Luftkrieg im 21. Jahrhundert
Die neue Variante der MQ-28 wurde vorgestellt:
Zitat:Boeing Details New MQ-28 Ghost Bat Features, Eyes Indo-Pacific Sales

As the MQ-28A Ghost Bat drone heads toward operational capability with its launch customer, Australia, Boeing has provided details about the changes incorporated in the upcoming Block 3 version. The company also says it’s pursuing sales for the MQ-28 elsewhere in the Indo-Pacific region, specifically.

An update on the MQ-28 was provided by Glen Ferguson, the program director, speaking to the media at this week’s Singapore Airshow. In attendance was TWZ contributor Roy Choo.
https://www.twz.com/air/boeing-details-n...ific-sales

Schneemann
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Radarüberwachung und Luftverteidigung (O. Dujardin)
Lettrevigie (französisch)
Wie der Drohnenkrieg die Erkennungsarchitekturen in Frage stellt
[Bild: https://storage.ghost.io/c/f5/8a/f58a0dc...-truit.jpg]
Gastautor
19. April 2026, 21:07 Uhr, 7 Min. Lesezeit
Die Konflikte in der Ukraine und am Persischen Golf verdeutlichen eine taktische Realität. Radarerkennungsinfrastrukturen, die Säulen jeder Luftverteidigung, sind bevorzugte Ziele: feststehend, sichtbar und in Reichweite kostengünstiger Drohnen. Diese strukturelle Verwundbarkeit erfordert eine tiefgreifende Überarbeitung der Doktrinen zum Schutz des Luftraums.

1. Die strukturelle Verwundbarkeit von Radarstandorten
Fernüberwachungs- und Raketenabwehrradare weisen eine entscheidende operative Einschränkung auf. Sie sind naturgemäß ortsfeste oder kaum mobile Anlagen. Ihre Positionierung resultiert aus präzisen topografischen Untersuchungen – Gipfel, offene Hochebenen, Gebiete ohne Sichtbehinderungen durch Gelände oder Bebauung –, die die elektromagnetische Abdeckung optimieren, aber geografische Einschränkungen mit sich bringen.
[Bild: https://storage.ghost.io/c/f5/8a/f58a0dc...-Qatar.jpg]
Google Earth-Bild des Radars AN/FPS-132 in Katar
Zu dieser physischen Einschränkung kommen ihre permanente elektromagnetische Signatur im Betrieb sowie ihre Sichtbarkeit auf Satellitenbildern hinzu. Geräte wie das AN/FPS-132 (Frühwarnradar), das AN/TPY-2 (Radar zur Verfolgung ballistischer Raketen) oder das AN/FPS-117 (Luftüberwachungsradar) konnten somit von den iranischen Streitkräften ohne vorherige externe Informationen lokalisiert und ins Visier genommen werden, wobei eine einfache Abfrage von Google Earth ausreichte, um ihre Positionen zu identifizieren.
[Bild: https://storage.ghost.io/c/f5/8a/f58a0dc...ruit-1.jpg]
AN/TPY-2-Radar durch einen iranischen Angriff zerstört
Das Gleiche gilt für russische und ukrainische Radaranlagen. Der Angriff auf das ballistische Frühwarnradar Voronezh-DM in der Nähe von Armavir, das am 23. Mai 2024 von einer mit einer Rakete bestückten ukrainischen Drohne getroffen wurde, veranschaulicht diese Realität perfekt: Eine strategisch wichtige Anlage, die zum Schutz des russischen Territoriums vor interkontinentalen ballistischen Angriffen konzipiert war, wurde durch ein relativ einfaches Fluggerät beschädigt. Die Liste der in beiden Konflikten zerstörten oder beschädigten Radaranlagen ist mittlerweile lang und durch zahlreiche Videos dokumentiert.

Ein weiterer Punkt: Die Unbeweglichkeit ist nicht nur geografischer Natur. Sie ist auch doktrinär bedingt: Diese Anlagen wurden für Kommandostrukturen konzipiert, eingesetzt und integriert, die auf konventionelle Bedrohungen in großer Höhe ausgelegt sind, nicht auf Drohnen mit geringer Radarsignatur, die in Bodennähe fliegen.

2. Operative Auswirkungen: die Verschlechterung der Luftsituation
Die Zerstörung oder Ausschaltung von Radarstationen hat eine unmittelbare und messbare Folge: den Verlust der Kontrolle über die Luftsituation in den betroffenen Sektoren. Im Zusammenhang mit den iranischen Angriffen auf amerikanische und israelische Infrastrukturen im Golfgebiet könnte diese Verschlechterung das Eindringen bestimmter Raketen erleichtert haben, die später als erwartet entdeckt wurden.

Die Gesamtauswirkungen konnten jedoch dank der Verfügbarkeit von Ausgleichsmaßnahmen begrenzt werden:
AEGIS-Kreuzer: Ausgestattet mit dem Radar AN/SPY-1 (oder SPY-6 in den neuesten Versionen) stellen diese Schiffe eine beträchtliche bordgestützte Erkennungskapazität dar, die mobil und bei einem Erstschlag schwer auszuschalten ist.
AWACS- und E-2D-Hawkeye-Radarflugzeuge: Zusätzliche Maschinen wurden aus den Vereinigten Staaten entsandt, um die Lücken in der bodengestützten Erkennung zu schließen. Diese Verstärkung zeugt implizit vom Ausmaß der Verluste bei den bodengestützten Radaranlagen.

Allerdings weist dieses Ausgleichssystem offensichtliche strukturelle Grenzen auf. Die Flotten der Radarflugzeuge sind zahlenmäßig begrenzt und unterliegen Wartungs- und Besatzungsrotationsauflagen, die mit einem längeren Einsatz unvereinbar sind. Diese Luftplattformen bleiben zudem verwundbar, insbesondere am Boden, wie die Zerstörung eines amerikanischen AWACS in Saudi-Arabien zeigt. Die Präsenz der US-Marine in der Region ist per Definition vorübergehend. Mittelfristig wird die Zerstörung der fest installierten Bodenradare die Erkennungsfähigkeiten der Golfstaaten nachhaltig beeinträchtigen, ohne dass bereits dauerhafte Lösungen vorhanden sind.
[Bild: https://storage.ghost.io/c/f5/8a/f58a0dc...-truit.jpg]
E-3 AWACS der US-Luftwaffe auf dem Stützpunkt Prince Sultan zerstört

3. Die stille Revolution der bewaffneten Drohne: das Ende der strategischen Tiefe durch Entfernung
Jahrzehntelang wurde strategische Tiefe in Kilometern gemessen. Ein Radar, das 200 km hinter der Front positioniert war, galt als relativ geschützt: Nur wenige konventionelle Waffen konnten diese Entfernung erreichen, und diejenigen, die dazu in der Lage waren – Marschflugkörper, ballistische Raketen – stellten eine erhebliche finanzielle und logistische Investition dar, was die Anzahl der möglichen Angriffe automatisch begrenzte.

Diese Gleichung hat sich grundlegend gewandelt. Eine mit Raketen bestückte Langstrecken-Drohne kann heute:
— mehrere hundert bis mehrere tausend Kilometer auf einer Flugbahn in geringer Höhe zurücklegen und so der Radarerkennung entgehen;
— Bodenausrüstung mit metrischer Präzision treffen;
— und das bei Stückkosten in der Größenordnung von 15.000 bis 30.000 Euro, gegenüber mehreren Millionen für einen konventionellen Marschflugkörper.

Das Kosten-Nutzen-Verhältnis ist daher radikal asymmetrisch: Ein AN/TPY-2-Radar stellt eine Investition von mehreren hundert Millionen Dollar dar; die Drohne, die es außer Gefecht setzen kann, kostet weniger als 20.000 Euro. Diese wirtschaftliche Asymmetrie verändert die Logik der Verteidigungsinvestitionen grundlegend und zwingt dazu, den Begriff der strategischen Tiefe selbst zu überdenken, der sich nicht mehr allein über die Entfernung zur Front definieren lässt.

Beispiel: Die Radarüberwachung des französischen Luftraums über dem Mutterland stützt sich auf weniger als fünfzehn Standorte. Im Falle eines hochintensiven Konflikts wären diese Standorte die vorrangigen Ziele einer ersten Angriffswelle – durch Marschflugkörper und/oder Langstrecken-Drohnen. Ihr individueller Schutz durch Kurzstrecken-Boden-Luft-Systeme wäre durch einen entschlossenen Angreifer schnell überfordert.

4. Historische Lehren: die serbische Doktrin und das sowjetische Erbe
Die Widerstandsfähigkeit gegenüber dieser Bedrohung ist kein neues Problem. Zwei historische Beispiele bieten relevante doktrinäre Pisten.

Der Kosovo-Krieg (1999): die serbische Taktik des Radarüberlebens. Da die serbische Luftabwehr nur über alte sowjetische Radarsysteme verfügte – technisch veraltet, aber ausreichend mobil –, entwickelte sie eine besonders effektive Taktik des diskontinuierlichen und nomadischen Betriebs.

Jedes Radarsystem wurde nur für einige Dutzend Minuten in Betrieb genommen, eine Zeitspanne, die für die Ortung und die Durchführung eines Angriffs durch die NATO-Streitkräfte nicht ausreichte. Anschließend wurde der Standort geräumt, bevor ein anderes Radar an einer anderen Position die Aufgabe übernahm. Die Koordination erfolgte über das Festnetz, eine bewusste Entscheidung, um jegliche Erkennung durch elektromagnetische Strahlung zu vermeiden und der elektronischen Störung zu widerstehen. Das gesamte System wurde in einer einzigen Luftverteidigungs-Kommandozentrale zentralisiert.

Dieses System, ein direktes Erbe der sowjetischen Doktrin (die leichte, modulare und mobile Strukturen für ihre Radaranlagen bevorzugte), ermöglichte es Serbien, trotz einer Kampagne zur Unterdrückung der feindlichen Luftabwehr (SEAD) durch eine der mächtigsten Koalitionen der jüngeren Geschichte eine nahezu lückenlose Luftüberwachung aufrechtzuerhalten.

Der Vietnamkrieg: Eine lokalisierte und dezentrale Anwendung ähnlicher Prinzipien hatte es den nordvietnamesischen Streitkräften bereits ermöglicht, zahlreiche amerikanische Maschinen abzuschießen, obwohl sie keine systematische Abdeckung ihres Territoriums hatten. Die wichtigste Lehre daraus ist, dass Mobilität und ein striktes Management der Funkemissionen eine wirksame Antwort auf die technologische Überlegenheit des Gegners darstellen.

5. Doktrinäre Empfehlungen: hin zu einer widerstandsfähigen Radararchitektur
Die Erfahrungen der Ukraine, Russlands, Israels und der USA lassen sich auf eine Reihe von Prinzipien zurückführen, die westliche Doktrinen schnell integrieren sollten.

a) Vorrang für die Mobilität taktischer und operativer Erkennungssysteme
Zukünftige Anschaffungen von operativen und taktischen Überwachungsradarsystemen müssen systematisch das Kriterium der tatsächlichen Mobilität berücksichtigen, nicht der theoretischen, wie bei bestimmten Systemen, die als „transportabel“ dargestellt werden, deren Aufstellung jedoch mehrere Tage in Anspruch nimmt. Potenzielle Einsatzgebiete müssen in Friedenszeiten identifiziert, kartografiert und vorbereitet werden, damit der Standortwechsel unter operativen Zwängen schnell und durchführbar ist.

b) Einführung einer Doktrin der diskontinuierlichen und durchdachten Sendetätigkeit
Der Dauerbetrieb eines Radars stellt an sich schon eine Schwachstelle dar. Eine Doktrin der intermittierenden Sendetätigkeit – basierend auf dem Wechsel zwischen aktiven Standorten, einer zentralisierten Koordination und einer strengen Verwaltung der Sendefenster – würde es ermöglichen, die Zielerfassung durch den Gegner erheblich zu erschweren und gleichzeitig eine akzeptable Gesamtabdeckung aufrechtzuerhalten.

c) Den punktuellen Schutz der Standorte durch Kurzstrecken-Anti-Drohnen-Systeme verstärken
Selbst ein mobiles Radar muss über einen Mindestschutz gegen opportunistische Drohnen verfügen. Anti-Drohnen-Abwehrsysteme mit sehr kurzer Reichweite (Störsender, Täuschkörper, leichte kinetische Systeme) müssen jeden Einsatz begleiten. Dieser punktuelle Schutz soll keinen massiven Angriff abwehren, sondern darauf abzielen, einzelne Drohnen zu neutralisieren, die zu Aufklärungszwecken oder für Gelegenheitsangriffe eingesetzt werden.

d) Festgelegte Standorte absichern
Bestimmte Radarsysteme, insbesondere bodengestützte Langstrecken-Raketenabwehrradare, lassen sich naturgemäß nicht mobilisieren. Für diese Anlagen muss die Lösung in einer physischen Absicherung (verstärkte Schutzräume, Antennenredundanz, Schnellreparatursysteme) und einem mehrschichtigen Boden-Luft-Schutzsystem bestehen, das in der Lage ist, gleichzeitig der Drohnen- und der Raketenbedrohung zu begegnen.

e) Einbeziehung der Erkenntnisse in das gesamte Boden-Luft-Verteidigungssystem
Dieser Ansatz muss sich auf die Waffensysteme selbst erstrecken, ähnlich wie es die Ukrainer und Russen mit ihren S-300-, S-400-, SAMP/T- oder Patriot-Systemen tun: erhöhte Mobilität, häufige Positionswechsel, striktes Management der Radarsignale der Waffensysteme. Der Schutz der Abschussvorrichtungen hängt ebenso von ihrer Unauffälligkeit wie von ihrer Einsatzweise ab.

Fazit
Die in der Ukraine, in Russland und am Golf beobachteten Zerstörungen von Radaranlagen sind keine Anekdoten, die nur für Randkonflikte gelten. Sie sind eine Warnmeldung für einen tiefgreifenden doktrinären Wandel, der auf jeden Einsatzraum anwendbar ist, einschließlich Westeuropas.

Es ist auffällig, dass weder die Vereinigten Staaten noch Israel, obwohl sie seit 2022 kontinuierlich von den Erfahrungen der Ukraine profitieren, die Zerstörung ihrer eigenen Erkennungssysteme wirksam verhindern konnten. Dies zeugt von der Schwierigkeit, operative Lehren rasch in doktrinäre und kapazitätsbezogene Anpassungen umzusetzen.

Die Kontrolle des Luftraums beruht nicht mehr allein auf der Leistungsfähigkeit der eingesetzten Systeme, sondern auf ihrer Fähigkeit, einen ersten neutralisierenden Angriff zu überstehen. Mobilität, diskontinuierliche Signalübertragung, mehrschichtiger Schutz und die Absicherung unverzichtbarer Standorte bilden nun die Säulen einer widerstandsfähigen Erkennungsarchitektur, bis ergänzende Erkennungslösungen auf Basis von Drohnen, Satelliten oder Ballons zur Verfügung stehen. Nur so kann die Kontrolle über den Luftraum in den hochintensiven Konflikten des 21. Jahrhunderts aufrechterhalten werden.
O. Dujardin
Zitieren
(28.04.2026, 15:43)voyageur schrieb: Radarüberwachung und Luftverteidigung (O. Dujardin)
Lettrevigie (französisch)
Wie der Drohnenkrieg die Erkennungsarchitekturen in Frage stellt
[Bild: https://storage.ghost.io/c/f5/8a/f58a0dc...-truit.jpg]
Gastautor
19. April 2026, 21:07 Uhr, 7 Min. Lesezeit
Die Konflikte in der Ukraine und am Persischen Golf verdeutlichen eine taktische Realität. Radarerkennungsinfrastrukturen, die Säulen jeder Luftverteidigung, sind bevorzugte Ziele: feststehend, sichtbar und in Reichweite kostengünstiger Drohnen. Diese strukturelle Verwundbarkeit erfordert eine tiefgreifende Überarbeitung der Doktrinen zum Schutz des Luftraums.

1. Die strukturelle Verwundbarkeit von Radarstandorten
Fernüberwachungs- und Raketenabwehrradare weisen eine entscheidende operative Einschränkung auf. Sie sind naturgemäß ortsfeste oder kaum mobile Anlagen. Ihre Positionierung resultiert aus präzisen topografischen Untersuchungen – Gipfel, offene Hochebenen, Gebiete ohne Sichtbehinderungen durch Gelände oder Bebauung –, die die elektromagnetische Abdeckung optimieren, aber geografische Einschränkungen mit sich bringen.
[Bild: https://storage.ghost.io/c/f5/8a/f58a0dc...-Qatar.jpg]
Google Earth-Bild des Radars AN/FPS-132 in Katar
Zu dieser physischen Einschränkung kommen ihre permanente elektromagnetische Signatur im Betrieb sowie ihre Sichtbarkeit auf Satellitenbildern hinzu. Geräte wie das AN/FPS-132 (Frühwarnradar), das AN/TPY-2 (Radar zur Verfolgung ballistischer Raketen) oder das AN/FPS-117 (Luftüberwachungsradar) konnten somit von den iranischen Streitkräften ohne vorherige externe Informationen lokalisiert und ins Visier genommen werden, wobei eine einfache Abfrage von Google Earth ausreichte, um ihre Positionen zu identifizieren.
[Bild: https://storage.ghost.io/c/f5/8a/f58a0dc...ruit-1.jpg]
AN/TPY-2-Radar durch einen iranischen Angriff zerstört
Das Gleiche gilt für russische und ukrainische Radaranlagen. Der Angriff auf das ballistische Frühwarnradar Voronezh-DM in der Nähe von Armavir, das am 23. Mai 2024 von einer mit einer Rakete bestückten ukrainischen Drohne getroffen wurde, veranschaulicht diese Realität perfekt: Eine strategisch wichtige Anlage, die zum Schutz des russischen Territoriums vor interkontinentalen ballistischen Angriffen konzipiert war, wurde durch ein relativ einfaches Fluggerät beschädigt. Die Liste der in beiden Konflikten zerstörten oder beschädigten Radaranlagen ist mittlerweile lang und durch zahlreiche Videos dokumentiert.

Ein weiterer Punkt: Die Unbeweglichkeit ist nicht nur geografischer Natur. Sie ist auch doktrinär bedingt: Diese Anlagen wurden für Kommandostrukturen konzipiert, eingesetzt und integriert, die auf konventionelle Bedrohungen in großer Höhe ausgelegt sind, nicht auf Drohnen mit geringer Radarsignatur, die in Bodennähe fliegen.

2. Operative Auswirkungen: die Verschlechterung der Luftsituation
Die Zerstörung oder Ausschaltung von Radarstationen hat eine unmittelbare und messbare Folge: den Verlust der Kontrolle über die Luftsituation in den betroffenen Sektoren. Im Zusammenhang mit den iranischen Angriffen auf amerikanische und israelische Infrastrukturen im Golfgebiet könnte diese Verschlechterung das Eindringen bestimmter Raketen erleichtert haben, die später als erwartet entdeckt wurden.

Die Gesamtauswirkungen konnten jedoch dank der Verfügbarkeit von Ausgleichsmaßnahmen begrenzt werden:
AEGIS-Kreuzer: Ausgestattet mit dem Radar AN/SPY-1 (oder SPY-6 in den neuesten Versionen) stellen diese Schiffe eine beträchtliche bordgestützte Erkennungskapazität dar, die mobil und bei einem Erstschlag schwer auszuschalten ist.
AWACS- und E-2D-Hawkeye-Radarflugzeuge: Zusätzliche Maschinen wurden aus den Vereinigten Staaten entsandt, um die Lücken in der bodengestützten Erkennung zu schließen. Diese Verstärkung zeugt implizit vom Ausmaß der Verluste bei den bodengestützten Radaranlagen.

Allerdings weist dieses Ausgleichssystem offensichtliche strukturelle Grenzen auf. Die Flotten der Radarflugzeuge sind zahlenmäßig begrenzt und unterliegen Wartungs- und Besatzungsrotationsauflagen, die mit einem längeren Einsatz unvereinbar sind. Diese Luftplattformen bleiben zudem verwundbar, insbesondere am Boden, wie die Zerstörung eines amerikanischen AWACS in Saudi-Arabien zeigt. Die Präsenz der US-Marine in der Region ist per Definition vorübergehend. Mittelfristig wird die Zerstörung der fest installierten Bodenradare die Erkennungsfähigkeiten der Golfstaaten nachhaltig beeinträchtigen, ohne dass bereits dauerhafte Lösungen vorhanden sind.
[Bild: https://storage.ghost.io/c/f5/8a/f58a0dc...-truit.jpg]
E-3 AWACS der US-Luftwaffe auf dem Stützpunkt Prince Sultan zerstört

3. Die stille Revolution der bewaffneten Drohne: das Ende der strategischen Tiefe durch Entfernung
Jahrzehntelang wurde strategische Tiefe in Kilometern gemessen. Ein Radar, das 200 km hinter der Front positioniert war, galt als relativ geschützt: Nur wenige konventionelle Waffen konnten diese Entfernung erreichen, und diejenigen, die dazu in der Lage waren – Marschflugkörper, ballistische Raketen – stellten eine erhebliche finanzielle und logistische Investition dar, was die Anzahl der möglichen Angriffe automatisch begrenzte.

Diese Gleichung hat sich grundlegend gewandelt. Eine mit Raketen bestückte Langstrecken-Drohne kann heute:
— mehrere hundert bis mehrere tausend Kilometer auf einer Flugbahn in geringer Höhe zurücklegen und so der Radarerkennung entgehen;
— Bodenausrüstung mit metrischer Präzision treffen;
— und das bei Stückkosten in der Größenordnung von 15.000 bis 30.000 Euro, gegenüber mehreren Millionen für einen konventionellen Marschflugkörper.

Das Kosten-Nutzen-Verhältnis ist daher radikal asymmetrisch: Ein AN/TPY-2-Radar stellt eine Investition von mehreren hundert Millionen Dollar dar; die Drohne, die es außer Gefecht setzen kann, kostet weniger als 20.000 Euro. Diese wirtschaftliche Asymmetrie verändert die Logik der Verteidigungsinvestitionen grundlegend und zwingt dazu, den Begriff der strategischen Tiefe selbst zu überdenken, der sich nicht mehr allein über die Entfernung zur Front definieren lässt.

Beispiel: Die Radarüberwachung des französischen Luftraums über dem Mutterland stützt sich auf weniger als fünfzehn Standorte. Im Falle eines hochintensiven Konflikts wären diese Standorte die vorrangigen Ziele einer ersten Angriffswelle – durch Marschflugkörper und/oder Langstrecken-Drohnen. Ihr individueller Schutz durch Kurzstrecken-Boden-Luft-Systeme wäre durch einen entschlossenen Angreifer schnell überfordert.

4. Historische Lehren: die serbische Doktrin und das sowjetische Erbe
Die Widerstandsfähigkeit gegenüber dieser Bedrohung ist kein neues Problem. Zwei historische Beispiele bieten relevante doktrinäre Pisten.

Der Kosovo-Krieg (1999): die serbische Taktik des Radarüberlebens. Da die serbische Luftabwehr nur über alte sowjetische Radarsysteme verfügte – technisch veraltet, aber ausreichend mobil –, entwickelte sie eine besonders effektive Taktik des diskontinuierlichen und nomadischen Betriebs.

Jedes Radarsystem wurde nur für einige Dutzend Minuten in Betrieb genommen, eine Zeitspanne, die für die Ortung und die Durchführung eines Angriffs durch die NATO-Streitkräfte nicht ausreichte. Anschließend wurde der Standort geräumt, bevor ein anderes Radar an einer anderen Position die Aufgabe übernahm. Die Koordination erfolgte über das Festnetz, eine bewusste Entscheidung, um jegliche Erkennung durch elektromagnetische Strahlung zu vermeiden und der elektronischen Störung zu widerstehen. Das gesamte System wurde in einer einzigen Luftverteidigungs-Kommandozentrale zentralisiert.

Dieses System, ein direktes Erbe der sowjetischen Doktrin (die leichte, modulare und mobile Strukturen für ihre Radaranlagen bevorzugte), ermöglichte es Serbien, trotz einer Kampagne zur Unterdrückung der feindlichen Luftabwehr (SEAD) durch eine der mächtigsten Koalitionen der jüngeren Geschichte eine nahezu lückenlose Luftüberwachung aufrechtzuerhalten.

Der Vietnamkrieg: Eine lokalisierte und dezentrale Anwendung ähnlicher Prinzipien hatte es den nordvietnamesischen Streitkräften bereits ermöglicht, zahlreiche amerikanische Maschinen abzuschießen, obwohl sie keine systematische Abdeckung ihres Territoriums hatten. Die wichtigste Lehre daraus ist, dass Mobilität und ein striktes Management der Funkemissionen eine wirksame Antwort auf die technologische Überlegenheit des Gegners darstellen.

5. Doktrinäre Empfehlungen: hin zu einer widerstandsfähigen Radararchitektur
Die Erfahrungen der Ukraine, Russlands, Israels und der USA lassen sich auf eine Reihe von Prinzipien zurückführen, die westliche Doktrinen schnell integrieren sollten.

a) Vorrang für die Mobilität taktischer und operativer Erkennungssysteme
Zukünftige Anschaffungen von operativen und taktischen Überwachungsradarsystemen müssen systematisch das Kriterium der tatsächlichen Mobilität berücksichtigen, nicht der theoretischen, wie bei bestimmten Systemen, die als „transportabel“ dargestellt werden, deren Aufstellung jedoch mehrere Tage in Anspruch nimmt. Potenzielle Einsatzgebiete müssen in Friedenszeiten identifiziert, kartografiert und vorbereitet werden, damit der Standortwechsel unter operativen Zwängen schnell und durchführbar ist.

b) Einführung einer Doktrin der diskontinuierlichen und durchdachten Sendetätigkeit
Der Dauerbetrieb eines Radars stellt an sich schon eine Schwachstelle dar. Eine Doktrin der intermittierenden Sendetätigkeit – basierend auf dem Wechsel zwischen aktiven Standorten, einer zentralisierten Koordination und einer strengen Verwaltung der Sendefenster – würde es ermöglichen, die Zielerfassung durch den Gegner erheblich zu erschweren und gleichzeitig eine akzeptable Gesamtabdeckung aufrechtzuerhalten.

c) Den punktuellen Schutz der Standorte durch Kurzstrecken-Anti-Drohnen-Systeme verstärken
Selbst ein mobiles Radar muss über einen Mindestschutz gegen opportunistische Drohnen verfügen. Anti-Drohnen-Abwehrsysteme mit sehr kurzer Reichweite (Störsender, Täuschkörper, leichte kinetische Systeme) müssen jeden Einsatz begleiten. Dieser punktuelle Schutz soll keinen massiven Angriff abwehren, sondern darauf abzielen, einzelne Drohnen zu neutralisieren, die zu Aufklärungszwecken oder für Gelegenheitsangriffe eingesetzt werden.

d) Festgelegte Standorte absichern
Bestimmte Radarsysteme, insbesondere bodengestützte Langstrecken-Raketenabwehrradare, lassen sich naturgemäß nicht mobilisieren. Für diese Anlagen muss die Lösung in einer physischen Absicherung (verstärkte Schutzräume, Antennenredundanz, Schnellreparatursysteme) und einem mehrschichtigen Boden-Luft-Schutzsystem bestehen, das in der Lage ist, gleichzeitig der Drohnen- und der Raketenbedrohung zu begegnen.

e) Einbeziehung der Erkenntnisse in das gesamte Boden-Luft-Verteidigungssystem
Dieser Ansatz muss sich auf die Waffensysteme selbst erstrecken, ähnlich wie es die Ukrainer und Russen mit ihren S-300-, S-400-, SAMP/T- oder Patriot-Systemen tun: erhöhte Mobilität, häufige Positionswechsel, striktes Management der Radarsignale der Waffensysteme. Der Schutz der Abschussvorrichtungen hängt ebenso von ihrer Unauffälligkeit wie von ihrer Einsatzweise ab.

Fazit
Die in der Ukraine, in Russland und am Golf beobachteten Zerstörungen von Radaranlagen sind keine Anekdoten, die nur für Randkonflikte gelten. Sie sind eine Warnmeldung für einen tiefgreifenden doktrinären Wandel, der auf jeden Einsatzraum anwendbar ist, einschließlich Westeuropas.

Es ist auffällig, dass weder die Vereinigten Staaten noch Israel, obwohl sie seit 2022 kontinuierlich von den Erfahrungen der Ukraine profitieren, die Zerstörung ihrer eigenen Erkennungssysteme wirksam verhindern konnten. Dies zeugt von der Schwierigkeit, operative Lehren rasch in doktrinäre und kapazitätsbezogene Anpassungen umzusetzen.

Die Kontrolle des Luftraums beruht nicht mehr allein auf der Leistungsfähigkeit der eingesetzten Systeme, sondern auf ihrer Fähigkeit, einen ersten neutralisierenden Angriff zu überstehen. Mobilität, diskontinuierliche Signalübertragung, mehrschichtiger Schutz und die Absicherung unverzichtbarer Standorte bilden nun die Säulen einer widerstandsfähigen Erkennungsarchitektur, bis ergänzende Erkennungslösungen auf Basis von Drohnen, Satelliten oder Ballons zur Verfügung stehen. Nur so kann die Kontrolle über den Luftraum in den hochintensiven Konflikten des 21. Jahrhunderts aufrechterhalten werden.
O. Dujardin

Wow ... ja, und was heißt das jetzt andersrum für uns, falls die Russen ebenfalls lernen sollten, ihre Radaranlagen so wie die Serben besser zu schützen? Wird dann Stealth Grundbedingung? Oder ist in diesem Szenario Jamming wichtiger? Oder müssen wir dann eine höhere Verlustrate einfach einkalkulieren?
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