Russland vs. Ukraine
(02.02.2026, 08:17)muck schrieb: Zum Vergleich: Den Vereinten Nationen zufolge betrug die männliche russische Bevölkerung im wehrfähigen Alter 2019 35 Mio. Personen. (Quelle) Demnach könnte dieser Krieg also bereits jeden hundertsten russischen Mann das Leben gekostet haben.

Gibt es die Zahlen auch aufgeschlüsselt nach Volkszugehörigkeit?
Zitieren
Meiner Kenntnis nach nein, aber es ist allgemeiner Konsens (auch in Russland) dass die Verluste der ethnischen Minderheiten weit überproportional sind. Am stärksten betroffen dürften die Burjaten sein.

Zudem wurden etliche Lager, Gefängnisse und auch Psychatrien geschlossen bzw. zusammen gelegt, schlicht und einfach weil die Zahl der Insassen so dermaßen abgenommen hat.

Es gibt aber auch bestimmte Gegenden im europäischen Russland die überproportional getroffen sind, primär die Gebiete um die Standorte der VDV.
Zitieren
(02.02.2026, 20:43)lime schrieb: Gibt es die Zahlen auch aufgeschlüsselt nach Volkszugehörigkeit?
Falls Du damit Zensus-Daten meinst, der letzte Zensus erfolgte 2022, die Aufschlüsselung nach Nationalitäten findest Du hier, in Tabelle 7: (Link) Lässt sich z.B. mit DeepL übersetzen.

Für die geographische bzw. ethnische Verteilung der Kriegsfolgen in Russland selbst gibt es nur Indizien.

Die Finnische Zentralbank veröffentlichte 2024 eine Studie zu Veränderungen im Einkommen russischer Haushalte seit Beginn der Mobilisierung. (Quelle) Im Vergleich zur allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung lässt sich so nachvollziehen, wo Haushalte von Prämien und Soldzahlungen profitierten.

Die Auswertung zeigte klar, dass die Russen ihren Feldersatz weit überwiegend aus ärmeren und solchen Teilrepubliken generieren, in denen Slawen bzw. orthodoxe Christen in der Minderheit sind.

Der Schwerpunkt liegt auf den Föderationssubjekten südlich von Don und Wolga, dem Kreis der Nenzen, Baschkortostan, Tuwa, Burjatien und den südlichen Föderationssubjekten Sibiriens und Russisch-Fernosts.

Aus (den freilich unvollständigen) 'Mediazona'-Zahlen lässt sich eine erhöhte Belastung der ethnischen Minderheiten ableiten. (Quelle)

Kleinere Ethnien drohen in ihrer bisherigen Form durch den Krieg tatsächlich unterzugehen, teils durch Bevölkerungsschwund, teils dadurch, dass der Frauenüberschuss zum Einheiraten anderer Ethnien führt.
Zitieren
Damit es nicht untergeht:
Laut 'DeepState' haben die Ukrainer vorgestern ihre letzten Stellungen am Rand von Torezk aufgegeben. Die Schlacht um die Stadt hat 550 Tage gedauert. Die Gesamtverluste beider Seiten dürften hoch fünfstellig sein.
Zitieren
Die Russen nahmen damit im übrigen nach ungefähr 550 Tagen Kämpfe ein Gebiet von ungefähr 70 Quadratkilometern ein. Bei Verlusten in mittlerer fünfstelliger Höhe (vermutlich irgend was zwischen 30.000 und 60.000 Mann).

Pro Tag kamen sie also gemittelt ungefähr 0,1 bis 0,15 Quadratkilometer voran, und verloren irgendwas zwischen 50 und 100 Soldaten pro 0,1 Quadratkilometer.

Die Stadt machte mal Sinn als Logistikknotenpunkt bzw. in Bezug auf ihre Lage zu anderen Stellungen südlich davon, ist aber jetzt nur noch eine menschenleere Totalruine ohne jeden strategischen Wert. Schlussendlich für Jahre unbewohnbar und nicht benutzbar. Die Zerstörungen sind teilweise so drastisch, dass selbst Unterkünfte für die Soldaten in der Stadt in den Trümmern allenfalls provisorisch errichtet werden können.

Vereinzelt soll es noch kleine ukrainische Widerstandsnester geben, deren endgültige Vernichtung sich vermutlich auch noch Wochen hinziehen wird.

Auf die Breite der Stadtfläche gerechnet drangen die Russen damit übrigens gemittelt 5 bis 10 m pro Tag vor, mit gemittelt 90 Mann Verlusten pro 7 m Tiefe des Vordringens.

Die russischen Streitkräfte sind einfach faszinierend. Ich glaube nicht, dass irgendeine westliche Armee, geschweige denn die Bundeswehr jemals einen derartigen Kampf führen könnte, geschweige denn ihn zum "Sieg" führen könnte.

Absolut irrsinnig !
Zitieren
Die Eroberungen der russischen Armee sind seit Jahresbeginn rückläufig. Grund zum Aufatmen ist das für die Angegriffenen nicht.
Zitat:Kiew – Die russischen Streitkräfte setzen ihre Offensivbemühungen im Osten und Süden der Ukraine mit unverminderter Härte fort. Einem Bericht der ukrainischen Analysegruppe „DeepState“ zufolge verzeichneten die Invasoren im vergangenen Monat einen Geländegewinn von insgesamt 245 Quadratkilometern. Während die reine Zahl der Angriffe im Vergleich zum Dezember leicht rückläufig war, offenbaren die statistischen Details eine gefährliche Verschiebung der taktischen Schwerpunkte.
...

Die Truppen Moskaus konzentrieren sich dabei weiterhin massiv auf den Sektor Pokrowsk, der mit einem Drittel aller registrierten Sturmangriffe den unbestrittenen Schwerpunkt der russischen Bemühungen bildet.

Besorgniserregend bewerten Militärbeobachter die Entwicklung im Raum Huljajpole in der Region Saporischschja. Hier stieg die Intensität der Kämpfe sprunghaft an; der Abschnitt rückte mit 21 Prozent aller Angriffe an die zweite Stelle der Frontstatistik auf. Dies entspricht fast einer Verdoppelung der Aktivitäten im Vergleich zum Vormonat und deutet auf den Versuch der russischen Führung hin, die ukrainischen Verteidigungslinien auf breiterer Front zu überdehnen.

Die statistisch auffälligste – und für die ukrainische Seite schmerzhafteste – Entwicklung vollzog sich jedoch im Sektor Slowjansk. Obwohl dort lediglich drei Prozent aller russischen Sturmangriffe gezählt wurden, entfielen auf diesen Abschnitt fast 20 Prozent der gesamten ukrainischen Gebietsverluste des Januars. In Analystenkreisen wird dieser „Anti-Rekord“ als Beleg für eine punktuell hohe Effektivität der russischen Vorstöße gewertet, was Fragen zur dortigen Festigkeit der ukrainischen Verteidigungsstellungen aufwirft....
Zitieren
ergänzend:
Putins Vormarsch stockt: Analyse zeigt deutliche Verzögerungen bei Offensive
Zitat:Trotz anhaltender russischer Bemühungen entlang mehrerer Frontabschnitte kommt Moskaus Vormarsch nach Einschätzung des Institute for the Study of War (ISW) zunehmend ins Stocken. So verzögere sich etwa Russlands Plan, über Lyman nach Slowjansk vorzurücken. Nach Einschätzung der Militärexperten fehlt es den Truppen aktuell an ausreichender Schlagkraft, um dieses Ziel bald zu erreichen. Ukrainische Gegenangriffe in der Region Kupjansk erschweren die Lage zusätzlich.
...

Die Analyse zeigt, dass russische Kräfte offenbar nicht über ausreichend einsatzfähige Reserven verfügen. Demnach seien bereits alle verfügbaren Einheiten in der Region Kupjansk gebunden. Dort hätten ukrainische Truppen große Teile der Umgebung zurückerobert. Laut Maschowez könne Russland deshalb derzeit keine Verstärkung in der Region Lyman bereitstellen. Möglicherweise müssten Einheiten aus Lyman nach Kupjansk verlegt werden, um dort die Verteidigung zu halten. „Ohne zusätzliche Verstärkungen oder eine Herabstufung der Offensive in Richtung Kupjansk ist es weiterhin unwahrscheinlich, dass russische Streitkräfte ihre Fristen für das Frühjahr 2026 im Raum Slowjansk einhalten können“, heißt es wörtlich in dem ISW-Bericht.
...

Das ISW kommt zu dem Schluss, dass die russischen Truppen voraussichtlich mehrere Monate davon entfernt sind, eine Bodenoffensive gegen den sogenannten „Festungsgürtel“ der Ukraine zu starten – weder aus dem Norden noch aus dem Osten. Um Slowjansk von Lyman aus zu erreichen, müssten sie zunächst die Stadt vollständig einnehmen, den Fluss überqueren und rund 14 Kilometer vorrücken. Alternativ wäre ein Vorstoß aus Siwersk möglich, doch auch dort liegen die russischen Linien noch etwa 30 Kilometer entfernt.
...

Laut ISW versuche die russische Führung seit Monaten, den Eindruck zu vermitteln, dass ein Durchbruch durch den ukrainischen Verteidigungsgürtel leicht möglich sei. Die Denkfabrik kommt jedoch zu dem Schluss, dass ein solcher Vorstoß – egal ob aus Richtung Kostjantyniwka im Süden oder Lyman im Norden – Jahre dauern könnte.
...
Zitieren
Zitat:Die statistisch auffälligste – und für die ukrainische Seite schmerzhafteste – Entwicklung vollzog sich jedoch im Sektor Slowjansk. Obwohl dort lediglich drei Prozent aller russischen Sturmangriffe gezählt wurden, entfielen auf diesen Abschnitt fast 20 Prozent der gesamten ukrainischen Gebietsverluste des Januars. In Analystenkreisen wird dieser „Anti-Rekord“ als Beleg für eine punktuell hohe Effektivität der russischen Vorstöße gewertet, was Fragen zur dortigen Festigkeit der ukrainischen Verteidigungsstellungen aufwirft.

Umgekehrt: laut russischen Quellen sind da bessere Offiziere und bessere Einheiten auf ihrer Seite. Es ist auch meine Wahrnehmung seit Kriegsbeginn, dass halbwegs fähige Offiziere bei den Russen (selten, spärlich, aber es gibt sie) selbst deutlich schwächeren russischen Einheiten eine erhebliche Schlagkraft verleihen. Zum Glück ist gute Führung bei den Russen sehr selten.
Zitieren
(Vor 8 Stunden)Quintus Fabius schrieb: ... Zum Glück ist gute Führung bei den Russen sehr selten.
ich denke, da steckt immer noch "mehr Kadavergehorsam" und weniger "Führung" in der gesamten Hierarchie.

Aber - vielleicht braucht Russland bald die Führung auch nicht mehr?
Zitat: US-Militär würde nach 72 Stunden eingreifen:
Ukraine, Europäer und USA einigen sich offenbar auf Plan zur Durchsetzung von Waffenruhe


Die Ukraine hat sich einem Medienbericht zufolge mit westlichen Partnern auf eine koordinierte militärische Reaktion für den Fall verständigt, dass Russland ein hypothetisches Waffenstillstandsabkommen dauerhaft verletzen sollte. Dies berichtet die „Financial Times“ unter Berufung auf Insider.

....
bei Licht betrachtet ... darauf wird sich Putin kaum einlassen, er wähnt sich immer noch im Vormarsch (die Opfer scheinen ihm egal zu sein). Und deshalb kann man diese "Verständigung" auf westlicher Seite relativ problemlos eingehen.
Zitieren
Es ist nicht einfach Kadavergehorsam, es ist Inkompetenz und dies selbst dann wenn nur versucht wird in blindem Kadavergehorsam umzusetzen was befohlen wird. Die sind einfach militärisch handwerklich inkompetent.

Zu der Schlacht um Toretsk nochmal ergänzend:

Die Zerstörungen dort sind in weiten Teilen des Stadtgebietes Gazaartig.

Ein primärer Grund warum die Russen nicht so voran kamen lag vor allem darin, dass die Ukrainer viele taktisch relevante Gebäude mit Sprengstoff vollgestopft haben. Und wenn russische Truppen sich darin festgesetzt haben das ganze Gebäude weggesprengt haben. Entsprechend gingen die Russen dazu über jede mögliche Stellung erstmal selbst zu zerstören bevor man in sie vorgedrungen ist. Umgekehrt verminten die Ukrainer dann die Trümmer, zum Ende hin auch immer häufiger per Drohne.

Ein interessanter Aspekt auf russischer wie bedingt auch ukrainischer Seite war der massive Missbrauch von Drogen durch die Soldaten, insbesondere um immer weiter wach zu bleiben und durchzuhalten. Russische Sturmtruppen waren dort eigentlich durchgehend auf Amphetaminen.

Es gab viele Fälle wo einzelne ukrainische Widerstandsnester vollständig vom Feind eingekesselt per Drohnen weiter bedingt versorgt werden konnten und dadurch teilweise noch wochenlang durchhielten. In einem Fall verteidigte eine ukrainische Infanteriegruppe ein Haus wortwörtlich bis zum letzten Mann nicht weniger als 35 Tage lang.
Zitieren


Gehe zu: