Iran
Der Merkur befasst sich unter dem Titel „Keine Alternative“: Experte erklärt „interessantes Muster“ bei Iran-Angriffen mit einem Detail der Angriffe auf den Iran - und erklärt dann auch, warum diese Angriffe nicht zu einem Regime-Wechsel führen werden (Kopie hier):
Zitat:Wohin steuert der Iran? Islamwissenschaftler Ralph Ghadban erklärt, welche Ziele Israel und die USA verfolgen – und warum ein echter Wandel ausbleibt.

Berlin – In Militärkreisen spricht man von einem „Enthauptungsschlag“ – gemeint ist der Beginn des Angriffs Israels und der USA auf den Iran. Ajatollah Ali Chamenei, der Oberste Führer der Islamischen Republik, ist tot. Doch das Ende des Mullah-Regimes ist damit nicht zwingend eingeläutet. Schon vor dem Angriff warnten Experten: Die verbliebenen Kräfte des Regimes würden alles daransetzen, ihre Herrschaft zu sichern.

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„Interessant ist: Israel und die USA greifen bislang nicht die Armee an. Nur Basen der Revolutionsgarden.“ Die Strategie dahinter sei Zermürbung – einen Krieg mit Bodentruppen wolle man möglichst lange hinauszögern. Auf Unterstützung durch Verbündete könne Teheran dabei kaum hoffen. „Russland oder China sind offenbar nicht bereit, sich für das Regime zu engagieren. Sie unterstützen vielleicht mit Informationen, aber mehr auch nicht.“ Militärisch würden sich weder Moskau noch Peking einschalten.

„Der Krieg wird weitergehen, bis Israel und die USA das Regime so weit geschwächt haben, dass sie verhandeln müssen“, so Ghadban. Eine vollständige Destabilisierung des bestehenden Systems sei dabei nicht das Ziel: „Die Amerikaner oder Israel wollen kein demokratisches System installieren. Wer das immer noch glaubt, ist wahnsinnig“, sagt Ghadban. „Die wollen bloß irgendein Regime, das US-freundlich ist und Israel nicht angreift. Und keine Atombombe baut. Das iranische Volk ist ihnen egal.“ (Anm. dazu auch der Merkur: Trump will Nachfolge im Iran selbst regeln)

Nach den Attacken im Iran: Reformflügel statt Demokratie
In den Angriffen erkennt Ghadban eine klare Logik: „Das ist vergleichbar mit dem Vorgehen in Venezuela.“ Auch nach der US-Entführung von Präsident Nicolás Maduro blieb dort ein grundlegender Systemwechsel aus – und war laut Ghadban auch nie das eigentliche Ziel. Dasselbe Muster gelte für den Iran. Innerhalb des Regimes stehen den Hardlinern Reformkräfte gegenüber, die die zunehmend einflussreichen Revolutionsgarden zurückdrängen wollen. „Die USA setzen darauf, dass ein Reformflügel innerhalb des Mullahregimes übernimmt.“ Ein moderateres Mullah-Regime würde die Revolutionsgarden in ihre Schranken weisen und der Armee unterstellen, so Ghad­bans Einschätzung. „Das kann lange dauern. Monate.“
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(18.01.2026, 09:50)Schneemann schrieb: ....

Wenn die WiWo hier von Lastwagenfabriken schreibt, dann muss bedacht werden, dass diese Fabrikation strategisch wichtig ist. Einerseits dienen diese Laster auf den Routen nach Zentralasien und Aserbaidschan als wichtigsten Transportmittel - auf sie zu verzichten oder sie zu vernachlässigen, wäre kaum entschuldbar. Hinzu kommt, dass diese Lastwagen andererseits auch militärisch betrachtet wichtig sind, entweder in der Logistik oder als TEL-Schlepper. Dass der Iran also diese Fabrikation massiv am Laufen hält, notfalls unter Vernachlässigung anderer Produktionseinrichtungen, ist aus Teherans Sicht nur logisch. Es ist aber kein Beleg für eine Resilienz gegenüber Sanktionen.

Schneemann
die Wiwo schreibt aktuell nochmal über die LKW-Produktion im Iran:
Zitat:Daimlers Chinalaster werden weiter im Iran gebaut
Die USA befinden sich im Krieg mit dem Iran. Und doch baut ein Lkw-Werk in Teheran weiter Fahrzeuge aus einem China-Joint-Venture von Daimler Truck. Das zeigen Satellitenbilder. Wirtschaft von oben ist eine Kooperation mit LiveEO.
Thomas Stölzel
20.03.2026 - 09:40 Uhr
Im Ergebnis ist der von mir bereits zitierte Artikel nochmal an Hand von Sat-Fotos aktualisiert
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Die Medien ziehen zunehmend erste Resultate aus dem Golfkrieg. Auch wenn die Ziele des Krieges noch immer nicht ganz klar sind und ständig neu formuliert werden: mit Sicherheit sollte zumindest eine Schwächung und keine Stärkung der Position des Iran erfolgen.
Die FAZ kommentiert nun leicht verbittert:
Zitat:Irankrieg: Trump schenkt Iran eine Atombombe

Das hat der amerikanische Außenminister richtig erkannt: Die Straße vor Hormus ist eine „wirtschaftliche Atomwaffe“, die das iranische Regime gegen die Welt einsetzt. Nicht die Straße selbst natürlich, aber die Blockade, welche die Iraner in dieser für die Weltwirtschaft so wichtigen Meerenge durchgesetzt haben.

Und wer hat ihnen diese Bombe in die Hand gegeben? Richtig, die amerikanische Regierung, für die Rubio spricht. Iran hat sich früher nicht getraut, die Straße zu sperren, obwohl allen Beteiligten bewusst war, dass es diese Möglichkeit gab, angeblich sogar Trump. Erst in dem Moment, in dem es um sein Überleben ging, zündete das Regime die Bombe.

Trump kündigte das Atomabkommen
Niemand, der bei strategischem Verstand ist und Mitgefühl mit dem iranischen Volk hat, wird für den Fortbestand des Regimes plädieren. Dass Trump nun aber über die Wiedereröffnung einer Wasserstraße verhandeln muss, die vor dem amerikanisch-israelischen Angriff frei war, ist ein bitterer Zwischenstand eines Krieges, in dem er sich schon zum Sieger erklärt hat.

Auch beim echten Atomprogramm, das Iran eine noch potentere Waffe verschaffen könnte, hat er es mit einem selbst geschaffenen Problem zu tun: Das hochangereicherte Uran, das die Iraner aushändigen sollen, gäbe es wahrscheinlich gar nicht, hätte Trump in seiner ersten Amtszeit nicht das Atomabkommen gekündigt. Ziemlich viele Eigentore für eine Weltmacht.
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Ich denke, die FAZ trifft den Kern ... allerdings möchte ich nicht DT alleine verantwortlich machen. So wie ich das sehe, hat sich Donald da von jemand anderem verleiten lassen. Und das ist jetzt nicht zwingend eine Entlastung für den Präsidenten der Vereinigten Staaten. Der sollte weder manipulierbar noch verführbar sein - und die Konsequenzen seiner Handlungen entsprechend einschätzen können, oder zumindest ausreichend Expertenmeinungen einholen und diese dann auch berücksichtigen.
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(Gestern, 13:09)Kongo Erich schrieb: [...]hat sich Donald da von jemand anderem verleiten lassen. Und das ist jetzt nicht zwingend eine Entlastung für den Präsidenten der Vereinigten Staaten. Der sollte weder manipulierbar noch verführbar sein - und die Konsequenzen seiner Handlungen entsprechend einschätzen können, oder zumindest ausreichend Expertenmeinungen einholen und diese dann auch berücksichtigen.

Der Mann entscheidet nach Bauchgefühl. Ich bezweifle, dass er intellektuell auf der Höhe ist, um Argumente bzgl. komplexer Situationen, die ihm von Experten herangetragen werden, rational und analytisch zu bewerten/entwerten. Deswegen Bauchgefühl.

Selbstverständlich war bekannt, dass der Iran versuchen wird, den Seeweg zu blockieren. Weiterhin wurde ein Regimewechsel als unwahrscheinlich bewertet. Man war sich mit den Israelis einig, dass Rasenmähen und Töten einiger wichtiger Kader erfolgreich durchgeführt werden könnte. Das hat sich so auch bewahrheitet.

Warum man die mögliche Blockade der Strasse nicht als wahrscheinlich bewertet hat, war wohl eine Kombination aus wishfull thinking und der Überzeugung, dass die Iraner wie die aufgescheuchten Hühner kopflos und unfähig agieren würden, wenn die Kader und die militärische Infrastruktur erst einmal vernichtet sind. Nur hat man eben den iranischen Schwarmgeist unterschätzt. Der weiter funktioniert, auch ohne Kopf.
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@Kongo Erich
Zitat:Ich denke, die FAZ trifft den Kern ... allerdings möchte ich nicht DT alleine verantwortlich machen.
Ich denke, man muss sich eben entscheiden, was man denn will. Unabhängig vom Für und Wider bzgl. des aktuellen Krieges bzw. seiner Rechtfertigungen oder auch Trumps Gebaren, hätte es den Europäern durchaus deutlich wichtiger sein müssen, eine Entscheidung zu suchen.

Wenn ich nun wieder einmal den advocatus diaboli geben wöllte, so hätten die Europäer die Gunst der Stunde, die der amerikanisch-israelische Krieg gegen den Iran bot, nutzen müssen und in diesen Krieg einsteigen müssen. Denn sie sollten sich darüber im Klaren sein, dass die USA notfalls einen großen Teich zwischen sich und dem Iran haben, die iranischen Raketen aber bis nach Europa fliegen können. Zudem hätten jene 20.000 oder 30.000 toten Zivilisten in Iran zum Jahreswechsel 2025/26 auch den verstocktesten Europäern die Augen öffnen müssen, was für brutales, zu allem bereites Regime hier agiert. Es wäre, selbst wenn die Mittel anfangs relativ überschaubar gewesen wären, geboten gewesen, gerade auch im europäischen Interesse, hier Flagge zu zeigen und notfalls einzugreifen.

Aber nichts von dem geschah. Stattdessen arbeitete man sich an Trumps wenig diplomatischem Gebaren ab, verschränkte schmollend die Arme, suchte nach Ausreden, versteckte sich hinter Völkerrechtsfloskeln, manche Regierungen blockierten gar die Kriegsanstrengungen der USA direkt (etwa Spanien, Großbritannien). Und in Iran hat man diese westliche Uneinigkeit durchaus bemerkt.

Und nun ist die Lage eben so, wie sie ist: Trump will aus dem Krieg wieder aussteigen, auch weil er seine "Heimatfront" im Auge hat, die Perser sind zwar eine verbeulte und kastrierte Katze, können aber dennoch noch Hormuz blockieren, weil sich niemand groß dafür einsetzen will, und zugleich ärgern sich die Europäer über die steigenden Spritpreise und haben keinerlei Lösung, wie es mit der Straße oder gar dem Atomprogramm weitergehen soll.

Insofern: Ja...du hast wohl recht, Trump ist nicht alleine verantwortlich.

Schneemann
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