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Aserbaidschan (und Türkei) vs. Iran - Kongo Erich - 07.03.2026 Aserbaidschan hat seine Truppen wegen möglicher Angriffe des Iran auf sein Territorium mobilisiert. Zitat:Drohnenvorfall in Aserbaidschan: Iran-Krieg erreicht den SüdkaukasusBereits vorher hatte es fälschlich geheißen, dass der Iran eine Rakete in Richtung des (von den USA genutzten) türkischen NATO-Stützpunkte geschossen habe Zitat:Türkei schiesst iranische Rakete ab Zitat:Abschuss einer iranischen Rakete auf die Türkei alarmiert die NATO Nun steht - wie wir seit der letzten Auseinandersetzung zwischen Armenien und Aserbaidschan wissen - der turksprachige Staat am Kaspischen Meer unter dem Schutzmantel der Türkei. Genauso wie Nordzypern, wo die Türkei wohl auch Kampfflugzeuge stationieren wird: Zitat:Drohneneinschlag auf Stützpunkt Da könnte sich im Schatten der Angriffe von Israel und den USA auf den Iran eine weitere Allianz abzeichnen, die von Nordzypern über die Türkei bis zum Kaspischen Meer reicht. Nachdem die Azeris eine der größten Minderheiten im iranischen Staatsgebiet sind, könnte es durchaus sein, dass sich im Vielvölkerstaat Iran eine azerische Sezessionsbewegung entwickelt. Rebellische Azeris würden dann die "Fußsoldaten" stellen, die DT selbst nicht in den Iran schicken möchte - die er aber braucht, um die Macht der Garden zu brechen. Dann wäre der Thread "zerbricht der Iran" aus der Versenkung zu holen. RE: Aserbaidschan (und Türkei) vrs. Iran - Broensen - 08.03.2026 (07.03.2026, 23:28)Kongo Erich schrieb: Nachdem die Azeris eine der größten Minderheiten im iranischen Staatsgebiet sind, könnte es durchaus sein, dass sich im Vielvölkerstaat Iran eine azerische Sezessionsbewegung entwickelt.Wie stehen denn eigentlich Kurden und Azeris im Iran zueinander? Könnten die im Nordwest-Iran eine gemeinsame Front aufbauen, ohne sich gegenseitig zu bekriegen, oder würde das im Zweifelsfall die Türkei unterbinden? RE: Aserbaidschan (und Türkei) vrs. Iran - Kongo Erich - 08.03.2026 Die Türkei würde das sicher unterbinden. Und die beiden Ethnien unterscheiden sich auch in vielerlei Hinsicht: a) ein Kurde ist primär Kurde, egal ob sunnitischen oder schiitischen Glaubens - und damit eher konträr zu einer Theokratie wie im Iran. Der Minderheitenstatus in der Türkei wie auch in den arabischen Ländern - Irak und Syrien - resultiert daher auch im Wesentlichen nicht aus religiösen, sondern aus ethnischen Gründen. Dabei sind die (eigentlichen) Iraner und die Kurden ethnisch eng verwandet. Das führt auch dazu, dass sich viele Kurden (sogar eine Mehrheit der iranischen Kurden, wenn ich das richtig verstanden haben) mit der Regierung in Teheran arrangiert haben; b) die Azeris in Aserbaidschan und im Iran sind Schiiten und daher im Iran auch in die Theokratie integriert. Der letzte Ayatollah, Chameni, müsste sogar selbst Azeri gewesen sein. Viele Azeris sind stolz auf die Zugehörigkeit zur iranisch-schiitischen Religionsgruppe. Allerdings unterscheiden sich die turksprachigen Azeris aufgrund ihrer Sprache deutlich von den indo-arischen Iranern. Es müsste also eine völlige Umkehr der "gefühlten Zugehörigkeit" stattfinden. Bei den Azeris müsste der ethnisch-sprachliche Ansatz wie bei den Kurden die Identität prägen und die religiös-kulturelle Orientierung ersetzen. In Aserbaidschan selbst ist das schon erfolgt. Ich zweifle nicht daran, dass insbesondere die Türkei schon seit Jahren mit modernen Massenmedien daran arbeitet, hier ein "türkisch-turanisches Nationalgefühl" zu entwickeln. Ein solches "Nationalgefühl" steht dann aber auch im Gegensatz zur ethnisch begründeten Identität der Kurden. Das wird perspektivisch also nicht in eine freundschaftlich-kooperative Handlungsweise münden können. Mit einer möglichst hohen Autonomie der iranischen Azeris wäre auch eine "Landverbindung" zwischen der Türkei, der Enklave Nachitschewan und Aserbaidschan selbst möglich. [Bild: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/9/9f/Artsakh_de.svg/3840px-Artsakh_de.svg.png] Karte: Wikipedia Das scheint auch das langfristige Ziel des Sultans zu sein. Und da passt ihm eine starke kurdische Gruppierung in der unmittelbaren Nachbarschaft gar nicht ins Konzept. RE: Aserbaidschan (und Türkei) vrs. Iran - Broensen - 08.03.2026 (08.03.2026, 10:39)Kongo Erich schrieb: die beiden Ethnien unterscheiden sich auch in vielerlei HinsichtSoweit die Grundlagen. Aber nichts davon würde ich als Hindernis dafür erachten, im Falle eines potentiellen Aserbaidschanischen Angriffs auf den Iran, den du ins Spiel gebracht hast, eine friedliche Aufteilung des Nordirans mit den Kurden abzustimmen. Es ging mir nicht um Zusammenschluss, sondern um friedliche Koexistenz bei der Bekämpfung eines gemeinsamen Feinds. Nur dem Sultan würde das nicht schmecken. RE: Aserbaidschan (und Türkei) vs. Iran - Kongo Erich - 08.03.2026 Und genau deshalb würde er das mit allen Mitteln hintertreiben ... wobei mir eine solche Lösung selbst nicht stringend zuwider wäre. Im Gegenteil: ich halte auf Dauer ethnisch-sprachlich gebildete Gemeinschaften - also Ethnizitäten, die sich primär durch die gemeinsame Sprache definieren - als stabilste Grundlage für eine (demokratisch-politische) Selbstverwaltungsorganisation. Da ist die enge Kooperation zwischen Türken und Azeris im Sinne des turknationalen Sultans der nächste zwingende Schritt. Primär religiös begründete Konzepte geraten dagegen in zunehmend säkularen Gesellschaften eindeutig an den Rand ihrer Begründungslegitimation. Insofern sehe ich tatsächlich die Azeris (auch die schiitischen) perspektivisch deutlich näher an der Türkei als am Iran. Damit sind aber auch die iranisch sprechenden Tadjiken, Afghanen und Iraner - und zwar entgegen ihrer primären religiösen Orientierung - perspektivisch eher Kandidaten für eine entsprechende Kooperation. Zumal sich für die Afghanen im Krieg mit Pakistan eine Gegnerschaft zu den USA abzeichnet, die selbst gerade den Iran bombardieren. Und mit den sprachlich und historisch-kulturell zusammen gehörenden Tadjiken kommt die säkulare Strömung dazu, die religiöse Differenzen zwischen den theologisch hoch gebildeten schiitischen Iranern und den sunnitischen Steinzeitislamisten in Afghanistan ausgleichen kann. Vermutlich würde eine historisch-sprachliche Orientierung dann aber auch dazu führen, dass sich die Kurden einem so "religiös neutraleren" "neuen Iran" eher zugehörig fühlen als einem national-türkischen Imperium. Und das dürfte mittel- bis langfristig eine Kooperation zwischen Azeris und Kurden wieder erschweren. Nur noch eine Randbemerkungen aufgrund des weltweiten Vorbildes der EU: (Nur) Wenn dann auch noch eine gemeinsame Kultur, gemeinsame politische Ideale und gemeinsame Interessen - auch wirtschaftlich - dazu kommen, dann ist der freiwillige (!) Zusammenschluss auf höherer Ebene (auch sprachübergreifend) die nächste Stufe einer Integration, die (wie in der EU) dann auch in ein regionales Machtzentrum führen könnte. Zurück zum aktuellen Stand: Der Sultan ist momentan den Israeli in tiefster Abneigung verbunden. Ich kann mir daher nicht vorstellen, dass er es zulassen würde, dass Azeri als "Bodentruppen" auf Seite Israels und der USA in deren aktuellen Konflikt mit dem Iran eingreifen. Der Sultan (übrigens ein religiöser Titel) wird also eher versuchen, eine solche Mobilisierung zu vermeiden, seine (Hilfs-)Truppen aus dem Konflikt heraus halten und Probleme diplomatisch zu lösen. Das schließt nicht aus, dass er bei einer Neuordnung des Iran ein bedeutendes Wörtchen mitreden würde (zumindest würde er es versuchen). Und da ist die Azerische Minderheit im Iran eine gewaltige Trumpfkarte. RE: Aserbaidschan (und Türkei) vs. Iran - Kongo Erich - 09.03.2026 Zitat:... Zitat: ... "... Die Türkei verhält sich im Krieg zwischen Israel, den USA und Iran eigentlich neutral und hat sich lange um eine diplomatische Lösung des Konflikts bemüht ..." formuliert die Tagesschau |