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RE: VAR - Vereinigte Arabische Emirate - voyageur - 03.09.2025 Wenn die Botschaft der Emirate kein Echo findet, bedeutet dies das Ende der Abraham-Abkommen. OLJ (französisch) Der Politologe Abdulkhaleq Abdulla aus Dubai, nicht-residierender Forscher an der Harvard University, zieht nach den Drohungen Abu Dhabis gegenüber Israel Bilanz. Interview von Noura DOUKHI, 3. September 2025 um 19:14 Uhr [Bild: https://s.lorientlejour.com/storage/attachments/1477/hebron_821294.jpg/r/1200/hebron_821294.jpg] Ein Palästinenser betrachtet die israelischen Flaggen, die über einem Haus gehisst sind, das von israelischen Siedlern in der Altstadt von Hebron im Westjordanland besetzt wurde, am 3. September 2025. Mussa Qawasma/Reuters Die Warnung ist beispiellos. Kurz vor dem fünften Jahrestag der Abraham-Abkommen, die am 15. September 2020 zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) und Israel unterzeichnet wurden, verschärft Abu Dhabi seinen Ton. „Die Annexion (von Gebieten) im Westjordanland wäre eine rote Linie“ für die Golfmonarchie, drohte Lana Nusseibeh, stellvertretende Ministerin für politische Angelegenheiten im Außenministerium der VAE, und warnte sogar, dass die Annexion „den Geist der Abkommen “, die die Beziehungen zwischen den beiden Ländern normalisiert haben. Diese Stellungnahme kommt zu einem Zeitpunkt, da laut mehreren israelischen Quellen die Regierungskoalition kürzlich über diese Frage diskutiert haben soll, als Vergeltungsmaßnahme für die erwartete Anerkennung des Staates Palästina durch mehrere Länder. Eine entsprechende Ankündigung soll auf der Konferenz zur Zwei-Staaten-Lösung erfolgen, die unter dem gemeinsamen Vorsitz des französischen Präsidenten Emmanuel Macron und des saudischen Kronprinzen Mohammad bin Salman (MBS) am 22. September im Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York stattfinden soll. „Von Anfang an haben wir die (Abraham-)Abkommen als ein Mittel betrachtet, um das palästinensische Volk und sein legitimes Streben nach einem unabhängigen Staat weiterhin zu unterstützen. Das war unsere Position im Jahr 2020, und daran hat sich bis heute nichts geändert“, betonte Lana Nusseibeh und forderte die israelische Regierung auf, alle diesbezüglichen Pläne auszusetzen. Der Politologe aus Dubai und nicht-residente Forscher an der Harvard University, Abdulkhaleq Abdulla, der der Regierung nahesteht und die Abraham-Abkommen kritisiert, fasst die Lage zusammen. Inwiefern sind die jüngsten Erklärungen der Vereinigten Arabischen Emirate beispiellos? In den fast fünf Jahren der Beziehungen zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und Israel habe ich noch nie eine direktere und klarere Drohung aus Abu Dhabi gehört als die heutige. Das ist eindeutig die schärfste Sprache, die die Emirate jemals gegenüber Israel verwendet haben. Leider glaube ich nicht, dass sich Israel bedroht fühlen wird. Wir haben es in Israel mit einer sehr arroganten Regierung und einem sehr arroganten Premierminister zu tun. Letzterer ergreift Maßnahmen, die zu nichts führen, und verfolgt vermeintlich grandiose und historische Ideen, die nicht der heutigen Realität entsprechen. Vor dem Hintergrund einer solchen Regierung bin ich mir nicht sicher, ob die Botschaft der Emirate bei ihnen ankommen wird. Glauben Sie, dass die Vereinigten Arabischen Emirate im Falle einer Annexion des Westjordanlandes so weit gehen werden, sich aus den Abraham-Abkommen zurückzuziehen? Wenn die strenge Botschaft der Vereinigten Arabischen Emirate kein Echo findet, wird dies meiner Meinung nach das Ende der fünfjährigen Abraham-Abkommen bedeuten. In Wirklichkeit könnte dies das Ende jeglicher Normalisierung der Beziehungen bedeuten, nicht nur seitens der Vereinigten Arabischen Emirate, sondern auch seitens aller anderen arabischen Länder, die diplomatische Beziehungen zu Israel aufgenommen haben, das dann allein dastehen würde. Lesen Sie auch Die Golfstaaten stehen angesichts einer unausgesprochenen Wiederbesetzung des Gazastreifens mit dem Rücken zur Wand Ich glaube sogar, dass sich die Vereinigten Arabischen Emirate nicht damit begnügen werden, sich aus den Abraham-Abkommen zurückzuziehen: Sie werden ihren Botschafter zurückrufen, ihre Botschaft schließen und die israelische Diplomatie auffordern, nicht mehr zurückzukehren. Sie werden alle Arten von Beziehungen beenden, die sich entwickelt haben, insbesondere in den Bereichen Wirtschaft, Diplomatie, Verteidigung und Aufklärungszweck. All das steht auf dem Spiel. Unabhängig von den Vorteilen dieser Beziehungen auf allen Ebenen können die Vereinigten Arabischen Emirate diese leicht hinter sich lassen, denn die Last, eine Beziehung zu Israel in all ihren Formen aufrechtzuerhalten, während das Land sich anschickt, Gebiete zu annektieren, wird für jedes arabische Land zu schwer zu tragen sein. Das ist es einfach nicht wert. Israel muss dies daher zur Kenntnis nehmen und eine Entscheidung treffen. Entweder es beendet die Annexion oder es trägt die Konsequenzen. Seit Monaten wird die Annexion des Westjordanlands von Mitgliedern der israelischen Regierung offen diskutiert. Warum verschärft Abu Dhabi erst jetzt seinen Ton? Wir beobachten mehrere Dinge vor Ort. Es handelt sich nicht mehr nur um Erklärungen, sondern um eine alarmierende Situation. Wir haben gesehen, wie sich die Annexion langsam, aber sicher abzeichnete. Und genau diese Entwicklungen beobachten die Vereinigten Arabischen Emirate. Die Absicht Israels, das gesamte Westjordanland zu annektieren, ist nicht mehr nur Rhetorik, sondern wird Realität. Lesen Sie auch Westjordanland: Die Bestätigung des E-1-Plans, eine neue Provokation Israels gegenüber der internationalen Gemeinschaft Man muss sehen, dass die Unterstützung für Gaza in erster Linie moralischer und dann politischer Natur ist: Man unterstützt die Bevölkerung von Gaza moralisch, weil dort ein selbstmörderischer Krieg, ein Völkermord stattfindet. Im Westjordanland ist die Frage eher politischer als moralischer Natur. Sie hat direkte Auswirkungen auf die regionale Stabilität. Aus dieser Perspektive und angesichts dessen, was wir derzeit im Westjordanland sehen, ist Israel imperialistisch und völlig außer Kontrolle. Und kein Land, nicht nur die Vereinigten Arabischen Emirate, ist bereit, damit zu leben. Es sendet daher auch eine Botschaft an die Vereinigten Staaten, in der Hoffnung, dass Israel in seine Schranken gewiesen wird. RE: VAR - Vereinigte Arabische Emirate - Kongo Erich - 17.10.2025 Zitat:KI statt Krieg: Fernab vom Nahostkonflikt wollen die Vereinigten Arabischen Emirate zur Technologiemacht werdenso präsentieren sich die Emirate gerne Zitat:...Doch von der Politik im Nahen Osten kann sich das Land nicht ganz befreien. RE: VAR - Vereinigte Arabische Emirate - Kongo Erich - 09.02.2026 Über den Bau- und Immobilienboom in den VAR berichtet das Handelsblatt: Zitat:... RE: VAR - Vereinigte Arabische Emirate - Kongo Erich - 09.03.2026 Der Angriff der USA und Israels auf den Iran macht das ganze Geschäftsmodell der VAR, von Katar und Bahrain zunichte. Solange die Kampfhandlungen andauern, macht die "Verkehrsdrehscheibe" erst einmal Pause. Und das ist keine kurze "Delle". Denn auch danach wäre die Region unsicher - die Kämpfe könnten jederzeit aufflammen. Das führt zu einer enormen Belastung der Golf-Staaten: Iran-Krieg trifft Dubai: Superreiche fliehen aus dem vermeintlich „sicheren Hafen“ (Kopie hier) RE: VAR - Vereinigte Arabische Emirate - Kongo Erich - 10.03.2026 (03.09.2025, 19:55)voyageur schrieb: Wenn die Botschaft der Emirate kein Echo findet, bedeutet dies das Ende der Abraham-Abkommen.....Der kombinierte Israel- /USA-Überfall auf den Iran bringt einiges in's Rollen. Die FR nimmt die Auswirkungen auf die VAR wortgleich in zwei Artikeln auf: Zitat: „Der Golf, der aus dem Iran-Krieg hervorgehen wird, wird ein ganz anderer sein“, schreibt sie für den Thinktank „Atlantic Council“. Ihr zufolge seien die aktuellen Geschehnisse für alle Seiten eine Überraschung und ein unbeabsichtigter Effekt: Die Golfstaaten hätten sich wohl Schutz versprochen durch die USA. Das Gegenteil ist jetzt offenbar eingetreten. Sie spricht von „wahrgenommenen Risiken der Stationierung US-amerikanischer Militärbasen“; anders ausgedrückt, zieht Donald Trump Ärger an mit seiner aggressiven Außenpolitik und seiner permanenten Drohung, seine Verbündeten nach Belieben fallenzulassen.und Zitat: ...Diese Auswahl ist auch und gerade eine Macht- und Trotzreaktion der Iraner gegenüber den USA (und damit auch gegenüber dem lokalen Satelliten). Ich kann mir vorstellen, dass damit das Ende der Gefolgschaft der Golf-Staaten gegenüber den USA beschleunigt wird. Die Emirate (und Katar und Bahrain) haben schon bisher eine ausgleichende Politik gegenüber dem Iran verfolgt, angefangen von der gemeinsamen Ausbeutung von Gasfeldern im Golf und mit der Erkenntnis, beim Export durch die Straße von Hormuz auf das Wohlwollen des Iran angewiesen zu sein - bis hin zu einem tiefen Misstrauen gegenüber den stockkonservativen Wahabiten im übermächtigen Saudi-Arabien. Die relative Freizügigkeit der Golf-Emirate steht in deutlichem Gegensatz zur Lebensführung der Saudis. Die US-Stützpunkte wurden lediglich als "Sicherheitsgarantien" gesehen, sie dienten der Abschreckung vor einem möglichen Angriff. Jetzt zeigt sich, dass alleine die Präsenz von US-Truppen ausreicht, um deren Stützpunkte und zumindest die unmittelbare Umgebung zur Zielscheibe zu machen. Diese Stützpunkte bewirken also genau das Gegenteil von dem, was sich die Golfstaaten bis hinauf nach Kuwait und in den Irak eigentlich erhofft oder erwartet hatten. Damit gehe ich sogar weiter: das kann ich mir nicht nur vorstellen, das wird sogar relativ schnell passieren: Ich meine wirklich - damit beschleunigt sich das Ende der US-Präsenz am Golf. Aber was kommt danach? Alleine werden sich die Golfstaaten kaum im Haifischbecken zwischen den Saudis und dem Iran bewegen wollen. Ich weiß nicht, was oder wer anstelle der USA treten könnte. Hat das Abraham-Abkommen noch eine Chance? Erste Verbindungen zur Türkei im Norden, zu Pakistan und auch zu Indien sind aber auch schon geknüpft. RE: VAR - Vereinigte Arabische Emirate - Kongo Erich - 10.03.2026 Aus dem Newsblog des Handelsblattes: Zitat:10.03.2026 – 18:54 Uhrergänzend: Zitat:Wie gefährlich das Raketen- und Drohnenprogramm ist, bekommen jetzt die Golfstaaten zu spüren. Doch die „Freunde Amerikas“ wollten diesen Krieg nicht. Und auch jetzt versuchen sie, sich herauszuhalten. Dass Trump nicht auf ihre Einwände gehört hat, kann das Vertrauen in die USA nachhaltig beschädigen. Schon jetzt gibt es Kritik. Wer sollte einem Präsidenten vertrauen, auf den man sich nicht verlassen kann? RE: VAR - Vereinigte Arabische Emirate - Kongo Erich - 11.03.2026 Der Überfall auf den Iran bringt Reporter in die Region - und enthüllt damit so manche "dunkle Seite": Zitat:Die Emirate dulden keine Bilder von Auswirkungen des Iran-Kriegs im Land. Der Ton gegenüber Reisenden wird rauer. Eine Regierungs-SMS wurde verschickt. RE: VAR - Vereinigte Arabische Emirate - Schneemann - 12.03.2026 Wir sind leider (wobei das "leider" auch wiederum positiv zu verstehen ist) aus grundlegenden Themen des Kriegsalltages heraus, deswegen schreiben wir auch vorschnell von "dunklen Seiten", wenn wir so etwas lesen, weil wir es falsch oder gar nicht verstehen. Wenn der Gegner einen beschießt mit Flugkörpern, dann sollte man nach Möglichkeit keine Bilder der Wirkung oder Statements zu dieser verbreiten. Denn der Gegner wertet auch diese aus und kann dann daraus Rückschlüsse ziehen, wie seine Trefferlagen und -wirkungen sind. Das ist übrigens nicht neu: 1944, als die Deutschen Großbritannien mit "V-Waffen" (erst V-1, dann V-2) zu beschießen begannen, schwieg sich die normal sehr geschwätzige englische Presse auf direkten Geheiß des War Departments erst mal aus, so dass die Deutschen nur wenige Auswertungen vornehmen konnten. In Zeiten von Smartphone und (a)sozialen Medien ist hier nochmals viel, viel mehr Vorsicht geboten. Insofern handeln die VAE hier mit diesem Ukas eher klug und überlegt, und nicht weil sie "dunkle Seiten" pflegen wollen. Schneemann RE: VAR - Vereinigte Arabische Emirate - Kongo Erich - 12.03.2026 (12.03.2026, 18:16)Schneemann schrieb: Wir sind leider (wobei das "leider" auch wiederum positiv zu verstehen ist) aus grundlegenden Themen des Kriegsalltages heraus, deswegen schreiben wir auch vorschnell von "dunklen Seiten", wenn wir so etwas lesen, weil wir es falsch oder gar nicht verstehen.das ist ein gutes Argument. Für die Emirate und andere Golfstaaten weitet sich der Überfall der Israeli und USA auf den Iran auch zunehmend zu einem Desaster aus. Gestern hieß es noch: Zitat:Trump ermutigt Öltanker zur Durchfahrt der Straße von Hormusund Zitat:„Schiffe sollten etwas Mumm zeigen“: Trump präsentiert seine Lösung für das Öl-Problem
[Bild: https://img-s-msn-com.akamaized.net/tenant/amp/entityid/AA1YtBVh.img?w=768&h=432&m=6]
(Bildquelle:© REUTERS Ausgebrannter Tanker „Safesea Vishnu“ im Persischen Golf) Heute erklären die USA dann dazu: Zitat:Bitten aus Golfregion abgelehnt"Donald der Leibhaftige" zeigt immer deutlicher: a) er hat keinen Plan b) das gleicht er durch Verhaltensstörungen aus RE: VAR - Vereinigte Arabische Emirate - Kongo Erich - 14.03.2026 Haben die USA ihre Vorzugsrolle am Golf verspielt? Die Meldungen über eine strategische Neuorientierung der Golfstaaten mehren sich (hier die Tagesschau). Zitat:Golfstaaten zutiefst von Washington enttäuschtDonald hat sich nicht nur mit seinem Überfall auf den Iran über deren Bedenken hinweg gesetzt. Mit den US-Stützpunkten wurde nicht mehr Sicherheit erreicht, sondern das Gegenteil: diese US-Stützpunkte erweisen sich regelrecht als Magneten für iranische Vergeltungsschläge. Das mühsam aufgebaute Image von der Handels-, Touristik- und Verkehrsdrehscheibe, das wirtschaftlich die fossilen Energien ablösen sollte, gerät massiv ins Wanken. Denn alle drei Branchen vertragen sich überhaupt nicht mit explodierenden Bomben. Die gerade für die Golfstaaten überlebenswichtige Straße von Hormus spielte im US-Plan "keine Rolle". Dabei steht mit der Habshan–Fujairah Pipeline (ADCOP) in den Oman nur ein auf täglich maximal 1,5 Mio. Barrel begrenzter Bypass zur Verfügung. Die USA haben sich als unzuverlässig und chaotisch erwiesen. Die enge Partnerschaft mit den USA bringt die Golfstaaten zugleich in eine Gegnerschaft zu den "US-Erzfeinden", dem Iran. Das steht dem Wunsch auf eine friedliche Wirtschaftsentwicklung entgegen - und gerade die Golfstaaten zwischen Oman und Kuwait haben schon in der Vergangenheit versucht, sich nicht zu sehr vom mächtigen wahabitischen Nachbarn, Saudi-Arabien, vereinnahmen zu lassen - und daher mit dem Iran über den Golf hinweg einen stabilen "kleinen Grenzverkehr" gepflegt. Das "nichtkonfrontative Verhältnis" ist auch weiterhin eines der wichtigsten Ziele ihrer Politik. Die Emirate werden sich wohl zunehmend in Richtung "Indien" orientieren. Da könnte am anderen Ende der Balancierstange dann auch die EU an die Stelle der USA treten. Nicht mit großen Stützpunkten - solche martialischen Machtdemonstrationen sind nicht "EU-Style" -, aber mit intensiven Wirtschaftskontakten und Kooperationen, auch und gerade im Bereich der Verteidigungsindustrie. Ich denke da etwa an die Rafale, die künftig sowohl in Europa, in den VAE und in Indien entscheidende Rollen spielen wird. Die Saudis haben dagegen ihre Fühler schon seit längerer Zeit in Richtung Pakistan und Türkei ausgestreckt. Sie sind über die Öl-Kontakte die eigentlichen Verbündeten der US-Ölmultis. Und damit zugleich der US-Regierungen. Mit Pakistan hat dann auch China einen Fuß in der Tür dieses Gas- und Öl-Förderlandes. Für die Saudis ist die Straße von Hormus nicht überlebenswichtig. Über die East–West Pipeline („Petroline“) können die Saudis bis zu 5 Mio. Barrel am Tag zum Roten Meer umleiten. Das reicht, um für die eigenen Bedürfnisse "über die Runden zu kommen". Die Saudis können sich also eine gepflegte Rivalität mit dem Iran leisten. Ich vermute, wir werden daher in den nächsten Jahren mittelfristig feststellen, dass sich China und die USA vermehrt um Einfluss bei den Saudis bemühen. China wird dabei auch von seinen relativ guten Kontakten in den Iran profitieren, der sich wieder mit Russland im Rücken eines besonderen Partners versichern kann. Auf die Dauer, so scheint es mir, werden die USA ihre bisherige Vorzugsrolle im Nahen Osten verlieren. Auch das dürfte eine der Folgen des Überfalls auf den Iran sein. RE: VAR - Vereinigte Arabische Emirate - Schneemann - 15.03.2026 Ich schätze mal, dass sich das Verhältnis wieder beruhigen wird. Man darf nicht übersehen, dass es zwischen den proamerikanischen Golfanrainern und den USA schon öfters geknirscht und dass man sich danach doch wieder verständigt hatte. Ein Beispiel wäre der 1. Golfkrieg (1980-1988). Die USA waren zunächst recht zögerlich, auf welche Seite sie sich schlagen sollen - das wird heute übrigens gerne übersehen. Mit dem Iran lag man nach der Botschaftsbesetzung in Teheran völlig über Kreuz, aber das Baath-Regime in Bagdad hatte seit den späten 1960ern einen stramm antiwestlichen und prosowjetischen Kurs gefahren (die Baath war ja eine sozialistisch-säkulare Partei). In Washington - gerade unter dem überzeugten Antikommunisten Reagan - galt der Irak als sowjetischer Satellit und man wollte von einer Unterstützung Saddams, dessen Arsenale ja mit Sowjetgerät aufgefüllt waren, eigentlich nichts wissen. Als aufflog, dass die USA im Rahmen der "Iran-Contra-Affäre" den Persern Waffen und Ersatzteile hatten zukommen lassen, um mit dem dafür erhaltenen Geld die Contras in Nicaragua zu unterstützen, gab dies einen Aufschrei bei den Arabern und in den Emiraten, da man dort es als gravierenden Affront, ja beinahe als Verrat, ansah, dass Washington den schiitischen Fanatikern und damit den konfessionellen Gegnern Waffen geliefert hatte. In der Folge drohten die Saudis den USA sogar mit einem Ölboykott (sic!). Um die Wogen wieder zu glätten, beeilte sich Washington mit einem direkten (und damit auch symbolischen) eigenen Eingreifen zum Schutz der Araber im sogenannten Tankerkrieg und initiierte die Operation Earnest Will (Geleitschutzmissionen der US-Marine für Tanker im Golf). Erst danach entspannte sich das Verhältnis wieder. Insofern: Im Vergleich zu früheren Interruptionen sind die jetzigen Nickeligkeiten unbedeutend. Schneemann RE: VAR - Vereinigte Arabische Emirate - Kongo Erich - 15.03.2026 (15.03.2026, 08:32)Schneemann schrieb: ....Da gebe ich zu bedenken, dass früher die Sicherheit der Emirate nie beeinträchtigt war. Das unterscheidet die "klimatischen Spannungen von früher" eindeutig von der jetzigen Situation, in der die Emirate zu einem echten Kriegsschauplatz geworden sind. Das Adjektiv "unbedeutend" würde ich daher im Vergleich eher den früheren Interruptionen zuweisen. Ergänzend: die Blockade der Straße von Hormus - damals wie heute - betrifft nicht nur die Gas- und Ölversorgung (und das weltweit) sondern greift tief in die Industriealisierungsbemühungen, also den auf die Zukunft orientierten Strukturwandel der Emirate ein. Die Industrie der Golfstaaten steckt in einer Sackgasse Zitat: Die Sperrung der Straße von Hormus hat nicht nur die Ölexporte aus der Golfregion hinaus lahmgelegt und die Förderländer gezwungen, auf Pipelines ans Rote Meer *) auszuweichen. Die iranische Drohkulisse verhindert auch Importe, die für die Produktion von Industriegütern in Bahrain, Katar, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) benötigt werden.und dann ein Hinweis auf die seit den früheren Interruptionen deutlich geänderten und gestiegenen Bedürfnisse: Zitat: ...*) wobei ich auch schon darauf hingewiesen hatte, dass die Pipelines zwischen Golf und dem Roten Meer faktisch ausschließlich den Saudischen Bedarf decken. Die anderen Golfstaaten sind davon abgeschnitten. Und es gibt auch keine andere Transportverbindung für Massengüter zwischen diesen beiden Randmeeren. Das wäre in friedlichen Zeiten auch völlig unwirtschaftlich. RE: VAR - Vereinigte Arabische Emirate - Kongo Erich - 15.03.2026 Einen anderen Aspekt der wirtschaftlichen Transformation der VAE nimmt die WELT in den Focus: Zitat:„Ein beispielloser Moment“ – die vermeintlich sicheren Häfen geraten ins Wankenin abstrakten wirtschaftlichen Zahlen betrachtet dürfte diese Auswirkung eher marginal sein - sie trifft aber einen empflindlichen Nerv, ein emotionales Thema der Scheichs und Emire. RE: VAR - Vereinigte Arabische Emirate - Kongo Erich - 17.03.2026 Die Anleger und Investoren in den Emiraten - Kapital ist flüchtig - fürchten nach Einschätzung des Handelsblattes einen längeren Konflikt: Zitat: ...Der Überfall auf den Iran dürfte also den Emiraten nachhaltig wirtschaftlich schaden. RE: VAR - Vereinigte Arabische Emirate - Kongo Erich - 24.03.2026 Je länger die Auseinandersetzungen nach dem Überfall auf den Iran andauern, desto problematischer wird das für die Golfstaaten. Die einstigen Ölstaaten haben sich - so das Handelsblatt - als Logistikdrehkreuze etabliert, als Finanzmetropolen und als Luxusdestinationen für Touristen. Jetzt sind alle Sektoren gleichermaßen bedroht.: Zitat:Die Golfstaaten stehen vor einer Wirtschaftskrise |