RE: Armenien - Kongo Erich - 10.03.2026
(09.02.2026, 23:59)lime schrieb: ...
Armenien wird abwägen müssen ob dann Rußland oder die USA die bessere Option ist und ob das Risiko besteht ähnlich wie Rojava zu enden. zu Armenien schreibt Jakob Wöllenstein, Leiter des Regionalprogramm Politischer Dialog der Konrad-Adenauer-Stiftung im Südkaukasus, in.n-tv:
Zitat:Armenien schafft das Kunststück, gute Beziehungen zu den USA und zum Iran zu unterhalten. Im Südkaukasus ist es eine Demokratie in zunehmend autoritärer Nachbarschaft. Eine Ausweitung des Kriegs (gegen den Iran) würde das Land hart treffen.
Ein bissiges Meme ging in der vergangenen Woche um in den Sozialen Medien des Südkaukasus. Auf einer animierten Landkarte der Region fügen sich aufeinanderfolgende Explosionen auf Territorien fast aller eingezeichneter Staaten zu einem "Feuerring". Nur in der Mitte, über der Republik Armenien, sitzt entspannt, den Blick ins Nichts schweifen lassend, der armenische Premierminister Nikol Paschinjan und mümmelt mit zwanglosem Unschuldsblick ein landestypisches Peraschki-Brötchen.
Die Darstellung trifft einen Nerv, da Armenien einerseits in der Region heraussticht als Demokratisierungsvorreiter in autoritärer Nachbarschaft, die sich von der einstigen Schutzmacht Russland distanziert und eine Friedensagenda fährt. Doch obwohl Jerewan eine EU-Mitgliedschaft zum langfristigen Ziel erklärt hat und einen engen Draht zur US-Regierung von Präsident Donald Trump pflegt, hat es sich stets um gute Beziehungen zum Iran bemüht.
Armenien befindet sich zwar, mit internationaler Unterstützung, auf einem historischen Weg der Aussöhnung mit den einst verfeindeten Nachbarn Aserbaidschan und Türkei. Aber die Grenzen dorthin sind weiter geschlossen. Der Iran war damit bislang für die Armenier neben Georgien die einzige offene Landgrenze, und auch Teheran legt großen Wert darauf, diese Route nach Norden zu erhalten.
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Durch die Republik Armenien verlaufen zwar noch keine wichtigen transnationalen Pipelines, doch genau das soll sich zeitnah ändern. Und ein geplantes Jahrhundertvorhaben zum Bau neuer Pipelines, Straßen, Schienen und Glasfaserverbindungen lässt schon am Namen erkennen, dass seine Bedeutung über reine Infrastruktur hinausgeht: Die "Trump Route for International Peace and Prosperity", kurz TRIPP.
Im Juni wird in Armenien gewählt
Dieses im August 2025 beim historischen Treffen Paschinjans und Aliyev mit Trump im Weißen Haus aus der Taufe gehobene Projekt ist eng verbunden mit der Regionalagenda für Frieden, Grenzöffnung und Konnektivität. Bei seinem jüngsten Vor-Ort-Besuch stellte US-Vizepräsident JD Vance Investitionen in Aussicht. Doch gebaut werden soll TRIPP von Privatfirmen - und Investoren könnten leicht abgeschreckt werden durch regionale Instabilität.
Die volle geopolitische Dimension des Projekts verdeutlicht der Blick auf die Landkarte. Die neue Route soll zum Großteil durch die Sjunik-Region führen, die langgezogene Südprovinz Armeniens, deren Spitze die Grenze zum Iran bildet, ansonsten aber beiderseits von Aserbaidschan flankiert wird:
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All diese Unwägbarkeiten treffen Armenien in einem Moment erhöhter Verwundbarkeit, vor den richtungsweisenden Parlamentswahlen im Juni. Die Regierung stellt sich zur Wiederwahl, auch und gerade für ihre Positionen von Öffnung, Westkurs und Friedensagenda, steht aber in der Kritik, handfeste Ergebnisse vorweisen zu müssen.
Erst im vergangenen Dezember haben sowohl die EU als auch Deutschland mit Armenien strategische Partnerschaftsabkommen geschlossen. Sollte das Land durch den Iran-Krieg unter massiven Druck geraten, wären die Europäer gefordert zu beweisen, wie viel ihnen dieser strategische Partner innerhalb des regionalen "Feuerrings" wirklich wert ist. Eine solche Belastungsprobe böte aber auch die historische Chance, durch flexible und substanzielle Unterstützung der armenischen Bevölkerung zu signalisieren, auf wen in Krisenzeiten tatsächlich Verlass ist.
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