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Ethik und Menschenleben im Leben des Soldaten - Druckversion

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Ethik und Menschenleben im Leben des Soldaten - blasrohr - 18.10.2012

In der heutigen Gesellschaft stoße ich immer wieder auf vollkommen unterschiedliche Ansichten über den Wert von Menschenleben. Ginge es nach den vollmundigen Aussagen vieler Freizeitpazifisten ist das Leben und die Würde des Menschen unantastbar und das Leben eines einzelnen Menschen mit nichts aufzuwiegen. Dass der Verlust von Menschenleben, sei es im Straßenverkehr, auf der Baustelle, im Krankenhaus, im Krisengebiet einen unliebsamen Teil des Lebens darstellt, wird sehr gerne verdrängt. Beim Tod einzelner bekannter Personen werden dagegen dann aber ganze Fußballstadien zur Schweigeminute aufgerufen.

In anderen Teilen unseres Planeten ist dagegen das Leben des Einzelnen keinen Pfifferling wert (Genozide, Sklaverei und Menschenhandel, Terror).

In der Schnittstelle dieser beiden Spannungsfelder stehen die Soldaten, die mit der notwendigen Überzeugung ihren Beruf ausüben müssen und sich dafür aber in aller Öffentlichkeit am besten noch schämen sollen.

Wie ist eure Sichtweise auf die heutzutage herrschenden *ethischen Grundsätze*?

mfg - blasrohr


Re: Ethik und Menschenleben im Leben des Soldaten - Quintus Fabius - 19.10.2012

Alles folgende was ich hier schreibe ist natürlich höchst verfassungswidrig:

Die hier und heute in der Bundesrepublik vorherrschenden Ethischen Grundsätze
in Bezug auf den Wert von Menschenleben sind meiner Überzeugung nach falsch. Sie stellen eine völlig abstruse Überhöhung des Wertes eines Menschenlebens dar, bis dahin, dass der gesamte
dahinter stehende (eigentilch gute) Grundgedanke dadurch konterkariert wird.

Dies zeigt sich insbesondere im Strafrecht in Deutschland, das ein reines Täterrecht
ist, indem um den Täter ein Affentanz veranstaltet wird, während das Opfer völlig
allein und im Stich gelassen wird. Ich will nicht falsch verstanden werden: Menschenleben
sind durchaus viel wert. Aber dieser Wert ist meiner Überzeugung nach nicht immer
gleich, nicht immer gleich viel. Der Wert eines Menschenlebens kann auch geringer sein
oder gar nichts mehr wert sein, das hängt von den Umständen ab.

Der Mensch hat meiner Überzeugung nach kein ! ihm angeborenes Recht auf Leben.
Ein solches Recht kann er nur durch sein Verhalten und Leben haben, und er kann
es auch wieder verwirken. Nur weil ein mensch existiert, heißt das in keinster Weise
dass sein leben irgendeinen Wert hat. Die bloße Existenz rechtfertigt daher meiner
Meinung nach nicht ein Recht auf Leben. Ich bin daher ein überzeugter Anhänger der Todesstrafe für bestimmte Verbrechen.

In Bezug auf militärische Gewalt habe ich keine wirkliche Antwort. Wenn es schon mal
so weit gekommen ist, dann spielen Ethische Überlegungen ohnehin keine Rolle mehr.
Das ist systeminhärent im Krieg. Meiner Meinung nach sollte man daher in Bezug auf Kriege
extrem vorsichtig und zurück haltend sein und zwar so, dass man diese wenn möglich erst
gar nicht anfängt. Wenn man aber im Krieg ist, dann sollten Ethische Bedenken keine Rolle mehr spielen. Dann zählt nur noch der Sieg den man so schnell wie möglich erreichen muß.

Man sollte aber Kriege unter allen Umständen vermeiden. Nur wenn es nicht mehr anders geht,
dann ist ein Krieg notwendig. Nicht gerechtfertigt, ethisch richtig, aber eben notwendig. Und wenn
er wirklich notwendig ist, dann ist er mit allen Mitteln so schnell wie möglich zu beenden.

Was mich immer im Kontext mit Kriegen aufregt, ist die Trennung von Zivilisten, Terroristen
und Soldaten. Das ist eine völlig überholte, unsinnige Teilung. Der Wert des Lebens eines Soldaten
ist im Krieg genau so hoch wie der eines Zivilsiten. Der eines Kindes ebenso wie der eines Mannes
oder eines Soldaten. Im Krieg sollten auch Terroristen nicht anders gesehen werden als Soldaten,
ihre Methode des Kampfes ist in keiner Weise verwerflicher als die eines Soldaten. Und Zivilisten sollten ebenfalls in keinster weise "bessergestellt" sein, umgekehrt aber militärische Gewalt durch
Zivilisten nicht Rechtswidrig sein. Nur weil jemand keine Uniform trägt, ist er kein verbrecher.

Dieses ganze Konstrukt des Illegalen Kombattanten finde ich lächerlich. es gibt keine legalen
und illegalen Kombattanten, es gibt einfach nur Feinde.


Re: Ethik und Menschenleben im Leben des Soldaten - Quintus Fabius - 19.10.2012

Alles folgende was ich hier schreibe ist natürlich höchst verfassungswidrig:

Die hier und heute in der Bundesrepublik vorherrschenden Ethischen Grundsätze
in Bezug auf den Wert von Menschenleben sind meiner Überzeugung nach falsch. Sie stellen eine völlig abstruse Überhöhung des Wertes eines Menschenlebens dar, bis dahin, dass der gesamte
dahinter stehende (eigentilch gute) Grundgedanke dadurch konterkariert wird.

Dies zeigt sich insbesondere im Strafrecht in Deutschland, das ein reines Täterrecht
ist, indem um den Täter ein Affentanz veranstaltet wird, während das Opfer völlig
allein und im Stich gelassen wird. Ich will nicht falsch verstanden werden: Menschenleben
sind durchaus viel wert. Aber dieser Wert ist meiner Überzeugung nach nicht immer
gleich, nicht immer gleich viel. Der Wert eines Menschenlebens kann auch geringer sein
oder gar nichts mehr wert sein, das hängt von den Umständen ab.

Der Mensch hat meiner Überzeugung nach kein ! ihm angeborenes Recht auf Leben.
Ein solches Recht kann er nur durch sein Verhalten und Leben haben, und er kann
es auch wieder verwirken. Nur weil ein mensch existiert, heißt das in keinster Weise
dass sein leben irgendeinen Wert hat. Die bloße Existenz rechtfertigt daher meiner
Meinung nach nicht ein Recht auf Leben. Ich bin daher ein überzeugter Anhänger der Todesstrafe für bestimmte Verbrechen.

In Bezug auf militärische Gewalt habe ich keine wirkliche Antwort. Wenn es schon mal
so weit gekommen ist, dann spielen Ethische Überlegungen ohnehin keine Rolle mehr.
Das ist systeminhärent im Krieg. Meiner Meinung nach sollte man daher in Bezug auf Kriege
extrem vorsichtig und zurück haltend sein und zwar so, dass man diese wenn möglich erst
gar nicht anfängt. Wenn man aber im Krieg ist, dann sollten Ethische Bedenken keine Rolle mehr spielen. Dann zählt nur noch der Sieg den man so schnell wie möglich erreichen muß.

Man sollte aber Kriege unter allen Umständen vermeiden. Nur wenn es nicht mehr anders geht,
dann ist ein Krieg notwendig. Nicht gerechtfertigt, ethisch richtig, aber eben notwendig. Und wenn
er wirklich notwendig ist, dann ist er mit allen Mitteln so schnell wie möglich zu beenden.

Was mich immer im Kontext mit Kriegen aufregt, ist die Trennung von Zivilisten, Terroristen
und Soldaten. Das ist eine völlig überholte, unsinnige Teilung. Der Wert des Lebens eines Soldaten
ist im Krieg genau so hoch wie der eines Zivilsiten. Der eines Kindes ebenso wie der eines Mannes
oder eines Soldaten. Im Krieg sollten auch Terroristen nicht anders gesehen werden als Soldaten,
ihre Methode des Kampfes ist in keiner Weise verwerflicher als die eines Soldaten. Und Zivilisten sollten ebenfalls in keinster weise "bessergestellt" sein, umgekehrt aber militärische Gewalt durch
Zivilisten nicht Rechtswidrig sein. Nur weil jemand keine Uniform trägt, ist er kein verbrecher.

Dieses ganze Konstrukt des Illegalen Kombattanten finde ich lächerlich. es gibt keine legalen
und illegalen Kombattanten, es gibt einfach nur Feinde.


Re: Ethik und Menschenleben im Leben des Soldaten - phantom - 20.10.2012

blasrohr schrieb:Ginge es nach den vollmundigen Aussagen vieler Freizeitpazifisten ist das Leben und die Würde des Menschen unantastbar und das Leben eines einzelnen Menschen mit nichts aufzuwiegen.
Find ich eigentlich auch. Es muss schon gute Gründe geben, damit man Leben bereit ist zu opfern. Man muss sehen, dass selbst einer Fliege ihr eigenes Leben "1000x" wichtiger ist, als das des mächtigsten Menschen auf der Erde. Jedes Individuum ist für sich das Zentrum der Welt, wenn man etwas nicht zum Überleben braucht (isst), sollte man es nicht töten.

Zitat:Beim Tod einzelner bekannter Personen werden dagegen dann aber ganze Fußballstadien zur Schweigeminute aufgerufen.
Das ist eine Folge der Medien, diese Personen werden wichtig in unserem Leben weil wir sie "kennen". Die Menschen und Haustiere die uns am nächsten sind, sind uns am wichtigsten. Dementsprechend auch die Gewichtung ... ein Chinese / der Nachbar 5 Blocks weiter, interessiert mich dagegen eigentlich gar nicht. = Mikrokosmos, aber ich denke das ist auch nicht tragisch, man muss sich nur vor Augen führen, dass es jedem gleich geht und auch jeder Mensch oder Tier sich selbst verwirklichen / leben möchte.

Zitat:In anderen Teilen unseres Planeten ist dagegen das Leben des Einzelnen keinen Pfifferling wert (Genozide, Sklaverei und Menschenhandel, Terror).
Respektlos, denn das sind alles sinnlose Dinge die sich einzelne ausnehmen. Aber auf der anderen Seite betrifft mich das nicht gross, ich stell den Mensch nicht generell übers Tier (Intelligenz Hund zu Fliege ist viel grösser als Hund zu Mensch ... Unterschied vom Hund zum Mensch ist minimal).

Zitat:In der Schnittstelle dieser beiden Spannungsfelder stehen die Soldaten, die mit der notwendigen Überzeugung ihren Beruf ausüben müssen und sich dafür aber in aller Öffentlichkeit am besten noch schämen sollen.
Der Soldat ist für mich ein Polizist im übergeordneten Sinn. Wir haben Grenzen die wir respektieren müssen, sonst wird das Zusammenleben (Anarchie) deutlich schwieriger. Und der Soldat ist die Exekutive auf staatlicher Ebene das was ein Polizist im Alltag unter den Leuten macht.

Zitat:Wie ist eure Sichtweise auf die heutzutage herrschenden *ethischen Grundsätze*?
Ist gut dass es sie gibt. Es ist eine Errungenschaft dass wir nicht tagtäglich um unser Leben fürchten müssen.


Re: Ethik und Menschenleben im Leben des Soldaten - phantom - 20.10.2012

blasrohr schrieb:Ginge es nach den vollmundigen Aussagen vieler Freizeitpazifisten ist das Leben und die Würde des Menschen unantastbar und das Leben eines einzelnen Menschen mit nichts aufzuwiegen.
Find ich eigentlich auch. Es muss schon gute Gründe geben, damit man Leben bereit ist zu opfern. Man muss sehen, dass selbst einer Fliege ihr eigenes Leben "1000x" wichtiger ist, als das des mächtigsten Menschen auf der Erde. Jedes Individuum ist für sich das Zentrum der Welt, wenn man etwas nicht zum Überleben braucht (isst), sollte man es nicht töten.

Zitat:Beim Tod einzelner bekannter Personen werden dagegen dann aber ganze Fußballstadien zur Schweigeminute aufgerufen.
Das ist eine Folge der Medien, diese Personen werden wichtig in unserem Leben weil wir sie "kennen". Die Menschen und Haustiere die uns am nächsten sind, sind uns am wichtigsten. Dementsprechend auch die Gewichtung ... ein Chinese / der Nachbar 5 Blocks weiter, interessiert mich dagegen eigentlich gar nicht. = Mikrokosmos, aber ich denke das ist auch nicht tragisch, man muss sich nur vor Augen führen, dass es jedem gleich geht und auch jeder Mensch oder Tier sich selbst verwirklichen / leben möchte.

Zitat:In anderen Teilen unseres Planeten ist dagegen das Leben des Einzelnen keinen Pfifferling wert (Genozide, Sklaverei und Menschenhandel, Terror).
Respektlos, denn das sind alles sinnlose Dinge die sich einzelne ausnehmen. Aber auf der anderen Seite betrifft mich das nicht gross, ich stell den Mensch nicht generell übers Tier (Intelligenz Hund zu Fliege ist viel grösser als Hund zu Mensch ... Unterschied vom Hund zum Mensch ist minimal).

Zitat:In der Schnittstelle dieser beiden Spannungsfelder stehen die Soldaten, die mit der notwendigen Überzeugung ihren Beruf ausüben müssen und sich dafür aber in aller Öffentlichkeit am besten noch schämen sollen.
Der Soldat ist für mich ein Polizist im übergeordneten Sinn. Wir haben Grenzen die wir respektieren müssen, sonst wird das Zusammenleben (Anarchie) deutlich schwieriger. Und der Soldat ist die Exekutive auf staatlicher Ebene das was ein Polizist im Alltag unter den Leuten macht.

Zitat:Wie ist eure Sichtweise auf die heutzutage herrschenden *ethischen Grundsätze*?
Ist gut dass es sie gibt. Es ist eine Errungenschaft dass wir nicht tagtäglich um unser Leben fürchten müssen.


Re: Ethik und Menschenleben im Leben des Soldaten - phantom - 20.10.2012

Quintus Fabius schrieb:Dies zeigt sich insbesondere im Strafrecht in Deutschland, das ein reines Täterrecht
ist, indem um den Täter ein Affentanz veranstaltet wird, während das Opfer völlig
allein und im Stich gelassen wird. Ich will nicht falsch verstanden werden: Menschenleben
sind durchaus viel wert. Aber dieser Wert ist meiner Überzeugung nach nicht immer
gleich, nicht immer gleich viel. Der Wert eines Menschenlebens kann auch geringer sein
oder gar nichts mehr wert sein, das hängt von den Umständen ab.
Wenn man es aus der Sicht der Welt oder eines Staates sieht, ist der einzelne Mensch nahezu bedeutungslos. Man kann das durchaus mit einer Ameise in einem Ameisenhaufen beschreiben.

Zitat:Der Mensch hat meiner Überzeugung nach kein ! ihm angeborenes Recht auf Leben.
Ich finds gut, dass es so geregelt ist, dass es eine Bedeutung hat. Sonst würden wir uns an jeder Ecke wieder die Köpfe einschlagen. War noch vor nicht allzu langer Zeit der Fall, muss man wahrscheinlich keine 5000 Jahre zurückgehen.

Zitat:Ein solches Recht kann er nur durch sein Verhalten und Leben haben, und er kann
es auch wieder verwirken. Nur weil ein mensch existiert, heißt das in keinster Weise
dass sein leben irgendeinen Wert hat.
Der Umkehrschluss bewirkt aber Anarchie, ich kann Menschenleben das Leben ohne Konsequenz nehmen. Natur pur, der Stärkere überlebt. Kooperation hat uns doch einiges gebracht, wenn wir nicht kooperieren würden, könnten wir nicht reden, schreiben, die ganze Technik wäre ohne Weitergabe von Wissen nicht entstanden.

Zitat:Die bloße Existenz rechtfertigt daher meiner Meinung nach nicht ein Recht auf Leben. Ich bin daher ein überzeugter Anhänger der Todesstrafe für bestimmte Verbrechen.
Denke das ist ein unwichtiges Detail, Strafen sind aber wichtig, sonst würde unsere Gesellschaft nicht funktionieren. Jedes Zusammenleben (Erziehung / auch in de Tierwelt) basiert zu einem Teil auf Strafe.

Zitat:In Bezug auf militärische Gewalt habe ich keine wirkliche Antwort. Wenn es schon mal so weit gekommen ist, dann spielen Ethische Überlegungen ohnehin keine Rolle mehr.
Getötet wird im Krieg, stimmt. Aber man kann zumindest versuchen die Zivilbevölkerung zu schonen und da bin ich auch einverstanden dass das meisten Menschen so sehen.

Zitat:Was mich immer im Kontext mit Kriegen aufregt, ist die Trennung von Zivilisten, Terroristen
und Soldaten. Das ist eine völlig überholte, unsinnige Teilung. Der Wert des Lebens eines Soldaten
ist im Krieg genau so hoch wie der eines Zivilsiten. Der eines Kindes ebenso wie der eines Mannes
oder eines Soldaten.
Da geh ich mit dir einig, ich find die Trennung von schützenswertem (Kind z.B. mehr Wert) auch unsäglich heuchlerisch.

Zitat:Im Krieg sollten auch Terroristen nicht anders gesehen werden als Soldaten, ihre Methode des Kampfes ist in keiner Weise verwerflicher als die eines Soldaten.
Seh ich nicht so. Ich mach dir mal ein Beispiel: Wenn wir gegen einen gemeinsamen Feind kämpfen würden, würde ich als Terrorist dich erschiessen, damit ich unsere Ziele erreiche. Der Terrorist tötet die eigenen Leute damit er zum Ziel kommt. Das ist aus meiner Sicht verwerflich.

Zitat:Und Zivilisten sollten ebenfalls in keinster weise "bessergestellt" sein, umgekehrt aber militärische Gewalt durch Zivilisten nicht Rechtswidrig sein. Nur weil jemand keine Uniform trägt, ist er kein verbrecher.
Seh ich auch nicht ein, ist das so? Ein Partisane kämpft doch für die eigene Sache auch wenn er keine Uniform besitzt. Aber er bekämpft den Gegner und nicht wie der Terrorist die eigenen Leute missbraucht.

Zitat:es gibt keine legalen und illegalen Kombattanten, es gibt einfach nur Feinde.
Nach deiner Definition darfst du natürlich auf alles schiessen, bin ich nicht mit einverstanden.


Re: Ethik und Menschenleben im Leben des Soldaten - phantom - 20.10.2012

Quintus Fabius schrieb:Dies zeigt sich insbesondere im Strafrecht in Deutschland, das ein reines Täterrecht
ist, indem um den Täter ein Affentanz veranstaltet wird, während das Opfer völlig
allein und im Stich gelassen wird. Ich will nicht falsch verstanden werden: Menschenleben
sind durchaus viel wert. Aber dieser Wert ist meiner Überzeugung nach nicht immer
gleich, nicht immer gleich viel. Der Wert eines Menschenlebens kann auch geringer sein
oder gar nichts mehr wert sein, das hängt von den Umständen ab.
Wenn man es aus der Sicht der Welt oder eines Staates sieht, ist der einzelne Mensch nahezu bedeutungslos. Man kann das durchaus mit einer Ameise in einem Ameisenhaufen beschreiben.

Zitat:Der Mensch hat meiner Überzeugung nach kein ! ihm angeborenes Recht auf Leben.
Ich finds gut, dass es so geregelt ist, dass es eine Bedeutung hat. Sonst würden wir uns an jeder Ecke wieder die Köpfe einschlagen. War noch vor nicht allzu langer Zeit der Fall, muss man wahrscheinlich keine 5000 Jahre zurückgehen.

Zitat:Ein solches Recht kann er nur durch sein Verhalten und Leben haben, und er kann
es auch wieder verwirken. Nur weil ein mensch existiert, heißt das in keinster Weise
dass sein leben irgendeinen Wert hat.
Der Umkehrschluss bewirkt aber Anarchie, ich kann Menschenleben das Leben ohne Konsequenz nehmen. Natur pur, der Stärkere überlebt. Kooperation hat uns doch einiges gebracht, wenn wir nicht kooperieren würden, könnten wir nicht reden, schreiben, die ganze Technik wäre ohne Weitergabe von Wissen nicht entstanden.

Zitat:Die bloße Existenz rechtfertigt daher meiner Meinung nach nicht ein Recht auf Leben. Ich bin daher ein überzeugter Anhänger der Todesstrafe für bestimmte Verbrechen.
Denke das ist ein unwichtiges Detail, Strafen sind aber wichtig, sonst würde unsere Gesellschaft nicht funktionieren. Jedes Zusammenleben (Erziehung / auch in de Tierwelt) basiert zu einem Teil auf Strafe.

Zitat:In Bezug auf militärische Gewalt habe ich keine wirkliche Antwort. Wenn es schon mal so weit gekommen ist, dann spielen Ethische Überlegungen ohnehin keine Rolle mehr.
Getötet wird im Krieg, stimmt. Aber man kann zumindest versuchen die Zivilbevölkerung zu schonen und da bin ich auch einverstanden dass das meisten Menschen so sehen.

Zitat:Was mich immer im Kontext mit Kriegen aufregt, ist die Trennung von Zivilisten, Terroristen
und Soldaten. Das ist eine völlig überholte, unsinnige Teilung. Der Wert des Lebens eines Soldaten
ist im Krieg genau so hoch wie der eines Zivilsiten. Der eines Kindes ebenso wie der eines Mannes
oder eines Soldaten.
Da geh ich mit dir einig, ich find die Trennung von schützenswertem (Kind z.B. mehr Wert) auch unsäglich heuchlerisch.

Zitat:Im Krieg sollten auch Terroristen nicht anders gesehen werden als Soldaten, ihre Methode des Kampfes ist in keiner Weise verwerflicher als die eines Soldaten.
Seh ich nicht so. Ich mach dir mal ein Beispiel: Wenn wir gegen einen gemeinsamen Feind kämpfen würden, würde ich als Terrorist dich erschiessen, damit ich unsere Ziele erreiche. Der Terrorist tötet die eigenen Leute damit er zum Ziel kommt. Das ist aus meiner Sicht verwerflich.

Zitat:Und Zivilisten sollten ebenfalls in keinster weise "bessergestellt" sein, umgekehrt aber militärische Gewalt durch Zivilisten nicht Rechtswidrig sein. Nur weil jemand keine Uniform trägt, ist er kein verbrecher.
Seh ich auch nicht ein, ist das so? Ein Partisane kämpft doch für die eigene Sache auch wenn er keine Uniform besitzt. Aber er bekämpft den Gegner und nicht wie der Terrorist die eigenen Leute missbraucht.

Zitat:es gibt keine legalen und illegalen Kombattanten, es gibt einfach nur Feinde.
Nach deiner Definition darfst du natürlich auf alles schiessen, bin ich nicht mit einverstanden.


Re: Ethik und Menschenleben im Leben des Soldaten - blasrohr - 20.10.2012

@phantom

zu ethischen Grundsätzen

Zitat:Ist gut dass es sie gibt. Es ist eine Errungenschaft dass wir nicht tagtäglich um unser Leben fürchten müssen.

und der Alternative dazu

Zitat:Wir haben Grenzen die wir respektieren müssen, sonst wird das Zusammenleben (Anarchie) deutlich schwieriger.

In großen Teilen finde ich deine Aussagen plausibel, aber man darf eins nicht vergessen. Unsere ethischen Grundsätz sind Folge geschichtlicher Erfahrungen, aber auch jetzigen Wohlstandes. Sie sind nicht natürlich, wie so mancher glauben will. Aber ein Abweichen von diesen Prinzipien stellt nicht von allein unser aller Sicherheit in Frage. So etwas gibt es nur in StarWars (dunkle Seite der Macht) und ist nicht überlebensfähig. Es gibt auch kein einheitliche geltendes Prinzip für solche Grundsätze. Jedes Ego bestimmt, verzerrt und instrumentalisiert sie sich selbst.


Re: Ethik und Menschenleben im Leben des Soldaten - blasrohr - 20.10.2012

@phantom

zu ethischen Grundsätzen

Zitat:Ist gut dass es sie gibt. Es ist eine Errungenschaft dass wir nicht tagtäglich um unser Leben fürchten müssen.

und der Alternative dazu

Zitat:Wir haben Grenzen die wir respektieren müssen, sonst wird das Zusammenleben (Anarchie) deutlich schwieriger.

In großen Teilen finde ich deine Aussagen plausibel, aber man darf eins nicht vergessen. Unsere ethischen Grundsätz sind Folge geschichtlicher Erfahrungen, aber auch jetzigen Wohlstandes. Sie sind nicht natürlich, wie so mancher glauben will. Aber ein Abweichen von diesen Prinzipien stellt nicht von allein unser aller Sicherheit in Frage. So etwas gibt es nur in StarWars (dunkle Seite der Macht) und ist nicht überlebensfähig. Es gibt auch kein einheitliche geltendes Prinzip für solche Grundsätze. Jedes Ego bestimmt, verzerrt und instrumentalisiert sie sich selbst.


Re: Ethik und Menschenleben im Leben des Soldaten - phantom - 20.10.2012

blasrohr schrieb:Unsere ethischen Grundsätz sind Folge geschichtlicher Erfahrungen, aber auch jetzigen Wohlstandes. Sie sind nicht natürlich, wie so mancher glauben will.
Sie sind nicht so unnatürlich wie wir zuweilen glauben. In jeder Gesellschaft gibt es ethische Grundsätze, schau mal in ein Wolfsrudel, die haben auch Regeln unter sich ... es ist aber wiederum legitim, einen aussenstehenden Wolf zu töten oder auch aufzunehmen (situationsbedingt wie beim Mensch). Es ist wirklich erstaunlich dass man bei Wölfen/Hunden sehr ähnliche Dinge wie beim Menschen sehen kann. Bei allen höheren in Gruppen lebenden Tieren, sind solche Mechanismen zu sehen. Es gibt Sachen die in der Gemeinschaft erlaubt und nicht erlaubt sind. Und abgestraft wird man auch bei denen.

Zitat:Aber ein Abweichen von diesen Prinzipien stellt nicht von allein unser aller Sicherheit in Frage. So etwas gibt es nur in StarWars (dunkle Seite der Macht) und ist nicht überlebensfähig.
Hab ich nicht mehr so genau im Kopf. Wink Aber zu den beiden Extremen die du von mir zitiert hast: Ich denke dass die Anarchie eben relativ leicht entstehen kann, wenn sich einer nicht oder nur bedingt an die Regeln hält. Wenn man keine Polizei hat, die das ahndet, kommt eben zwangsläufig die Selbstjustiz auf. Deshalb seh ich es nicht so wie Quintus, der hier sich alle Freiheiten im Krieg ausnehmen will. Das bewirkt in den Köpfen der Zvilbevölkerung das Gegenteil von dem was du erreichen möchtest. Man kann den Kampf gegen die Zivielbevölkerung auf einen langen Zeithorizont nicht gewinnen, ergo musst du dich eingermassen anständig verhalten, auch im Krieg. Das ist nicht nur ethisch sinnvoll, es macht auch militärisch Sinn. Es wird dir niemand folgen wenn du im Prinzip für eine gute Sache kämpfst, aber in jedem Dorf 10 Häuser platt machst.

Wir reden hier nicht von einen Vernichtungskrieg, dann wäre es klar, dass der der vor der Vernichtung steht, alle Mittel anwenden muss. Das wäre dann der Fall, wenn ein "sich ergeben" respektive "in Gefangenschaft gehen", keine Option wäre.
Hat man aber die Option sich zu ergeben, seh ich nicht ein, dass ich meine eigenen Landsleute in die Luft sprengen soll (Terrorist). Hoffe du verstehst was ich meine, vielleicht etwas kompliziert geschrieben.

Zitat:Es gibt auch kein einheitliche geltendes Prinzip für solche Grundsätze. Jedes Ego bestimmt, verzerrt und instrumentalisiert sie sich selbst.
Aber nur bis zu einem gewissen Grad kann sich das Individuum das in der Gesellschaft leisten. Ich bin immer wieder erstaunt dass es bei den höheren in Gruppen lebenden Tieren genau gleich wie bei uns abläuft. Alles was sich anders als die Gruppe verhält, wird ausgestossen ... ein sehr typisches Verhalten bei allen Gruppentieren (inkl. Mensch). Ist ein evolutionionärer Faktor der zum Überleben in der Gruppe verhilft.


Re: Ethik und Menschenleben im Leben des Soldaten - phantom - 20.10.2012

blasrohr schrieb:Unsere ethischen Grundsätz sind Folge geschichtlicher Erfahrungen, aber auch jetzigen Wohlstandes. Sie sind nicht natürlich, wie so mancher glauben will.
Sie sind nicht so unnatürlich wie wir zuweilen glauben. In jeder Gesellschaft gibt es ethische Grundsätze, schau mal in ein Wolfsrudel, die haben auch Regeln unter sich ... es ist aber wiederum legitim, einen aussenstehenden Wolf zu töten oder auch aufzunehmen (situationsbedingt wie beim Mensch). Es ist wirklich erstaunlich dass man bei Wölfen/Hunden sehr ähnliche Dinge wie beim Menschen sehen kann. Bei allen höheren in Gruppen lebenden Tieren, sind solche Mechanismen zu sehen. Es gibt Sachen die in der Gemeinschaft erlaubt und nicht erlaubt sind. Und abgestraft wird man auch bei denen.

Zitat:Aber ein Abweichen von diesen Prinzipien stellt nicht von allein unser aller Sicherheit in Frage. So etwas gibt es nur in StarWars (dunkle Seite der Macht) und ist nicht überlebensfähig.
Hab ich nicht mehr so genau im Kopf. Wink Aber zu den beiden Extremen die du von mir zitiert hast: Ich denke dass die Anarchie eben relativ leicht entstehen kann, wenn sich einer nicht oder nur bedingt an die Regeln hält. Wenn man keine Polizei hat, die das ahndet, kommt eben zwangsläufig die Selbstjustiz auf. Deshalb seh ich es nicht so wie Quintus, der hier sich alle Freiheiten im Krieg ausnehmen will. Das bewirkt in den Köpfen der Zvilbevölkerung das Gegenteil von dem was du erreichen möchtest. Man kann den Kampf gegen die Zivielbevölkerung auf einen langen Zeithorizont nicht gewinnen, ergo musst du dich eingermassen anständig verhalten, auch im Krieg. Das ist nicht nur ethisch sinnvoll, es macht auch militärisch Sinn. Es wird dir niemand folgen wenn du im Prinzip für eine gute Sache kämpfst, aber in jedem Dorf 10 Häuser platt machst.

Wir reden hier nicht von einen Vernichtungskrieg, dann wäre es klar, dass der der vor der Vernichtung steht, alle Mittel anwenden muss. Das wäre dann der Fall, wenn ein "sich ergeben" respektive "in Gefangenschaft gehen", keine Option wäre.
Hat man aber die Option sich zu ergeben, seh ich nicht ein, dass ich meine eigenen Landsleute in die Luft sprengen soll (Terrorist). Hoffe du verstehst was ich meine, vielleicht etwas kompliziert geschrieben.

Zitat:Es gibt auch kein einheitliche geltendes Prinzip für solche Grundsätze. Jedes Ego bestimmt, verzerrt und instrumentalisiert sie sich selbst.
Aber nur bis zu einem gewissen Grad kann sich das Individuum das in der Gesellschaft leisten. Ich bin immer wieder erstaunt dass es bei den höheren in Gruppen lebenden Tieren genau gleich wie bei uns abläuft. Alles was sich anders als die Gruppe verhält, wird ausgestossen ... ein sehr typisches Verhalten bei allen Gruppentieren (inkl. Mensch). Ist ein evolutionionärer Faktor der zum Überleben in der Gruppe verhilft.


Re: Ethik und Menschenleben im Leben des Soldaten - Erich - 21.10.2012

blasrohr schrieb:.... Unsere ethischen Grundsätz sind Folge geschichtlicher Erfahrungen, aber auch jetzigen Wohlstandes. Sie sind nicht natürlich, wie so mancher glauben will. Aber ein Abweichen von diesen Prinzipien stellt nicht von allein unser aller Sicherheit in Frage. ....
da kann man anderer Ansicht sein. Es gibt - unter unterschiedlichen Begrifflichkeiten wie "Naturrecht" oder "göttliches Recht" - einen Kanon an Regeln, die weltweit über alle Kulturen hinweg akzeptiert werden.
Zu diesem Wertekanon gehört grundsätzlich auch das "Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit", das sich in fast allen Religionen findet ("Du sollst nicht töten", 2. Mose - Kapitel 20) und das als Menschenrecht auch in unserem Grundgesetz Eingang gefunden hat.

Dieser eine Satz ist Grundlage für eine Vielzahl von Interpretationen und Erläuterungen, Tagungen wie z.B. die internationale Cluster-Tagung über das Tötungsverbot der WWU Münster und und und - ich glaube nicht, dass der Platz im Forum ausreicht, um diese Thematik abschließen zu diskutieren.


Re: Ethik und Menschenleben im Leben des Soldaten - Erich - 21.10.2012

blasrohr schrieb:.... Unsere ethischen Grundsätz sind Folge geschichtlicher Erfahrungen, aber auch jetzigen Wohlstandes. Sie sind nicht natürlich, wie so mancher glauben will. Aber ein Abweichen von diesen Prinzipien stellt nicht von allein unser aller Sicherheit in Frage. ....
da kann man anderer Ansicht sein. Es gibt - unter unterschiedlichen Begrifflichkeiten wie "Naturrecht" oder "göttliches Recht" - einen Kanon an Regeln, die weltweit über alle Kulturen hinweg akzeptiert werden.
Zu diesem Wertekanon gehört grundsätzlich auch das "Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit", das sich in fast allen Religionen findet ("Du sollst nicht töten", 2. Mose - Kapitel 20) und das als Menschenrecht auch in unserem Grundgesetz Eingang gefunden hat.

Dieser eine Satz ist Grundlage für eine Vielzahl von Interpretationen und Erläuterungen, Tagungen wie z.B. die internationale Cluster-Tagung über das Tötungsverbot der WWU Münster und und und - ich glaube nicht, dass der Platz im Forum ausreicht, um diese Thematik abschließen zu diskutieren.