Raketenprogramm oder den Waffenschmuggel? Nein...

Schneemann
Die NZZ kommentiert aktuell:
Zitat:Und es wirkt doch: Von der unsichtbaren Macht des Völkerrechts
Angriffskriege, Drohungen, Rechtsverhöhnung – und dennoch lösen die meisten Staaten ihre Konflikte friedlich. Die Wirkungen des Völkerrechts reichen tiefer, als seine Skeptiker ahnen.


03.05.2026, 05.30 Uhr
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Der Kommentar ist nicht so einfach von der Hand zu weisen. Und wenn er stimmt, dann kann die logische Konsequenz nur sein, diejenigen, die sich tatsächlich nicht an das Völkerrecht halten, entsprechend gemeinschaftlich zu sanktionieren.
Das wäre dann politisch eine Aufgabe der UN, wenn ich das richtig sehe, und zwar der Vollversammlung.
Und rein rechtlich bzw. "ad personam" eine Sache des Internationalen Strafgerichtshofs. Auch wenn man zunächst nur "in Abwesenheit" einen internationalen Haftbefehl ausstellen könnte.



(02.05.2026, 22:29)Schneemann schrieb: Aber irgendwie habe ich eben Lust darauf, ein wenig aus der Reserve zu gehen. Wieso auch nicht?

Also: Mossadegh.

Zentraler Dreh- und Angelpunkt war die AIOC. Mossadegh wollte verstaatlichen. Ohne das Parlament übrigens, also autoritär. Mit Ermächtigungsgesetzen. In London klingelten die Alarmglocken. Und London, vom Zweiten Weltkrieg noch massiv geschwächt und faktisch pleite, wurde vorstellig in Washington - man solle doch bitte etwas unternehmen und helfen.

Das war Ende 1952. Die US-Führung unter Truman zeigte sich sehr, sehr spröde und ließ London abblitzen. Truman war ein "Zögling" von Roosevelt, den neoimperialen Ambitionen der Europäer zeigte er ebenso wie Roosevelt - der sich mit Churchill und de Gaulle darüber herzhaft streiten konnte ob der Kolonialpolitik der Europäer - die kalte Schulter.

Also überlegte der MI6, was man machen könnte. Und die Briten hatten eine Idee: Mossadegh ist ein Kommunist und er wird Stalin einladen zum Eingreifen in Iran. Und sie setzten diesen Floh der neuen US-Administration unter "Ike" ab Januar 1953 ins Ohr (Stichwort: Containment). Und das wirkte: "Ike" und Dulles entschlossen sich zum Eingreifen.

Schneemann
wenn Du drauf Lust hast - erst mal etwas Satire (Die Anstalt) zur Auflockerung
Iran 1953 Der Putsch der bis heute nachwirkt
#satire #lacroix #iran #iran1953 #geschichte #nahost #weltpolitik #geopolitik #cia #mossadegh #geschichteverstehen #politik #konflikt #zeitgeschichte

Dann aber ernsthafter (und nicht nur mit dem verbalen Verweis auf die inzwischen freigegebenen CIA-Akten):
Zitat:+++ Die CIA und der Putsch im Iran +++
1953 unterstützte die CIA im Iran einen Putsch, bei dem der demokratisch gewählte Premierminister Mossadegh gestürzt wurde. Was von den USA als Erfolg gefeiert wurde, führte später zur Islamischen Revolution.
Quelle. ORF
https://de.wikipedia.org/wiki/Operation_Ajax
Zitat:In 1953, Iran was a peaceful democracy. Prime Minister Mossadegh dared to suggest Iran's oil belonged to Iran, not Britain. This led the British and American empires to orchestrate a coup, replacing democracy with CIA-backed rule and installing the Shah.
Zitat:Did you know the "Iran problem" was actually created by the US and British intelligence 70 years ago?
Discover the secret history of Operation Ajax
—how the CIA and MI6 overthrew Iran's secular democratic Prime Minister, Mohammad Mossadegh, just to control Iranian oil. This single covert operation installed the Shah, drained Iran's wealth, and ultimately sparked the 1979 Islamic Revolution. The geopolitical blowback is still affecting the world today.
Zitat:Why Iran went from USA's Close friend to enemy..
Most people think US–Iran tensions began in 1979 with hostages and nuclear fears. But rewind to 1953, when the CIA and MI6 staged a secret coup that toppled Iran’s Prime Minister Mohammad Mossadegh—just because he wanted to nationalize oil.
This one week in August reshaped the Middle East: the Shah’s dictatorship, SAVAK torture chambers, the rise of Khomeini, and the 1979 revolution all trace back to that moment. Even today, every sanction, every nuclear standoff, every shadow war echoes 1953.
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