Militärische Lehren aus dem Ukraine-Krieg
LieberTee:

Zitat:Kann doch nicht so schwierig sein Trophy an einen Heli zu klöppeln?

Es gibt bereits seit Jahren Hardkillsysteme für Helis. Das ist nicht das Problem. Im weiteren schrieb ich MANPADS u.s.w. Hardkill auf Heli hat einen recht eingeschränkten Schutzbereich.

Zitat:Und naja, die Amis haben in Venezuela gezeigt was möglich ist, und im Iran einen Piloten aufgesammelt .

Das ist ja auch kein ernsthafter Krieg gegen einen ernsthaften Gegner. Aber noch viel wesentlicher ist die begrenzte Zielsetzung: Evakuierung einer oder weniger Personen - im Verhältnis zum Halten eines Objektes / Zielraumes. Das sind völlig verschiedene Ebenen von der Schwierigkeit her. Das ist nicht ansatzweise vergleichbar und kann daher auch nicht als Vergleich heran gezogen werden.

Zitat:ja gut du unterscheidest zwischen luftbeweglichen Operationen und Luftlandeoperationen, aber wieso geht das Eine und das Andere nicht?

Luftbewegliche Operationen kann ich mit Helis in Bodennähe führen, und Luftlandeoperationen setzen große Transportflugzeuge voraus um eine ausreichende Quantität von Truppen einsetzen zu können. Beim erstgenannten steigen die Soldaten aus dem Heli aus, und können auch wieder in ihn einsteigen. Man könnte sich die Helis praktisch gesehen als fliegende Schützenpanzer vorstellen und in Kalter Krieg Zeiten gab es eine ganze Reihe Konzepte in diese Richtung. Luftlandeoperationen bedeuten Verbringung per Fallschirm mit allen Problemen die das mit sich bringt. Der Zugriff mit Helis ist meiner Ansicht nach auch im modernen Krieg denkbar (bestimmte Umstände vorausgesetzt). Man unterschätzt auch die Menge der Truppen die per Heli transportiert werden können. Eine tatsächlich große Luftlandeoperation mit Transportflugzeugen halte ich im modernen Krieg für viel zu Risikoreich. Sie würde zur höheren Wahrscheinlichkeit mit dem Verlust der Truppen wie der eigentlich viel zu wertvollen Transportflugzeuge enden.

In diesem Kontext ist Hostomel ein Lehrstück sondergleichen. Die Russen brachen den Anflug der Transportflugzeuge ab, obwohl der Flughafen praktisch eingenommen wurde, weil das Risiko unbeherrschbar wurde. Die luftbewegliche Operation gegen den Flughafen hingegen funktionierte. Das Nachführen weiterer Truppen per Heli aber wurde ebenso wegen des Risiko verworfen. Schlussendlich ist das ein gutes Beispiel für die Gliederung des heutigen Kriegsraumes und anhand dieser kann man eigentlich sehr gut erkennen wo der primäre Unterschied zu früher ist.

Im Prinzip gliedert sich der Kriegsraum in einen Eigenen Raum (diesen definiere ich so, dass dort Konzentration eigener Mittel möglich ist weil der Feind unzureichend in ihn hinein wirken kann. Dieser untergliedert sich noch in zwei Bereiche: einen in welchem eine Konzentration von Einheiten möglich ist, aber andere Mittel zu konzentrieren noch zu risikoreich ist. Und einen Bereich in dem jedwede Konzentration aller Mittel möglich ist. Erstgenannter ist natürlich näher am Feind. Dem folgend gibt es einen umkämpften Raum. In diesen können der Feind und man selbst hinein wirken. Und dann gibt es einen feindlichen Raum, der analog zu unserem Raum gegliedert ist, also zuerst der Bereich in dem der Feind noch Einheiten konzentrieren kann und einen in dem er alle Mittel konzentrieren kann.

Schlussendlich war der Kriegsraum schon immer so gegliedert. Diese Gliederung gilt also für Kriege früher wie für den Krieg in der Ukraine wie für zukünftige Kriege. Was sich verändert ist die Größe / Tiefe der jeweiligen Bereiche und was sich vor allem verändert hat ist die Frage der Effektivität der Feuerkraft im Umkämpften Raum.

Bis dato galt in der mechanisierten Kriegsführung, dass ich mit einer Panzer-Einheit, wenn ich einen Schwerpunkt bilde und mit geballter Kampfkraft durch den umkämpften Raum stoße, einen Durchbruch erzielen kann. Der umkämpfte Raum war aber nicht so tief wie heute. Heute muss man also mehr Gelände überqueren um in den feindlichen Raum zu gelangen. Dem folgend aber sinkt das Risiko für einen selbst nicht, wie dies früher der Fall war, sondern es ist weiterhin sehr hoch. Darüber hinaus führt der Vorstoß in den feindlichen Raum heute nicht mehr zu gleichen Effekten, weil die feindlichen Mittel der rückwärtigen Dienste wie schon erwähnt weiter entfernt vom umkämpften Raum sind.

Die mechanisierten Einheiten müssen also mit höherem Risiko eine größere Strecke zurücklegen bevor die beabsichtigten Effekte des Durchbruch einsetzen. Das hatte ich ja schon ausgeführt. Dafür fehlt den klassischen mechanisierten Einheiten wie sie aktuell bestehen in vielen Fällen die Befähigung was Geschwindigkeit und Reichweite angeht sowie den Selbstschutz. Entsprechend stellt der Schwerpunkt, stellt also die Konzentration der Truppen für den Durchbruch für den Gegner nicht mehr ein Problem, sondern eine Chance dar, uns vernichtende Verluste zuzufügen. Daher kann sogar in Frage gestellt werden, ob eine Konzentration von Truppen im umkämpften Raum überhaupt noch möglich ist und was hierfür erforderlich wäre. Denn nur durch das herbeiführen bestimmter Umstände kann ich heute im umkämpften Raum überhaupt noch Truppen konzentrieren und ist dieser hinter sich gebracht, stellt die Konzentration der Truppen immer noch mehr ein Problem als eine Lösung dar.

Nun zurück zur Luftlandung bzw. der luftbeweglichen Operation. Diese hätte natürlich den Vorteil, dass die Kräfte bis zum eigentlichen Objekt / Zielraum nicht konzentriert werden müssten, dass sie schneller mehr Strecke machen und dass sie tiefer und schneller in den feindlichen Raum hinein greifen können. Entsprechend könnten damit also die Effekte erzielt werden, welche mechanisierte Einheiten am Boden nicht mehr erzielen können. So weit, so richtig. Aber: diese Effekte dienen ja einem spezifischen Zweck, nämlich dem Zusammenbruch der feindlichen Verbände im umkämpften Raum und insbesondere im feindlichen Raum direkt dahinter, in dem Bereich in welchem der Feind zumindest Einheiten konzentrieren kann.

Das entspricht übrigens im Prinzip dem was man im Kalten Krieg im Kontext der Air-Land-Battle als Deep bezeichnete - wobei der Durchbruch damals vor allem darauf abziele, die wesentliche zweite Stafffel der feindlichen Truppen in genau diesem Bereich zu treffen und zu schlagen. Das Konzept des Feindes war ja wiederum gerade eben, den Kampf in die Tiefe dadurch zu führen, dass die erste Staffel den Durchbruch erzielt (für den Feind) und die zweite Staffel diesen dann für den Stoß in die Tiefe nutzt. Dies wäre dann entsprechend durch den Angriff auf die feindlichen Einheiten im Bereich des Deep pariert worden.

Das Problem mit Luftlandung / luftbeweglichen Truppen ist nun im weiteren in diesem Kontext zweigestaltig: 1. Wenn man diese im feindlichen Raum einsetzt, so kann der Feind dort aufgrund der heutigen technischen Möglichkeiten immer noch immense Feuerkraft gegen sie zusammen ziehen, auch von weiter weg. Solange diese Feuerkraft im feindlichen Raum für diesen abrufbar ist, können sich leichte luftbewegliche Truppen dort nicht halten. und 2. können diese gegen feindliche Truppen in diesem Raum aufgrund der von diesen abrufbaren Feuerkraft nicht bestehen und dies selbst dann nicht, wenn die feindlichen Truppen zahlenmässig schwächer wären. Womit wir zu folgendem Punkt kommen:

Zitat:da wie wir wissen die moderne Kriegsführung den Verteidiger bevorteilt, sollte es doch für die überlegene Kriegspartei möglich sein, das per Luftlandung eingenommene Gebiet zu halten.

Was sie eben wegen der beschriebenen Umstände nicht können, solange sie im feindlichen Raum stehen. Das ist der primäre Unterschied zu früher. Die aus der Distanz bzw. aus erheblicher Distanz abgreifbare Feuerkraft des Feindes, von Artillerie über Drohnen bis hin zu eigenen Kampfflugzeugen. Denn man muss bedenken, dass der feindliche Raum ja derjenige ist, in welchem die rückwärtigen Dienst stehen - wobei der Zugriff auf diese ja eben diese Effekte erzielen soll die dann zum Kollaps der feindlichen Einheiten im Frontraum führen - dass aber dieser feindliche Raum gerade dadurch definiert ist, dass wir dort nicht ausreichend hinein wirken können, und der Feind dort Mittel konzentrieren kann.

Zitat:Du meinst Abriegelung der feindlichen frontnahen Kräfte vom Nachschub und aushungern?

Abriegelung aus der Luft ist ein fester Begriff. Er wirkt auf die frontnahen Kräfte bzw. die feindlichen Einheiten im Frontraum indirekt. Und erzielt exakt die Effekte, die auch ein Vorstoß mechanisierter Kräfte in die Tiefe des Raumes eigentlich erzeugen soll. Nur halt eben aus der Luft und früher / bisher langsamer bzw. weniger effektiv.

Zitat:Abriegelung bedeutet eine Dominanz im Drohnenraum, über dem feindlichen Hinterland. Hm, ok, meine Idee war, diese Dominanz mit Luftlandungen abzusichern und zu vervollkommnen, aber es geht auch ohne

Weiter in der Frage, wie man heute kämpfen soll, wo die Konzentration eigener Kräfte am Boden im umkämpften Raum und im feindlichen Raum schlussendlich in den allermeisten Fällen zu risikoreich ist.

Für die Abriegelung aus der Luft kann und sollte man am Boden Sondereinheiten einsetzen, und alles andere was sich dafür eignet. Deshalb sagte ich ja, dass dieses Operationskonzept massiv ausgebaut werden müsste und in einem Streitkräfteübergreifenden ganzheitlichen Ansatz betrieben werden muss. In einem viel größeren Ausmaß als bisher angedacht. Man braucht dazu aber eben keine großen Luftbeweglichen Einheiten oder große Luftlandungen. Das bietet für die Abriegelung keinen wirklichen Vorteil.

Schlussendlich kann man nur so die Voraussetzungen dafür schaffen, dass die eigenen Bodentruppen dann den umkämpften Raum "verschieben" können, so dass der eigene Raum sich damit in Richtung des Zielgebietes verschiebt, welches man einnehmen will. Und welches man deshalb einnimmt bzw. einnehmen muss, weil dies Vorteile in Bezug auf das eigentliche Ziel generiert, die Vernichtung der feindlichen Streitkräfte. Die Einnahme von Raum dient also primär zunächst einmal diesem Zweck und keinem anderen. Der Kollaps der feindlichen Kampfeinheiten im Frontraum wird also nicht dadurch herbei geführt, dass man einen Durchbruch am Boden erzielt, sondern dass man durch die Effekte der ganzheitlichen Abriegelung und die eigene Wirkung in den umkämpften Raum hinein diesen in Richtung des feindlichen Raumes wegschieben kann, so dass der eigene Raum sich damit ausdehnt.

Dazu muss an die Seite der ganzheitlichen Abriegelung vor allem anderen der Sieg in der Schlacht um die Aufklärung treten. Denn der umkämpfte Raum ist ja einer, in welchen der Feind in einem zu weitgehenden Maß hinein aufklären kann. Seine Feuerkraft kann nur dann dort wirken und damit diesen Raum umkämpft machen, wenn der Feind ausreichend aufklären kann.

Das heißt, die Kriegsführung zielt dem folgend nicht mehr auf einen Durchbruch ab. Es wird also kein Schwerpunkt mehr gebildet und dann konzentriert an einer Stelle durchgebrochen, sondern an die Stelle des Durchbruch tritt der Zweiklang von ganzheitlicher Abriegelung zusammen mit dem Sieg im Kampf um die Aufklärung im umkämpften Raum - wodurch der umkämpfte Raum von selbst nach hinten weicht und sich der eigene Raum ausdehnt und der feindliche Raum schrumpft.

Entsprechend ist der Kampf um die Aufklärung der entscheidende.

Zitat:es sei denn der Feind machts wie die Vietcong und baut Tunnel. Vielleicht ist das auch eine Lehre aus dem Ukraine-Krieg, und die baltischen Länder sollten nicht nur Panzersperren, sondern auch Tunnelsysteme bauen? Israel kann die Nutzung von Tunneln nicht effektiv aus der Luft stören ...

Absolut. Ausgedehnte Tunnelsysteme sind ein Mittel, dem Feind den Sieg im Kampf um die Aufklärung zu entziehen und damit verhindern sie die Verschiebung des umkämpften Raumes bzw. behindern diese und erhöhen den dafür notwendigen Gesamtaufwand.

Tunnel sind daher eigentlich eine der elementaren Lehren des Ukraine Krieges, aber selbst in der Ukraine werden sie sträflich vernachlässigt. Ausgedehnte Tunnel ermöglichen es zudem kleineren (und damit weniger versorgungsintensiven) feindlichen Einheiten im Frontraum stehen zu bleiben (und dort weiter versorgt zu werden) und negieren damit den Durchbruch solange der Feind noch Feuerkraft aus dem eigenen (feindlichen) Raum abrufen kann.

Sie negieren also die Effekte des bisherigen mechanisierten Durchbruch. Dennoch würden auch die Einheiten in Tunnel schlussendlich kollabieren, wenn es gelingt den Zweiklang aus ganzheitlicher Abriegelung und Sieg im Kampf um die Aufklärung umzusetzen. Wenn beides gelingt, ist die Vernichtung dieser Einheiten in den Tunneln dann nur noch eine Frage der Zeit. Es muss aber beides zugleich der Fall sein.

Luftbewegliche Operationen könnten also in drei Bereichen in dieser Art der Kriegsführung relevant werden:

1. Im hybriden Krieg, als ausreichend schnelle Einheiten um damit im Bereich der unkonventionellen Kriegsführung zu agieren.

2. Im Rahmen der ganzheitlichen Abriegelung wie des Kampf um die Aufklärung (welche an die Stelle des Durchbruch mechanisierter Einheiten treten)

und 3. bei der eigentlichen Einnahme des Zielraumes, wenn der umkämpfte Raum ausreichend weit verschoben werden konnte, da solche Einheiten dann ad hoc sehr schnell in diesen Zielraum verbracht und dort konzentriert wreden können, was (etwaig vorübergehend) dadurch möglicht wird, dass der umkämpfte Raum (vorübergehend) verschoben wurde. Denn der Sieg in der Aufklärung und die ganzheitliche Abriegelung werden in vielen Fällen nur temporär sein. Sobald wie aber entsprechend leichte Kräfte im Zielraum ausreichend etabliert haben steht der Gegner vor dem gleichen Problem wie wir, wie er diese Einheiten dort zum kollabieren bringen will. Entsprechend etablieren diese Einheiten dann den umkämpften Raum im neuen Gebiet.

Schlussendlich gehören luftbewegliche Einheiten damit primär zum Komplex Aufklärung und Abriegelung. Ihre primäre Aufgabe wäre es also nicht, Gebiete einzunehmen um diese zu halten, anstelle von durchbrechenden mechanisierten Einheiten, sondern den Kampf um die Aufklärung und die Abriegelung zu unterstützen. Erst danach, dem folgend, können sie Gebiet einnehmen und halten. Das erste ist die Voraussetzung für das Zweite, anstelle des Durchbruch mechanisierter Verbände.
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(28.04.2026, 23:00)Quintus Fabius schrieb: LieberTee:

Schlussendlich kann man nur so die Voraussetzungen dafür schaffen, dass die eigenen Bodentruppen dann den umkämpften Raum "verschieben" können, so dass der eigene Raum sich damit in Richtung des Zielgebietes verschiebt, welches man einnehmen will. Und welches man deshalb einnimmt bzw. einnehmen muss, weil dies Vorteile in Bezug auf das eigentliche Ziel generiert, die Vernichtung der feindlichen Streitkräfte. Die Einnahme von Raum dient also primär zunächst einmal diesem Zweck und keinem anderen.

Hm, also insgesamt siehst du eine Verschiebung der Front gegen einen unterlegenen, aber gut organisierten Gegner als sehr mühselig an. Großer Aufwand über einen langen Zeitraum. Immerhin eine Materialschlacht.
Und ...... also gegen Russland kann das Ziel nicht sein, die feindlichen Streitkräfte zu vernichten. Also ich verstehe darunter Personen. Und deren Bedeutung nimmt merklich ab. Girkin sieht eine Mobilmachung als sinnlos an, weil viel mehr das technische Material entscheidet. Es müsste analog also in Zukunft darum gehen, die Waffen des Feindes zu zerstören, bzw. auf längere Sicht gesehen die Produktionskapazitäten für Waffen .... ok letztlich ist das dann natürlich auch ein Weg, die feindlichen Streitkräfte zu schlagen. Aber egal wie man es sieht, man kann gegen Russland nicht den beherrschten Raum soweit ausdehnen, dass man damit irgendwas vernichtet. Also muss das Ziel zwangsläufig defensiver Natur sein: Das eigene Gebiet befreien und vor direkten Kriegsauswirkungen schützen, und ansonsten müssen die militärischen Operationen das Ziel verfolgen, den politischen Druck auf die Gegenseite zu maximieren (und gleichzeitig, du kennst die Gesellschaft, dürfen die militärischen Operationen nicht die eigene Regierung unter unguten Druck setzen) ... also kurz die Verhandlungsposition stärken.

Also es ist gut, einen Plan zu haben, wie sich die Front überhaupt noch verschieben lässt, aber wenn Frontverschiebungen mühselig und langsam sind und man damit die Abwehrkraft des Feindes nicht wirklich schwächt, dann muss eben stattdessen mit Kampfmitteln mit großer Reichweite Druck aufgebaut werden. Sprich: Wenn die gegnerische Armee volle Kampfkraft hat, sich aber an der Front nicht viel tut und stattdessen in Moskau die Lichter ausgehen, dann erreiche ich doch eher ein akzeptables Kriegsende als mit jahrelangem Kampf um den Raum. Also nicht garantiert, siehe Iran, aber dann ist es eben so. Dann hat man eben eine unruhige Front. Vielleicht sollten wir, wenn es soweit kommen sollte, einfach damit leben lernen. Wir können den eigenen Raum nicht bis Uralwagonsawod ausdehnen.
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Zu Hardkill Systemen für Helikopter:

Aktuell wird kein System in Serie produziert und großflächig eingeführt.
Es wird an Systemen gearbeitet. Die Testergebnisse sind bislang enttäuschend.

Problem 1: Ein Hubschrauber ist nicht gepanzert und empfindlich. Das Hardkillsystem bzw. die verursachte Explosion gefährdet den eigenen Hunschrauber.
Problem 2: FLA Sprengköpfe wirken meist durch Fragmentierung. Selbst wenn es gelingt die anfliegende Rakete zu treffen, fliegen die Splitter weiter.
Problem 3: Gewicht
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(29.04.2026, 12:46)Feyerabend schrieb: Zu Hardkill Systemen für Helikopter:

Aktuell wird kein System in Serie produziert und großflächig eingeführt.
Es wird an Systemen gearbeitet. Die Testergebnisse sind bislang enttäuschend.

Problem 1: Ein Hubschrauber ist nicht gepanzert und empfindlich. Das Hardkillsystem bzw. die verursachte Explosion gefährdet den eigenen Hunschrauber.
Problem 2: FLA Sprengköpfe wirken meist durch Fragmentierung. Selbst wenn es gelingt die anfliegende Rakete zu treffen, fliegen die Splitter weiter.
Problem 3: Gewicht

Dann muss man halt Dummy-Helikopter herstellen und beim Einsatz neben den echten Helikoptern fliegen lassen, quasi ne Art CCA als Geleitschutz, und da diese (als rein defensive Maßnahme) weder Menschen noch Angriffswaffen tragen müssen, kann man sie robuster bauen und das Hardkillsystem integrieren ... naja, also wäre jetzt meine Idee :-)
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Nein, Feyerabend hat völlig recht mit seinen Aussagen. Darüber hinaus sind Raketen ja nicht die einzige Gefährund welche Helis haben. Gerade eben weil heute die Abwehr von Drohnen, Verweilmunition und Billig-Marschflugkörpern so eine immense Gewichtung gewonnen hat, ist bzw. wird die Dichte der feindlichen Abwehrsysteme selbst in der Tiefe des feindlichen Raumes für Operationen von Helis in besagte Tiefe ein erhebliches Problem.

Das heißt, dass luftbewegliche Operationen nur in dem Bereich möglich sind, der nach meiner Definition eigener Raum ist, in welchem der Feind also weder von der Aufklärung noch von der Wirkung her ausreichend wirken kann. Bereits über dem umkämpften Raum und erst recht über dem feindlichen Raum sind Helis einem zu großen Risiko ausgesetzt.

Ganz anders sieht ihre Rolle im unkonventionellen Krieg, im Krieg knapp unterhalb oder entlang des militärischen Horizontes sowie im eigenen Raum aus. Gerade für das schlagartige Heranführen notwendiger eigener Infanterie für den Sturm auf den einzunehmenden Zielraum wären Helis elementar.

Schlussendlich sieht es dann vom Kriegsbild her so aus: zuerst dehnt man durch Aufklärung, Späher, Plänkler und Feuer den eigenen Raum aus, bis dieser das Zielgebiet inkludiert. Man schiebt also den eigenen Raum über das Zielgebiet. Dem folgend müssen aber die feindlichen Verbände welche in diesem noch vorhanden sind vernichtet werden.

Anbei: die Kategorien: Eigener Raum - Umkämpfter Raum - Feindlicher Raum beziehen sich immer nur auf Sensoren und Feuer, nicht auf die Frage ob dort feindliche oder eigene Verbände am Boden vorhanden sind. Das heißt, auch im eigenen Raum können feindliche Einheiten stehen. Der Raum wird daher dadurch definiert, wer darin die Schlacht um die Aufklärung gewonnen hat und wer dem folgend diesen Raum durch Feuer (im weitesten Sinne) dominiert.

Dessen ungeachtet bleibt das Problem der feindlichen Infanterie, welche dennoch weiterhin im Gelände steht und in diesem durch die heutigen Umstände erstaunlich durchhaltefähig ist. Darüber hinaus wird der eigene Raum gerade eben deshalb oft nur temporär ausdehnbar bzw. herstellbar sein. Das heißt, man gewinnt vorübergehend in Aufklärung und Feuerkraft. Verliert aber seine Dominanz wieder, wenn es nicht gelingt die feindliche Infanterie zu vernichten. Entsprechend benötigt man Einheiten welche ad hoch von überall mit hoher Geschwindigkeit, im Idealfall bodenunabhängig konzentriert werden können. Und da kommt der Heli ins Spiel.

Ich hatte solche Konzepte auch schon in Bezug auf den Masseneinsatz von Drohnen beschrieben. Denn das Problem der schlagartigen Konzentration, der Schwerpunktbildung also ist heute, dass eine solche ein Primärziel darstellt, und dem folgend vom Feind angreifbar ist. Das heißt, der Feind wird eine solche Konzentration angreifen können, wenn er die Zeit dafür findet. Helis aber kann man schlagartig von überall her aus extremer Dislozierung zusammen ziehen, an einen Punkt den der Gegner nicht vorher sagen kann. Weshalb er gegen diese schlagartige Konzentration wesentlich schwerer eine Gegenkonzentration bilden kann. Also muss er weiterhin dislozieren und genau dadurch entsteht das Zeitfenster für die Vernichtung seiner Einheiten in einem Zielgebiet, welches temporär in den eigenen Raum gebracht wird. Und durch die Vernichtung der feindlichen Einheiten und die Stationierung eigener Infanterie dauerhaft in den eigenen Raum gebracht werden kann. Genau dafür wäre luftbewegliche Infanterie hochinteressant.

Im Idealfall dehnt man den eigenen Raum an mehreren Stellen vorübergehend aus (das ist machbar) und der Genger weiß dann nicht sicher wo der eigentliche Schlag erfolgt.

Zitat:Hm, also insgesamt siehst du eine Verschiebung der Front gegen einen unterlegenen, aber gut organisierten Gegner als sehr mühselig an. Großer Aufwand über einen langen Zeitraum. Immerhin eine Materialschlacht.

Nein keineswegs. Man muss hier differenzieren: Jede Offensive ist Mühselig, auch und insbesondere der Durchbruch mechanisierter Einheiten und das Gefecht verbundener Waffen mechanisierter Großkampfverbände. Wer sich das einfacher vorstellt hat keine Ahnung. Alles ist also mühselig, mühsam, schwierig.

Dessen ungeachtet wäre die von mir beschriebene Kriegsführung keineswegs langsam, ganz im Gegenteil. Sie verzichtet lediglich auf den Durchbruch durch mechanisierte Großkampfverbände im klassischen Sinne und sie konzentriert sich mehr auf direkte Wirkung als auf indirekte Wirkung. Das primäre Ziel ist daher die feindliche Streitkraft und nicht das Manövrieren um diese dadurch indirekt zu besiegen.

Im übrigen ist auch die Manöverkriegsführung in Wahrheit eine Form des Abnutzungskrieges und ist die ganze Trennung zwischen beidem falsch bzw. eine höchst künstliche. Manöverkriegsführung soll ganz genau so den Feind vernichten, nur halt durch indirekte Wirkung und insbesondere schneller und effizienter. Ich drehe das ganze nun so, dass ebenso der Feind vernichtet wird, und dies schneller und effizient, nur halt nicht durch indirekte Effekte sondern direkter. Es geht darum die feindliche Einheit direkt schneller zu vernichten. Der moderne Krieg ist ein Rennen zur Geschwindigkeit, so einfach ist das. Der indirekte Ansatz ist damit heute nicht mehr der schnellste.

[qutoe]Und ...... also gegen Russland kann das Ziel nicht sein, die feindlichen Streitkräfte zu vernichten. [/quote]

Doch absolut. Denn die möglichst schnelle Vernichtung der russischen Einheiten welche im Kriegsraum uns gegenüberstehen ist der schnellste Weg zu einem Kriegsende. Es geht also darum die Auftaktschlacht so schnell und so entschieden wie möglich zu gewinnen - durch die vollständige Vernichtung der feindlichen Einheiten.

Es ist das primäre Ziel so schnell wie nur irgendwie möglich die feindliche Streitkraft vollständig zu vernichten. Und das ist machbar. Es ist aber heute eben nicht mehr durch indirekte Ansätze, Manövrieren und Durchbrüche so schnell erreichbar wie dies erforderlich wäre.

Zitat:Girkin sieht eine Mobilmachung als sinnlos an, weil viel mehr das technische Material entscheidet.

Absolut korrekt. Man kann von Strelkov halten was man will (ich halte sehr viel von ihm, in jedem Aspekt) aber er versteht den modernen Krieg aus erster Hand. Ist das Material geschlagen wird der eigene Raum über die feindlichen Einheiten (Infanterie) hin ausgedehnt und liegen diese Einheiten (Infanterie) im eigenen Raum, dann gehen sie unter. Mehr Personal bedeutet dann im weiteren nur höhere Verluste. Überhaupt müsste es die Zielsetzung so sein so extrem und so radikal wie möglich maximale feindliche Personalverluste in kürzest möglicher Zeit anzurichten.

Das Problem der heutigen Kriegsführung (Blumenkriege) ist es, dass diese zu wenig Verluste anrichten. Man erleidet selbst zu geringe Verluste und der Feind erleidet viel zu geringe Verluste. Man muss den Krieg überspitzt gesagt in Strömen von Blut ertränken, gleich zu Beginn. So radikal wie möglich.

Zitat:Aber egal wie man es sieht, man kann gegen Russland nicht den beherrschten Raum soweit ausdehnen, dass man damit irgendwas vernichtet. Also muss das Ziel zwangsläufig defensiver Natur sein:

Zunächst einmal ist die Trennung von Offensive und Defensive hier in Wahrheit gar nicht relevant. Und die Ausdehnung des beherrschten Raumes (des eigenen Raumes) ist ja auch kein Selbstzweck - sie dient der Vernichtung der feindlichen Streitkraft. Zweck und Ziel sind nun im Krieg zwei verschiedene Dinge. Das Ziel des Krieges ist weder Offensiv noch Defensiv - das Ziel des Krieges ist die Vernichtung der feindlichen Streitkraft und nichts anderes, also die Wehrlosmachung des Feindes.

Zitat:Also es ist gut, einen Plan zu haben, wie sich die Front überhaupt noch verschieben lässt, aber wenn Frontverschiebungen mühselig und langsam sind und man damit die Abwehrkraft des Feindes nicht wirklich schwächt, dann muss eben stattdessen mit Kampfmitteln mit großer Reichweite Druck aufgebaut werden.

Das ist kein Entweder - Oder. Und die Front zu verschieben ist kein Selbstzweck. Die Verschiebung der Front hat nur ein Ziel und nur einen Sinn: die Vernichtung der gegnerischen Streitkraft. Parallel führt man zudem die Schlacht in die Tiefe durch. Von der Abriegelung bis hin zu Kampfmitteln großer Reichweite im Rahmen der strategischen Kriegsführung. Die Schlacht in die Tiefe erfolgt heute aus der Luft und mit entsprechenden Drohnen / Marschflugkörpern / Boden-Boden Raketen usw.

Der Feind muss systemtisch zum Kollaps gebracht werden. Das primäre Mittel hierfür ist Simultanität.

Zitat:Sprich: Wenn die gegnerische Armee volle Kampfkraft hat, sich aber an der Front nicht viel tut und stattdessen in Moskau die Lichter ausgehen, dann erreiche ich doch eher ein akzeptables Kriegsende als mit jahrelangem Kampf um den Raum.

Nein, die gegnerische Armee wird auf der Stelle in Strömen von Blut ertränkt, sie wird vernichtet und zugleich gehen in Moskau die Lichter aus. Und dies in kürzester Zeit. Allein die Möglichkeit hierfür würde bereits konventionell derart abschreckend wirken, dass der Krieg dadurch unwahrscheinlicher wird.

Zitat:Wir können den eigenen Raum nicht bis Uralwagonsawod ausdehnen.

Das wichtigste überhaupt sollte die Erkenntnis sein, dass das Ausdehen des eigenen Raumes kein Selbstzweck ist, sondern einem anderen Ziel dient. Das ausdehen des eigenen Raumes dient der Vernichtung der feindlichen Streitkraft. Entsprechend muss der eigene Raum nur solange ausgedehnt werden, bis der Feind durch die Vernichtung seiner Streitkraft wehrlos geworden ist. Das wäre lange bevor der eigene Raum besagten Ort erreicht der Fall. Lange davor. Tatsächlich müsste man gar nicht weit nach Russland vordringen um dies zu bewerkstelligen.

Ganz ohne Durchbruch und ganz ohne den Panzerungeist der Führungsakademie.
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Von einem russischen Z-Blogger auf Telegram mit Kriegserfahrung über Verweilmunition und wie man als Infanterist auf diese reagieren sollte (seiner praktischen Erfahrung nach)

>>>Jedes Zögern bedeutet Tod oder (meist schwere) Verletzung. Jede komplexe Taktik kann man vergessen, alles muss so einfach sein wie möglich. In dem Moment wo jemand Luft oder Drohne schreit oder man selbst das Geräusch hört, hat man gar keine Optionen mehr, sondern nur noch wenige Sekunden.

Es nützt auch rein gar nichts theoretisch zu wissen was man tut, oder es einmal oder wenige Male geübt zu haben, man braucht stattdessen eindeutigen Drill, derjenige überlebt der automatisierte Reflexe hat. Das was die Leute umbringt ist vor allem anderen Zögern. Bereits wenn man eine halbe Sekunde braucht zum zu verstehen und noch eine Sekunde um damit anzufangen zu handeln kann das bereits zu langsam sein. Es muss stattdessen ein vollkommen automatisierter Reflex sein.

Sobald man das Geräusch hört muss man sich sofort schlagartig bewegen. Es geht dann gar nicht darum perfekte Deckung zu finden, sondern bereits auf dem Weg zur nächsten Deckung zu sein, vor allem muss die Sichtlinie oder zumindest die direkte freie Luftlinie (für den Anflug) unterbrochen werden. Das falscheste ist sich nicht zu bewegen und feststellen zu wollen woher die Drohne kommt.

Es macht keinen Sinn gerade wegzusprinten, sondern man sollte dies in einem irrationalen Muster tun, mit seitlicher Bewegung, insbesondere mit Bewegung um Ecken herum. Um eine Hausecke, um einen Baum, um einen Knick im Graben, alles was die Sicht- und die Fluglinie unterbricht. Das wichtigste aber ist niemals in einen Raum oder irgendein Geländeteil zu rennen, welches eine Sackgasse darstellt.

Das ist einer der Hauptfehler der viele dann das Leben kostet. Sie fliehen in eine Deckung, aber ihre Flucht dorthin wurde von der Drohne oder einer anderen Drohne beobachtet. Dem folgend kommt die Drohne oder eine andere Drohnen ihnen nach in die Sackgasse und trifft sie dann dort. Man muss also die Deckung suchen, in welcher man sich weiter bewegen kann. Man sollte also nicht wenn man eine Ecke hinter sich gebracht hat stehen bleiben, sondern sich weiter bewegen, im Idealfall um weitere Ecken herum.

Wenn man in ein Gebäude hinein rennt, sollte man auf keinen Fall in dem Raum bleiben, welchen man als erstes betreten hat. Das ist tödlich. Sehr viele machen diesen Fehler, sie rennen in einen Raum. Dann geschieht erstmal nichts. Sie bleiben in diesem Raum und glauben vielleicht sogar sie könnten den Zugang (Fenster, Türe) gegen die Drohne verteidigen. Das funktioniert nicht. Man muss stattdessen weiter.

Gräben sind kein guter Schutz gegen Drohnen, es sei denn sie wären von oben her gedeckt und sehr verwinkelt. Das schlechteste sind gerade Gräben. Die Ukrainer legen sogar Scheingräben an, nur damit man darin Deckung sucht, damit die Drohnen einen dann in diesem Graben erledigen, weil sie in dem Graben wie auf Schienen ins Ziel fliegen. Darüber hinaus sollte man bedenken, dass Gräben oft vermint oder mit Sprengfallen versehen sind. Die Drohnen werden davon nicht behindert, man selbst aber durchaus. Umgekehrt kann man in Gräben an Knicken und anderen geeigneten Stellen Drohnenfallen oder Drohnensperren einbauen in welchen sich diese dann verfangen, während ein Soldat diese passieren kann.

Während man sich weiter bewegt, ist es auch relevant, die Ebene zu wechseln. Es geht also nicht einfach darum sich zu verstecken, man muss die Drohne regelrecht abhängen. Wenn die Drohne aber schon zu Nahe ist, sollte man noch versuchen sie mit eigenem Feuer herunter zu holen, auch wenn dies meist nicht funktioniert. Am besten sind langläufige Schrotflinten, aber: man muss damit umgehen können. Wenn man einem Soldaten eine solche Flinte in die Hand gibt und ihn einige wenige Male damit üben lässt, ist es reine Glückssache ob er trifft oder nicht. Man könnte dann gleich gut Steine werfen oder Stöcke. Die Schützen mit den Flinten müssen intensiv üben. Man benötigt eigentlich in jeder Gruppe mehrere davon. Diese müssen regelrecht auf das Abschießen der Drohnen spezialisiert werden, und das heißt, sie müssen auch besonders darin trainiert werden zu rennen, das Gelände zu nutzen und sich zu bewegen.

Schallaktive Kopfhörer sind vorteilhaft weil man die Drohne dann eventuell etwas früher schon hört und damit schneller reagieren kann. Tragbare Systeme der elektronischen Kriegsführung haben sich wenig bewährt. Zudem werden die Soldaten welche diese tragen am meisten angegriffen und getroffen. Die Drohnen fliegen oft das letzte Stück dann automatisch oder haben Kabelsteuerung, womit diese Systeme wenig Wirkung haben. Anti-Drohnen-Munition für Sturmgewehre oder MG bringt nur für Spezialisten etwas. Die Schrot-Einsätze für Unterlaufgranatwerfer sind mehr eine psychologische Hilfe als eine wirkliche Abwehr. Für die richtigen Flinten sind lange Läufe, entsprechende Visiere und ebenfalls spezielle Anti-Drohnen-Munition erforderlich. Und eine umfangreiche Ausbildung.

Wenn alle nur durcheinander schießen und alle in Richtung Drohne feuern ist das fast immer wirkungslos. Nur die Spezialisten sollten auf die Drohne schießen, beim Rest ist es einfach nur Lärm und null Ergebnis und Munitionsverschwendung. Die Spezialisten schießen also, der Rest rennt. Absolut wesentlich in diesem Kontext ist, dass Drohnen praktisch nie alleine sind. Es gibt zudem immer reine Beobachtungs-Drohnen welche die anderen Angriffsdrohnen leiten und ihre Resultate beobachten. Man darf daher zum einen nie davon ausgehen, dass man den Angriff endgültig abgewehrt hat und zum anderen nie entspannen wenn die ersten ein oder zwei oder drei Drohnen abgewehrt wurden. Gerade nach einer erfolgreichen Abwehr muss man erst recht die Stellung wechseln, und dies sehr schnell.

Damit man das kann, muss die Ausrüstung leichter werden. Man muss weniger Ausrüstung mitnehmen, man benötigt leichtere Schuhe in denen man schneller rennen kann. Kampfstiefel sind schlecht. Auch in diesem Zusammenhang sollte man bedenken, dass man bei fast jedem Angriff vorher teilweise über längere Zeit beobachtet wurde. Das heißt, der Angriff allein bedeutet, dass man beobachtet wurde und Muster feststellbar waren. Also muss man jedes Muster und jede Gleichförmigkeit vermeiden. Das reicht vom Rauchen bis zum immer gleichen Weg in das eigene Versteck oder die Frage wie man sich bewegt. Alles muss möglichst unvorhersehbar und arythmisch sein.

Daher sollte man immer davon ausgehen, dass man aus der Luft beobachtet wird, auch wenn man gerade keine Geräusche hört. Und sich entsprechend verhalten. Dies setzt vor allem anderen eine durchgehende erhebliche Disziplin voraus. Aber wichtiger noch als jede Tarnung ist die Frage wie man sich bewegt, wann man sich bewegt, wo man sich bewegt. Die Nutzung des Geländes in schneller Bewegung ist elementar. Entsprechend müssen die Soldaten sehr viel ausdauernder sein und mit möglichst geringem Gewicht belastet werden. Denn sie müssen sich längere Zeiträume schnell und arythmisch über größere Distanzen bewegen, wieder und wieder.

Man sollte keine abgestürzten Drohnen anfassen, einsammeln oder sich ihnen nähern. Drohnen sind teilweise mit Sprengfallen gesichert oder der Feind nutzt ein scheinbares Abstürzen oder Landen als Falle um die Drohne dann doch umzusetzen. Vor allem sollte man nicht versuchen selber Drohnen auseinander zu bauen. Das muss spezialisten überlassen werden. Wenn die Drohne kabelgesteuert war, sollte man wenn möglich das Kabel trennen. Man sollte aber grundsätzlich von Drohnen wegbleiben, weil diese nie allein kommen. Die Ukrainer lassen beispielsweise eine Drohne abstürzen und beobachten diese dann. Wenn man dann aus der Deckung kommt um die Drohne zu bergen, wird man von einer anderen Drohne getroffen. Wenn eine Drohne also abstürzt, heißt es erst recht die Sichtlinie zu unterbrechen.>>>
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Und noch ein meiner Meinung nach recht interessantes Fundstück über das Pionierwesen in der Ukraine:

https://www.ukrinform.ua/rubric-ato/4117...k-zsu.html

(ich lass es später noch übersetzen und stell es dann auf deutsch rein - oder ihr übersetzt es euch einfach selbst)
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(01.05.2026, 13:18)Quintus Fabius schrieb: Entsprechend muss der eigene Raum nur solange ausgedehnt werden, bis der Feind durch die Vernichtung seiner Streitkraft wehrlos geworden ist. Das wäre lange bevor der eigene Raum besagten Ort erreicht der Fall. Lange davor. Tatsächlich müsste man gar nicht weit nach Russland vordringen um dies zu bewerkstelligen.

Wie kommst du darauf? Das war im großen nordischen Krieg nicht so, bei Napolen nicht und bei den Nazis nicht. Und jetzt werden die Truppen extrem viel mehr disloziert, also wird es heute noch viel weniger möglich sein, die russischen Truppen vollständig z greifen und zu vernichten ...

(03.05.2026, 21:41)Quintus Fabius schrieb: Von einem russischen Z-Blogger auf Telegram mit Kriegserfahrung über Verweilmunition und wie man als Infanterist auf diese reagieren sollte (seiner praktischen Erfahrung nach)

>>>Jedes Zögern bedeutet Tod oder (meist schwere) Verletzung. Jede komplexe Taktik kann man vergessen, alles muss so einfach sein wie möglich. In dem Moment wo jemand Luft oder Drohne schreit oder man selbst das Geräusch hört, hat man gar keine Optionen mehr, sondern nur noch wenige Sekunden.

Es nützt auch rein gar nichts theoretisch zu wissen was man tut, oder es einmal oder wenige Male geübt zu haben, man braucht stattdessen eindeutigen Drill, derjenige überlebt der automatisierte Reflexe hat. Das was die Leute umbringt ist vor allem anderen Zögern. Bereits wenn man eine halbe Sekunde braucht zum zu verstehen und noch eine Sekunde um damit anzufangen zu handeln kann das bereits zu langsam sein. Es muss stattdessen ein vollkommen automatisierter Reflex sein.

Sobald man das Geräusch hört muss man sich sofort schlagartig bewegen. Es geht dann gar nicht darum perfekte Deckung zu finden, sondern bereits auf dem Weg zur nächsten Deckung zu sein, vor allem muss die Sichtlinie oder zumindest die direkte freie Luftlinie (für den Anflug) unterbrochen werden. Das falscheste ist sich nicht zu bewegen und feststellen zu wollen woher die Drohne kommt.

Es macht keinen Sinn gerade wegzusprinten, sondern man sollte dies in einem irrationalen Muster tun, mit seitlicher Bewegung, insbesondere mit Bewegung um Ecken herum. Um eine Hausecke, um einen Baum, um einen Knick im Graben, alles was die Sicht- und die Fluglinie unterbricht. Das wichtigste aber ist niemals in einen Raum oder irgendein Geländeteil zu rennen, welches eine Sackgasse darstellt.

Das ist einer der Hauptfehler der viele dann das Leben kostet. Sie fliehen in eine Deckung, aber ihre Flucht dorthin wurde von der Drohne oder einer anderen Drohne beobachtet. Dem folgend kommt die Drohne oder eine andere Drohnen ihnen nach in die Sackgasse und trifft sie dann dort. Man muss also die Deckung suchen, in welcher man sich weiter bewegen kann. Man sollte also nicht wenn man eine Ecke hinter sich gebracht hat stehen bleiben, sondern sich weiter bewegen, im Idealfall um weitere Ecken herum.

Wenn man in ein Gebäude hinein rennt, sollte man auf keinen Fall in dem Raum bleiben, welchen man als erstes betreten hat. Das ist tödlich. Sehr viele machen diesen Fehler, sie rennen in einen Raum. Dann geschieht erstmal nichts. Sie bleiben in diesem Raum und glauben vielleicht sogar sie könnten den Zugang (Fenster, Türe) gegen die Drohne verteidigen. Das funktioniert nicht. Man muss stattdessen weiter.

Gräben sind kein guter Schutz gegen Drohnen, es sei denn sie wären von oben her gedeckt und sehr verwinkelt. Das schlechteste sind gerade Gräben. Die Ukrainer legen sogar Scheingräben an, nur damit man darin Deckung sucht, damit die Drohnen einen dann in diesem Graben erledigen, weil sie in dem Graben wie auf Schienen ins Ziel fliegen. Darüber hinaus sollte man bedenken, dass Gräben oft vermint oder mit Sprengfallen versehen sind. Die Drohnen werden davon nicht behindert, man selbst aber durchaus. Umgekehrt kann man in Gräben an Knicken und anderen geeigneten Stellen Drohnenfallen oder Drohnensperren einbauen in welchen sich diese dann verfangen, während ein Soldat diese passieren kann.

Während man sich weiter bewegt, ist es auch relevant, die Ebene zu wechseln. Es geht also nicht einfach darum sich zu verstecken, man muss die Drohne regelrecht abhängen. Wenn die Drohne aber schon zu Nahe ist, sollte man noch versuchen sie mit eigenem Feuer herunter zu holen, auch wenn dies meist nicht funktioniert. Am besten sind langläufige Schrotflinten, aber: man muss damit umgehen können. Wenn man einem Soldaten eine solche Flinte in die Hand gibt und ihn einige wenige Male damit üben lässt, ist es reine Glückssache ob er trifft oder nicht. Man könnte dann gleich gut Steine werfen oder Stöcke. Die Schützen mit den Flinten müssen intensiv üben. Man benötigt eigentlich in jeder Gruppe mehrere davon. Diese müssen regelrecht auf das Abschießen der Drohnen spezialisiert werden, und das heißt, sie müssen auch besonders darin trainiert werden zu rennen, das Gelände zu nutzen und sich zu bewegen.

Schallaktive Kopfhörer sind vorteilhaft weil man die Drohne dann eventuell etwas früher schon hört und damit schneller reagieren kann. Tragbare Systeme der elektronischen Kriegsführung haben sich wenig bewährt. Zudem werden die Soldaten welche diese tragen am meisten angegriffen und getroffen. Die Drohnen fliegen oft das letzte Stück dann automatisch oder haben Kabelsteuerung, womit diese Systeme wenig Wirkung haben. Anti-Drohnen-Munition für Sturmgewehre oder MG bringt nur für Spezialisten etwas. Die Schrot-Einsätze für Unterlaufgranatwerfer sind mehr eine psychologische Hilfe als eine wirkliche Abwehr. Für die richtigen Flinten sind lange Läufe, entsprechende Visiere und ebenfalls spezielle Anti-Drohnen-Munition erforderlich. Und eine umfangreiche Ausbildung.

Wenn alle nur durcheinander schießen und alle in Richtung Drohne feuern ist das fast immer wirkungslos. Nur die Spezialisten sollten auf die Drohne schießen, beim Rest ist es einfach nur Lärm und null Ergebnis und Munitionsverschwendung. Die Spezialisten schießen also, der Rest rennt. Absolut wesentlich in diesem Kontext ist, dass Drohnen praktisch nie alleine sind. Es gibt zudem immer reine Beobachtungs-Drohnen welche die anderen Angriffsdrohnen leiten und ihre Resultate beobachten. Man darf daher zum einen nie davon ausgehen, dass man den Angriff endgültig abgewehrt hat und zum anderen nie entspannen wenn die ersten ein oder zwei oder drei Drohnen abgewehrt wurden. Gerade nach einer erfolgreichen Abwehr muss man erst recht die Stellung wechseln, und dies sehr schnell.

Damit man das kann, muss die Ausrüstung leichter werden. Man muss weniger Ausrüstung mitnehmen, man benötigt leichtere Schuhe in denen man schneller rennen kann. Kampfstiefel sind schlecht. Auch in diesem Zusammenhang sollte man bedenken, dass man bei fast jedem Angriff vorher teilweise über längere Zeit beobachtet wurde. Das heißt, der Angriff allein bedeutet, dass man beobachtet wurde und Muster feststellbar waren. Also muss man jedes Muster und jede Gleichförmigkeit vermeiden. Das reicht vom Rauchen bis zum immer gleichen Weg in das eigene Versteck oder die Frage wie man sich bewegt. Alles muss möglichst unvorhersehbar und arythmisch sein.

Daher sollte man immer davon ausgehen, dass man aus der Luft beobachtet wird, auch wenn man gerade keine Geräusche hört. Und sich entsprechend verhalten. Dies setzt vor allem anderen eine durchgehende erhebliche Disziplin voraus. Aber wichtiger noch als jede Tarnung ist die Frage wie man sich bewegt, wann man sich bewegt, wo man sich bewegt. Die Nutzung des Geländes in schneller Bewegung ist elementar. Entsprechend müssen die Soldaten sehr viel ausdauernder sein und mit möglichst geringem Gewicht belastet werden. Denn sie müssen sich längere Zeiträume schnell und arythmisch über größere Distanzen bewegen, wieder und wieder.

Man sollte keine abgestürzten Drohnen anfassen, einsammeln oder sich ihnen nähern. Drohnen sind teilweise mit Sprengfallen gesichert oder der Feind nutzt ein scheinbares Abstürzen oder Landen als Falle um die Drohne dann doch umzusetzen. Vor allem sollte man nicht versuchen selber Drohnen auseinander zu bauen. Das muss spezialisten überlassen werden. Wenn die Drohne kabelgesteuert war, sollte man wenn möglich das Kabel trennen. Man sollte aber grundsätzlich von Drohnen wegbleiben, weil diese nie allein kommen. Die Ukrainer lassen beispielsweise eine Drohne abstürzen und beobachten diese dann. Wenn man dann aus der Deckung kommt um die Drohne zu bergen, wird man von einer anderen Drohne getroffen. Wenn eine Drohne also abstürzt, heißt es erst recht die Sichtlinie zu unterbrechen.>>>

Hm ... Nebelgranate an Asbesthandschuh fixieren und bei Drohnenalarm zünden und beim Wegrennen weiter in der Hand halten?
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LieberTee:

Zitat:Das war im großen nordischen Krieg nicht so, bei Napolen nicht und bei den Nazis nicht. Und jetzt werden die Truppen extrem viel mehr disloziert, also wird es heute noch viel weniger möglich sein, die russischen Truppen vollständig zu greifen und zu vernichten ...

Zunächst einmal muss man festlegen, was der Zweck dieses Krieges ist, also was die schlussendlilch politisch-strategische Absicht darstellt. Der Zweck des Krieges gegen Russland kann (aktuell) nur sein, 1. zu verhindern, dass Russland EU Gebiet besetzt, 2. kriegerische Handlungen der Russen gegen die EU zu unterbinden, 3. den Krieg so schnell wie möglich zu beenden und ihn so kurz wie möglich zu halten und 4. die Wahrscheinlichkeit für eine nukleare Eskalation so gering wie möglich zu halten.

Gerade für den konventionellen Krieg ist es in diesem Kontext daher vor allem anderen erforderlich, diesen so schnell wie möglich zu einem Ende zu bringen. Das ist der Zweck. Sowohl die Schweden als auch die Franzosen als auch die Nationalsozialisten hatten hingegen völlig andere Absichten, item sind diese Vergleiche allein schon deswegen falsch.

Daraus folgt im weiteren, dass russische Bodentruppen im Ural oder in Sibirien oder sonstwo irrelevant sind. Denn diese besetzen kein EU Gebiet, können dieses nicht angreifen, können keine kriegerischen Handlungen gegen EU Gebiet vornehmen etc. Folglicherweise ist es eben nicht das Ziel des Krieges diese Truppen zu vernichten, sondern die Truppen welche im Kontext des Zweck relevant sind. Und dies so schnell und so weitgehend wie möglich.

Ganz einfach und praktisch gesagt: wir vernichten die russischen Truppen im Westen Russland und stoßen dazu etwaig auf (vorübergehend!) auf russisches Gebiet vor, besetzen etwaig Weißrussland, aber die Ausdehnung des eigenen Raumes über russische Einheiten ist eine temporäre. Das heißt sie dient nur dem Ziel des Krieges, um durch dieses den Zweck des Krieges zu verwirklichen. Das heißt auch, dass man zwar durchaus begrenzt nach Russland vordringt, aber dies bereits mit der klaren und eindeutigen und absolut glaubhaften Zusicherung, dass man sich danach sofort wieder zurück zieht.

Der eigene Raum wird also nur so weit ausgedehnt, der umkämpfte Raum nur so weit nach Russland hinein vorgeschoben, wie dies erforderlich ist, um die genannten 4 Aspekte zu erfüllen. Daher werden die russischen Truppen welche unmittelbar für EU Gebiet ein Problem darstellen vernichtet - dem folgend aber geht man am Boden in die strategische Defensive, denn es gibt für die Offensive in russisches Gebiet hinein dann keinerlei Grund mehr, sie wäre Sinnlos.

Nun kommt das Gegenargument, dass die Russen dann ja Truppen erneut heran führen können. Theoretisch ja, aber das stellt kein Problem dar. Diese Truppen werden, wenn sie in den Westen gelangen einfach ebenso vernichtet. Stehen sie aber nicht im Westen sind sie irrelevant.

Und der Rest des Krieges spielt auf der strategischen Ebene - mit dem Schlagabtausch durch Systeme großer Reichweite und mittels der Luftwaffe sowie die vielfältigen ergänzenden Maßnahmen von Blockaden über Cyberangriffe bis hin zu entsprechenden klandestinen Operationen.

Der konventionelle Part am Boden aber spielt sich im Westen ab, praktisch gesehen in Grenznähe. Denn wenn wir hier gleich im Auftakt die russischen Bodentruppen dort vernichten, kann Russland am Boden keine Verhandlungsmasse durch die Besetzung von EU Gebiet generieren und stellt es am Boden im weiteren kein Problem für uns dar.

Beschließend zu deiner Aussage, dass man die Truppen wegen der Größe des Raumes und der stärkeren Dislozierung nicht greifen und daher nicht vernichten könnte: Das ist grundfalsch. Wenn wir den eigenen Raum über die feindlichen (stark dislozierten) Truppen hinweg ausgedehnt haben, dann fallen diese der Vernichtung anheim, völlig gleich ob sie stark disloziert sind oder nicht. Die technischen Mittel hierfür sind da. Es spielt dann keine Rolle mehr, ob sich irgendwelche verstreute Infanterie im Gelände verteilt, sie wird in dem Moment wo das Gebiet in welchem sie sitzt eigener Raum ist (im Sinne meiner Definition) aufgeklärt und vernichtet. Ebenso entfällt das was früher die russische Stärke war, der Rückzug in die Tiefe des eigenen Raumes. Truppen die sich heute zurückziehen, bewegen, werden aufgeklärt und vernichtet, und dies bereits im Bereich des umkämpften Raumes. Wenn die Russen also merken, dass ihnen die Kontrolle entgleitet und dem folgend sich zurückziehen, so erhöht das ihre Verluste und führt die Vernichtung ihrer Einheiten nur umso schneller herbei.

Der Rückzug ist übrigens im heutigen modernen Krieg inzwischen das allerschwierigste. Entweder leitet man ihn sehr früh ein (zu früh!) oder er wird extrem mühsam und verlustreich, gerade eben weil die Umstände Einheiten die sich zurückziehen mehr gefährden als jemals zuvor in der Kriegsgeschichte. Aus diesem Grund ist auch die Verzögerung heute meiner Meinung nach sehr viel schwieriger als früher und teilweise als Methode fragwürdig.

Die Umstände sind heute eben andere als früher. Das ist der entscheidende Punkt.
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